Die neunfingerige Klaue IV – Leudaras Befreiung

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Die Altleuburg lag im nebeligen Schneetreiben (sic) verborgen. Von dem Seitentor der Stadt war nichts auszumachen. Just als die Gefährten beschlossen, auf eigene Faust die Festung zu erkunden, tauchte Mirhiban auf. In ihrem Gefolge befand sich eine weitere tulamidische Frau, die als Sheanna vorgestellt wurde. Sie war recht hübsch und leicht gerüstet, bewaffnet war sie mit zwei schlanken Schwertern. Es schien sich, um eine Freundin der Baronin von Pervin zu handeln. Wie die Gruppe später erfuhr, war Sheanna ebenfalls eine Geweihte Rahjas.
Gemeinsam wurde die taktische Situation besprochen. Zunächst machten sich Balthasar und Sheanna auf den Festungshügel zu umrunden, um zu erkunden, wo die Kultisten abgeblieben waren. Dabei fanden sie ein Lager auf der stadtabgewandten Seite des Hügels. Hier schienen auch Tunnel unter der Burg zu verlaufen.

Mit diesen Informationen beschlossen die Gefährten, den Sturm von der Rückseite und durch die unterirdischen Gänge zu wagen. Mittlerweile waren auch einige Rondraanhänger unter der Führung der hiesigen Schwertschwester eingetroffen. Von zwei Seiten näherte man sich dem rückwärtigen Lager und tötete die Wachen, als diese erbittert Gegenwehr leisteten. Durch die Stollen gelangte das Angriffskommando in den Hof der Burgruine. Dort fand, wie vermutet, ein Initiationsritual statt. Umringt von acht Kultisten kauerte die nackte Leudara auf dem kalten Hof. Ein anderer Korsmalbundjünger las Riten aus einem alten Buch. Dutzende von Anhängern waren im Burghof versammelt. Alle waren bewaffnet. Zahlenmäßig war der Feind den Gefährten drei zu ein überlegen, doch das hinderte Styrvake und Rowin nicht an einem Frontalangriff.

Mit einem irren Schrei stürmte der Thorwaler unter die Feinde und tötete im Handstreich gleich mehrere mit seiner gewaltigen Axt. Rowin drängte in der allgemeinen Verwirrung bis zum Ritualplatz durch und wurde dort von zwei Kultisten und ihrem Anführer gestoppt. Styrvake behakte die andere Flanke, währen der Rest der Gruppe sich um die Anhänger, die nicht geflohen waren, kümmerte. Sheanna versuchte derweil, sich um den Feind herum zu schleichen und Leudara in Sicherheit zu bringen. Und dann war da noch Lystramon, oder das, was von dem Magier übriggeblieben war. Er stand, als der Kampf begann, im Eingang des Bergfrieds. Meister Lyoscho sollte sich um ihn kümmern, da sich der Paktierer aber rasch zurückzog, waren die Gefährten zumindest an dieser Front sicher.

Rowin und Styrvake wurden schwer bedrängt und auch erheblich verwundet, aber es gelang dem Kommando, Leudara zu befreien. Einige Kultisten starben dabei, ihr Anführer konnte aber fliehen. Unter den toten Feinden fand sich auch der Geweihte Jasper, der offensichtlich ein doppeltes Spiel gespielt hatte. Er war von Rowin während des Gefechts kampfunfähig auf dem Burghof zurückgelassen, wurde aber von der Schwertschwester beim Verlassen der Burg abgeschlachtet. Man brachte die Verwundeten in den Perainetempel der Stadt und ließ Leudara bewachen.

Am nächsten Morgen war Leudara bei Bewusstsein, so dass Rowin einige Worte mit ihr wechseln konnte. Obwohl sie unter Drogen stand, hatte sie einige Gesprächsfetzen während ihrer Gefangenschaft aufgeschnappt. Der Führer der Kultisten hielt sie für die Nachfahrin der Leudonia von Leufurten und damit Erbin des Titels. Ihre Mutter wurde in einer Säuberungsaktion der Rondrakirche gegen den Korsmalbund von ihrem späteren Mentor Rondrowin erschlagen. Vermutlich aus Schuldgefühlen heraus wurde sie dann von ihm großgezogen und unterrichtet. Außerdem berichtete Leudara Rowin, dass der Anführer der Kultisten wohl angespitzte Eckzähne gehabt hatte, sie aber keine Ahnung hatte, wer das war. Sie war sich auch noch nicht sicher, was sie in Zukunft tun werde, spielte aber mit dem Gedanken, eine Pilgerreise in den Norden zu machen, um sich von ihren Sünden reinzuwaschen.

Während der gesamten Unterhaltung wirkte Leudara verklärt. Für einen kurzen Moment hatte Rowin gemeint, dass sie von einem Glanz umspielt war. Es wirkte auf ihn, so, als wäre die junge Geweihte entrückt und unter dem besonderen Segen der Göttin. Rowin erschrak, denn in den Augen der Leudara hatte er in den vergangenen Tagen eindeutig das Feuer des religiösen Eiferers gesehen. Warum hatte sie das besondere Wohlwollen Rondras? Warum war in Firunen eine Frau Tempelvorsteherin, die zögerte, sich dem Feind zu stellen, und als dieser besinnungslos am Boden lag, von ihr abgeschlachtet wurde. In Rowin erwachten Zweifel, ob das die Kirche ist, der er angehören möchte. Es erwachten sogar leise Zweifel an der Herrin Rondra selbst, doch das würde er niemals zugeben.

Am nächsten Tag, dem 1. Hesinde 1022 BF, verließen die Gefährten mit der Baronin von Pervin, Sheanna und dem Händler Vigo Bornski Firunen. In den Kaleschkas reisten mit ihnen auch der elfische Botschafter und seine thorwalsche Leibwächterin. Für all die Mühen hatte Rowin aus dem Tempelschatz sechzig Batzen für die Gefährten abzweigen können. Das Geld wurde unter allen verteilt. Tsaekals Anteil floss in Hand- und Fußfesseln aus Eisen und Zwergensilber. Schließlich war mittlerweile volle Mada und der Nivese mutmaßlich als reißende Bestie unterwegs. Dafür sprach auch ein prophetischer Traum, den Balthasar hatte und die Erzählungen des Firungeweihten, den die Gruppe beim Verlassen der Stadt gesprochen hatte. Dem zufolge hatte es in der vergangenen Nacht zahlreiche gerissene Tiere in der Umgebung gegeben, darunter sogar ausgewachsene Kühe.

Die anstehende Etappe der Reise dauerte bis zum 3. Hesinde, als man Rodebrannt erreichte. Unterwegs hatte Fenew noch einen Auftrag des Händlers Bornski für 60 Batzen pro Person ausgehandelt. Auf dem Weg nach Ouvenmas würden die Gefährten an der Wolfskopffeste, dem Stammsitz des Barons von Karenow, vorbei kommen. Vigo Bornski wollte gerne die Tochter des dortigen Barons namens Irinja freien. Aufgabe der Gruppe sollte es sein, dem Herrn der Wolfskopffeste die Tochter abzuschwatzen. Dafür würde Bornski ihnen auch ein paar Geschenke mitgeben. Beiläufig erzählte der Händler noch, dass Baron von Karenow im Besitz eines Paars Drachenflügel war. Da er aber keinen männlichen Erben hatte, wollte er diese nun veräußern. Außerdem munkelt man, dass sich in seinem Besitz ein besonderer Rondrakamm, den er einst in den Totensümpfen gefunden hatte, befand. Ob das eine der Waffen der Heiligen Rondragabund war?

Neben dem Auftrag ereignete sich noch etwas während der Reise. Beziehungsweise Balthasar träumte wieder etwas. Er sah Lystramon, wie er Milzenis aufstachelte und ihm anbot, ihn von dem Fluch zu befreien, so dass er für sein Jahrhunderte währendes Leiden endlich Rache nehmen konnte. Erschreckenderweise ging Milzenis darauf ein, auch wenn er die Kreatur, die Lystramon nun war, offensichtlich fürchtete.

In Rodebrannt kam die gesamte Reisegruppe im Hotel „Ilmenblatt“ unter. Am Abend zogen Fenew, Rowin und Styrvake aus und wollten die Unterstadt, im Schatten der Grafenburg gelegen und von allerlei „interessantem“ Gesindel bevölkert, unsicher machen. Schon etwas angeheitert, wurden sie dann Zeuge eines tragischen Unfalls. Ein Schlitten kam in eine Kurve vom Weg ab und kippte um. Dabei wurde ein Kind unter der Kaleschka begraben und schwer verletzt. Auch der Passagier der Kutsche, Baron Luminor von Groniza, hatte sich bei dem Unfall den Arm gebrochen. Doch was dann geschah, war wirklich bizarr. Während die Umstehenden versuchten, das Kind unter der Kutsche zu befreien, zeterte der Adelige, man solle das Gör dort verrecken lassen und sich gefälligst um seinen gebrochenen Arm kümmern. Sofort entstand eine gefährliche Situation. Man konnte den Baron nicht einfach ignorieren, aber auf der anderen Seite würde das Kind sonst sterben. Also wurde der Schlitten schnell angehoben und Rowin sprach einen Heilsegen für das Kind. Soweit stabilisiert wurde es einem beistehenden Passanten in die Hände gedrückt, mit dem Auftrag, es schnell fortzubringen. Noch ehe von Groniza völlig ausrastete, wandte sich ihm der Rondra-Geweihte zu und schiente seinen Arm. Damit war zumindest für den Augenblick auch der Baron zufrieden gestellt.

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