Das gemiedene Haus

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21. lairë im 76. loa des 49. yén der Zeitrechnung von Imladris

Der Abend verging bei unseren Geschichten aus der Welt, doch immer wieder wurden unsere Erzählungen von den Stammbäumen, Intrigen und dem Hass der Stock unterbrochen. Nach dem Essen führte uns Messing zum Brückenhaus. Auf dem Weg dorthin bemerkten wir ein Licht in einem der höheren Häuser. Die Wachen wollten nichts darüber sagen, und auch Titus hüllte sich in Schweigen. Bald darauf wurde die Ausgangssperre verkündet.

Doch Neugier ist ein schlechter Ratgeber und bisweilen stärker als jede Verordnung. So kletterten Cornifera und ich dennoch aus dem Fenster. Sie wandte sich nach Osten, während ich nach Westen ging. Das erleuchtete Haus, welches wir zuvor gesehen hatten, war augenscheinlich gut erhalten, doch die Wachen mieden es, als läge ein unsichtbarer Fluch auf seinen Mauern.

An Tor und Hof entdeckte ich geheime Zeichen, deren Bedeutung Cornifera später entzifferte. Sie verkündeten sinngemäß, dass hier eine Meisterdiebin und Schatzsucherin wohne und das Haus durch Magie geschützt sei. In den Ruinen im Westen hingegen fand ich keine Spur einer Kerze und kehrte schließlich unverrichteter Dinge zurück.

Wieder in unserem Zimmer berichteten wir den anderen von unseren Erkundungen. Cornifera hatte, wie sie es nannte, „nur“ ein zugemauertes Haus und eine Leichengrube gefunden. Doch manches, was wenig erscheint, trägt den Keim größerer Geheimnisse in sich.

Am folgenden Tag setzten wir zum Südufer über. Messing hatte bereits dafür gesorgt, dass „die Jungs“ über unser Kommen Bescheid wussten. Nachdem wir uns umgesehen hatten, schien uns allein die Bibliothek interessant genug, um ihr einen zweiten Blick zu schenken.

Dort hielt eine für einen Menschen bereits alte Frau Wache. Sie berichtete uns, dass Gurnau unerbittlich gegen Aufrührer vorging und Grau, der Seiler, wohl der Nächste sein würde, den man an den Galgen führte. Die Lehrerin Anna Wintermoss, so vermutete sie, sei vermutlich ein Prestigeprojekt der Stock. Auch vom Schmied Alfred Distelwolle wusste sie zu berichten: Mit ziemlicher Sicherheit hielt er sich auf der Mittelinsel auf. Von Scylda hingegen hatte sie nichts gesehen und nichts gehört.

Doch die alte Bibliothekarin Agna kannte noch andere Geschichten. Sie erzählte uns von dem verlassenen Haus der Theoris, der Geistergrube und dem Schrecken von Berclas, eine jener Geschichten, bei denen selbst die Flammen eines Herdfeuers dunkler zu brennen scheinen. Zum Abschied gab sie uns noch einen Hinweis: Wir sollten nach Jan dem Frosch Ausschau halten. Er besitze ein Boot und könne uns vielleicht von Nutzen sein.

Auf dem Rückweg fiel unser Blick schließlich auf die Mittelinsel. Sie schien vor Menschen und Häusern überzuquellen, als wäre dort ein großer Teil der Bevölkerung eingepfercht. Was immer dort vor sich ging, blieb unseren Augen jedoch zunächst verborgen. Doch immer deutlicher wurde uns, dass unter der Oberfläche dieser Stadt mehr Geheimnisse ruhten, als ihre stillen Gassen preisgeben wollten.

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