Zeichen der Vergänglichkeit VI – Notfallbestattung!

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Langsam spitzte sich die Lage zu. Tsaekal war von Styrvake als Wächter bei den Ibeleits abgelöst worden und stand nun, bei leichtem Schneefall, mit Rowin, Lyoscho, Fenew und Balthasar auf dem Dorfplatz zusammen. Norbarde und Magier berichteten von ihrem Treffen mit der Muhme und der Zibilja der Larsinnen und dass diese darauf bestanden, das Dorf frei bereisen zu dürfen. Vorher wollten sie nicht über eine Herausgabe der Bernsteinkette verhandeln. Wie angespannt die Stimmung im Dorf mittlerweile war, zeigte sich, als Tsaekal hörte, was einige Bewohner, die bei der alten Dunjascha Karjensen standen, redeten. Sie planten ganz offen, die taubstumme Dunja zu fangen und als Hexe zu verbrennen. Rowin nahm das noch einmal zum Anlass, ein ernstes Wort mit den Anwesenden zu sprechen, was diese aber nur mäßig beeindruckte.

Plötzlich kam Styrvake, zusammen mit Pettar Muselken, in das Dorf gelaufen. Dunja war fort. Kreschka Ibeleit, ihre Mutter, wollte sie zum Abendbrot rufen und fand sie nirgendwo. Alarmiert eilten alle zur Hütte der beiden, während der Thorwaler im Dorf bleiben sollte. Nicht dass sich das Mädchen aus versehen dahin verirrte und dann von den Bewohnern gelyncht würde. Am Südtor, auf dem Weg zur Ibeleit Hütte, wollte die Schmiedin mit den Gefährten sprechen. Tsaekal und Balthasar ließen sich nicht aufhalten und eilten schon einmal voraus. Rowin, Meister Lyoscho und Fenew redeten derweil mit der Frau. Villera Muniken war besorgt, dass es bald im Dorf zu einer blutigen Auseinandersetzung kommen würde. Sowohl zwischen den Dörflern und der Norbardensippe, als auch mit den Gefährten. Sie drängte sehr auf eine Erklärung. Nach kurzem zögern berichtete Rowin ihr in groben Zügen vom Stand der Dinge. Er erzählte von dem Medaillon, dem Fluch, den Grabräubern und den Arkanoglyphen. Der Schmiedin fiel es schwer, all den verwirrenden Informationen zu folgen, allerdings glaubte sie dem Geweihten, und versprach, ihr möglichstes zu tun, um den Gefährten noch ein wenig Zeit zu verschaffen.

Am Haus der Ibeleits hatte Tsaekal mittlerweile eine Spur gefunden. Es schien, als wenn Dunja vor Styrvakes Augen die Hütte verlassen hatte und in den Wald gegangen war. Die Fußspuren waren etwa eine halbe Stunde alt. Kreschka war außer sich vor Sorge und erleichtert, als sich Tsaekal, Balthasar, Fenew, Lyoscho und Rowin aufmachten, ihr Tochter zu suchen. Bei ihrem Aufbruch in den Wald bekamen die Gefährten gerade noch mit, wie Okro Larsinnen, Dunjas mutmaßlicher Vater, bei der Hütte eintraf. Kreschka war natürlich überrascht, ihn zu sehen. Als sie dann vom Verschwinden des Mädchens berichtete, wurde der Norbarde immer verzweifelter. Schon bald stritten sich beide lautstark. Die Fährte führte durch den Wald bis zu Gariguunas Höhle. Dort fanden die Gefährten Dunja bei der Goblinschamanin sitzen. Die Kleine war aus Furcht vor den Dörflern in den Wald geflohen. Mit Händen und Füßen versuchte sie klar zu machen, dass sie hier erste einmal bleiben wollte. Man sollte ihrer Mutter zur Beruhigung sagen, dass sie bei der alten Gari sei (Gariguunas menschlicher Gestalt, in der sie im Dorf bekannt war). Während des „Gesprächs“ merkte Rowin plötzlich, wie das Mädchen in seinem Kopf war. Fast dachte er, er könne ihre Stimme hören. Auf jeden Fall war ihm sofort klar, was ihr Anliegen war. Wenn es noch eines Beweises bedurft hatte, dass sie über latente magische Fähigkeiten verfügte, dann war er damit erbracht. Gariguuna bot derweil den Gästen Tee an und bat sie, platz zu nehmen. Jetzt, wo alle hier versammelt waren, wollte sie gerne über die Zustände im Dorf plaudern. Dafür hatte Rowin wenig Verständnis, schließlich drohten die Dörfler überzuschnappen und waren kurz davor, ein Unheil anzurichten. Doch die Goblinfrau wollte sich nicht drängen lassen, also verabschiedete sich der Geweihte zusammen mit Balthasar und Tsaekal und eilte zurück zum Dorf. Lyoscho und Fenew blieben in der Höhle und unterhielten sich mit Gariguuna.

Der Weg durch die Dunkelheit wurde noch dadurch erschwert, dass es begann zu Gewittern. Der Rondra-Geweihte hielt das für ein Zeichen seiner Göttin, wenn er auch auf den strömenden Regen verzichtet hätte. Rasch war der Waldboden so aufgeweicht, dass ein Vorwärtskommen nur noch langsam möglich war. Und dann wurden die Abhange steiler und Gestalten huschten zwischen den Bäumen hin und her. Hätte Rowin etwas von dem Goblintee getrunken, hätte er gedacht, dass man ihm da was beigemischt hätte. So hielt er es für eine Ausgeburt des Fluchs, der auf dem Tal lag. Trotz all der Widrigkeiten erreichten der Druide, der Geweihte und der Nivese nach gut zweieinhalb Stunden Neu-Drakenstein. Sie berichteten Kreschka Ibeleit in aller Schnelle, dass es ihrer Tochter gut ging und wo sie sich befand. Weiter am Dorfrand sahen sie dann, dass immer wieder ein gleißender Blitz in der Dorfmitte im See einschlug. Nun war Rowin endgültig davon überzeugt, dass es sich hierbei um ein Zeichen Rondras handelte, die sich des zentralen Glyphensteins angenommen hatte. Auf dem Dorfplatz gesellte sich Styrvake zu den anderen. Er hatte in ihrer Abwesenheit mitbekommen, wie es einen Zwischenfall gegeben hatte. Okro Larsinnen war plötzlich im Dorf aufgetaucht und suchte seine Tochter. Als er die Einwohner befragte, hatte er wohl irgendeine Magie verwandt, worauf man ihn mit Knüppeln aus dem Dorf getrieben hatte. Bald darauf waren Brandpfeile auf die Wagenburg der Norbarden geschossen worden und eine der Kutschen war in Flammen aufgegangen. Daraufhin hatten die Norbarden versucht, ein Feuer an der Palisade zu legen. Dabei wurde einer von ihnen erschossen. Das ganze wäre sicher noch weiter eskaliert, wenn nicht plötzlich dieses Unwetter über das Dorf hereingebrochen wäre.

Voller Bestürzung über den Toten erreichten die Gefährten den See. Das Gewitter verzog sich und auch der Regen verebbte. Just in dem Moment tauchten Fenew und Meister Lyoscho auf. Auch sie hatten sich auf den beschwerlichen Rückweg durch den Wald gemacht, zuvor aber von Gariguuna noch erfahren, dass sie wohl nicht umhin kamen, den zentralen Stein im See zu zerstören. Außerdem wäre es wohl hilfreich, wenn man die Gebeine der norbardischen Hexe, die vor achthundert Jahren von Ailgur in einem Fass im See ersoffen worden war (schwanger mit seinem Kind), bestatten würde. Tsaekal stieß plötzlich eine Warnung aus. Nebel hatte sich auf dem See gebildet und waberte jetzt an Land. Aus dem Wasser hatte sich eine geisterhafte Gestalt erhoben. Eine bleiche norbardische Frau mit stierem Blick und Algen im Haar. Ihre Gewänder klebten feucht an ihrem gemarterten Leib. Schrecken kroch allen in die Knochen. Einige waren so erschüttert, dass sie wie erstarrt am Ufer verharrten. Rowin stammelte immer rund immer wieder: „Bei Rondra! Gib mir Kraft!“ Der Geist fuhr unter sie und schwebte weiter Richtung Wald. Plötzlich brach der Geweihte zusammen und erbrach schwallartig brackiges Wasser. Dann gelang es ihm, Mut zu fassen. Er sprach ein schnelles Gebet und eilte dem Geist hinterher. Drohend hob er den Rondrakamm und wollte die Erscheinung vertreiben, als diese sich ihm zuwandte. Rowin holte aus und – lies das Schwert fallen. Mit stierem Blick wandte er sich um und wankte auf den See zu. Der Geist schwebte weiter zum Wald. Balthasar zauberte einen Bannspruch und wollte die Beherrschung der toten Hexe brechen. Lyoscho und Fenew folgten der Untoten. Tsaekal hätte den Geist am liebsten angesprungen, konnte sich aber zurück halten. Rowin war schon fast am See, als dem Druiden das Unmögliche gelang. Er bannte den Zauber der Erscheinung. Als der Geweihte wieder bei Sinnen war, sah er nur noch den Nivesen an seiner Seite. Der Geist senkte sich gerade durch den Boden in Ailgurs Grab ab, und die anderen folgten ihm über dem Abstieg zur Gruft. Rowin schrie und rannte auf sie zu, fest entschlossen, den Bann, der auf den Gefährten lag zu brechen. Doch er kam zu spät. Die Platte zur Gruft klappte zu, just als er sie erreichte. Gemeinsam mit Tsaekal konnte er den Eingang wieder öffnen. Den Zwölfen sei dank, war seinen Gefährten nichts geschehen. Gerade als er die Grabkammer erreichte, löste der Geist sich auf. Meister Lyoscho sagt, dass die Norbardin ihnen wohl verdeutlichen wollte, dass sie hier bei Ailgur bestattet werden wollte.

Nachdem der erste Schreck sich gelegt hatte, holten die Gefährten von Pettar Muselken Werkzeug. Der See war durch das Gewitter und der plötzlichen Wärme nicht mehr vereist (Rondra hatte ganze Arbeit geleistet). Die zentrale Arkanoglyphe war nun erreichbar und konnte zerstört werden. Bei den Tauchgängen gelang es sogar, die Gebeine der Norbardin zu bergen. In Begleitung des Druiden Balthasar bestattete Rowin die Hexe im Grab von Ailgur und verschloss die Gruft mit der Grabplatte und einem Segensspruch. Tsaekal hatte sich in der Zwischenzeit völlig verausgabt, es war ihm aber gelungen, die Glyphe zu zerstören. Meister Lyoscho testete daraufhin die arkanen Muster, die vom See ausgingen und bestätigte, dass sich der Fluch in Auflösung befand. Erleichterung machte sich breit und erschöpft begab man sich zurück in die Scheune des Dorfschulzen Linnjew. Lyoscho möchte bei den Norbarden nächtigen, um dort eine weitere Eskalation zu verhindern. Der Druide und der Geweihte begleiteten ihn noch zum Tor. Dort trafen sie auf die beiden Jagdhunde der Wildhüterin, Wahnfried und Tjeika, die Balthasar aber sehr schnell unter Kontrolle brachte und zwei neue Freunde gewann. Zur Sicherheit lies man das Tor zum Dorf auf und kehrte dann in die Scheune zurück. Rowin hielt bis zum Morgengrauen des anbrechenden 26. Efferd Wache und wurde dann von Styrvake abgelöst. Der Tag würde noch einiges an diplomatischem Geschick benötigen, aber ein Großteil der Arbeit war getan.

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