Herz aus Eis I – Die Konkurrenz ist da

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Nach einer berauschenden Nacht trafen sich alle zum Frühstück bei Mirhiban. Auch Sheanna war zugegen und wollte die Gruppe begleiten. Kurz bevor man aufbrach, stellte die Baronin von Pervin noch einen Händler namens Jaakon Hjalmarew vor, der den Gefährten ein Geschäft unterbreitete. Der Mann kam aus Norburg und hatte dort nach eigenen Angaben ein Buch mit dem Titel „Foliant der Göttlichen Erleuchtung“ von den Magiern der Akademie der Stadt mitbekommen, um es zum Praioskloster des „Heiligen Hüters“ nahe Karenow zu bringen. Dort sollte es dann verwahrt werden. Er selber wollte jetzt aber nach Festum weiter reisen und suchte nun jemanden, der für dreißig Batzen diesen Auftrag übernahm. Nach einigen Verhandlungen war die Gruppe bereit, die Bleischatulle mit dem versiegelten Buch zu übernehmen. Fenew erhielt für die Truhe einen Schlüssel und Styrvake (später dann Rowin) ein Amulett, um die Versiegelung des Buchs zu öffnen.

Beladen mit Proviant und weiterer Ausrüstung verließ man mit Vigo Bornskis Kutsche unter der sachkundigen Führung Grimjans am Vormittag des 11. Hesinde 1022 BF Pervin. Während der achttägigen Reise kam der Winter über das Bornland mit aller Macht. Massen an Schnee fielen und die Temperaturen sanken in der Nacht bis unter -30 Grad. Man hatte auch mit anderen Widrigkeiten zu kämpfen. Schon am ersten Tag brach eine Kufe und musste gerichtet werden. Eines Nachts in einer Schutzhütte verirrte sich ein Bornbär in die unbewachte Kutsche und verzögerte so die Weiterreise. In Vierwinden hatte Rowin Gelegenheit, die schwarze Rondra zu besichtigen, die von Zwergen gemacht worden sein sollte und eine sehr üppige, zum Sprung bereite, nackte Frau zeigte. Die Schwertschwester Jadwige Ilmensen führte ihn persönlich herum. Zur Feier des Tages gab es abends ein ausgelassenes Gelage im Gasthaus, und sowohl Styrvake als auch der Geweihte frönten der Vielweiberei.

In Persanzig passierte dann ein folgenschwerer Unfall. Der Kutscher Grimjan Baerensen, mal wieder voll wie eine Rotze, raste in ein Haus am Stadtrand. Dabei wurde das Gebäude zerstört und er erheblich verletzt. Am nächsten Morgen mussten die Gefährten den Kutscher zurücklassen und eine Entschädigung für das Haus zahlen. Da der weitere Weg nach Karenow nur fußläufig zu erreichen war, lies man auch das Fuhrwerk und die Pferde in dem Dorf zurück. Nach einem beschwerlichen Marsch, auf dem zu allem Überfluss auch noch Lyoscho von einem Schneelaurer gebissen worden war, wollte man sich abends im Gasthaus eigentlich nur ausruhen. Allerdings befand sich unter den Gästen ein Praiosgeweihter, der Hüter Praiodan Gerwinder. Wie sich herausstellte, war dieser gerade vom Kloster des Heiligen Hüters mit einer Nachricht auf den Weg nach Festum unterwegs und wusste zu erzählen, dass die Äbtissin, der man das Buch aushändigen sollte, momentan nicht zugegen war. Sie untersuchte weiter im Norden die Berichte von dunklen Umtrieben, wandelnden Toten und Geistererscheinungen. Trotzdem entschlossen sich die Gefährten, am nächsten Morgen aufzubrechen und den Auftrag mit dem Buch zum Abschluss zu bringen.

Es war der späte Nachmittag des 19. Hesinde, als die Gruppe das Kloster des Heiligen Hüters, nördlich von Karenow, erreichte. Seit Persanzig hatte sich Irgoj Olscheff, den man zufällig dort getroffen hatte, als Führer angeboten, da er sich gut in der Gegend auskannte. Ohne ihn hätte man die Abtei wahrscheinlich gar nicht gefunden, da man den ganzen Tag querfeldein durch den Wald gereist war, ohne irgendeinen Weg oder einer Markierung. Erst kurz vor dem Kloster war in den Schnee ein nivesisches Zeichen gemalt. Es warnte vor einer Gefahr. Doch umkehren war nun keine Option mehr.

Das Klostergebäude war ein dunkler und trutziger Bau, mit hohen Mauern und Wehrgängen. Nachdem man sich am Tor bemerkbar gemacht hatte, öffnete ein Ritter der Bannstrahler Selbiges. Er stellte sich als Neerjan Ouvenske vor. Rowin trug dem Mann das Anliegen der Gruppe an und bat darum, mit der Äbtissin sprechen zu dürfen. Wie den Gefährten bereits bekannt war, weilte diese allerdings zurzeit woanders. Der Torwächter erbot sich, das Buch in Empfang zu nehmen. Aber auch als sein Vorgesetzter, ein Bannerführer namens Ishtan Illumkis und kurz darauf einer der Geweihten, ein alter blinder Mann, den sie Zidon von Brandthusen nannten, dieses Angebot wiederholten, war es für Rowin ausgeschlossen. Er hatte dem Händler in Pervin sein Wort gegeben, das Buch der Priorin persönlich zu überreichen. Da die Priester den Gefährten kein Obdach für die Nacht anboten, und ein Betreten des Klosters energisch verweigerten, sah sich die Gruppe gezwungen, nach Karenow zurückzukehren. Man unterrichtete die Praioten darüber, dass man einige Zeit beim Bronnjaren auf der Wolfskopffeste weilen würde und die Äbtissin sie dort gerne aufsuchen könne, um das Buch zu erhalten.

Wegen der rasch hereinbrechenden Dunkelheit suchte man sich ein möglichst geschütztes Lager im Wald. Die Nacht war schon ein wenig fortgeschritten, als die Wache plötzlich ein Huschen in den Wipfeln wahrnahm. Gerade als alle wach und kampfbereit waren, fielen furchterregende dunkle Schatten über die Gefährten her. Die Gestalten war grob humanoid, trugen aber ledrige Schwingen auf ihrem Rücken und bewegten sich wieselflink. Außerdem gelang es ihnen, über einige in der Gruppe die mentale Kontrolle auszuüben. So griff Sheanna plötzlich in das Gepäck und holte die Bleischatulle mit dem Buch hervor. Sie reckte es einem der Monster entgegen, und die kleine Truhe begann, davon zu levitieren. Die anderen konnten gerade noch den Gegenstand wieder einfangen und am Boden fixieren, als eine der Kreaturen herabstieß, um danach zu greifen. Rowin schlug nach dem Ding, doch dieses war verdammt flink und wich dem Hieb aus, so dass dieser es nicht voll traf. Dennoch trug es eine kleine Verletzung davon, die aber eine enorme Wirkung entfaltete. Das Ding kreischte auf und wirkte entsetzt. Der Treffer reichte aus, um die Kreatur in die Flucht zu schlagen. Die Kiste fiel zu Boden, die mentale Kontrolle war gebrochen. Schnell raffte die Gruppe ihre Klamotten zusammen und eilte durch den dunklen Wald zurück nach Karenow. Was das für Kreaturen waren, konnte keiner der Gefährten sagen, doch Rowin war sich sicher, eine namenlose Präsenz gespürt zu haben. Der alte Feind war zurückgekehrt und mischte nun im Spiel der Mysterien mit.

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