Riesige Liebe II – Holzarbeiten

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Noch in der Nacht verließen Lahalee und Lindion das Lager der Gruppe. Balthasar fiel daraufhin ein, dass er bei seiner raschen Reise Fenew im Wald zurückgelassen hatte. Beide waren morgens gemeinsam aufgebrochen, aber als der Druide spürte, dass seine Gefährten in Gefahr schwebten, hatte er sein Tempo forciert, so dass der Norbarde nicht mithalten konnte. Also wurde das Lager abgebrochen und der Gefährte gesucht. Klugerweise hatte Fenew angehalten und auf die Rückkehr des Druiden gewartet.

Am nächsten Morgen, dem 22. Boron 1022 BF, folgte die Gruppe nach kurzer Diskussion der Spur des Riesen. Am Mittag erzitterte dann der Boden und man sah Milzenis zwischen den Bäumen auftauchen. Balthasar schlug sich in die Büsche mit den Worten: „Ich kümmere mich darum!“ Kurz darauf gab es ein Aufblitzen, der Riese knurrte verärgert und sprang mit einem schnellen Satz zur Seite. Seine gewaltige Pranke fuhr herab, jemand gab einen erstickten Schrei von sich, dann machte Milzenis kehrt und ging zurück nach Norden. In seiner Hand hielt er dabei etwas fest umklammert. Balthasar? Jetzt war es um so wichtiger, rasch herauszufinden, wohin das Monster die Entführten brachte. Auf ihrem Weg traf die Gruppe dann auf einen seltsamen Pilzhain. In ihm schwebten ein Paar Pixies und zwei bunt schimmernde Schmetterlinge. Lyoscho, Styrvake und Tsaekal schienen von ihnen wie magisch angezogen und traten in den Kreis. Während der Magier und der Thorwaler rasch zur Besinnung kamen, war es bei Tsaekal nur dem beherzten Eingreifen des Rondra-Geweihten zu verdanken, dass der Nivese nicht in das Reich der Feen überwechselte. Kurz bevor er im Zentrum des Pilzkreises ganz verschwand, gelang es Rowin, ihn aus dem Hain zu zerren.

Am Nachmittag erreichte die Gruppe dann einen alten Turm mit einem Spitzdach oben auf. Durch den Schnee waren die Riesenspuren bis zu ihm zu verfolgen. Dann sah es so aus, als wäre Milzenis kurz stehengeblieben und hätte etwas in dem Turm platziert, um dann weiter in dem Wald zu verschwinden. Hatte er dazu etwa das Dach abgenommen? Eine Freitreppe führte zur Tür des Turms hinauf. Diese war verschlossen. Aber als Rowin und Lyoscho sich daran zu schaffen machten, hörte man von innen eine Frauenstimme, die immer wieder darauf hinwies, man möge doch etwas freundlicher sein, wenn man Einlass begehrte. Hierbei handelte es sich eindeutig um Zauberwerk. Dem Magier gelang es schließlich, durch das Vortragen einer ausgesprochen höflichen Bitte, die Tür zu öffnen. Drinnen lag der Staub der Jahrhunderte. Im Eingangsbereich war eine kleine Lesestube, in der einige Bücher waren. Außerdem lag auf dem Tisch ein Totenschädel, der plötzlich mit der gleichen Frauenstimme zu sprechen begann. Er faselte etwas von der Liebe und wie Allumfassen sie sei. Der Schädel gab sich als die Überreste der Thila von Eberskoje aus, die man geköpft hatte, weil sie sich einem Adelsspross unsittlich hingegeben hatte.

Aber nicht nur der Schädel im Turm war seltsam. Überall gab es Magie, die Schabernack mit der Gruppe trieb. So wurden die Gefährten gezwickt und geschubst, hatten das Gefühl einer kalten Hand, die sie berührte, und standen auf einem Teppich, der wie von Geisterhand unter ihnen weggezogen wurde. In der oberen Turmkammer kam man dem Rätsel dann auf der Spur. In einem Himmelbett lag, aufreizend schön, die Magd Firnjascha in tiefem Schlaf versunken. Als Meister Lyoscho murmelte: „Vielleicht muss man sie wachküssen?“, huschte Tsaekal schnell an ihm vorbei und hatte die Frau schon besprungen, bevor irgendjemand eingreifen konnte. Leider zeigte das keinerlei Erfolg. Plötzlich hob sich das Dach. Milzenis war eingetroffen. Alle erstarrten vor Angst. Doch der Riese beachtete die Gefährten gar nicht, denn in dem Raum war eine weitere Gestalt aufgetaucht. Eine Frau von kindlicher Größe mit Schmetterlingsflügeln auf dem Rücken. Eine echte Fee, mit Namen Glawaschanjana, die sich auch sogleich mit dem Riesen stritt. Worum es dabei ging, war nicht zu verstehen. Unwillig brummend setzte Milzenis dann irgendwann das Dach wieder auf den Turm und verschwand. Alle starrten die Fee an.

Im Gespräch erfuhren die Gefährten schließlich, dass der Riese ein Spiel mit dem Grafensohn Tuljoff und der Magd Firnjascha getrieben hatte. Er wollte so wohl testen, wie sehr der Junge das Mädchen liebte, indem er sie entführte und gemeinsam mit der Fee hier in dem Turm ihm einige Probleme bereitete, die es galt zu überwinden, bevor Tuljoff seine Firnjascha schließlich wach küssen sollte. Leider schien die Sache schief gegangen zu sein, denn die drei Schrate waren aufgetaucht und hatten sich eingemischt. Aus den Büchern, die man im Turm fand, wurde schnell klar, dass es sich dabei wohl um drei Diebe handelte, die damals von einem Magier, Ljasew vom Bornwaldturm, zur Bestrafung mit Hilfe der Fee in Schrate verwandelt worden waren. Eigentlich sollte die Bestrafung nach einem Jahr mit einem Gegenmittel rückgängig gemacht werden, doch leider verstarb der Zauberer in der Zwischenzeit. So blieben die Diebe Bäume und lebten all die Jahre, über zweihundertfünfzig mittlerweile, im Bornwald.

Eine Durchsuchung der restlichen Turmräume führte auch das Rezept der Tinktur zutage und den schlafenden Balthasar, der auch von Milzenis hier abgelegt worden war. Der Druide sollte erst erwachen, wenn auch die Magd wachgeküsst worden war. Es stellte sich außerdem heraus, dass der Turm ursprünglich von Urnislaw von Uspiaunen errichtet war. Lyoscho fand einige hochinteressante Schriften. Außerdem nahm Fenew im Keller einen Ring aus einem grünlich glänzenden Metall an sich und setzte ihn auf. Dadurch schien er eine emotionale Bindung zu der Fee einzugehen. In jedem Fall konnte er damit ihre Sprache plötzlich sprechen. Eine Fähigkeit, die sich als durchaus hilfreich erweisen sollte.

So verstrich die Nacht und der nächste Tag brach an. Die Fee machte sich auf den Weg herauszubekommen, wo die Schrate waren. Außerdem half sie, einige Ingredienzien für das Gegenmittel zu besorgen. Meister Lyoscho machte sich dann ans Werk und erstellte die Tinktur. Damit ausgerüstet brach die Gruppe gegen Mittag auf. Nach einem längeren Fußmarsch erreichte man schließlich eine Lichtung, wo man die drei Schrate, eine Eiche, eine Tanne und eine Birke, sah, außerdem auch den Gefangenen Tuljoff. Rowin schritt offen auf die Baumwesen zu und bot im Tausch gegen den Jungen das Gegenmittel an. Nach kurzer Beratung willigten die Bäume ein. Meister Lyosche benetzte daraufhin zuerst die Augenlieder der Tanne. Nach einem Moment begann der Baum sich wirklich zurück zu verwandeln, doch dann alterte der menschliche Körper des Diebes rapide, und nach wenigen Momenten war er verstorben. Wutschnauben griff die Eiche an, während die Birke ihr Heil in der Flucht suchte. In einem kurzen und heftigen Gefecht wurde der Schrat gefällt.

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