Die neunfingerige Klaue I – Lyoschos Geheimnis

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Der Junge Tuljoff war zwar in einem erbärmlichen Zustand, wurde aber von der Fee dankenswerterweise geheilt. Zurück am Turm, der Sohn der Baronin war immer noch bewusstlos, bestand Glawaschanjana darauf, dass er jetzt noch seine Angebetete Firnjascha befreien sollte, um den Schabernack zu Ende zu treiben. Rowin war, im Gegensatz zum Rest der Gruppe, strikt dagegen, den Jungen noch einmal in Gefahr zu bringen, konnte sich aber nicht durchsetzen. Schließlich beendete die Fee jede Diskussion, indem sie einfach alle unsichtbar und lautlos machte.

Tuljoff erwies sich als durchaus mutig. Auch wenn er nicht wusste, was mit ihm geschehen war und trotz des Schabernacks, der ihm, wie damals auch der Gruppe, im Turm wiederfuhr, kämpfte er sich zur oberen Kammer durch. Dort küsste er dann seine Angebetete frei. Er war natürlich nicht schlecht erstaunt, als er die gesamte Gruppe und eine Fee plötzlich neben sich auftauchen sah. Als dann auch noch der Riese Milzenis das Dach vom Turm nahm und sehr erfreut und zufrieden auf das Paar hinab sah, wäre so mancher durchgedreht. Doch der Adelsspross hielt sich tapfer und lies sich nach und nach vom Ritter Ruschjew alles erklären.

Gemeinsam plante man dann die Rückkehr nach Bornstein. Die Fee bot an, einige Zeit in ihrem Reich zu verweilen, doch das schied natürlich aus, da noch wichtige Aufgaben zu erledigen waren. In der Nacht bemerkte Tsaekal während der Wache, dass sich draußen am Wald der dämonische Silberwolf herumtrieb. Für alle keine sehr beruhigende Situation. Auch die Wunden beim Nivesen und beim Thorwaler, die die Werwesen geschlagen hatten, wollten nicht so recht verheilen und sahen nicht gut aus.

Am nächsten Morgen, dem 24. Boron 1022 BF, tauchte Lahalee mit drei elfischen Bogenschützen auf. Der Elf Lindion war, den Göttern sei Dank, nicht dabei. Die Gefährten fragten die Elfen nach einem Heilmittel für die Wolfskrankheit. Lahalee war das Drachenkraut bekannt, dass vor dem ersten Vollmond angewandt, den Prozess stoppen sollte. Volle Mada war am 2. Hesinde, es blieben also noch acht Tage. Aber deswegen waren die Elfen nicht gekommen. Eigentlich wollte Lahalee mit Meister Lyoscho etwas besprechen – unter vier Augen. Als die Fee wieder auftauchte, waren die Elfen fort. Auch sie konnte nichts zur Heilung der Krankheit beitragen, wollte aber nach dem Kraut Ausschau halten, das sehr selten war. Gegebenenfalls würde sie den Gefährten etwas davon vorbei bringen.

Gemeinsam machte man sich dann auf, den Wald zu verlassen. Auch der Riese war mit dabei. Als man den Waldrand erreicht hatte, befragten die Gefährten Milzenis nach Lystramon, und was der Dämonologe an der Quelle des Riesen machte. Das brachte ihn sehr in Rage, führte aber nicht zu weiteren Erkenntnissen. Dann verabschiedete man sich voneinander. Die Gefährten stellten fest, dass sie nicht zurück in Bornstein, sondern nach Gartimpen geleitet worden waren. Also war ein Besuch bei den drei Hexen, den Gartimpener Schwestern, sicher nicht verkehrt. Vielleicht konnten die bei der Wolfskrankheit helfen. Und tatsächlich boten die Frauen an, den Fluch von Tsaekal und Styrvake zu nehmen, wollten dafür aber eine Alveranie. Zufällig wussten sie auch, dass eine in der Riesenburg bei Firunen wachsen soll. Danach machten sie noch für jeden Gefährten eine Prophezeiung, sehr zum Missfallen des Rondra-Geweihten, der das alles für einen Trick des Namenlosen hielt. Außerdem schienen Balthasar und die Hexen eine gemeinsame Bekannte zu haben. Zumindest erkundigte sich der Druide nach seiner Amme, die er wohl suchte. Ihr Name war Nadjescha Jurgavist und sie sollte sich in Jagotin befinden.

Am nächsten Tag kam es auf der Rückreise nach Bornstein nochmal zu einem Eklat. Der Grafenlümmel forderte von der Gruppe, dass sie seine Mutter belügen sollten. Das lehnte man natürlich ab, woraufhin ein Wort das andere gab und Tsaekal, der eher auf Seiten des Jungen stand, die Zwölfgötter als blutrünstig bezeichnete. Daraufhin fing er sich von Rowin eine Backpfeife ein, wofür sich der Rondra-Geweihte zwar später entschuldigte, aber die Konflikte, die schon in Festum begannen, schienen immer noch auf der Gruppe zu Lasten. Im Gasthaus in Bornstein trennte man sich dann irgendwann abends von dem Liebespärchen und dem „Ritter“ Ruschjew und sandte eine Nachricht auf die Burg, um die Dame Mirhiban über die Rückkehr zu benachrichtigen.

Am 26. Boron verließ man Bornstein mit dem Treidelkahn und erreichte am Morgen des 27. die Stadt Firunen. Dort verabredete man sich mit der Baronin von Pervin in zwei bis drei Tagen im Hotel „Haus Festum„. Beim Verlassen der Stadt ritten die Gefährten auf Wunsch des Rondra-Geweihten noch hinauf zur Ruine der Leuenburg. Dort hatte Rowin von den Korsmalbundjüngern geträumt, die eine Geweihte der Rondra mit einem Ritual in ihren Reihen aufnahmen. In den Ruinen war es unheimlich. Man konnte förmlich spüren, dass hier die ruhelosen Geister der Toten umgingen. Tatsächlich fand Tsaekal im hinteren Burghof einige Blutspuren, die darauf hindeuteten, dass die Bilder aus der Vision der Wirklichkeit entsprachen. Und noch etwas nährte den Verdacht der Gruppe. Denn durch einen Zufall wollte eine Rondra-Geweihte aus Firunen, die der Frau aus dem Traum nicht unähnlich sah, just zu dieser Stunde ebenfalls hinauf zur Burg gehen, kehrte aber zur Stadt um, als sie die Gefährten bemerkte. Rowin konnte sie noch am Tor stellen und erfuhr so ihren Namen: Leudara von Firunen, im hiesigen Tempel ansässig. Warum sie zur Burg wollte? Darauf hatte sie nur Ausflüchte zu bieten. Mit ihr würde man sich später befassen, nun galt es erstmal, die Alveranie zu finden und Styrvake und Tsaekal zu heilen.

Nach weiteren zwei Stunden Ritt hatte man die Ruine der Riesenburg erreicht. Eigentlich war die Anlage nur ein bewachsener und recht steiler Hügel, aus dem hier und da ein paar Steinplatten hervorschauten. Der Aufstieg war auch nicht ganz unproblematisch. Rowin glitt einmal aus und war danach sehr zittrig und kaum noch eine Hilfe. Auch für die anderen Gefährten war der Aufstieg strapaziös. Oben angelangt blickte man in eine fünf Meter abfallende Senke, in deren Mitte einige seltsame Monolithen standen. Tsaekal und Styrvake kletterten hinab und sahen bei den Steinen auch die weiße Alveranie, doch noch, bevor sie zu der Blume gelangten, kam dichter Nebel auf. Sechs Elementare brachen aus dem Boden hervor und griffen die Beiden an. Für die restlichen Gefährten war kaum noch etwas zu erkennen, so dicht war der Nebel. Dann schrie der Nivese, als er von einem Magmaelementar angezündet wurde. Meister Lyoscho erhob seine Stimme über den Lärm und sprach einen Zauber. Schlagartig wurde der Nebel zurück gedrängt und verschwand. Balthasar eilte zum Nivesen und heilte ihn mit seiner Magie. Doch obwohl sich seine Wunden schlossen war Tsaekal bleich und starrte mit weit aufgerissenen Augen hinauf zu Meister Lyoscho. Hatte er sich das nur eingebildet oder hatte er im Nebel dort oben eben noch die Silhouette eines fünfgehörnten Dämons gesehen?

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