Die Braut des Bronnjaren I – Die Gemeinschaft zerbricht

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Am Vormittag des 4. Hesinde 1022 BF fand das verabredete Frühstück mit dem Händler Vigo Bornski statt. Zahlreiche Geschenke für die Brautwerbung wurden Fenew zur Verwahrung übergeben und allen eine Anzahlung von zwanzig Batzen gemacht. In der Stadt hörte man vielerorts Gerüchte über Expeditionen in den Norden. Draconiter, Bannstrahler und auch einige Rondra-Geweihte seien dabei, die Drauhager Höhen und die Totensümpfe zu durchkämmen. Es gab Berichte von Geistererscheinungen, wandelnden Toten und gar Dämonenzeichen. Rowin sprach im Tempel mit dem Schwertbruder Anshag von Ask, einem Spross des Hauses Ask, der ihm von der Expedition erzählte und dem Ziel, die verlorenen Schwerter des Nordens der Rondragabund von Riedemer wieder zu finden. Hierzu waren auch hochrangige Ordensritter der Schwerter Gareths, der Zornesritter und anderer Orden zurzeit in Rodebrannt. Außerdem weilte der Heermeister des Ordens, Rondrasil Löwenbrand von Arivor, in der Stadt. Persönlich überbrachte der Schwertbruder auch eine Einladung seines Vetters, Graf Wahnfried von Ask, der sich freuen würde, die Bezwinger Brakadors an seiner Tafel begrüßen zu dürfen. Gegen Mittag brachen die Gefährten mit Mirhiban und Sheanna sowie dem Händler Bornski, dem elfischen Botschafter und seiner thorwalschen Leibwächterin auf.

Am 6. Hesinde, kurz vorm Erreichen von Pervin, berichtete Balthasar von einem weiteren Traum, den er gehabt hatte. Milzenis hatte an der Quelle gebadet, dabei wurde das Wasser milchig und verfärbte sich gelbgrün. Und obwohl es dem Riesen Linderung seines Ausschlages verschaffte, wurde er immer gereizter und wütender. Mirhiban wurde von der Bedrohung durch Milzenis und den Hintergründen dazu umfassend in Kenntnis gesetzt, noch bevor man in den Abendstunden Pervin erreichte.

Während der Reise mussten die Gefährten noch eine weitere Angelegenheit besprechen. Was sollte geschehen, falls Tsaekal wieder auftauchte. Alle waren sich einig, dass die Möglichkeit bestand, dass er nun ein Werwolf war und, schlimmer noch, vielleicht ein dämonisches Mal in sich trug. Nach einigem Hin und Her beschloss man, den Nivesen möglichst rasch mit einem Paralysis durch Meister Lyoscho zu lähmen und dann eine Seelenprüfung vorzunehmen. Außerdem sollte er bei Vollmond in Ketten gelegt werden.

Am 7. Hesinde machten die Gefährten sich in einer Kutsche des Händlers Bornski, gesteuert von dessen treuem Kutscher Grimjan Baerensen, auf den Weg nach Jagotin, um Nachforschungen zu Balthasars Amme anzustellen. Bei einer Pause am Nachmittag war der Kutscher plötzlich alarmiert. Am Waldrand waren Wölfe. Dann tauchte Tsaekal auf. Nackt. Als der Nivese auf Rufweite heran war, berichtete er von einem Werwolfrudel, vielleicht zwei bis drei Dutzend Tiere mit dem dämonischen Silberrücken als Anführer. Er wäre mit seinen Wölfen denen gefolgt. Beide Seiten hatten in der Auseinandersetzung Verluste erlitten. Tsaekal war sehr auf der Hut, als er mit den Gefährten sprach, wollte auch seine Kleidung nicht haben, da er zunächst weiter mit dem Rudel ziehen wollte. Als sich die Gelegenheit bot, lähmte Meister Lyoscho ihn wie besprochen. Doch dann verlief nicht alles nach Plan. Rowin war es nicht möglich, eine Seelenprüfung durchzuführen. Sollte man Tsaekal nun aufladen und mitnehmen? Die Gefährten entschieden sich dagegen und ließen ihn in der Wildnis zurück. Meister Lyoscho versicherte, dass er während der Zauberdauer, etwa einer halben Stunde, durch nichts und niemanden zu verletzen sei.

Am Abend erreichte man Jagotin. Ein kleines Dorf, gelegen zu Füßen des herrschaftlichen Anwesens, einem Wehrhof, mit altem, gemauertem Bergfried. Um Jagotin herum war der Wald großzügig gerodet und Felder angelegt. Fenew war bereits auf dem Hinweg aufgefallen, dass der umliegende Wald nicht so alt wie sonst in der Gegend war. Von dem Torwächter erfuhren die Gefährten, dass der Baron gerade zu Jagotin am Weiher aufgebrochen war, um dort seine Liebste zu freien. Man bot der Gruppe an, auf dem Anwesen unterzukommen, bis der Herr zurück wäre. Balthasar erkundigte sich noch nach seiner Amme und erfuhr, dass ihre Schwester, Ljubascha Jurgavist, hier im Steinturm lebte, die Hebamme und Heilerin war. Vielleicht konnte sie ihm weiter helfen, doch jetzt am Abend ruhte sie bereits und wollte nicht gestört werden.

Draußen war es schon dunkel und alle saßen beim Abendessen in der Halle, als Styrvake plötzlich aufsprang und zum Fenster eilte. Vorsichtig lugte er nach draußen. Was er dort sah, schien ihm nicht zu gefallen, denn er setzte mit einem Schwung über das Fensterbrett nach draußen in den Hof. Vorher gab er Rowin noch ein Zeichen, ihm zu folgen, bevor er die Fensterläden schloss. Der Rondra-Geweihte eilte zum Haupteingang. Dort sah er dann Balthasar und Tsaekal vor dem Thorwaler stehen, der seine große Axt kampfbereit hatte. Also zückte auch Rowin sein Schwert. Der Nivese bedrängte nun beide, er wolle seine Sachen wieder haben, unter anderem auch die Artefakte aus Festum, den Wolfsstab und ein machtvolles Armband. Styrvake war ganz ruhig, verweigerte aber entschieden die Herausgabe der geforderten Dinge. Daraufhin beschimpfte Tsaekal den Geweihten und den Thorwaler als ehrlos und als Feiglinge. Nackt, wie er war, hastete der Nivese zur Mauer des Anwesens und setzte mit einem gewaltigen Sprung hinüber.

Was war Vorgefallen? Styrvake berichtete, dass er ein seltsames Gefühl in der Halle hatte, einen Eindruck von Gefahr. Als er aus dem Fenster spähte, hatte er Balthasar und Tsaekal in einer dunklen Ecke des Burghofs gesehen und bei ihnen eine geisterhafte Gestalt, die sich gerade auflöste. Als er die Beiden zur Rede stellte, wurde er sofort vom Nivesen bedrängt. Jetzt im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Geist der von Frinja, der Geliebten des Druiden war. Sie wollte Balthasar vor einer drohenden Gefahr warnen. Die Sache wurde immer komplizierter. Just als alle wieder im Haus waren, brach draußen ein Gewitter los. Es donnerte und blitzte, doch kein einziger Tropfen Regen viel. Die Blitze fuhren um das Dorf herum herab und bildeten so einen schützenden Wall. Sollte der Nivese gerade versuchen, mit seiner dunklen Schar das Dorf zu überrennen? Rowin sah das Gewitter als Zeichen Rondras und wähnte sich sicher unter ihrem Schutz.

Plötzlich fühlten sich die Gefährten seltsam geschwächt. Mit einem prüfenden Zauber stellte Meister Lyoscho fest, dass irgendeine finstere Magie an ihnen zehrte und ihnen die Lebenskraft entzog. Nun war es genug! Die Gruppe eilte zum Turm und forderte ein Gespräch mit der Heilerin. Dem Drängen wurde nachgegeben. Rasch war klar, das Ljubascha eine Hexe war. Sie hatte auch Balthasars Amme gekannt, doch das wird eine andere Geschichte sein. Zu dem Fluch sagte sie, dass seit nunmehr zwanzig Jahren niemand mehr den Bund mit dem Wald eingegangen war, da der alte Druide verstorben war und der neue, ein Bruder des Barons, unfähig und verrückt war. Bei dem Bund schien es sich um eine Art Hochzeit zu handeln, in dem ein zeugungsfähiger und unverheirateten Dorfbewohner, der über latente magische Fähigkeiten verfügen muss, an den Bornwald gebunden wurde, um einen Pakt zu erneuern, der es den Menschen erlaubt, Teile des Waldes zu nutzen. Sollte dieser Bund nicht bald durchgeführt werden, würde der Wald sich zurückholen, was er einst besessen hatte. Und das war eine Menge.

Ljubascha traute sich zu, das Ritual durchzuführen. Vermutlich war es aber nicht so machtvoll, wie es sein sollte. Dennoch würde man dadurch Zeit gewinnen, um Väterchen Durn, einen alten kompetenten Druiden in den Nordwalser Höhen, zu finden, der ihnen helfen könnte. Das klang nach einem Plan. Noch in der Nacht machte sich Balthasar auf, Tsaekal zu suchen, um noch einmal zu versuchen, die Wogen zu glätten. Während seiner Abwesenheit kehrte der Baron Pettar Wolpje von Jagotin nach Hause zurück. Natürlich war er baff erstaunt über seine Gäste. Etwas ungläubig lies er sich von den Werwölfen und der drohenden Gefahr berichten und gewährte der Gruppe zunächst einmal Gastrecht. Dabei kam man auch auf seinen, nun druidischen, Bruder zu sprechen. Kein gutes Thema. Der Mann wurde wohl wegen eines Verbrechens vom Baron gesucht. Auf ihn wartete der Tod, falls er zurückkehren sollte. Was er verbrochen hatte, wollte der Baron allerdings nicht sagen.

 

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