Eine alte Schuld

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In den letzten Tagen, so erfahren wir, sind im Rathaus fast zeitgleich etliche Beamte erkrankt. Außerdem werden die Gesetze strenger, es gibt mehr Hinrichtungen in der Stadt und an jeder Ecke finden sich täglich Agitatoren, die in diese oder jene Richtung hetzen.

Cordelia bittet Christoph um Hilfe bei einer alten Schuld. Sie schuldet einem Beamten der Abwasserreinigung einen Gefallen und wir sollen uns darum kümmern. Dies wäre auch Christoph Engel sehr wichtig. Der Mann sei ein sehr netter Mensch und wir sollten uns wirklich große Mühe geben, ihm behilflich zu sein. Er heißt Thomas Grunwel und wir treffen ihn in der „Krone des Carolus“ im Hafenviertel. Die Taverne liegt etwas versteckt und nicht direkt am Hafen und stellt sich als eher ruhiges Etablissement heraus. Auch Grunwel macht einen recht gutbürgerlichen Eindruck und erwartet uns bereits in einem Separè zu dem er uns sogleich heranwinkt und die Vorhänge hinter uns schließt.

Er betont mehrfach, dass die Angelegenheit äußerst delikat sei und auf jeden Fall diskret behandelt werden müsse. Nachdem er sich unserer Diskretion versichert hat, beginnt er zu erzählen.

Er habe ein ganz exquisites Abendessen ausrichten wollen, um seine fast schon sichere Beförderung bei seinem Arbeitgeber unter Dach und Fach zu bringen. Der Abend verlief zunächst sehr gut, bis etwa eine halbe Stunde nach dem Essen sein Gast, Klaus Schmidt, sich dringend erleichtern musste und kurz darauf waren Schmerzenslaute vom Abort zu hören.

Man eilte dorthin und fand eine schlimme Szene vor: Der Mann lag krampfend am Boden und sein Darm schied einen viel zu großen Strom verfilzter Haare aus. Kurz darauf erbrach der nächste Gast lebende, sich windende Maden, seine Ehefrau schien giftige grüne Dämpfe aus zu rülpsen und der letzte Gast bekam heftigste Blähungen, welche sich in Vermischung mit den giftigen Rülpsern entzündeten und das hölzerne Haus in Brand setzten, welches daraufhin vollständig niederbrannte, wobei zwei der Gäste nicht mehr lebend aus dem Haus heraus kamen.

Die seltsame Erkrankung ließen sie in der Folge von einem zwielichtigen Apotheker kurieren, um die Diskretion zu wahren. Er müsse nun unbedingt wissen, was wirklich an jenem Abend passiert sei, weshalb er sich an uns gewandt habe.

Er allein sei von den furchtbaren Erkrankungen verschont geblieben, obwohl er jede der exotischen Speisen selbst gegessen habe, bis auf einen köstlichen bretonischen Käse (Baston Bleu) aus der Käserei Harzer, welcher allein 15 Goldkronen gekostet habe. Mit vielen Fragen kehren wir nach Hause zurück und schlafen eine Nacht über die Sache.

Am Morgen des nächsten Tages gehen wir als erstes zur Medicus-Gilde, um zu erfragen, welche Erkrankungen die Beamten im Rathaus erwischt habe. Dotoressa Giliani gemahnt uns zur Verschwiegenheit, bricht dann aber zumindest teilweise ihre Schweigepflicht. Ja, in den letzten Wochen, vielleicht 14 Tagen, erkrankten viele Beamte, zum Glück ohne Todesfälle. Sie alle hätten Symptome gezeigt, die in keinster Weise in ein medizinisches Bild passten und vollkommen unterschiedlich gewesen seien. Die Schwere der Erkrankungen sei ebenfalls recht unterschiedlich gewesen sein.

Mit diesen neuen Erkenntnissen gewappnet verlassen wir das Haus und machen uns auf den Weg zur Käserei Harzer, wo sich hier im Handwerkerviertel viele Geschäfte und Manufakturen neben einander befinden.

Der Käseladen entpuppt sich als schmales Haus, wo sich im schmalen, flurartigen Verkaufsraum eine lange Schlange von Kunden bis nach draußen angestellt hat. Das Unternehmen floriert anscheinend und erfreut sich großer Beliebtheit und die Kunden in der Schlange sind begeistert von der Qualität des Käses und der Liebe zu seinem Handwerk, welche der werte Herr Herbert Harzer an den Tag lege.

Nach zwanzig Minuten Anstehens sehen wir den Käse-Somelier Harzer, der sich als kräftiger, eher untersetzter Mann von vielleicht 50 Jahren herausstellt, der offenkundig voll und ganz in seinem Handwerk und Beruf aufgeht und diesem mit Liebe und Herzblut nachgeht.

Er erklärt uns gerne lang und breit über sein Wissen über alle möglichen Käsesorten, als eines der Kindern, ein Mädchen, welche in dem Laden mithelfen, ihn nach dem Baston Bleu fragt, ob es diesen aus dem Keller hoch holen solle. Überraschend reagiert Harzer daraufhin sehr laut und abweisend, sodass das Kind erschrocken weggeht. Er geht daraufhin selber in den Keller, um dem Käse selber zu holen. Wir erstehen für günstige 4 Goldkronen ein kleines Stück des gerühmten Käses, welches ein köstliches Aroma verströmt und äußerst präzise zugeschnitten wird.

Als wir schließlich den Laden verlassen, hört Christian zwei Stockwerke über dem Laden das Geplärre und Geschrei eines ganzen Stalles voller Kinder und von dem Dachgeschoss darüber glaubt er wildes Fluchen in bretonischer Sprache zu hören. Als ein kleines Mädchen in der schmalen Gasse, die hinter das Haus führt, läuft, folgt Christian ihm heimlich und schleicht die Hintertreppe hinauf.

Im Zweiten Stock dröhnt das Kindergeschrei heraus, wo die Familie Duschen lebt. In dritter Etage lebt Gustav Klosch, der sich gerade anscheinend sehr aufregt. Ein leiser Geruch nach Farbe dringt aus seiner Behausung. Als Christian die „Ich möchte mit Ihnen über Sigmar reden“-Masche versucht, stößt er allerdings nur auf Ablehnung und hört, wie ein zusätzlicher Riegel von innen vorgeschoben wird und er wird barsch weg gescheucht.

Als Christian wieder unten ist, kommt die Frau aus dem Kinderzirkus im zweiten Stock offenbar entnervt aus ihrer Wohnung, eilt die Treppe hinunter und zündet sich Rauchwerk an. In einem kurzen und ansonsten fruchtlosen Gespräch mit ihr findet Christian heraus, dass der Mann unter dem Dach wohl ein Künstler sein muss.

Wir gehen zu Cordelia, eigentlich um den Käse alchemistisch untersuchen zu lassen, doch im Überschwang der Begeisterung essen Cordelia und Christian das kleine aber sauteure Käsestück im Handumdrehen auf, bevor wir die Gelegenheit zur genaueren Untersuchung bekommen.

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