Im Bann des Eichenkönigs – Teil 1

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23. Travia

Als wir morgens durch die Straßen schlendern, sieht Karakal in der Auslage eines fahrenden Händlers einen auffälligen Dolch mit einem Bernsteinknopf, der ihm bekannt vorkommt. Der aufwendig gearbeitet Bernstein wurde halbiert und es wurden zwei passende Dolche mit jeweils einer Hälfte gefertigt. Wie Karakal uns später berichtet, hat er einen solchen Dolch von seinem Bruder zum Geschenk bekommen und sein Bruder führt für gewöhnlich das Gegenstück bei sich. Karakal spricht den Händler mit Namen Cassius an und ersteht den Dolch. Er sieht tatsächlich seinem eigenen Dolch sehr ähnlich. Karakal ist daraufhin verständlicherweise besorgt um das Wohlergehen seines Bruders. Sein Bruder ist Knappe bei Adomar Yaquirblick-Chipolya von Dreiseenbroich, einst Ritter aus dem Horasreich. Der Herr Adomar ist andergastischer Freiherr von Dreiseenbroich, stammt aber aus dem Horasreich und dürfte damals zum Gefolge des Königs Efferdan gehört haben, als dieser nach Andergast kam.

Cassius sebst hat den Dolch erst vor einer Stunde von einem Jungen mit Hasenscharte gekauft, dessen Spur ins Badehaus führt. Kurzerhand eilen wir dem Jungen hinterher in Dittlindes Badehaus und nehmen ebenfalls ein Bad in einem der Zuber. Tatsächlich finden wir den hasenschartigen Jungen, der sich mit Reidri vorstellt. Es scheint sichtlich zufrieden über seine Verkäufe zu sein, denn er gönnt sich gutes Essen und eine Massage. Wir schätzen ihn auf etwa 20 Sommer.

Karakal erzählt von seinem Dolch und Reidri gibt unumwunden zu, genau diesen Dolch verkauft zu haben. Er hat auch noch weitere Stücke im Auftrag einer Familie Dergelfels verkauft, mit denen er seit einiger Zeit durch die Landen zieht. Die Dergelfelses sollen Händler aus Wehrheim sein. Karakal will sie kennen lernen, um mehr über die Herkunft des Dolches zu erfahren und Reidri nennt uns das Gasthaus, in dem seine Auftraggeber nächtigen: Zum Trog. Wir glauben nicht, dass diese Information falsch ist, denn Reidri macht einen eher schlichten, einfältigen Eindruck.

Derweil bekommt Agrawan im Ochsen und Einhorn eine persönliche Einladung des Königs Efferdan zum Abendessen in der Burg, zu dem auch wir anderen eingeladen sind. Naramis muss sich leider für eine längere Zeit in die Akademie zurückziehen, um seinen dortigen Verpflichtungen Genüge zu tun. Ich hörte “zufällig“ bei einem Gespräch zwischen ihm und einem anderen telor, dass er mehr Geld ausgab, als er hatte. Ich verstehe nicht wie so etwas vonstatten gehen soll. Wie kann man etwas weggeben, was man gar nicht hat? So etwas nennen die Menschen “Schulden haben“… Naramis wird uns vor dem Winter zur Burg Dragenstein begleiten. Vielleicht finde ich dann mehr darüber heraus.

Nachdem wir Agrawan im Gasthaus abgeholt haben, eilen wir zur Gaststätte Zum Trog, um die Dergelfelses vielleicht noch abfangen zu können. Das Gasthaus am NW-Tor macht einen schmierigen Eindruck. Dies ist eindeutige nicht die beste Gegend der Stadt!

Der Wirt mittleren Alter, Anbold, kennt den Namen Dergelfels nicht, kennt aber Reidri und seinen Mitreisenden. Offenkundig machen sich die Gesuchten die Einfältigkeit Reidris zu nutzen und geben ihm gegenüber einen falschen Namen an. Wir trinken einige Krüge zusammen am Tresen und der nun freundlich gestimmte Wirt erzählt uns etwas mehr zu dieser merkwürdigen Reisegesellschaft. Es handelt sich um fünft Personen, die Reidri offensichtlich als Helfershelfer angeheuert haben. Die Gruppe besteht aus:

Dem Weibel, einem alten Mann

Dem langen Stiepen, einem dürren Mann

Einem Schönling

Einer hübschen, rothaarigen, jungen Frau

Einem Zauberer mit Namen Magister Pompilius

Während Latu und Xargrosch in der Kneipe verweilen, besuchen wir anderen den Rondra-Tempel und sprechen mit dem Knappen Holmar Birgelbaum über die Bedrohnung durch die Orks. Auch dass die filagra gerüchteweise auf dem Land der von Billingens gesichtet wurden, kommt zur Sprache.

Als Reidri wenig später den Trog betritt, bereitet es meinen trinkfesten Freunden Xargrosch und Latu keine Schwierigkeiten, ihn tunkend zu machen und auszufragen. Sie können folgendes in Erfahrung bringen:

Der Weibel ist zum Hafen gegangen, um “einen Holzfisch zu angeln“.

Die hübsche Frau, Nelle, will einen “Amtsschimmel von der Kette lassen“.

Der lange Stiepen ging die “Gänse rupfen“.

Magister Pompilius machte sich auf den Weg zur Akademie.

Der feine Burghart wollte “Feuer an die Hunde legen“.

Die Wertsachen sind wahrscheinlich Diebesgut, welches die Gruppe von Banditen (einer davon soll ein Elf sein!) in der Nähe des Turansees bekommen hat.

Diese Reisegruppe spricht also im Gegenwart der einfachen Jungen verklausuliert, damit er nicht zu viel verraten kann. Wenn diese Leute nichts zu verbergen haben, dann ist Pyrdacor immer noch Gottdrache aller Elfen!

Reidri ist mittlerweile so betrunken, dass er wild drauf los plappert: Er will sich von der Gruppe lösen und fragt gar, ob wir ihn mitnehmen könnten! Während Xargrosch ihn vertröstet, durchsucht Latu die Zimmer der Gruppe, findet aber außer normalem Reisegepäck nichts ungewöhnliches. Die beiden bringen den Jungen daraufhin auf seinem Zimmer, wo er sofort einschläft.

Im Ochsen berichten uns unsere Freunde die höchst interessanten Neuigkeiten und schon bald ist es an der Zeit, das Abendessen auf der Burg zu genießen. Xargrosch und Latu nehmen allerdings nicht teil, da auch sie schon recht berauscht sind.

Zu den Gästen des Abendessens zählt leider auch Gwinnling von Borkenquell, der mich nach wie vor feindselig mustert, aber sehr zu unserer Überraschung nicht wie üblich in Überzahl mit seinen Getreuen auftritt, sondern der einzige Gast aus dem Gefolge des Prinzen Wendelmir ist. Plant der Prinz eine weitere Niederträchtigkeit und kann daher nicht an der Tafel teilnehmen? Oder weilt er gar außerhalb der Hauptstadt?

Natürlich sitze ich nicht im Zentrum des Geschehens nahe beim König, sondern recht weit am Rande der Tafel. Dies stört mich aber nicht, da das Essen sehr gut ist (eine willkommene Abwechslung im eher eichel-basierten Speiseplan der Andergaster) und ich auch aus der Entfernung alle Gespräche belauschen kann. Offenbar unterschätzen die Rosenohren noch immer meine feinen Sinne…

Der König reagiert überrascht auf die Nachricht von Agrawan, die Orks hätten landestypische Rüstungen getragen. Etwas später dreht sich das Gespräch um das bedeutende Lehen der Dragensteiner. Wer auch immer Leaja von Dragenstein heiraten wird, wird der neue Freiherr von Dragenstein werden. Ich war bisher davon ausgegangen, dass mein Freund Karakal hier gute Chancen haben würde, aber nun müssen wir erfahren, dass ausgerechnet Gwinnling von Borkenquell sich anschickt, die Burg zu besuchen, um Leaja seine Aufwartung zu machen. Nundenn, mit unserer Hilfe wird Karakal den Hakennasigen schon in seine Schranken weisen können…

Während wir speisen, können Latu und Xargrosch am Hafen des Ingval, der bis Andergast schiffbar ist, den Weibel am Gasthaus Zur Sonne zur Rede stellen. Er bestätigt, dass die Gruppe den Dolch, der sich einst im Besitz von Karakals Bruder befunden hat, in der Nähe des Turan-Sees von einem Elfen namens Alandur gekauft hat. Alandur hat schon längere Zeit mit der Gruppe Geschäfte gemacht, wollte nun aber weiterziehen. Der Weibel beschreibt den Elfen als “nicht alt“, aber mit weißen Haaren. Für einen jungen Elfen sind weiße Haare sehr ungewöhnlich. Meinte er graue oder silberweiße Haare?

Auf dem Weg ins Gerberviertel kommen die beiden am Marktplatz vorbei, an dem sich auch das Gildenhaus des roten Salamander befindet. Durch Zufall sehen sie einen Magier (Magister Pompilius ?), der offensichtlich Geschäfte privater Natur dort getätigt hat, nun aber das Gebäude verlässt. Eine Verfolgung des Mannes bleibt leider erfolglos und meine Freunde treffen sich am Trog wieder.

Sie verstecken sich und warten eine Zeit lang, und tatsächlich wird Ihre Mühe belohnt, denn der Weibel und der Zauberer eilen ins Gasthaus, packen alle Gepäckstücke der Gruppe zusammen und verlassen hastig die Gegend. Latu folgt ihnen.

Xargrosch erkundigt sich nach dem Jungen Reidri, der übel zusammen geschlagen wurde, weil er uns offensichtlich zu viel erzählt hat.

Latu kann beobachten, wie die beiden Verdächtigen den langen Stiepen einsammeln und im Gerberviertel in die Gaststube Gerberstube einkehren.

Wenig später treffen wir uns alle im Ochsen und diskutieren das weitere Vorgehen und besonders den mysteriösen Elfen. Er muss den Pfad des badoc wahrlich schon weit beschritten haben!

Im Laufe des Abends können wir herausfinden, dass die Gruppe nirgendwo etwas gestohlen hat. Zu später Stunde finden wir eine Spur der rothaarigen Frau Nelle, die sich im Ratskeller mit der Familie Wengelin getroffen haben soll, wie uns der Wirt Ungolf berichtet. Der Mann soll ein geschickter Gerbermeister sein. Zuvor hat Nella offenbar versucht, den alten Meister Buhumislaus zu betören, was dieser aber ablehnte. Ist er der “Amtsschimmel”?

Ganz offensichtlich führt diese zusammengewürfelte Gruppe einiges im Schilde, was aber über profanen Diebstahl weit hinaus geht. Wir sollten sie weiterhin gut im Auge behalten, wenn wir eine Spur von Karakals Bruder finden wollen…

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Latu

Danke einmal mehr für die Arbeit des Chronisten!

thd

“Adomar von Yaquirblick-Cipolya” heißt es richtig, ich habe die Namen aber alle nicht korrigiert, weil im Prinzip ja wichtig ist, dass jeder weiß, wer gemeint ist. Aber wenn es dich interessiert, hier die korrekten Namen: Adomar von Yaquirblick-Cipolya, Raidri, Dergelfeld, Arnbold, Langer Stipen, Feiner Burkhardt, Meister Bohumislaus, Thuran-See.

thd

Wiedermal eine Freude, die Zusammenfassung zu lesen. Hier ein paar Kleinigkeiten zur Korrektur:
– Der Bernstein an den Dolchen befindet sich am Knauf und ist jeweils die Hälfte eines Steins.
– Der Herr Adomar ist andergastischer Freiherr von Dreiseenbroich, stammt aber aus dem Horasreich und dürfte damals zum Gefolge des Königs Efferdan gehört haben, als dieser nach Andergast kam.

Vor allem die Situation um das Erbe von Burg Dragenstein ist sehr gut zusammengefasst!