Im Tal des Wahnsinns

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Immer noch waren wir in Holyspringwater. Eine weitere Nacht mussten wir in dieser verfluchten Siedlung schlafen. Das Mondlicht schien hell in den Stall. Morgen würde sich bei Vollmond Makona in einen Werwolf verwandeln. Was das für uns bedeutete, wusste ich nicht, aber es beschäftigte mich, während ich im Stroh lag. Dennoch überwältigte uns alle nach einiger Zeit die Müdigkeit.

Twoday ritt einen Rappen auf der Ranch seiner Kindheit zu. Er war noch ein Kind. Das Pferd sprach zu ihm. „Es ist Zeit loszulassen. Bevor der Frieden kommen kann, kommt der Schmerz.“ Karten werden gemischt. Makona sieht ihm zu. Sie ruft: „Alles wird gut!“ „Es wird Zeit dein Blatt zu spielen.“ Ein Herz-Joker liegt in seiner Hand. „Nur du kannst es tun.“ In seinem Revolver steckten sechs silberne Kugeln.“

Er wachte auf. Ein Schmatzen drang in sein Ohr. Montana tastete in der Dunkelheit und fühlte Gliedmaßen. Der Krieg. Er schlief erneut. Ein pelziges, riesige Kreatur hob ihn hoch. Makona sagte: “Wer kann mich retten?“ Diese Situation kannte er. Nur ein Detail war anders, er hatte nun eine Waffe in der Hand. Er erwachte erneut. Der Vollmond schien in sein bleiches Gesicht. Realität drang erst wieder in sein Bewusstsein, als er seinen Kopf in der Viehtränke versenkte. Dann lud er seinen Revolver mit DEM Magazin. Die Kugeln leuchteten fast so hell wie der Mond. Beinahe schienen sie ihn zu blenden. Montana dankte dem Pferdegeist und striegelte wie im Wahn die verschlafenen Pferde.

Sister Sarah erwachte. Sie fühlte schwere Gewichte auf sich. Trümmer lagen über ihr. Ein Pater grub sie heraus. Um ihn herum sah sie die zerstörten Gebäude eines Klosters. „Erhebe dich, du bist das Werkzeug des Herrn“ sagte Pater Rudolpho zu ihr, während ihm Flügel wuchsen. Pepe und Schwester Mathilde standen neben ihm. „Nimm die Bürde an. Bis kein Dämon mehr übrig ist. Du hast diese Worte gesprochen.“ Karten wurden gemischt. Pater Rudolpho reichte ihr die Pik-Dame. „Verschwende nicht ihre Kraft. Du hast nur einen Versuch.“ Die heilige Lanze lag plötzlich in ihrer Hand. Chöre sangen. „Nur du kannst den Dämon aufhalten.“

Sarah erwachte. Um sie herum war die Welt verkehrt. Der Himmel lag unten und die Erde oben. Personen schwebten in Blasen durch das Wasser. Ihre Familie. Sie schoss. Sie litten. Sie erinnerte sich. Etwas spielte mit ihnen. Ihre Seelen wurden gestohlen. Ein Dämon versuchte ihre Liebsten in die Hölle zu ziehen. Sie erwachte erneut, die Waffe in der Hand. Die Lanze leuchtete. Sie stand auf. Der Mond leuchtete ins Zimmer und sie machte sich auf den Weg. Alle schliefen.

Armstrong saß am Spieltisch im Saloon. Am Tisch befanden sich außer ihm ein Geschäftsmann mit Anzug & Melone, ein Rancher, Cowboys und der Kartengeber. „Zeit für ein Spiel. Pik-Bube. Entscheide dich gut, nur Dunkelheit kann Dunkelheit besiegen.“ Jetzt war ein schwarzer Blitz auf seiner Karte abgebildet, der durch ein Auge fährt. Er erwachte mit der Karte in der Hand. Das Bett schwankte auf einem Boot. Neben ihm saß Elam Fergusson. „Durst?“ Er erwacht erneut. Die Karte lag noch in seiner Hand.

Ich saß am Feuer, Geist des Adlers war bei mir. „Du musst dem Ruf des Adlers folgen. Der Adler sieht es. Die Ahnen erwachen. Er kommt, um ihre Ruhe zu stören. Er wird die alten Gräber stören. Der böse Rabengeist bringt Tod und Zerstörung.“ Ich hörte ein merkwürdiges Geräusch, dann Trommeln und das Feuer. Mein Mann ist da, meine Familie. Alles ist gut. Aber ein Trauergesang erklingt. Das Land ist gestorben. Alle müssen gerettet werden, nicht nur unser Volk, jede gerettete Seele zählt. Herz-Ass. Sieh mit dem Herz, nicht mit den Augen. In meiner Hand liegt ein Pfeil, Adlerfedern von meinem Geist schmückten ihn, die Spitze leuchtet silbrig. „Du hast nur einen Schuss.“

Ich erwachte. In einer Höhle, feucht mit heißen Dämpfen. Ich war verschüttet, ich schlug auf eine Wand ein, Mutter Erde blutete, ich verletzte sie , die Schuld musste ich irgendwann tilgen. Aber etwas war anders als sonst. Ein Lachen ertönte hinter mir. Der Geist war hier, ein Sohn des Raben. „Danke für deine Hilfe, das hast du gut gemacht.“ Ich erwachte erneut. Montana striegelte die Pferde. Der Pfeil lag noch in meiner Hand. Ich stürmte los. Dann wieder zurück. Ich musste ihn finden und töten. Mein Adler kreiste über der Stadt. Ich verschmolz mit ihm.

Joe “Dusty” stand auf der Kirchturmspitze von Holyspringwater. Der Mond leuchtete. Die heilige Quelle brodelte. Dann brach das Chaos herein. Wölfe heulten in den Bergen, auch ein sehr mächtiger Wolf ließ seinen Schrei durch die Nacht hallen. Die Erde bebte und eine Gestalt brach aus der Erde hervor. Ein Schlund der Hölle öffnete sich. Menschen weinten. Horden von Untoten wanderten auf die Stadt zu. Die Bedrohung war überall. Tote erhoben sich aus dem Boden. Geister tauchten auf. Ein Dämon stieg aus der Quelle. Da erwachte Joe. Er holt ein Holzkästchen unter seinem Bett hervor und fühlte, ob SIE noch da waren. Er nimmt SIE heraus und steckte SIE ein… Mister Wilson schrie.

Dusty wurde von Mister Able geweckt. „Du hast im Schlaf geredet.“ Auch Able hatte geträumt. Griffin hatte bei Vollmond mit seiner Bande die Stadt überrannt. Joe setzte sich auf die Veranda und beobachtete den Himmel. Morgen wäre Vollmond. Da sah er die katholische Nonne, die die Straße entlang ging. Dusty grüßte. Heißer Wind ging von Süden durch die Straße. Plötzlich fiel ihm ein rotes Glühen in einem Hauseingang auf. Es wirkte, als würden dämonische Augen aus seinem Traum dort leuchten. In dem Moment hörte man ein Klatschen auf dem Weg. Ein toter Vogel war auf den Boden geschlagen. Dann wiederholte sich das Geräusch und mehrere leblose gefiederte Körper landeten im Dreck der Straße. Es regnete Kadaver. Mister Wilson schrie immer noch im Fieberwahn, als wüsste er vom Wahnsinn hier draußen.

Ich war nun der Adler. Überall lagen verendete Tiere. Das Wasser der Quelle war rötlich und heiß. Alles war krank. Das Tal war ein Kriegsgebiet. Unter der Erde lagen Tote. Geister warteten dort. Zwischen den Bäumen erschien ein Indianer, ein Sohn des Raben. Sarah schrie wie ihm Wahn: „Der Teufel hat keine Macht über uns!„ Die Glocke wurde hektisch geläutet. Ich rief Montana zu, dass wir den Sohn des Raben töten müssten.

Montelli ruft nach der Schwester. Viele Schlafende schienen von Albträumen heimgesucht zu werden. Der Professor fieberte heftig. Er hatte eine weißlich-silbrige Flüssigkeit in einer Phiole in der Hand. Er übergab sie der Schwester, „Er muss sie bekommen. Ich habe mit Edison gesprochen. Der Pik-König, den hatte ich schon einmal. Es kommt etwas Großes aus der Tiefe. Ich muss es aufhalten. Du musst ihn finden. Er kann es machen. Es muss es tief in den Schlund werfen. Er muss es tun. Ein Mormone muss es machen. Der Höllenschlund muss gesprengt werden.“

Es wurden Schreie laut: „Apokalypse“. Ein Fieber griff um sich. Die Mormonen riefen zur Mitternachtsmesse. Das war ihre armselige Lösung.

Wir ritten los. Aus den Bergen ertönte Gesang der Totoimana. Alles starb. Aber ich fand den Sohn des Raben nicht mehr. Ich versagte, wenn es wirklich darauf ankam. Ich werde meine Schuld nicht tilgen können. Immer, wenn ich das Gefühl habe, zu wissen, was zu tun ist, misslingt alles. Wir ritten trotzdem zu der Stelle, an der ich den Indianer gesehen hatte. In der Nähe war eine Farm. Dort lagen Leute auf dem Boden, die sich zuckend bewegten. Regenwolken sammelten sich.

Sarah sammelte Menschen zum Gebet. Alle folgten, auch die Kranken und Verrückten. Sie sang Kirchenlieder. Der Reverend starrte nur ins Leere.

Der Indianer war nicht mehr da. Um uns starb alles, wie in meinem Traum. Twoday glaubt, dass das meine Schuld ist, weil ich meine Mutter getötet habe. Kann das sein? Dass ich die gesamte Erde vernichte, weil ich sie getötet habe? Ich war doch nur ein hilfloser Säugling! Das war doch niemals meine Absicht! Ich bin dieser Aufgabe einfach nicht gewachsen. Was sollen wir nur tun? Die Zeit rinnt wie Wasser durch unsere Finger und ich weiß nicht, was wir tun sollen.

Joe Dusty läuft dem Reverend hinterher zum Wasser. Die Quelle leuchtete gelblich-rötlich. Es roch nach Schwefel. Er sah wie der Reverend in die Quelle stieg und einfach in der Tiefe verschwand. Vom Wasser stieg nur Hitze empor. Irgendetwas glühte in der Tiefe. Der Reverend musste tot sein. Das Wasser kreischte wie ein seltsames Tier. Die Familie des Reverend suchte verzweifelt ihren Patriarchen, aber die Zeugen seines Todes schwiegen.

Als wir nach Holyspringwater zurückkehrten, hatten wirklich alle ihren Verstand verloren. Ich ritt zur Klippe. Mit Mühe kletterte ich die Klippe empor. Oben sangen die Totoimana Todesgesänge. Vier von ihnen hatten sich geopfert und alle schienen in den Tod gehen zu wollen. Der Schamane war weg.

Plötzlich knallte es und ein Gebäude stand im Flammen. Armstrong ritt los und suchte den Schuldigen. Dusty löschte das Feuer. Im Haus schrie jemand und rettete eine Eingeschlossene aus dem Feuerhaus. Dann erschoss er einen Mann, der völlig verbrannt war, aber noch zuckte. Der Mann hatte einen Begriff von Gnade. Etwas, das mir bei den Mormonen vorher noch nicht aufgefallen war.

Twoday holte die Pferde aus dem Stall, doch eins fiel zu Boden, röchelte und verrottete in Sekunden. Der Wahnsinn griff um sich. Dusty kam auf uns zu. Sarah zeigte ihm die Phiole und berichtete ihm, dass er die Flasche in einen Schlund werfen sollte, aber der Mormone verstand nicht, was wir von ihm wollten.

Wir suchten Armstrong und fanden ihn vor dem Friedhof, auf dem die Toten aus der Erde stiegen. Maden krochen aus den Gräbern. Armstrong spießte eine Made auf. Dann beruhigte sich der Friedhof wieder.

Wir ritten zurück. Joe wurde vom Professor erkannt, er soll den Mojave-Rassler sprengen. Mr. Able war nicht begeistert von unserem Plan, die Leute zu den Indianern zu bringen. Er möchte lieber mit Griffin sprechen. Miss Giles war wie immer überhaupt nicht hilfreich.

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