Jenseits der Kälte III – Das eisige Grab

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Nach dem Gespräch mit der Wildhüterin Firunja kehrten Rowin, Lyoscho, Styrvake, Fenew, Balthasar und Tsaekal beim Bronnjaren zum Abendessen ein. Zunächst sprach man, im Beisein der Frau und den Kindern, über dieses und jenes. Als der Abend schon fortgeschritten war, berichtete der Rondra-Geweihten dem Herrn von Borjag von dem Überfall der Chimären. Sofort überkam diesen eine wilde Entschlossenheit. Er wollte direkt aufbrechen, um der Angelegenheit auf den Grund zu gehen. So gerade konnten die Gefährten ihn dazu bewegen, erst morgen, und dann gemeinsam unter der Führung der Jägerin aufzubrechen. In der Nacht plagten Lyoscho Albträume. Immer und immer wieder musste er die schmerzhafte Verwandlung in eines der abstrusen Chimären durchmachen.

Am 23. Travia 1021 BF, also dem besagten nächsten Morgen, war der Bronnjaren-Lump natürlich schon früh und ohne die Gruppe aufgebrochen. Nach einem kurzen Bericht an seine Frau und der Feststellung, dass auch die Hütte von Firunja leer war, machten sich Rowin und die Anderen unter Tsaekals Führung auf den Weg. Das erste Ziel war der Hof vom alten Grimow Walroder. Gerüchte in Borjag besagten, dass dort in der Nacht etwas vorgefallen sein sollte. Aufgeregt kam der Knecht der Gruppe entgegen und erzählte, dass sie alle am fortgeschrittenen Abend von einem Knall wach geworden waren. Als sie dann nach draußen stürzten, wurden sie von einem grellen Licht für einen Moment geblendet. Als sie wieder sehen konnten, war der alte Grimow fort. Niemand hatte sonst etwas bemerkt. Nur die Kette zur Scheune war aufgeplatzt und verbrannt.

Sofort machte sich Tsaekal an die Spurensuche. Er fand welche vom Dorf fortführend, die jemanden in leichten Stiefeln zeigten und bei sich einen Elch oder etwas in der Art, der schwer beladen wirkte. Das passte zu dem seltsamen Flugwesen, das der Nivese gestern am Himmel gesehen hatte, einen gehörnten Elch mir weißen Schwanenflügeln. Die Gefährten folgten der Spur. Schon bald stießen sie im Wald auf Goblins. Diese waren nicht zu vergleichen mit denen aus Festum. Sie waren viel verdreckter und wilder als ihre städtischen Kollegen. Dennoch konnte Meister Lyoscho damit punkten, dass er ihre Sprache sprach und so Vertrauen aufbauen. Schließlich waren die Rotpelze davon überzeugt, dass von der Gruppe keine unmittelbare Gefahr ausging. Mit gezogenen Waffen führten sie die Gefährten zunächst zum Firun-Schrein. Dort fand Tsaekal auch Spuren des Bronnjaren und der Jägerin, doch denen folgte man nicht sondern ließ sich von den Goblins in ihr Dorf bringen. Die Kreaturen lebten in den südöstlichen Hügeln in primitiven Katen und Erdlöchern. Als Erstes sah man einen Schweinetrog und wie dort ein toter Goblin kleingeschnitten an die Tiere verfüttert wurde. Styrvake kam es hoch, und man merkte dem Thorwaler deutlich an, dass er sich mehr und mehr aufregte.

Die Rotpelze führten dann alle zu der Schamanin Myrma Urgui, die in einem Erdloch hauste und eine Bouillabaisse aus Kadaverresten, inklusive ganzen Augen, kochte. Nur Lyoscho und Tsaekal waren tapfer genug, von diesem Gemisch zu probieren. Das Gekochte hatte eine berauschende Wirkung. Myrma Urgui fragte daraufhin die Gefährten aus, und der Magier berichtete später, dass er unter dem Einfluss der Suppe gezwungen war, die Wahrheit zu sagen. Zumindest schienen die Goblins danach beruhigt und gaben der Gruppe einen Führer mit nach Norden, der sie zu den verfluchten Höhlen bringen sollte. Vor zwei Tagen war dem Stamm nämlich einer seiner Krieger, ein Goblin namens Frek, abhandengekommen. Die Gefährten versprachen, ihn wenn möglich zu retten.

Es dämmerte schon, als der Führer die Gruppe an den Rand der nördlichen Hügelkette gebracht hatte. Dort trennte er sich furchtsam von ihnen und kehrte zum Stamm zurück. Ein Pfad führt weiter ins Hügelland. Nach einem Moment trafen die Gefährten auf einen Wegweiser mit zwergischen Runen, den aber niemand lesen konnte. Als die Nacht schon fast vollständig hereingebrochen war, fand die Gruppe die erste Höhle. Ein Abstieg führte in eine Kaverne mit einem zugefrorenen See. Es war bitterkalt. Unnatürlich kalt. Bei dem See stand ein Ritter, eingefroren in einem Block aus Eis. Eine schnelle Analyse von Meister Lyoscho ergab, dass der See aber auch der Mann von Magie umgeben waren. Es war sogar gut möglich, dass der Eingefrorene noch am Leben war. Anhand der Wappen und Abzeichen konnte man sehen, dass es sich um einen hochrangigen Militär der Theaterritter gehandelt haben musste.

Da niemandem eine Möglichkeit einfiel, den Ritter aus seinem kalten Gefängnis zu befreien, wollten die Gefährten weiter ziehen. Draußen war es mittlerweile dunkel geworden, und in der Nacht war Bodennebel aufgezogen. Überall in den Hügeln sah man plötzlich geisterhafte Gestalten. Ritter mit dem Wappen der Theaterritter oder auch der Klaue Kors. Dazwischen umhergehend hünenhafte Männer, die in ihrer Wildheit an Trollzacker oder Gjalskerländer erinnerten. Rowin zog seinen geheiligten Rondrakamm und schritt vorsichtig aus der Höhle. Sofort wandten die Geister sich ihm zu und kamen mit boshaft leuchtenden Augen näher. Erst als er wieder zurückging, ließen sie so schnell von ihm ab, wie sie auf ihn aufmerksam geworden waren. Es schien, als wäre die Gruppe für die Nacht in einem eisigen Grab gefangen.

 

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