Gen Norden I – Prolog

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„Kommt her, meine Kinder, kommt her und hört euch an, was der alte Tjalf euch zu erzählen hat“, sprach der alte, tattrige Greis, den alle nur unter den Namen Tjalf kannten. Auch wenn er ein sonderbarer Geselle war, wurde seine Anwesenheit aufgrund der Geschichten, die er zu erzählen hatte sehr geschätzt. Vor allem bei den Kindern, die seine Geschichten ganz besonders mochten, war er sehr beliebt.
„Ja, ja kommt alle her und setzt euch zu mir, während Stirbjörn mir einen Becher mit warmen Met bringt, damit ich mir die Kälte aus den Fingern treiben kann.“
Sofort scharrte sich eine Menge Kinder um den Greis, die ihn erwartungsvoll ansahen und darauf warteten, dass er den ersten Schluck aus seinem Becher nahm, denn dann, so wussten sie aus Erfahrung, würde der alte Skalde mit einer neuen Geschichte beginnen. Stirbjörn bahnte sich seinen Weg durch die auf dem Boden sitzenden Kinder und reichte Tjalf den Becher mit dampfendem Met. Nickend nahm er ihn entgegen und setzte seine Lippen an den Rand und nahm den ersten Schluck.

„Nun, hört mir genau zu, denn heute habe ich eine Geschichte für euch, die so unglaublich ist, dass man sie mit Leichtigkeit für Seemansgarn halten könnte. Es war im Winter des Jahres 1007 nach Bosparans Fall, als sich in der beschaulichen Stadt Thorwal das Ende des Hesindedisputes näherte. Die damalige Hetfrau, Garhelt Rorlifsdottir-Jandasdottir, zum alljährlichen Wintersonnenfest lud. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt überfüllt mit sonderbaren und fremdländischen Zauberkundigen und anderen Besuchern aus aller Herren Länder, die sich nur darum rissen, zu dieser besonderen Feier eingeladen zu werden, auf der der Anstoß zu Ereignissen stattfinden wird, von denen noch viele Generationen sich erzählen werden. Doch“, Tjalf nahm einen weiteren Schluck Met, „ich schweife ab. Lasst mich dort beginnen, wo es sich für Heldensagen geziemt zu beginnen. Bei der Vorstellung unserer Helden…

  • Leif „Leifske“ Haskerson, seines Zeichens Abgänger der Runajasko
  • Ramón García Vernandez, von Beruf Sohn, bzw. Neffe, und ein vorzüglicher Fechter
  • Gideon Donnerklinge von Nordhag, ein stattlicher Kämpe und Geweihter der Leuin
  • Tjalf Thorgalson, Kundschafter und Jäger
  • Sayuri, eine Ritterin aus Andergast, Verfolgte von der Missgunst ihrer Landsleute
  • Tjalf Tjalvasson, der über das Wasser läuft, ein Diener Sumu

Der periodisch stattfindende Hesindedisput lockt jedes Mal allerlei Volk an und so kam es auch, dass sich unsere Helden zu diesem Zeitpunkt ebenfalls in der Stadt befanden. Doch nicht alle Helden waren zum Disput gekommen, einige kamen weil sie auf der Suche nach etwas oder jemandem waren, andere kamen, weil sie ihren Träumen nachjagten, andere wiederum waren dort, weil sie sonst nichts mit ihrem Leben anzufangen wussten. Wie dem auch sei, was immer der Grund für die Helden gewesen sein mag, zu genau diesem Zeitpunkt in Thorwal zu sein, niemand von ihnen hätte auch nur im entferntesten damit gerechnet, welche Wendung ihr Leben von da an nehmen sollte.

Während der Abschlussfeier, zu der die oberste Hetfrau geladen hatte, kam es zu einem nie dagewesenem Eklat. Zwei der besten Kapitäne des Landes, Beorn “der Blender” und Asleif “Fogwulf” Phileasson, verstrickten sich öffentlich in ein Streitgespräch über die Heldentaten des jeweils anderen. Um den anscheinend schon länger andauernden Zwist beizulegen, beschloss die Seherin Grimskjora, dass beide Kapitäne eine Wettfahrt austragen sollen, die über den Titel des Königs der Meere entscheiden sollte. Dabei wurden folgende Bedingungen aufgestellt:

  • Jeder muss mit einer neuen, frisch angeheuerten Mannschaft antreten
  • Keiner darf den anderen während der Wettfahrt angreifen oder nach dem Leben trachten
  • Sieger der Wettfahrt wird derjenige sein, der nach 80 Wochen die meisten, der ihm gestellten Aufgaben erfolgreich abgeschlossen hat

So fanden dann am Morgen des 1. FIR öffentliche Heuer statt. Auffällig dabei war, dass Beorn nur solche Matrosen anheuerte, die von thorwalscher Abstammung waren. Asleif Phileasson aber heuerte Leute nach deren Fähigkeiten an. Und so fand sich vor jedem Kapitän eine große Schlange von Menschen, die das Ihre zum Erfolg, des von ihnen favorisierten Kapitäns, beitragen wollten. Es stellte sich schnell heraus, dass aufgrund der Bedeutung der Wettfahrt und auch wegen der Anzahl der Interessenten, nur die Besten Matrosen mitgenommen werden konnten. Jeder Freiwillige musste eine kurze Überprüfungen seiner Fähigkeiten unter Beweis stellen, ehe er angenommen oder abgelehnt wurde. Es erstaunt sicher niemanden zu erfahren, dass sich auch unsere Helden unter den Bewerbern befanden. Einige von ihnen machten bereits früh von sich zu sprechen, sei es durch ihre hervorragende Schwertkunst oder durch andere besondere Fähigkeiten. Manch einer behauptet ja steif und fest, dass einer von ihnen sogar über das Wasser laufen konnte. Doch wenn ihr mich fragt, dann ist das pures Seemannsgarn. Wie dem auch sei, am Ende heuern unsere Helden alle bei Phileasson an und somit endete der erste Tag der großen Reise.

In der Nacht vom 1. auf den 2.FIR sollen gerüchteweise zwei Knorren gen Norden ausgelaufen sein, was die Gerüchteküche am nächsten Tag ordentlich zum Brodeln brachte. Sollte das das erste Ziel der Reise sein? Der zweite Tag verlief ereignislos, die Mannschaft lernte sich kennen und es gab ein Treffen mit dem Kapitän, der den Leuten erst einmal ordentlich Feuer unter dem Hintern machte. Es wurde klar und deutlich festgesetzt wer das Sagen an Bord hatte und es wurde jedem frei gestellt ein letztes Mal auszusteigen, ehe die Mannschaft mit den Vorbereitungen begann. Unter der Mannschaft befanden sich einige bekannte Namen, wie z.B.:

  • Raluf der Kühne, erster Offizier und rechte Hand des Kapitäns
  • Ohm Follker, ein Skalde und begnadeter Geschichtenerzähler
  • Crottet, der Nivese
  • Ein Moha, der vielleicht noch eine Rolle spielen wird

Die Tage bis zum Abend des 6. FIR wurden für Vorbereitungen seitens der Mannschaft genutzt. Dabei wurden hauptsächlich grundlegende Seemanöver mit der Seeadler geübt, denn ob ihr es glaub oder nicht, damals waren unsere Helden noch ziemlich hilflose Landratten, die heillos im Hafenbecken ersoffen wären.”

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