Der Drache II – Instandsetzung des Bannstrahlers

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Drachenzwinge stand in Flammen. Über dem nahegelegenen Wald kreisten einige Baum- und Meckerdrachen. Aus der Burg oberhalb des Dorfs stieg dunkler Rauch auf. Inmitten des Infernos versuchten die Bewohner, die letzten Häuser und ihre Freunde und Familien vor dem Feuer zu retten. Es brauchte einige Stunden, bis der Brand unter Kontrolle war. Mittlerweile war die Nacht hereingebrochen. Von dem Dorf blieben nur fünf Hütten übrig. Die Burg brannte weiterhin. Dort oben war es so heiß, dass jeglicher Löschversuch zum Scheitern verurteilt war. Darjew Elkensen, der Schmied, berichtete, wie vor zwei Tagen ein gewaltiger Drache, der sich Brakador nannte, vor der Burg aufgetaucht war. Er teilte dem Bronnjaren mit, dass er den Rondraschrein von nun an als Lagerstädte nutzen werde und vom Dorf regelmäßige Tribute fordere. Natürlich forderte das den Herrn von Drachenzwinge heraus, so dass er am Morgen mit seinen Männern auszog, den Drachen zur Strecke zu bringen. Keiner von ihnen war zurückgekehrt. Statt dessen kam Brakador und zündete Burg und Dorf mit seinem Feuerodem an. Zur Strafe verlangte er von nun an täglich ein Opfer von den Dorfbewohnern. Entweder ein Tier oder einen Menschen zum Verzehren.

Nach kurzer Beratung war den Gefährten klar, dass dem Dorf geholfen werden musste. Einen Boten zum Fürsten nach Irberod zu schicken, würde nicht ausreichen, da dieser über eine Woche unterwegs wäre. Auch gab es in der näheren Umgebung keine Höhlen oder eine geeignete Zuflucht für die Dorfbewohner. Wie Darjew berichtete, war der Drache bei seinem Angriff verletzt gewesen, der Bronnjar war also nicht ganz erfolglos in den Tod gegangen. Also beschlossen die Gefährten, dass sich Tsaekal aufmachte, beim Schrein die Lage auszukundschaften. Währenddessen halfen die anderen bei den Aufräumarbeiten und der Bestattung der Toten. In dem zur Hälfte abgebrannten Gasthaus fand Styrvake einen sehr betrunkenen Mann liegen. Wie durch ein Wunder war er von den Flammen verschont geblieben. Nach einigem Hin und Her fand der Thorwaler nicht nur den Namen des Fremden, Gerion Karolus, heraus, sondern auch, dass es sich bei ihm um einen Bannstrahler handelte, der augenscheinlich in Drachenzwinge gestrandet war und sich hier dem Suff ergeben hatte.

Später in der Nacht kehrte Tsaekal zurück. Der Nivese berichtete von Brakador, dass er ein schwarzgeschupptes Ungetüm von achtzehn Metern Länge war und sich tatsächlich in der Kapelle eingerichtet hatte. Um überhaupt in den Schrein zu passen, hatte sich der Drache rückwärts hinein geschlängelt. Sein Leib dürfte das Gebäude zu einem Großteil ausfüllen. Neben dem Monster boten aber auch zahlreiche Leichen, die überall verstreut lagen, einen schrecklichen Anblick. Zu allem Übel war eine davon Parel, einer der Grabräuber, wegen denen die Gefährten hierher gereist waren. Vermutlich lag also die Bernsteinkette und das Schwert von Ailgur Ornald im Hort des Drachen. Tsaekal bestätigte zwar, dass Brakador Verletzungen aufwies. Das Monster war aber noch viel zu gesund, als dass ein direkter Angriff Sinn gemacht hätte.

Nach einer kurzen Nacht brach der Morgen des 5. Travia an. Lyoscho, Balthasar, Fenew und Tsaekal machten sich zur Burg auf. Das Feuer hatte nur den Bergfried intakt gelassen. In seinem Inneren war es aber immer noch sehr heiß. Um so verwunderter waren die vier, als sie im Verlies noch eine Gefangene fanden. Die Frau war sehr entkräftet aber ansonsten unverletzt. Ihr Name war Katjenka Jurgavist, die Heilerin von Drachenzwinge. Vor einigen Tagen hatte man ihr, nach einem Todesfall, vorgeworfen, an dem Tod des kranken Säuglings Schuld zu sein. Auf Giftmischerei und Hexenwerk lautete die Anklage. Natürlich wies Katjenka alle Anschuldigungen von sich. Als sie in das Dorf gebracht wurde, waren die Einwohner ihr gegenüber sehr reserviert und lehnten ihre Heilkünste ab.

Und dann kam der Drache. Angst breitete sich unter den Menschen aus. Mit einer ungehörigen Eleganz landete Brakador auf den Feldern am Dorfrand und forderte seinen Tribut. Man brachte ihm drei Ziegen, von denen er zwei sofort verschlang. Die Dritte spuckte er angekaut in die Menschenmenge und beschwerte sich angewidert über die Qualität der ihm dargebotenen Gaben. Für den nächsten Tag verlangte er zarteres Fleisch. Dann stieß er sich vom Boden ab und flog davon. Rowin, Styrvake, Lyoscho, Fenew, Balthasar und Tsaekal berieten sich über das weitere Vorgehen. Einige Tage blieben ihnen noch Zeit, in denen die Dörfler den Drachen mit Vieh besänftigen konnten. Der beste Plan war es, den Bannstrahler Gerion wieder einsatzbereit zu machen, um seine Fähigkeiten im Kampf gegen das Ungetüm nutzen zu können. Vielleicht gelangten bis dahin auch noch die Drachenjäger um Ritter Hetgar Wulfjes in das Dorf, schließlich war es Brakador gewesen, den sie verfolgten. Außerdem begleiteten einige die Hexe Katjenka zu ihrer Hütte, um ein paar Ingredienzien zu besorgen, die zur Heilung und eventuell als Gift für den Drachen geeignet waren.

Derweil nahm Rowin Gerion die Beichte ab. Er kam aus Eslamsbrück und wollte Krieger werden, wurde aber in Wehrheim bei der Akademie abgelehnt. So schloss er sich den Bannstrahlern an und machte Karriere. Er kämpfte in der Dämonenschlacht gegen die Borbaradianer. Aber erst am Ende des Krieges passierte etwas, das ihn vollends aus der Bahn warf. Man beauftragte ihn, eine mutmaßliche Hexe nach Beilunk zu überführen. Als er die Frau, für die er vielleicht auch Gefühle empfand, dem Inquisitor Andrick von Rothenberg übergab, war er von ihrer Unschuld überzeugt. Als sie dennoch einige Tage später verbrannt wurde, verlies er die Stadt und landete schließlich sturztrunken in Drachenzwinge.

3 Gedanken zu „Der Drache II – Instandsetzung des Bannstrahlers

  1. jhb

    Wurde Katlenkas Hilfe von irgendeinem dieser Hinterwälder angenommen? Darjew war ausgesprochen misstrauisch und ablehnend. Ich meine, dass nur wir an Ihrem Wissen und Ihren Künsten interessiert waren. Der einzige, der sich sonst noch für sie eingesetzt hatte, war Gerion, als er zornig beklagte, dass eine verdiente Heilerin sang- und klanglos für einen natürlichen Kindstod verurteilt worden war. Hier sieht er bestimmt Paralellen zu seinen Erlebnissen.

  2. thd

    Mag sein, ich hatte das en Detail nicht mehr in Erinnerung, wusste aber, dass man stillschweigend toleriert hatte, dass sie wieder auf freiem Fuß war.

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