Sturm über Trackenborn

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Aus den Aufzeichnungen von Zahir Errant von Boron, welcher auf seiner Reise begleitet wurde, vom Adeptus Minor Kolja Turleff, dem horasischen Krieger Don Marco di Adante, dem Gelehrten Ninjo Lattanziani und Erian Tappenbeg, einem Hallodri und Frauenschwarm.

Direkt nach dem Gespräch mit der Peraine-Novizin erkrankte Erian Tappenbeg und zog sich ins Gasthaus zurück, um dort das Bett zu hüten.
Gegen Mittag machte ich mich noch auf zur Burg. Am Tor sprach ich mit der Wächterin Pagana Boll. Wie ich später erfuhr, war sie die Tochter des Hauptmanns. Ich erbot noch einmal meine Hilfe für den Baron von Liepenstein und bat um eine Audienz. Das wurde mir verwehrt. Die Soldatin war recht freundlich, berief sich aber beständig auf einen Befehl, der von Praioshilf Sonnacker erlassen war, dass niemand vorgelassen werden durfte. Der Inquisitor hatte nun offiziell das Kommando der Burg übernommen.
Zurück im Gasthaus, machte es die Runde, dass die Eltern von Madalea, also der Müller und seine Frau, ebenfalls eingekerkert waren. Als wir mit dem Wirt sprachen, erzählte dieser, dass er vor einigen Jahren vom Braunen Harro überfallen worden war. Als der Bandit später hier im Dorf gehenkt wurde, hatte er ihn eindeutig wiedererkannt. Damit hatten wir eine Bestätigung, dass es sich bei dem Mann auf dem Galgenhügel wirklich um den gesuchten Verbrecher handelte. Außerdem berichtete der Wirt, dass es in der Umgebung des Dorfes einige mysteriöse Orte gab, von einer Kultstätte von Hexen hatte er aber noch nichts gehört.
Irgendwie kamen wir nicht voran. Ich setzte mich vor dem Gasthaus ein wenig in die Sonne, als ich am Stall jemanden bemerkte, der mir zuwinkte. Es war Mirio, der Schankknecht. Er wirkte ängstlich und war kurz angebunden, bat mich aber eindringlich, zu einer Lichtung etwas außerhalb zu gehen, jemand wollte mich dort an der alten Eiche im Westwald treffen. Don Marco gesellte sich zu mir, und gemeinsam machten wir uns auf den Weg. Nach kurzem warten erschien am genannten Ort Mirios Schwester. Zwar nannte sie uns ihren Namen nicht, die Ähnlichkeit war aber unverkennbar. Sie war eine Hexe, und sie war verärgert. Sie drohte damit, dass Unheil über das Dorf käme, wenn nicht bald die zu unrecht Gefangenen aus dem Verlies der Burg befreit würden. Wie wir das schaffen konnten, darauf hatte die Hexe keine Antwort (nun ja, ihre Lösung wäre es gewesen, am Tor die Wachen zu vergiften und sich gewaltsam einen Weg zu bahnen, das schied für uns zu diesem Zeitpunkt allerdings aus). Auch zu der Geschichte mit dem Braunen Harro hatte sie keine weiteren Informationen. Etwas mysteriös bot sie aber an, uns nach Erfüllung unserer Aufgabe zu einer Höhle in der Nähe zu führen, die mit einem großen Drachenstein markiert war. Dort würden wir Antworten erhalten.
Wir kehrten zurück ins Dorf und berichteten den Anderen von unserem Treffen. Danach versuchten wir noch einmal unser Glück am Burgtor, wurden aber wieder abgewiesen. Ratlosigkeit machte sich breit, und der Tag verstrich.
Am Abend waren wir im Gasthaus, als der Inquisitor verkünden ließ, dass am nächsten Tag eine Jagd auf die Hexen beginnen sollte.
In der Nacht brach Ninjo auf, die Burg auszukundschaften, kam aber nach geraumer Zeit wieder zurück und hatte, außer dem bewachten Burgtor, keinen Zugang gefunden. Jetzt machte es sich schmerzlich bemerkbar, dass Erian weiter krank darniederlag.

Beim Frühstück am nächsten Morgen, es war der 12. Rondra 1017 BF, berichtete Meister Kolja Turleff davon, dass er in der vergangenen Nacht auf den Galgenhügel gegangen war und dort den ruhelosen Geist des Braunen Harros gerufen hatte. Zunächst war ich entsetzt über die Schändung, bis mir klar wurde, dass sich durch den Ruf erst offenbart hatte, dass den ruhelosen Seelen ein Weg ins Jenseits gewiesen werden musste. Kolja erzählte außerdem, dass es wirklich Harro Erlinger, der gesuchte Verbrecher war, den man gerichtet hatte, dass er aber von seinen Leuten verraten worden war. Praioshilf und sein Gefolge waren zuvor Schergen des Braunen Harro. Nun wollte sein Geist Rache und verlangte, dass man den Inquisitor und seine Bande nachts zu ihm auf den Galgenhügel brachte.
Nach dem Frühstück ging ich zur Richtstätte und leitet die ruhelosen Seelen hinüber ins Jenseits. Meine Gefährten ersuchten derweil über Pagana Boll eine Audienz beim Weibel, ihrem Vater. Doch bevor diese stattfinden konnte, war es auch schon Mittag. Praioshilf Sonnacker hielt auf dem Dorfplatz eine Hetzrede gegen die Hexen, danach mussten sich alle wehrfähigen Männer und Frauen „freiwillig“ einschreiben und wurden in kleine Trupps aufgeteilt. Diese schickte man dann an verschiedene Orten in den umliegenden Wäldern, um dort nach den Hexen Ausschau zu halten. Meine Gefährten begleiteten Pagana zu einer abgelegenen Ruine. Später berichteten sie mir, dass sie dort auf den Jäger Torge trafen, der sich viel im Wald umtat. Aber auch er hatte keine Hinweise auf Hexen, konnte aber berichten, dass er vor geraumer Zeit beobachtet hatte, wie man den Braunen Harro durch den Wald nach Trackenborn gebracht hatte. Auf diesem Zug war der Bandit nicht, wie von allen behauptet, geknebelt gewesen, vielmehr stieß er gegen seine Begleiter wüste Flüche aus und beschimpfte sie als Verräter. Als am Abend mein Exorzismus beendet war und nach und nach alle wieder zurück in das Dorf kamen, war das einzig Bemerkenswerte, dass der Trupp des Wirts bei der alten Drachenhöhle auf Goblins gestoßen war und einige Schrammen abbekommen hatte.
Später am Abend trafen wir uns endlich mit dem Weibel Hardman Boll. Wir berichteten ihm vom Braunen Harro und dem Verrat seiner Bande. Der Kommandant der Burgwehr wirkte aufrichtig besorgt, sah sich aber nicht in der Lage uns zu helfen, solange wir keine stichhaltigen Beweise vorbringen konnten. Wir beschlossen, Torge nach Trackenborn zu holen, damit er eine Aussage machen konnte über den seltsamen Zug, den er damals im Wald beobachtet hatte. Um ihn rasch zu finden, baten wir an der alten Eiche die Hexen um Hilfe, die uns diese auch gewährten.

Am nächsten Tag warteten wir bis mittags, doch Torge kam nicht. Auf dem Dorfplatz sammelten sich die Bewohner Trackenborns, denn der Inquisitor wollte über die Gefangenen Gericht halten. Hierzu wurden der Müller, seine Frau, seine Tochter Madalea und die Einsiedlerin Thika in einem Karren auf den Dorfplatz gebracht. Mit in dem Verschlag befand sich ein grausiges Wesen, eine aufrecht gehende, menschengroße Echse! Der Inquisitor begann mit der Verlesung der Anschuldigungen. Die Müllerstochter wurde als Hexe angeklagt, ebenso die Mutter. Der Müller wurde als Mitwisser beschuldigt. Plötzlich verdunkelte sich der Himmel. Praioshilf Sonnacker verstummte. Alle schauten hinauf zu den sich zusammenballenden Wolken. Dann ergoss sich ein Hagelsturm, der das Dorf und alle auf dem Platz mit taubeneigroßen Eisklumpen bombardierte. Chaos brach aus. Alle suchten Schutz. Das war der Moment, auf den wir gewartet hatten. Anstatt zu den Häusern zu laufen, begab ich mich zu dem Verschlag und machte mich daran, die Gefangenen zu befreien. Unerwartet erhielt ich Hilfe durch Madaleas Bruder, der noch vor wenigen Tagen recht unschöne Dinge über seine Schwester verbreitet hatte.  Er wollte die Gefangenen zu der Ruine in den Wald bringen. Ich wollte sie begleiten, doch plötzlich fasste die Echse mich am Arm und zog mich in die entgegengesetzte Richtung. Reflexartig wich ich zurück, aber irgendwie merkte ich, dass das seltsame Wesen mir etwas Wichtiges zeigen wollte. Also folgte ich ihm in den Wald. Der Sturm hatte schon ein wenig nachgelassen. Just als wir den Schutz der Bäume erreicht hatten, hörte ich Tumult vom Dorfplatz. Nun schien es, dass der Inquisitor endlich Nägel mit Köpfen machte und meine Gefährten mit Schimpf und Schande aus dem Dorf jagte. Zu meiner Erleichterung sah ich, dass auch Erian bei ihnen war. Gemeinsam flohen wir mit der Echse in den Wald. Als der Sturm sich legte, blickten wir von einer Anhöhe zurück zum Dorf und sahen die Felder und das Umland vom Hagel verwüstet.

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Über thd

1984 DSA 1 zum Geburtstag gewünscht und wider Erwarten die Basis-Box bekommen. Nachdem ich Silvana drei mal befreit hatte, merkte ich, dass ich Mitspieler brauchte, um mit der Box weiter etwas anfangen zu können. Glücklicherweise sah ein Freund aus der Nachbarschaft die Bücher bei mir herum liegen und meinte, sie würden in einer Runde etwas ähnliches Spielen, ob ich nicht Lust hätte, mitzumachen. Klar hatte ich das, und so bin ich mit Dungeons & Dragons angefangen. Zahlreiche Runden, Systeme und eine Vereinsgründung später, findet sich auf THORNET ein ziemlich großer Ausschnitt meiner Rollenspielerlaufbahn.

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