Für das Schwert der Schwerter (Prolog)

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Ein Jahr war seit der Schlacht auf den Weiden vergangen, als sich im Jahr 1022 BF Ucur Rondrasil von Krähenklamm anschickte, Schwertbruder der Ardariten von Vallusa zu werden. Ucur hatte selber an den Kämpfen gegen das Heer des Dämonenmeisters teilgenommen und war mir, Rowin Zul ay’Assadra, aus den Tagen nach unserem Sieg flüchtig bekannt. Soweit ich wusste, stammte er aus der mittelreichischen Provinz und galt als Traditionalist. Das besondere an der Zeremonie war, dass sie vom Schwert der Schwerter, Ayla von Schattengrund persönlich durchgeführt werden sollte. Die oberste Rondra-Geweihte bemühte sich dafür extra hierher. Aber nicht nur die Einsegnung des Schwertbruders war Anlass ihrer Reise, es sollte außerdem mit einigen wichtigen Persönlichkeiten die Rückeroberung Tobriens geplant werden. Zu den Gästen auf der Burg gehörten, neben dem Schwert der Schwerter, Rondrasil Löwenbrand von Arivor, der neue Heermeister der Kirche und Großmeister der Yppolitaner, Waldemar von Rabenfels, ein Zornesritter und Kriegsheld, Jegor Andrastar von Festum, Schwertbruder der dortigen Rondrakirche und Vertreter des alt-ehrwürdigen Bundmeisters der Senne Bornland Gernot von Halsingen. Außerdem waren noch weitere bedeutende Personen geladen, die unserer Kirche nicht angehörten, darunter war zum Beispiel Dhelia dela Tiranak, eine Hesindegeweihte und Präzeptorin der Draconiten von Vallusa. Es war auch die Großmeisterin der Grauen Stäbe, Llezean vonYyoffryn-Thama, erwartet worden, welche aber kurzfristig verhindert war.

Am Tag der Weihe Ucur Rondrasil von Krähenklamms versammelten wir uns in der Festungskirche. Noch während der einleitenden Zeremonie überkam mich plötzlich ein leichter Schwindel und dann sah ich Bilder. Zunächst war die Vision verschwommen. Dann sah ich mich selbst an einer Runden Tafel in einer ebenso runden Kuppelhalle stehen. Mit mir versammelt waren elf weitere Personen. Alle trugen sie das alte Wappen der Theaterritter. Wir reckten unsere Schwerter in die Höhe, so dass sich die Klingenspitzen über dem Tisch berührten. Dann erschien das Bildnis einer Löwin über der Tafel und sprach den Segen für den neu geschaffenen Schwertbund der Theaterritter von Arivor. In diesem Moment erstrahlte bei allen zwölf Schwertern ein Juwel und wandelte sie so in die Weiheschwerter des Ordens. Als ich benommen in die Wirklichkeit zurück kehrte, war das Ritual fast zu seinem Ende gekommen. Nachdem Ucur den Blutschwur geleistet hatte, verließen wir die Festungskirche. Beim hinausgehen wandte sich Ayla von Schattengrund kurz um und sah mich direkt an. In diesem Moment war mir, als hätte auch sie die Bilder meiner Vision gesehen. Dies war, wie sich später heraus stellte, nicht der Fall gewesen, dennoch faste ich in diesem Moment den Entschluss, um eine Audienz beim Schwert der Schwerter zu ersuchen und sie um Rat zu meinen Vision zu bitten.

Der Hof der Festung war, als ich die Kirche verließ, eigenartigerweise völlig leer. Dann plötzlich bewegte sich die Statue der Arvedua von Neetha, die sich mitten auf dem Platz befand und deutet mit ihrem Schwert gen Rahja. Dann sah ich plötzlich eine Festung, die mir sehr bekannt vorkam. Ich hatte sie schon auf einigen Bildern gesehen. Dies musste Pilkamm sein, der Hauptsitz der Theaterritter im Bornland. Eine Burg, die schon lange verlassen und verfallen sein sollte, doch in meiner Vision war sie völlig intakt, genau so wie sie das alte Gemälde im Audienzsaal zeigte. Vor der Festung sah ich einen Reiter. Am Wappen erkannte ich, dass es ein Theaterritter war. Er trug eine goldene Kette mit neun Juwelen. Diese Kette wies ihn als Marschall des Ordens aus. Als das Bild verblasste fand ich mich in der erwarteten Menschenmenge auf dem Burghof wieder.

Am nächsten Tag wurde ich in den Mittagsstunden beim Schwert der Schwerter vorgelassen. Ich wurde in den Planungssaal geführt, in dem sich alle honorigen Herrschaften zum Kriegsrat versammelt hatten. Ayla von Schattengrund unterbrach die Sitzung, und die meisten verließen daraufhin den Raum. Danach wandte sie sich mir zu. Neben dem Schwert der Schwerter waren jetzt noch die Schwertbrüder aus Festum und unserer Burg, die Präzeptorin der Draconiter, der Heermeister und Waldemar von Rabenfels anwesend. Ayla von Schattengrund sagte, dass sie nach mir geschickt habe, denn neben den Kämpfen in Tobrien gäbe es auch eine Bedrohung aus dem Norden, der man sich zuwenden müsste. Doch zunächst wolle sie wissen, warum ich um eine Audienz ersucht hatte.

Natürlich war ich ein wenig verwirrt über die Ehre, die mir zuteil geworden war, dass das Schwert der Schwerter nach mir schicken ließ. Ich berichtete deswegen ein wenig stockend und aufgeregt von meinen Visionen. Ayla von Schattengrund hörte aufmerksam zu. Dann sagte sie, dass es nicht an ihr sei, meine Visionen zu deuten. Sie empfahl mir aber eindringlich, ihnen nachzugehen. Weiter führte sie aus, dass im Norden eine neue Bedrohung erwuchs. Eine Eishexe hatte sich in Paavi niedergelassen und beanspruchte das Bornland für sich. Der Name der Hexe war Glorana. Etwas selbstverliebt nannte sie ihr Reich Gloranien. Bereits vor einem Jahr hatte das Schwert der Schwerter eine Expedition unter der Führung des Geweihten Leugrimm von Festum nach Norden geschickt. Man hatte seit dem nichts mehr von ihnen gehört. Ayla von Schattengrund plante nun erneut eine Gruppe von Leuten auszusenden und nach den Vermissten zu suchen. Ich sollte diese Gruppe begleiten. Doch bis es soweit war, sollte ich eine andere Aufgabe erfüllen. Überall im Bornland hörte man von Berichten, nach dem alte Artefakte aus der Zeit der Theaterritter aufgetaucht seien. Manche erzählten sogar von alten Burgen, die plötzlich aus dem nichts wieder erschienen waren. Ich sollte mich nach Festum aufmachen und mich dort mit dem Bundmeister der Senne sowie Wulfhelm Tannhauser, dem Erzabt der Draconiter treffen. Dort würde ich erfahren, wo einige dieser Artefakte aufgetaucht waren. Dorthin sollte ich dann reisen und darüber Nachforschungen anstellen. Viele der Anwesenden waren erstaunt, dass das Schwert der Schwerter einen so jungen und unerfahrenen Ritter wie mich ausschicken wollte. Ucur von Krähenklamm unterbrach die Großmeisterin sogar und brachte den Einwand vor, dass man doch jemand anderes für diese Mission ausersehen hatte. Dennoch blieb Ayla von Schattengrund bei ihrer Entscheidung.

Zwei Tage später begab ich mich im Gefolge von Jegor Andrastar nach Festum. Auf der Reise lernte ich den Schwertbruder der bornländischen Hauptstadt als freundlichen und gebildeten Mann kennen. Nach einigen Tagen rasteten wir eine Nacht in Baldrom. Dort hatte ich meine dritte Vision, die mich diesmal im Traum ereilte. Ich sah die schwarze Marschallseiche, im Volksmund »Unbaldroa« genannt, wie sie auf dem Dorfplatz von Baldrom stand. Bei dem Baum handelte es sich um eine uralte Steineiche, die weithin bekannt war, denn jeder neue Adelsmarschall des Bornlansds brachte nach seiner Ernennung traditionell eine Tafel mit seinem Namen an dem Baum an. Ich träumte, wie Thesia von Ilmenstein dieses Ritual durchführte. Gerade als sie die Namenstafel angebracht hatte, bewegte sich plötzlich der Baum und sprach die Worte: »Die Menschen haben einen neuen Herren, aber das Land hat einen alten.« Als ich mich am nächsten Morgen im Gasthaus erkundigte, konnten sich noch einige an die Zeremonie erinnern, den Baum hatte aber niemand sprechen hören. Es war damals aber auch die Druidin Urjelke anwesend. Sie behauptete, dass sie eben die von mir rezitierten Wort gehört hatte, während Thesia von Ilmenstein ihren Namen am Baum anbrachte – Worte, gesprochen von der Marschallseiche. In der nächsten Nacht hatte ich meine vierte und letzte Vision. Dieses Mal sah ich wieder Pilkamm, allerdings verfallen und überwuchert. Vor der Ruine war der selbe Reiter, wie ich ihn schon beim ersten mal gesehen hatte, nur dieses mal durchscheinend wie ein Geist.

Am 30. Praios 1022 BF erreichten wir Festum. Am nächsten Morgen hatte ich eine Audienz beim Bundmeister Gernot von Halsingen. Auch er gab sich überrascht, dass man mit mir einen so jungen Ritter geschickt hatte, kam aber schnell auf das Thema zu sprechen. Man hatte in der Grafschaft Hinterbruch eines der ominösen Artefakte gefunden. Der Bundmeister bat mich, als offizieller Gesandter der Rondrakirche, dazu Untersuchungen anzustellen. Über den genauen Ablauf und die Details des Fundes würde mich der Erzabt der Draconiter im Hesindendorf unterrichten. Gernot von Halsingen wünschte mir Glück und Rondras Segen. Ich machte mich auf den Weg und wurde von Wulfhelm Tannhauser empfangen. Ebenfalls anwesend war eine Hesinde-Geweihte namens Volanda und ein halbelfischer Magier, der mir als Lyoscho von Festum vorgestellt wurde. Der Erzabt der Draconiter erzählte dann, dass er vor einiger Zeit ein Hilfsgesuch des Grafen von Hinterbruch, Thezmar Alatzer, erhalten hatte. In dem Schreiben, das eher allgemein gehalten war, bat der Adelige um Hilfe bei der Bergung und Untersuchung eines Artefakts. Thezmar war in zweiter Generation Herrscher von Hinterbruch und entstammte einer reichen Händlerfamilie, die vorwiegend mit Bernstein handelte. Außerdem war er ein erfahrener Magier, was die Angelegenheit etwas brisanter machte. Der Erzabt ging davon aus, dass sich der Graf als großzügig erweisen und uns entsprechend entlohnen würde. Des weiteren empfahl er, unsere Reisegruppe noch ein wenig zu vergrößern. Für etwaige Ausrüstung gab er uns einen Schuldschein für das Störrebrandt-Zeughaus mit. Ich stellte mich im Anschluss der Unterredung dem Magier, der sich zuvor herzlich von Volanda verabschiedet hatte, vor. Dieser hatte wohl schon eine Idee, wo man geeignete Unterstützung finden würde. Ich folgte ihm zum Gasthaus »Zwei Masken«.

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