Prolog: Das Drachenfest

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15. August 2946 Drittes Zeitalter 

Nach den acht Tagen der Rückreise zur Seestadt, welche von vielen Geschichten des Zwerges Balin begleitet wurden, erreichten wir unser Ziel. Empfangen wurden wir von einem prachtvollen Schiff, der massive vergoldetet Drachenkopf, an dessen Spitze, schimmerte und tauchte die Wasser umher in warme Töne. Zu Deck befanden sich die rechte Hand des Meisters der SeestadtKetill, die Stadträtin LinhildHalfdan der Hauptmann der Stadtgarde, sowie der Zwergenbotschafter Gloin und Rodwen die Botschafterin der Elben. Groß gefeiert wurden wir für die Rettung der zwei Zwerge. Vor dem Rathaus erhielten wir den Titel der Ehrenbürger der Stadt und neben der Belobigungsfeier schenkte man uns viele kleine Broschen, Fibeln, Anstecknadeln und viele weitere kleine Dinge. So freundlich, aufmerksam und definitiv Ehre gebührend wie diese Zeremonie war, fand ich schon fast Gefallen an diesem Tumult, doch dies war ja nur der Beginn der Drachenzeit

Ab dem September füllte sich die Stadt stetig und ein reges Treiben herrschte und begann von da an anzuschwellen. Anfang November rodete man ein riesiges Feld und errichtete dort eine enorme, kunterbunte Zeltstadt, bei der sich das Auge bald schon in hunderten von Kleinigkeiten und den Massen an Gästen, verlieren konnte. Eine Vielfalt von Neuem bot sich einem Jeden der zu dieser Zeit das Land durchquerte. Manch einem mag dieses ständige Chaos zu erfreuen, doch mich erdrückt und ermüdet es, für einem solchen Zeitraum, nur. Besonders in diesem Ausmaß verlangte mein Gemüt nach der Ruhe und Sicherheit des Waldes, meine unerschöpfliche Quelle an unberührtem Leben, für Lieder und Gedichte.

Dieses Mal begleitete mich der edle und anscheinend ähnlich gesinnte Herr Roderic, zu dem bereits rötlichen Walde, bevor wir zu Beginn der Drachenfestzeit erneut in die Stadt auf Wasser einkehrten. Ein Gefühl des Vertrauens beginnt gegenüber diesem stolzen Krieger zu sprießen, denn in seiner Anwesenheit kann ich ruhen und dem Säuseln des Laubes lauschen ohne böswillige Hintergedanken fürchten zu müssen. Vielleicht der Beginn einer Freundschaft.

Auch der Herr Olvard und der Zwerg reisten ein wenig durch das Land, zweifelsohne nach Thal und zum Erebor. Durch ein Gespräch erfuhren wir von den Unruhen an einer alten Ruine namens Amon Naugrim. Die Überreste der Festung solle nördlich von Thal zu finden sein und durch eine starke Orkpräsenz verschmutzt worden sein. Und auch Gerüchte von Orks aus den Wäldern erreichen unsere Ohren. Teilweise sollen die Elben meines Volkes starke Überfälle zurück schlagen müssen. Das sind ein wenig zu viele Vorkommnisse und Gerüchte, um dies alles ungeachtet zu lassen.

Das enorme Fest kam in Gange und riesige Feuer, Feuerwerke und Bullen treibende Massen leiteten es ein und hießen die begeisterte Feierstimmung Willkommen, welche zwar schon seit Wochen anhielt, nun jedoch seinen Höhepunkt erreichte bis nichts mehr stillstand. Besondere Freude fand mein Herz in den vielen verschiedenen Erzählungen der Musikanten und Gauklern, doch nicht lange, da der Wettkampf um den Goldenen Pfeil vor der Stadt ausgetragen wurde und ich mich als Mensch verkleidet unter die Teilnehmer mischte.

Während der verschiedenen Runden fiel mir schnell ein bekanntes, edles Gesicht in der Menge auf. Galia eine mir sehr gut bekannte, äußerst freundlich und talentierte, Bogenschützin meines Volkes. Ihr langes rehbraunes Haar, wie ihrer tiefgrünen Augen und die spitzen Ohren hoben sich eindeutig von der Menschenmenge ab.

Herr Olvard und ich schlugen uns durch die zwei Runden mit einem überdurchschnittlichen Erfolg, doch gegen eine so erfahrene Schützin kamen wir nicht an, jedenfalls noch nicht. Das Turnier ging weiter bis nur noch eine Hand voll der besten Schützen um den Sieg schossen. Doch auch sie mussten sich eine Niederlage eingestehen, bis nur noch Galia und Sigmar übrig waren. Doch der blonde, königliche und sehr selbst überzeugte Bogenschütze, traf den kleinen goldenen Ring, des winzig, jedoch kunstvoll gezeichneten Drachen, beendete das Turnier und erobert sich damit den hart erkämpften Sieg.

Zu den vielen glorreichen Schüssen gratulierte ich Galia, welche mit nur einem Blick meine Verkleidung zu durchschauen schien und mich mit einem Lächeln zu der Runde der vier Champions einlud, zu der sich dann auch meine Gefährten der Herr Roderic und Herr Olvard gesellten. Von dem Zwerg blieb jedoch keine Spur. Mir war jedoch schon vorher bewusst, dass gute Stimmung, sowie gute Gesellschafft, nichts für ihn zu sein schien.

Währenddessen machte sich besagter Zwerg, mit Schinken und Bier bewaffnet, auf dem Weg zu den Toren der Stadt und weiter bis zu einem Felsen am Rande der Straße, mit Blick auf auf den See. Dort verweilend beobachtete Thurim kopfschüttelnd die weit entfernt liegende Stadt auf dem schimmernden Wasser, bis ihn plötzlich etwas Unerwartetes ins Auge fiel. Ein fremdartiges grünes Licht auf der anderen, weit entfernten Seite, des Sees, welches sich auf und ab zu bewegen schien. Auf der Kuppe des Hügels erlosch das Flimmern kurz darauf und hinterließ kein Zeichen von der Quelle dieses Vorkommnisses. Dies wiederholt sich in regelmäßigen Abständen, bis Thurim entschied sich zurück zur Stadt zu wenden, um das Geschehen zu berichten.

Währenddessen tranken wir munter und heiter Wein, aßen und ließen die Seele baumeln. Ohne Pause wurde stetig für ausreichend von allem gesorgt und auch wenn die arrogante Gesellschaft des Siegers Sigmar mich an mich, und viele meines Volkes unangenehm erinnerte, genoss ich doch die fröhliche Gesellschaft. Nachdem ich einen neu gefüllten Krug Wein an meine Lippen hob, und einen Schluck zu mir nahm, bemerkte ich noch im selben Moment den komisch, ungewohnten Beigeschmack, welcher nun begann, meinen Mund zu benetzen.

Herr Roderic welcher eben noch beobachtete wie ein Ostling die Becher unsere Tafel füllte, sah jetzt nur noch wie eben dieser und sein grauer Mantel in der Menge verschwand. Es schien sich um einen Variag aus Khand, einer kargen Wüste, zu handeln, welche als Söldner und Meuchelmörder bekannt sind.

Während wir noch verzweifelt versuchten, unsere Tischgesellschaft von dem nicht trinken des Weines zu überzeugen, wendete sich bereits eine Stadtwache an uns. Es sei ein wichtiger Notfall, dem wir uns doch bitte auf der Stelle zuwenden sollen. Mit einer schnellen, unbemerkten Bewegung fischte ich den noch unberührten Krug von dem Platz des Champions.

Seit einigen Monden, welche ins Land kamen und gingen, versuche ich schon eine ganz besondere Fähigkeit zu erlangen, die es mir ermöglicht Kontakt mit Gegenständen sowie Lebewesen der pflanzlichen Natur aufzunehmen. In vollkommener Konzentration, vertieft Gedanken gebunden an die letzten Tropfen aus dem Gefäß sank ich an einer nahen  Wand zu Boden. Verschwommene Bilder streifen mein Bewusstsein. Ein würziger Kräutergeruch, ein Hexenkraut ähnliches Gewächs. In gewissen Dosen kann es giftig sein, doch ist es vor allem dafür bekannt den Geist empfänglicher für den Schatten zu machen.

Euphorisch berichtete ich sofort von meinem Erfolg, nur getrübt von einer bösen Ahnung. Dabei erntete ich nur verwirrte Blicke von Personen, welche, aller Wahrscheinlichkeit nach, wirklich zu tief in den Becher geschaut hatten, und dabei keine Elbenmagie vollbrachten. Aber belanglos schien mein Wort sogleich, da seltsam schmeckender Wein längst vergossen und ein neuer folgte, welcher das letzte bisschen Verstand aus Sigmars Gesicht zu wischen schien und Worte der Sorge undurchdringlich machen ließ.

Bevor ich meinen Warnungen wirklichen Nachdruck verleihen konnte zog uns eine gestresst wirkende Stadtwache zu Hilfe. Bei ihm stand, ganz abseits und offensichtlich etwas neben sich, ein nervös dreinblickender Mann. Doch bevor auch nur ein Laut über ihn fallen konnte traf der Zwerg zu uns und berichtete ruhig von dem fremdartigen Licht, welches er noch eben an der fernen Anlegestelle beobachten konnte. Nachdem auch wir von dem Wein erzählt hatten, kam auch die Stadtwache zu Wort, welche uns im Namen Halfdans bat nach dem Jungen Edor, Sohn des verzweifelten und flehenden Vaters Egwin, zu suchen und diesen sicher zurück zu bringen.

Der kleine Edor soll wie so häufig am Aaltümpel fischen gewesen sein, außerhalb der Stadt, doch dieses Mal ohne Heimkehr. Um den überlasteten Stadtwachen zu helfen nahmen wir uns der Bitte an. Nach einem zu erwartenden taktlosen Spruch des Zwerges schwammen wir, in Ruderbooten, weiter und weiter ab vom Tumult der bunten Seestadt, einem kränklichen, grünen Leuchten in der schwachen Ferne entgegen, in der Hoffnung nicht zu spät den verschwundenen Jungen zu erreichen.

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