Wir beschlossen, uns Dietriche zu besorgen und bei der Hauptfrau einen Durchsuchungsbefehl zu erwirken. Wir suchten uns einen Schlosser, aber der hatte nur einen Universalschlüssel, der mit einer Goldkrone zu teuer für uns war. In einem Kramladen erhielten wir ebenso teure Dietriche. Bei Cordelia übten wir diese Werkzeuge einigermaßen sinnvoll zu benutzen.
Konstanze besprach mit der Hauptfrau unser Anliegen. Diese hatte ebenfalls bereits Gerüchte über das Waisenhaus gehört. Es hatte sogar schon einmal eine Untersuchung dazu gegeben, die aber eingestellt worden war. Konstanze ließ ihren Charme spielen und überzeugte sie, uns zu helfen. Sie erlaubte diskrete Ermittlungen im Namen der Stadtwache.
Am Waisenhaus trafen wir auf Gunter Grabbe. Er hielt auf der einen Seite des Hauses Wache und Konstanze auf der anderen. Wir kletterten über die Mauer, was sich schon als schwieriger als erwartet erwies. Johann versuchte die Tür zu öffnen und wir stellten verwundert fest, dass sie nicht einmal verschlossen war.
Im Keller waren Regale mit Vorräten und Werkzeugen. Wir folgten einem Gang und ich öffnete die erste Tür und betrat eine kleine Küche mit einem Tisch und einer Garderobe. Hinter der nächsten Tür fanden wir einen Wohnraum, in dem jemand schnarchte. Johann schlich sich an eine schlafende Frau an.
Die letzte Tür war verschlossen. Johann öffnete die Tür mit dem Dietrich. Es roch muffig nach Schwefel. Wir schlichen in den dunklen Raum und noch bevor wir etwas erkennen konnten, fiel die Tür ins Schloss und ein grelles Licht blendete uns. Etwas berührte uns und plötzlich konnten wir uns kaum noch bewegen.
„Nur eine Vorsichtsmaßnahme“, hörten wir eine dunkle Männerstimme sagen. Auf dem Boden war ein Pentagramm gemalt, in der Mitte stand eine kleine Kreatur. Ich vermutete, dass es sich dabei um einen Dämon handelte. Er schien uns mit einem magischen Geflecht zu fesseln.
Frederich Gewender wollte von uns wissen, warum wir in sein Haus eingedrungen waren. Er berichtete uns, dass Dreiheit freiwillig bei ihm sei, um mit ihm zusammenzuarbeiten. Er rief ihn, damit wir mit ihm reden konnten. Mit einem Rumpeln kam Dreiheit hinter einem Regal zum Vorschein. Er setzte sich auf den Schreibtisch.
Herr Gewender konnte offenbar mit Dreiheit kommunizieren. Dreiheit hatte ihm berichtet, dass einer der Lehrkräfte die Kinder misshandelt hatte, was dieser nun aufzuklären und weitere Übergriffe zu verhindern versuchte.
Herr Gewender beschwor schon seit einiger Zeit niedere Dämonen, um Geheimnisse in der Stadt aufzudecken, zum Bespiel über Kultisten. Er versuchte die bösen Menschen zu finden und zu erpressen, um das Waisenhaus und sich selbst zu finanzieren. Im Moment ermittelte er gegen Gunter Grabbe, einen Kultisten.
Er bot uns an, einen Kontrakt mit dem Dämon zu schließen, der uns daran hindern würde, über die Vorfälle im Haus zu sprechen. Er gab uns eine kurze Bedenkzeit. Wir teilten ihm mit, dass wir nicht bereit wären, einen Kontrakt mit einem Dämon zu schließen. Daraufhin bot er an, uns nur zu schaden, wenn wir ihn verraten würden. Der Dämon wirkte irgendeinen Einfluss auf uns und wir verloren das Bewusstsein.
Konstanze beobachtete einen Schatten auf dem Dach über ihr. Sie versuchte, einen Vogelschrei zu imitieren. Neben sich hörte sie ein Räuspern. Gunter Grabbe gab sich zu erkennen und spannte den Hahn seiner Waffe. Es folgte ein kurzes Gespräch zwischen den beiden.
Konstanze kletterte dann ebenfalls über die Mauer und betrat den Keller. Sie nahm die Treppe zum Erdgeschoss. Dort hörte sie, wie jemand ebenfalls über eine Treppe schlich. Sie verbarg sich in einer dunklen Nische. Der Schatten einer Frau näherte sich ihr über die Treppe zum Obergeschoss. In einer Hand trug sie einen Dolch, mit der anderen Hand nahm sie etwas aus ihrer Tasche und hielt einen Gegenstand in der Hand, der sich an einer Kette selbstständig in Richtung Keller bewegte. Sie folgte der Bewegung und wurde wiederum geschickt von Konstanze verfolgt.
Im Keller blitzte Licht unter einer der Türen auf. Eine kleine Druckwelle überrollte Konstanze. Schwarze Dämpfe umhüllten sie, die Frau brach zusammen und auch sie verlor ihr Bewusstsein. Am nächsten Morgen wachten wir gemeinsam in einer Schweinegrube auf. Wir tauschten uns, soweit das möglich war, über die Ereignisse aus, wuschen uns und berichteten Annika, dass es Dreiheit gut ging.



