Eine erste Runde in Übersreik I

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Kapitel 2: Ankunft in Übersreik

Am folgend Tag finden wir kurz nach unserem Aufbruch aus der Gaststätte unseren Bruder Baldur an einem Schrein des Taal, durchgefroren und erschöpft. Überglücklich wieder vereint zu sein, nahmen wir ihn wieder auf und schließen uns bald darauf einem Bauern, Dietmar Leiber, an, der sein Gemüse zum Markt bringen will, sodass wir in Gesellschaft reisen und von dem freundlichen Mann sogar in einem Gasthaus ein Mittagessen bekommen, als wir in Übersreik ankommen. Auf diese Weise erreichen sicher Übersreik.

11. März 2512

Der große Marktplatz der Stadt versetzt uns ebenso in Staunen, wie die dort anzutreffenden Menschenmassen und Zwerge, die den Zwiebelmarkt besuchen. Auf dem Markt sind Dinge zu finden, die wir uns noch nicht einmal haben vorstellen können. Jongleure, Soldaten, Krämer, Händler, Bauern, reiche Adelige mit ihren Wachen, werden von uns bestaunt.  Aus Richtung einer großen Bühne ist Musik zu hören und Gaukler treten auf. Wir trennen uns und verabreden uns dazu, uns später an der großen Statue wieder zu treffen. Baldur versucht, ein paar Jugendliche seines Alters zu finden, doch in dem Getümmel kann er niemanden finden. Karl schwelgt in der Betrachtung von Waffen und Rüstungen, doch die Preise sind weit jenseits seines Geldbeutels. Die Zwillinge lassen sich von der Schaubühne verzaubern und betrachten die Vorstellungen der Schausteller, Jongleure und Künstler. Betsi Soßters wundersame Kavalkade spielt dort auf.

An einem besonders interessanten Stand verkauft eine Frau zahllose kleine und sehr detaillierte Figürchen aus Glas und Kristall, die glitzern und blinken. Eines ihrer Augen ist blau, das andere bernsteinfarben gesprenkelt. Die Frau heißt Heske Glazner. Sie ist freundlich zu uns und schenkt Christoph ein kleines Figürchen für das Erzählen unserer Geschichte.

Leider erhitzen sich die Gemüter der Besuchermenge alsbald über einen der auftretenden Musikanten und ohne für uns ersichtlichen Grund entsteht wie aus dem Nichts eine wüste Keilerei auf dem dicht gedrängten Marktplatz mit uns sind mitten drin.

Wir versuchen das Zentrum des Geschehens zu verlassen, doch es erweist sich als fast unmöglich, zum Rand der Menge durchzudringen. Während Baldur versucht, unter der Bühne Schutz zu finden, versuchen die Zwillinge zu einer Mauer hinter der Bühne zu kommen, wobei Karl sich erfolgreich in der Mitte des Getümmels seiner Haut erwehrt. Während Christoph, der es schließlich auf die Mauer hinauf geschafft hat, sich umblickt sieht er plötzlich einen Mann, der mit einer Armbrust bewaffnet ist und der kurz darauf den auf der Bühne kämpfenden Feuerschlucker mit einem Schuss in den Hals tödlich verletzt.

Plötzlich bemerken wir eine ältere Frau, die energisch ein junges, gut gekleidetes Mädchen gegen 3 Schläger mit Messern verteidigt. Karl und die Zwillinge bekämpfen die Schläger, Karl tötet einen versehentlich mit einem kräftigen Knaufhieb seines Schwertes, während Christian einen der drei bewusstlos schlägt und Christoph von der Mauer dem Dritten in den Rücken springt, sodass dieser flieht.

In diesem Moment tauchen massiv Soldaten der Stadtwache auf und es ertönt ein Warnschuss. Die Keilerei löst sich alsbald auf und die Soldaten verhaften Stück für Stück alle Beteiligten auf dem Markt und werfen uns alle in die Zellen des Gefängnisses. Karl und Christoph glauben beide,  Hans Jinkers im Gespräch mit einem Stadtwächter zu sehen, als sie abgeführt werden.

In der Zelle kümmert sich Christoph um die Verletzungen so gut es geht. Er gerät ins Gespräch mit der Halblingsfrau Gerlinderella und einem Mann namens Henroth und wir erfahren, dass es wahrscheinlich am nächsten Tag Schnellverfahren geben wird, um Sündenböcke für die Todesopfer zu finden. Tatsächlich geschieht genau das, als in kleinen Gruppen nach und nach Gefangene weggebracht werden. Wir vier Brüder sind tatsächlich die aller letzten, die von den Wachen weggeführt werden. Man bringt uns wieder bis hinunter zum Martktplatz, wo schon wieder Menschentrauben stehen und Unflätigkeiten austauschen.

Von dort werden ins Rathaus gebracht, wo offenbar unser Prozess stattfinden soll. In Eisen geschlagen werden wir dem Richter Mellert vorgeführt, der offenbar inzwischen schon ziemlich übler Laune ist. Unsere Anklage wird verlesen, sie lautet auf allgemeine Gesetzlosigkeit, Zerstörung privaten Eigentums, und MORD. Gerade als wir unschuldig plädieren wollen erklingt von hinten eine Frauenstimme und bittet um eine Unterbrechung, um sich mit “ihren Mandanten” zu besprechen.

Rosanna Winandus ist eine Rechtsgelehrte und bringt uns zu einer privaten Besprechung in ein anderes Zimmer. So erfahren wir, dass wir Gönner haben, namentlich die Familie Karstadt, deren Tochter wir wohl gestern im Getümmel gerettet hätten. Anscheinend will man uns alles in die Schuhe schieben, vom Mord bis zum Ausbruch der Schlägerei, so zumindest behauptet dies die Advokatin. Die Rechtsgelehrte erklärt uns, dass außer dem Galgen und oder Zwangsarbeit im Steinbruch drohen und sie meint, sie könne zwar keinen Freispruch, aber immerhin eine Verurteilung zum Dienst in der Stadtwache erreichen, solange wir nur den Mund hielten und uns nicht um Kopf und Kragen redeten. Außerdem glaubt sie, dass uns jemand gezielt das alles in die Schuhe schieben wollte, wir hätten uns also offenbar bereits Feinde gemacht.

Nachdem sie uns noch einmal eingeschärft hat den Mund zu halten und sie alleine reden zu lassen, werden wir vor den Richter geführt und die Advokatin hält ihr Plädoyer. Als sie geendet hat wendet der Richter das Wort direkt an uns, woraufhin erneut die Advokatin eingreift und uns wegen der nun erhobenen Vorwürfe wegen des Todes einer der Angreifer des jungen Fräuleins Karstadt verteidigt.

Letzten Endes werden wir, wie erhofft, zu 3 Jahren beaufsichtigten Dienstes in der Stadtwache verurteilt. Es gibt noch ein kurzes abschließendes Gespräch mit Rosanna Winandus, bei dem sie Christoph ihre Karte überreicht und den vier Brüdern viel Glück wünscht. Außerdem bedauere sie, dass wir Übersreik auf diese Weise kennen lernen würden. Immerhin sei die Kommandantin Andrea von Pfeffer eine faire und fähige Frau, mit der man vernünftig arbeiten könne.

Zu dieser werden wir auch umgehend gebracht. Sie erklärt uns sogleich, wir wären keinesfalls ihre erste Wahl gewesen, vor allem aber sei auch ein Großteil der Stadtwache in Uniform gesteckter Abschaum und die Moral sei ausgesprochen schlecht. Es tritt Wachweibel Rudi Klumpenkrug ein, dessen Bericht über unser Verhalten ausschlaggebend für unseren weiteren Werdegang sein wird.

Rudi gibt uns unsere Ausrüstung zurück und ermahnt uns, dass die Wände hier Ohren hätten und wir darum nicht zu viel reden sollten. Auch Wappenröcke würden uns gestellt. Wir würden ihn dann heute Abend im “Krächzenden Raben” treffen. Bis dahin haben wir noch keine Pflichten und können die Zeit nutzen, um uns umzusehen und unsere Sachen zu bekommen.

Um acht Uhr finden wir uns im “Krächzenden Raben” mit Rudi ein, der freundlich mit uns schwatzt, sich uns vorstellt und nach unseren Geschichten fragt. Er wird uns anderntags im Hafenviertel herumführen, wo wir in Zukunft 3 Tage Tagwache und dann 3 Tage Nachtwache schieben werden. So erwarten wir ihn am Morgen bereits voll bekleidet und gerüstet mit Wappenrock, bevor uns Rudi ins Hafenviertel führt. Das Zollhaus ist sehr wichtig, aber wir sollten uns auf keinen Fall mit dem Zollmeister Gelbfinger anlegen.

Noch während wir eingewiesen werden bemerken die Zwillinge, wie eine schmale berobte Gestalt, jemanden den Beutel abschneidet und jagen hinter dem Beutelschneider her. Tatsächlich gelingt es uns, das junge Mädchen zu stellen, doch nach heftigem Winden entkommt sie uns, wobei aber immerhin der Geldbeutel zurück bleibt. Weibel Rudi gratuliert uns zu der guten Tat, behält jedoch rund die Hälfte des Beutelinhaltes für sich und gibt nur den Rest dem erzürnten Kaufmann zurück mit der Begründung, dies sei Lehrgeld, damit der Mann es beim nächsten Mal besser mache und auf seine Münzen aufpasse. Die Dinge in der Wache laufen offenbar anders, als wir einfachen Landeier es uns träumen ließen! So vergeht der erste Tag  und wir fallen abends erschöpft in die Betten.

Der vierte Tag ist der erste Tag unserer Nachtschicht. Kaum erreichen wir das Hafenviertel riechen wir Rauch und sehen alsbald einen Brand im oberen Stockwerk eines Hauses. Beherzt stürzt Karl in das brennende Haus, um den Mann am oberen Fenster zu retten, Trotz seiner wasserdurchtränkten Kleidung fängt er Feuer, als er den Mann erreicht. Inzwischen haben die Zwillinge und Baldur draußen Fässer vor dem Fenster aufgestellt und es gelingt Christoph, Karl den Mann abzunehmen und nach draußen zu reichen, sodass Karl und er durch das Fenster vor dem lodernden Flammen fliehen können. Immerhin konnten wir so Norbi Ditwin und seine Frau und Kinder retten, der sich später in einer Taverne bei einem Bier bei uns bedankt. Er glaubt, es handle sich um Brandstiftung.

Rudi erklärt uns, dass man nicht jedem helfen und nicht alles geraderücken könne. Man könne nur versuchen, das schlimmere Übel zu verhindern und das erreiche man nur, indem man sich mit den richtigen Leuten gutstellt. Die Weisheiten des erfahrenen Überlebenskünstlers…

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