Die neunfingerige Klaue II – Und ewig lockt das Weib

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Die Elementarwesen waren gerade verschwunden, als die Erde zu beben begann. Rowin versuchte in dem ganzen Chaos Tsaekal zu erreichen, der schwer verletzt am Boden lag. Irgendwann ebbte das Beben ab, und es gelang dem Geweihten, Kraft der Macht seiner Göttin, die Wunden des Nivesen so weit zu heilen, dass er außer Lebensgefahr war. Dann begannen die Bilder. Alle hatten Visionen. Das, was die Gartimpener Schwestern schon mit Worten prophezeit hatten, sahen die Gefährten nun vor ihrem geistigen Auge. Nach der Vision verfiel Fenew Jenko erneut in fiebrige Träume. Sein Fluch, der ihn langsam in eine Sumpfranze verwandeln würde, war wohl immer noch nicht ausgestanden.

Und als wäre das nicht schon genug, erschien auch noch der Festumer Magier Adario Lamertien. Er hatte offensichtlich beobachtet, was hier auf der Riesenburg geschehen war. Mit seiner Zauberei brachte er den bewusstlosen Fenew nach unten, während die anderen Gefährten sich an den Abstieg machten. Dabei kam es zum Absturz des Druiden, der böse mit dem Kopf aufschlug, sich zwar nicht lebensgefährlich verletzte, aber immerhin so schwer, dass er besinnungslos war. Auch die Temperatur im Umland war angestiegen, und der Boden begann, morastig zu werden. Es hatten sich am Waldrand Sumpfranzen eingefunden, die die Szenerie zähnefletschend und knurrend verfolgten. Aber nicht nur das Wetter hatte sich verändert, es fehlten auch ein paar Stunden. Beim Aufstieg auf den Turm war es früher Nachmittag gewesen, jetzt begann es zu dämmern. Die bewusstlosen Gefährten wurden auf die Pferde geschnallt. Plötzlich war eine große Schädeleule am Himmel zu sehen, die einen Beutel abwarf. In ihm fanden die Gefährten dreimal Roter Drachenschlund zur Behandlung der Werwolfbisse. Die Hexen schienen mit dem Ausgang der Ereignisse zufrieden zu sein und überstellten die ausgemachte Bezahlung.

Während der Rückreise erzählte Adario Lamertien ein wenig über seine Vermutungen zu Lystramon, dass dieser wohl ein Dreifachpaktierer (Blakharaz, Agrimoth und Belzhorasch) sei und Meister Lyoscho besser daran täte, gegen ihn das Amulett einzusetzen, dass er bekommen hatte. Des Weiteren gingen zurzeit in Festum wohl Dämonen um und verschleppten Einwohner. Lyoscho berichtete der Gruppe in dem Zusammenhang, dass er auf der Riesenburg für einen kurzen Moment Lystramon im Nebel gesehen hatte. Der Paktierer war plötzlich nah bei ihm gestanden. Nach der Begegnung vermisste er das Buch von Urnislaw von Uspiaunen, in dem der Fluch des Riesen Milzenis beschrieben war.

Noch vor der Stadt Firunen trennte sich Adario Lamertien von den Gefährten. Die Gruppe kehrte in der Nähe des Nordtors im „Lustigen Fuhrmann“ ein. Die Dame Mirhiban wurde von der Rückkehr unterrichtet. Bei der Wundversorgung des Nivesen und des Thorwalers kam es zu einem kleinen Disput zwischen dem Magier und dem Geweihten. Drei Mal Roter Drachenschlund stand bereit, für zwei Wunden. Da Tsaekal von einem gefährlicheren Werwesen oder gar Dämon verwundet worden war, vertrat Rowin die Meinung, „Viel hilft viel“, während sich Meister Lyoscho an die Vorgaben aus seinem Alchimiestudium halten wollte: eine Blüte pro Wunde. Etwas rabiat setzte der Magier sich schließlich durch. Irgendwie wirkte er in letzter Zeit überspannt und leicht reizbar.

Am Abend in der Kneipe, geführt vom Ehepaar Einuk und Bernisha Bornski, saßen zwei alte Bekannte der Gefährten: der elfische Botschafter aus Festum, Elsurion Sternlicht und seine thorwalsche Begleiterin Jurga Argasdottir. Rowin und Styrvake begannen die Frau aus Leibeskräften anzubaggern, wobei der Thorwaler erfolgreicher war, woraufhin sich der Geweihte dem Suff hingab. Unterdes erfuhr Tsaekal von einigen anwesenden Nivesen, dass erst kürzlich die Norbardensippe der Olscheffs in Firunen war. Bei ihnen war ein gewisser Darjew Jenko, der wohl den Sklavenmienen der Eishexe entfliehen konnte.

Außerdem betrat irgendwann die hiesige Rondra-Geweihte Leudara das Gasthaus. Rowin lies es sich nicht nehmen, ein kurzes Gespräch mit ihr zu führen. Dabei war er grenzwertig übergriffig, in ihm wurden aber Zweifel gesät, dass es sich bei der Frau doch vielleicht um ein Opfer und nicht um eine Kultistin handeln könnte. Sie zeigte ihm in der Wirtsstube, wenn auch etwas widerwillig, das Brandmahl der neunfingrigen Klaue in ihrem Nacken. Nach eigenen Angaben hatte sie dieses bereits seit ihrer Kindheit. Sie war ein Findelkind. Ihre Eltern waren ihr nicht bekannt. Rowin, der merkte, dass für seinen berauschten Zustand das Gespräch zu komplex wurde, verabredete sich mit Leudara am nächsten Tag.

Das war dann der 28. Boron 1022 BF. Tsaekal wollte unbedingt den Norbarden nach Festum hinterherreisen, erfuhr aber bald vom Firun-Geweihten Elenan Eisbart, dass die Sippe wohl noch vor der Stadt lagerte. Rowin machte sich morgens auf in den Tempel. Auf geweihtem Boden traf er sich mit Leudara und war ein wenig beruhigt, dass sie augenscheinlich nicht völlig korrumpiert war. Gemeinsam machten die beiden einen Spaziergang vor die Stadt. Leudara berichtete Rowin, dass sie bisher drei Visionen hatte, die erste im Tempel zu Firunen, die sie alle auf der Altleuburg zeigten. Daraus leitete sie ab, dass sie von der Göttin Rondra auserwählt war, den Theaterritterorden in alter Tradition wieder ins Leben zu rufen. Sie plante, um das umzusetzen, nach Festum zu reisen und sich zur Adelsmarschallin wählen zu lassen. Rowin gewann mehr und mehr den Eindruck, dass sie größenwahnsinnig und religiös verblendet war. Also galt es Licht in das Dunkel ihrer Vergangenheit zu bringen. Sie selbst wusste zwar nichts über ihre Herkunft, aber es gab da einen Geweihten im Tempel in Firunen, einen alten Veteranen namens Rondrowin von Schwertbergen, der sie aufgezogen hatte. Mit ihm wollte Rowin sprechen.

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