Das Schlachtfest – Teil 3

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25. Hesinde, mittags

Nach einem kurzen Gespräch mit dem Ritter zieht die Jagdgruppe weiter, um den riesigen Hirschen vielleicht doch noch einholen zu können. Nachdem wir eine Stunde gewandert sind, stößt erneut Gwendala zu uns und mahnt zur Eile, denn nicht weit entfernt im Osten befinden sich ein Orklager. Dieses müssen wir möglichst umgehen.

Der Weg führt uns in immer steiler werdendes Gelände und gegen Abend sinkt die Temperatur merklich ab. Da einige meiner Gefährten erschöpft von den Anstrengungen sind, werden Gwendala und ich wachen und nur ein kleines Feuer in einer Senke entzünden, um keine Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Doch auch dieses kleine Feuer reicht aus, um merkwürdige Wesen anzuziehen, die wie Glutechsen oder Feuersalamander aussehen. Ich wecke die anderen, lösche das Feuer und wir verhalten uns ruhig, bis diese elementaren Wesen eine andere Richtung einschlagen. Mit ihren 1,5 Schritt Länge und 0,3 Schritt Höhe sind die Glutechsen mit ihrem pulsierenden Glühen und dem heißen Blut eine faszinierende, aber auch bedrohliche Begegnung.

26. Hesinde

Wie entscheiden uns dagegen, den Spuren der Glutechsen zu folgen, da sie in extrem steiles Gelände führen. Unser Weg führt uns statt dessen bis zu einem schnell fließenden Wildbach, an dessen gegenüberliegender Seite eine schroffe Felswand aufragt. Die Felswand ist an die 50 Schritt hoch und seltsamerweise ist die oberen Hälfe vollständig mit Eis bedeckt, obwohl die Lufttemperatur noch oberhalb des Gefrierpunktes liegt. Gwendala ist der Meinung, dass unser Ziel auf dem Plateau oberhalb der Felswand liegt. Wir müssen also zunächst den kleinen Fluß überqueren.

Wir haben zwar einige Seile, die wir über den Fluß spannen könnten, aber zunächst muss einer von uns hinüber gelangen. Gwendala nimmt die Seile an sich und wandelt dank ihres Mandas mühelos über das Gewässer. Sie befestigt die Seile in unterschiedlicher Höhe an einem Baum und wir tun das gleiche auf unserer Seite. Straff gespannt können wir die einfache Brücke nutzen, um zur anderen Seite zu gelangen. Die Felswand können wir nicht erklettern, doch es führt ein steiler Pfad an ihr entlang in die Höhe. Auf halbem Weg untersuchen wir das Eis. Es ist dickes, normales Eis. Bei diesen Temperaturen sollte es eigentlich langsam schmelzen, doch davon ist nichts zu sehen.

Als wir zwei Stunden später das Plateau erreichen, ist die Temperatur erneut gefallen. Hier oben ist der Boden leicht gefroren. Wir sehen uns um und entdecken einen Höhleneingang, der an die 10 Schritt misst. Die Öffnung ist über und über mit dickem Eis bedeckt und lange, spitze Eiszapfen hängen von der Decke herab und bilden bizarre Formen. Um den Höhleneingang herum gruppiert stehen vier hölzerne Steelen, auf deren Spitze jeweils ein wunderschöner, prächtiger  Bergkristall thront. Die Steelen selbst sind mit Runen und Symbolen verziert. Einige Schritt hinter dem Höhleneingang ist die Höhle durch eine meterdicke, massive Eiswand versperrt. Doch hinter der Eiswand glüht ein riesiger durch das Eis verschwommener Schemen in regelmäßigen Abständen auf und wir hören ein dumpfes Grollen. Ein Atmen? Eine noch schwache Stimme dingt in unseren Geist ein: “Wer stört meinen Schlaf?“. Offenbar haben wir das eisige Gefängnis des Tarkrandir gefunden!

Wir ziehen uns etwas zurück und nun erkennen wir den Schmelzprozess, der hier schon länger eingesetzt haben muss. Von innen nach außen scheint das Eis langsam aber sicher abzuschmelzen. Tarkrandirs Gefängnis wird also nicht mehr lange sicher sein. Naramis entzündet in einem Tiegel ein kleines Feuer und streut das magische Pulver herein. Erneut erscheint das Funkenweib, doch nimmt es sofort kreischend reis aus und flieht von der Höhle.

Wir sichern die Gegend und Naramis beginnt mit seinen Untersuchungen, die einige Zeit in Anspruch nimmt. Als er sich ein Bild von der Lage gemacht hat, berichtet er uns: Tarkrandirs Bann wurde auf einer Kraftlinie gesprochen und hält das Wesen offenkundig in einem Gefängnis aus Eis in einem Tiefschlaf gefangen. Der Bann basiert auf einem Fünfeck, welches mit den Ecken mit den Holzsteelen markiert wird. Die 6 jeweils untersten Symbole auf den Steelen bezeichnen die Elemente Feuer, Luft, Humus, Wasser, Erz und Eis und nehmen an Größe von unten nach oben zu. Dann folgen weitere Symbole, die von Steele zu Steele variieren. Ganz oben thront jeweils ein Bergkristall.

Weitere Untersuchungen des Ortes ergeben, dass augenscheinlich erst kürzlich eine Steele gewaltsam entfernt wurde, zu Boden fiel und dann in Windeseile verrottete, da keine magische Macht mehr auf das ungeschützte Holz einwirkte. Die Steele ist nicht mehr zu gebrauchen, die Runen und Symbole vollständig zerstört und zu allem Überfluß fehlt der Bergkristall.  Bei der Sicherung der Umgebung haben wir rote Fellfetzen an Bäumen gefunden und sofort vermuten wir einfältige Goblins hinter dem Diebstahl des Bergkristalls. Um den Bann weiter aufrecht zu erhalten, müssen wir eine Holzsteele als Ersatz für die zerstörte herstellen, mit den richtigen Symbolen versehen und den Bergkristall beschaffen. Wir beschließen, uns aufzuteilen. Naramis wird weiter die Symbole studieren und Agrawan als Beschützer hier behalten. Wir anderen werden nach dem Dieb des Bergkristalls suchen.

Im Umkreis von 1 Stunde Marsch finden wir ein großes Goblinlager, welches strategisch günstig an einer geschützten Stelle angelegt wurde. Die drei Dutzend Goblins sind uns nicht feindlich gesinnt und so können wir den Wächter Kwoork mit einem Geschenk dazu bringen, uns zur Schamanin Shuulka zu führen. In Bruchstücken können wir uns mit Shuulka verständigen, nachdem wir auch ihr ein Geschenk überreicht haben und etwas von unseren Rationen abgegeben haben. Viele Goblins sind ausgehungert, da seit zwei Monden das Wild wegbleibt und es nichts mehr zum jagen gibt. Ebenfalls vor 2 Monden brüstete sich der junge Krieger Quuilk (Er verrückt, aber mutig!) damit, etwas besonderes gefunden zu haben und es an sicherer Stelle “in der verbotenen Höhle“ verstecken zu wollen. Er wurde aber nicht mehr gesehen. Vermutlich hat also Quuilk den Bergkristall entwendet und versteckt.

Die Goblins kennen das Gefängnis von Tarkrandir und nennen es “Höhle, die immer kalt ist“. Sie fürchten diesen Ort und meiden ihn. Wir erklären so gut es geht, dass wir Quuilks Versteck finden müssen, damit Tarkrandirs Gefängnis wieder sicher ist und das Wild zurück kehrt. Shuulka willigt ein und gibt uns Kwoork und 4 Krieger zur Begleitung mit. Wir machen uns zunächst auf den Rückweg zur vereisten Höhle, um Naramis und Agrawan abzuholen. In der Zwischenzeit untersucht Naramis Tarkrandirs eiskaltes Gefängnis. Das Eis scheint immer schneller zu schmelzen. Es bleiben vermutlich nur noch wenige Tage bis zum Zusammenbruch der Eiswand. Der Geist Tarkrandirs beginnt sich zu regen und versucht, Naramis dazu zu bringen, ihn zu befreien. Mit Mühe kann Naramis wiederstehen.

Wir finden Agrawan und Naramis vor der Höhle und berichten. Gemeinsam eilen wir uns, Quuilks Versteck zu finden: eine weitere Höhle, die wir Dank der Führung der Goblins leicht finden. Vor der Höhle finden wir Spuren von Orks, Goblins und eines Elfen (von Gwendalas Bruder Mandavar?). Die Spuren der Orks und des Goblins führen nur hinein, nicht mehr hinaus. Ein unaussprechlicher Gestank wabert uns aus der Höhle entgegen. Wir rüsten uns zum Kampf und betreten die Höhle.

Im Inneren der Höhle finden wir den Hort eines Tatzelwurms vor, der bereits schrecklich gewütet hat. Überall liegen Knochen, halb gefressene und verwest Körper herum. Der Gestank raubt uns fast die Sinne. Leider befindet ist auch der schreckliche Wurm in der Höhle und wir kommen an einem Kampf mit dem mit Eiterbeulen bedeckten Wesen nicht vorbei. Seine Klauen und Bissangriffe sind gefährlich und verheerend, doch schließlich gelingt es uns, das Ungetüm zur Strecke zu bringen.

Eilig durchsuchen wir die restlichen Höhlen und finden neben einem toten Ork mit goldener Maske auch den toten Quuilk, der noch immer seinen Schatz, den Bergkristall, an sich gedrückt hat. Wir nehmen Maske und Kristall an uns und suchen das Weite. Alle Versuche, den üblen Gestank von uns abzuwaschen sind nur von bescheidenem Erfolg gekrönt. Wir werden mit dem Gestank einige Tage leben müssen.

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