Archiv der Kategorie: Vaesen

Nicht anfassen

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1881, vermutlich Upsala, um den Jahresbeginn, wie viele Tage oder Wochen vergangen sind ist schwer zu sagen, es ist immer dunkel hier, dunkel und kalt. Das letzte Mal dass wir, also Bengt, Ida und ich in Schloss Gyllenkreutz waren, war der erste Januar.

Wir hatten ein Übereinkommen mit den Vätten, die im Pferdestall wohnen, erzielt und uns des Abends selbstzufrieden zum köstlichen Abendbrot (was gäbe ich für die Reste dieses Essens) im Schloss eingefunden und Überlegungen über unsere nächsten Unternehmungen angestellt. Konstantin Konstantinowitsch hatte uns eine Einladung ins Ingermanland gesendet zu einem Austausch über übernatürliche Begebenheiten. Wir wollten dieser Einladung folgen und auf dem Weg noch einen Abstecher nach Alt-Upsala machen, um die dortigen alten Hügelgräber zu besuchen. Weiterlesen

Die Hütte im Wald

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Upsala, 30. Dezember 1880

Nach unserer Rückreise von Ösel treffen wir am späten Nachmittag mit dem Zug wieder in Upsala ein. Schon bei unserer Ankunft bemerken wir, dass die Gerüchteküche brodelt. Hier und da schnappen wir Teile von Gesprächen auf, aus denen wir erfahren, dass die Svea Bergbaugesellschaft einen neuen Investor hat und nun alte Minen wieder in Betrieb genommen werden sollen.

Unser erster Weg soll uns zu Kaffee und Kuch zum Bürger & Bäcker führen. Auf dem Weg dorthin treffen wir auf Nils, der bei dem kalten Wetter mit einer viel zu kurzen Hose und auch sonst eher schlechter Kleidung für die Witterung unterwegs ist. Linda ist so gut und schenkt ihm einen zwar alten, aber sehr warmen Wollpullover. Nils erzählt uns, dass in den letzten Tagen viele Bergleute in der Stadt angekommen sind, die wohl alle in der Nervenheilanstalt untergebracht sind. Die nächstgelegenen Bergwerke befinden sich in Falun, nördlich von Upsala. Zum Abschied gibt Norvid ihm noch ein wenig Geld als Entlohnung dafür, dass er sich für uns weiter umhört und uns über Neuigkeiten informiert. Weiterlesen

Die Gartenpforte

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                                                              Upsala, 31.12.1880

Als Sunna am Morgen nach Ingrid schaut, schläft diese noch einen unruhigen Schlaf. Falls sie Verletzungen hatte, sind diese nicht mehr zu sehen. Kaffeeduft steigt in meine Nase. Nach und nach treffen alle Mitglieder der Gesellschaft im Speisesaal ein. Viola und Johanna haben schon eingedeckt, begrüßen uns höflich und schenken uns Kaffee ein.

Sunna erkundigt sich nach Frau Bäcklund. Sie könne selbstständig essen und sei körperlich in gutem Zustand. Sie scheine eine Art Amnesie zu haben und zeitweise völlig apathisch zu sein.

Die beiden berichten, dass heute Morgen bereits Besuch für uns vor der Tür stand: Franzibald Hansen, ein alter Freund von Linnea. Unser Verwalter Algot hat ihm berichtet, dass Linnea in der Nervenheilanstalt verweilt. Heute Nachmittag möchte er uns treffen. Weiterlesen

Ankunft in Ahrensburg

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Uns erreicht ein Brief von Graf Hugo von Kaiserling aus Ahrensburg auf der Insel Ösel. Der Graf bittet die Gesellschaft in Person von Linnea um Hilfe. Seine Ehefrau Agnes hat ihr erstes Kind Eduard zur Welt gebracht. Wenige Wochen nach der Geburt ist Agnes mit Eduard mitten in der Nacht zur Sauna gegangen um „das Monster zu ersäufen“. Seitdem ist Agnes in Ahrensburg in der Nervenheilanstalt eingesperrt. Sie will nichts mit ihrem Kind zu tun haben. Graf Hugo meint Frau und Kind wegen seiner Dissertation über die Entstehung der Kaali-Krater auf Ösel vernachlässigt zu haben. Nur Vater Cornelius, einen russisch-orthodoxen Priester, lässt Agnes noch zu sich. Dieser ist sich sicher, das Kind sei ein teuflischer Wechselbalg und rät dringend zu einem Exorzismus. Graf Hugo hofft auf Erklärung und Hilfe durch Linneas Erfahrungsschatz. Weiterlesen

Der Pakt – Schuld, Liebe und Erlösung

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Der Pakt – Schuld, Liebe und Erlösung
Tagebuch von Norvid Runeson
Datum: 20. Dezember 1880
Ort: Ahrensburg, Estland

Wir verließen die Nikolai-Kapelle in großer Eile. Das Gefühl von Dringlichkeit begleitete uns, während wir zum Haus des Grafen aufbrachen. Linda und Ida sprachen dort mit ihm. Der Graf erklärte uns, dass er die Kantele, die er von den Dorfbewohnern aus Kaali erhalten hatte, aufgrund seines neu gewonnenen Vertrauens zu ihnen an sich genommen hatte. Sie berichteten ihm von ihrer Sorge, dass Pater Cornelius versuchen könnte, das Kind zu entführen.

Der Graf erwähnte das Tuljak-Gasthaus in Kaali, und währenddessen beobachtete Sunna durchs Schlüsselloch, wie das Kindermädchen Aino mit dem Kind umging. Alles schien in bester Ordnung. Sunnas Blick fiel jedoch auf die heidnischen Figuren, die das Kinderzimmer zierten. Ida überzeugte den Grafen, mit seinem Sohn Eduard im Haus zu bleiben, während wir mit seiner Kutsche nach Kaali aufbrachen. Weiterlesen

Spieglein, Spieglein an der Wand

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Upsala, 15.November 1880, Aufzeichnungen von Clara

Derweil sind Sunna und Norvid in unserer schlosseigenen Bibliothek in Recherchen vertieft und merken langsam, wie ein Hungergefühl sich ihrer bemächtigt, so dass Norvid, ganz der Gentleman, sich auf den Weg Richtung Küche macht, um diesem mit kulinarischen Genüssen Abhilfe zu schaffen.

Sunna lehnt sich räkelnd in ihrem Sessel zurück, als sie in ihrem Rücken eine deutliche Kühle spürt. Beim Blick nach hinten wird sie einer dunklen Gestalt gewahr – ist sie echt? Ist sie ein Geist? Den ersten Gedanken an Flucht kann Sunna erfolgreich verdrängen, jedoch jagt ihr das Flüstern der Gestalt ein wenig Angst ein. Mit einem gehauchten „Lineaaaaa“ kommt sie immer näher, das eisige Knirschen des um sie herum gefrierenden Bodens ist deutlich zu hören. Weiterlesen

Neues aus Upsala

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Wir alle werden in der Nacht des Öfteren wach und hören die uns bereits bekannten Geräusche aus dem Garten. Als wir am nächsten Morgen aufwachen ist keiner von uns wirklich ausgeruht. Ida stellt fest, dass Freda nicht da ist und sucht sie, sie scheint aber nicht im Haus zu sein. Also gehen wir gemeinsam zum Frühstück. Wir begegnen Linda, die erst einmal Kajus raus lässt und Bengt, der sich in den Garten begibt, um dort nach seiner Pfeife zu suchen, die er in der Nacht zuvor durch die Tür des Königszimmers in die Geisterwelt geworfen hat.

Der Garten wirkt sogar bei Tag unheimlich und die Gargoyles auf den Dächern scheinen einen zu beobachten. Freda ist auch im Garten, sie jagt einer großen, fetten Ratte hinterher. Bengt findet seine Pfeife tatsächlich genau der Stelle  wo er sie hingeworfen hat. Leider ist ein großer Vogelschiss auf ihr. Als er wieder ins Haus gehen will, um seine Pfeife zu reinigen kommt ihm Inspektor Lyström entgegen, der sichtlich erfreut ist jemanden von uns im Schloss anzutreffen. Als Bengt ihn gerade herein bitten möchte, öffnet Algot ihnen die Tür und begleitet den Inspektor sofort in den Blauen Salon, wo er ihm Kaffee serviert. Weiterlesen

Britannia rules the World

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Upsala, 14.November 1880, Aufzeichnungen von Linda

Seit gestern Nacht haben sich die Ereignisse überschlagen. Nachdem wir die Krypta geöffnet und eine schauerliche vampirartige Ungestalt befreit hatten, standen wir an einem steinernen Sarg, dessen textiles Innenfutter noch den Abdruck eines vollständigen unzersetzten  Körpers trug. Wir schlossen die Krypta und berieten, dass wir über die Gebeine im Grabtuch die halbe Zeit hier in der Kapelle und die halbe Zeit draußen vor der Kapelle wachen wollten, so dass der erste Sonnenstrahl nicht von uns versäumt werden konnte.

Da es Sunna und Norvid nicht mehr auf den Beinen hielt, gingen sie ins Schloß, um sich auszuschlafen, während Clara und Ida die erste Wacht übernahmen. Ich bezog später die Wacht im Garten gemeinsam mit Bengt. In der Dunkelheit sah ich die schwarz verschleierte Dame auf einem Balkon des Schlosses stehen. Sie beobachtete uns. Weiterlesen

König und Kapelle befreit

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Upsala, Dienstag 13. November 1888

Mit gesegneten Waffen, Leiter, Schaufeln und Leichentuch bewaffnet, machen wir uns auf den Weg zur Kapelle und den Gräbern der Selbstmörder. Meine innere Stimme bestätigt meinen Plan 6 Federn zu besorgen, als guten Plan. Doch das Unterfangen gestaltet sich schwieriger als gedacht.

Bengt will sich mit Hilfe der Leiter die Glocke ansehen und prüft die Funktionstüchtigkeit. Dabei entdeckt er, dass die Glocke innen zwei kleine Symbole aufweist: Das Zeichen des Ritterordens der Heiligen Birgitta und die Weltenschlange, das Zeichen der Gesellschaft. Weiterlesen

Die Geisterwelt

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Tagebuch von Norvid Runeson
Upsala, 11. November 1880

Heute erlebte ich Ereignisse, die meine Fähigkeiten als Historiker und Forscher auf eine harte Probe stellten. Sunnas lebloser Körper lag vor dem Durchgang der Tür mit der lateinischen Inschrift „Camera Regis“ – die Königskammer. Nach einer schnellen Untersuchung stellte ich fest, dass sie keine Lebenszeichen zeigte, ihr Körper jedoch noch warm und beweglich war. Ich konnte keinen Zweifel an ihrer Vitalität hegen, doch die Ungewissheit nagte an mir.

Mein Blick wanderte erneut zu dieser merkwürdigen Tür, die von uralten, möglicherweise bretonischen, heraldischen Zeichen umrahmt war. Der offene Durchgang führte zu einer Treppe, die hinauf in den Garten des Schlosses Gyllenkreutz führte. Doch etwas war anders: Hinter dem Portal schien die Welt in ein unheilvolles Grau getaucht zu sein. Bengt, getrieben von einer unbändigen Entschlossenheit, wollte in das Portal eilen. Ich stellte mich ihm in den Weg und versuchte, auf ihn einzureden, doch es war schwer, seine impulsive Natur zu zügeln. Weiterlesen