Festumer Geschäfte II – Aufbruch in den Norden

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Wie von der Adelsmarschallin angekündigt, konnten die Gefährten sich in der Rüstkammer einige besondere Gegenstände aussuchen. Danach ging es in die Zinnoberlaboratorien, wo ein Potpourri der besten alchimistischen Substanzen für die Reise zusammengestellt wurde.

Am 10. Boron 1022 BF kam es dann zu einem folgenschweren Abendessen beim Draconiter Wulfhelm Tannhäuser. Ebenfalls anwesend war eine sechzigjährige Golgaritin namens Boronje Walroder. Eigentlich ging es noch einmal um die Vorfälle beim Erstürmen der Villa des Immanuel von Brabak. Man war dort auf Hinweise gestoßen, die vermuten ließen, dass der Nekromant im Bunde oder im Dienst eines viel älteren und längst schon vergessen geglaubten Schwarzmagiers namens Zoyan zu Notmark und zu Leuenteich stand. Dieser hatte vor tausend Jahren gelebt. Sein mumifizierter Leichnam wurde in der Halle des Quecksilbers in Festum verwahrt, dort aber vor etwa achthundert Jahren entwendet. Seitdem geht die Legende, dass der alte Magier in den Totensümpfen im Norden des Bornlandes sein Unwesen treibt. Vor zwei Jahren dann wurde in der Magierakademie ein Artefakt gestohlen, genannt der Seelendreher (sic), mit dem man Kontrolle über andere Untote erlangen konnte. Die Golgaritin befürchtete nun, dass das alles miteinander zusammenhing. Da die Gruppe in den Norden reiste, bat man sie, auf Hinweise zu achten und sich vor Racheakten in acht zu nehmen.

Um sich erkenntlich zu zeigen und zum Schutz der Gefährten, wurde der Gruppe ein Gegenstand, der Stab des weißen Wolfes, überlassen. Dabei handelte es sich um ein kultisches Nivesenartfakt. Rowin gab deutlich sein Missfallen zum Ausdruck, dass man eh schon dunkle Magie nun mit einem ketzerischen Gegenstand versuchen wollte zu bekämpfen. Hierüber gerieten er und Styrvake nach dem Treffen aneinander. Der Thorwaler warf dem Geweihten vor, sich respektlos gegenüber anderen Religionen zu verhalten, woraufhin Rowin doch in aller Deutlichkeit klar machen musste, dass es einen großen Unterschied zwischen zum Beispiel dem Swafnirglauben der Thorwaler und dem Irrglauben der Nivesen gab. Daraufhin war natürlich Tsaekal sofort erbost und verteidigte sein kulturelles Erbe. Ein Wort gab das andere und die Stimmung sank ins Bodenlose. Schließlich einigte man sich darauf, dass Tsaekal zu gegebener Zeit dem Rondra-Geweihten Anhänger des Himmelswölfkults zeigen wollte, die über klerikale Kräfte verfügten. Um dann auch entsprechende Kenntnisse gewinnen zu können, besorgte sich Rowin noch ein Brevier über die Liturgie der Seelenprüfung. Meister Lyoscho hatte zum Abschluss des Tages noch einen weitaus konstruktiveren Beitrag zu leisten. Er berichtete von eine steckbrieflich gesuchten Magierin namens Lenija Oljanov, der man den Diebstahl des Seelendrehers anlastete. Sie sollte sich in der Gegend von Ouvenmas herumtreiben.

Der Abend vor der Abreise wurde von den Gefährten bei einem gemeinsamen Abendessen mit Adario Lamertien verbracht. Thema war das erneute Auftauchen des Magiers Lystramon. Lamertien glaubte, dass der Schuft im Besitz eines Artefakts sein könnte, dem Mantel des Richters, welches aus der Zeit der pervertierten Theaterritter stammte. Rohal selbst sollte das Ding in einem Rohalsgefäß unter Festum versteckt haben. Zum Schutz der Gruppe gab Lamertien Lyoscho eine Mondsilberhalskette mit einem Onyx. Dieser würde die Widerstandskraft des Trägers gegen Magie für einige Zeit erhöhen.

Am 12. Boron brachen die Gefährten dann gemeinsam mit Mirhiban auf einem Treidelkahn den Born stromaufwärts gen Firunen auf. Kapitänin des Gefährts war eine gewisse Nadeschja Hilmarew. Bereits am ersten Abend kam es beim Abendessen zu einem weiteren Eklat. Während Mirhiban jeden in der Gruppe ansprach und sich interessiert über Dinge aus deren Leben erkundigte, verweigerte sich Tsaekal ihr mit den Worten, er würde derlei private Themen nicht mit einer Hure erörtern. Ob er dabei Bezug nahm auf den Rahjaglauben der Baronin von Pervin oder der Tatsache, dass sie eine Liebesbeziehung zu Adelsmarschallin hatte, blieb unklar. Lächelnd ging Mirhiban über die Beleidigung hinweg, was wiederum Rowin erschütterte, der angenommen hätte, dass die Geweihte ihren Glauben vehementer verteidigen würde.

Die weitere Reise war zunächst ereignislos. Am 18. Boron passierte man Firunen, am 19. Boron wollte man abends Bornstein erreichen, wo Mirhiban eine Unterredung mit der örtlichen Herrscherin hatte. Drei Stunden vor Ankunft kam es dann zum Unfall. Ein Floß, das flussabwärts unterwegs war, rammte den Treidelkahn und beschädigte ihn. Sofort gab Kapitänin Nadeschja Befehl, ans Ufer zu fahren. Mittlerweile hatte man die Rotaugensümpfe erreicht. Entsprechend wurde das ganze Manöver kritisch von Sumpfranzen beäugt. Außerdem stürzte Fenew beim festmachen des Kahns in die Uferböschung und verletzte sich an einem Strauch. Zum Entsetzen aller handelte es sich dabei um Morgendorn, einer verfluchten Pflanze, der man nachsagte, diejenigen, die sich an ihr stachen, in Sumpfranzen zu verwandeln. Und schon sprießen dem Norbarden die ersten borstigen Haare an der Einstichstelle. Während Lyoscho und Balthasar noch fieberhaft überlegten, was nun am besten zu tun sei, verdrängte Fenew das Problem mit Unmengen von Meskinnes und verabschiedete sich in rauschhafte Zustände. Auch nach längerem Überlegen schien es Meister Lyoscho am klügsten, wenn man im nächsten Ort nach Hilfe Ausschau hielt, oder am Morgen zu den Hexen von Gartimpen aufbrach. So kehrte man am Abend im „Tänzelnden Einhorn“ in Bornstein ein. Man erfuhr, dass sich in der Gegend niemand so recht auf die Heilung von Vergiftungen verstand.

Am nächsten Morgen ging es also zunächst den Fluss entlang zurück Richtung Firunen, um dann am Mittag die Abzweigung nach Gartimpen zu nehmen. In der Nacht hatte es geschneit, so dass die Straße recht rutschig war. Als die Gruppe die Havariestelle des gestrigen Tages erreicht hatte, tauchte plötzlich aus dem Fluss eine Gestalt auf. Eine Nymphe, wie es in Salderkeim schon mal der Fall war, näherte sich der Gruppe und machte irgendwas, so dass Fenew in das kalte Wasser stieg. Sofort eilte Rowin herbei und wollte ihn herausziehen und so den bösen Zauber der Flusshexe brechen, doch der Norbarde hatte ungeahnte Kräfte und stieß den voll gerüsteten Geweihten einfach weg. Den Rest der Gruppe schien die ganze Szene wenig zu besorgen, da in einer ähnlichen Situation ja schon mal alles gut gegangen war. Und auch jetzt wendete sich alles zum Besten. Die Nymphe mit Namen Geskai führte Fenew zu einer Morgendornpflanze und berührte diese, während sie den Norbarden bei der Hand hielt. In dem Moment schloss sich die Wunde an Fenews Hals und die Pflanze verwelkte. So kehrten die Gefährten am Nachmittag nach Bornstein zurück, mit dem Plan, am nächsten Tag die Reise mit Mirhiban fortzusetzen.

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