Die Nacht des kopflosen Reiters III – Chaos in Schaffberg

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1. Juni im Jahre des Herrn 1733  – Schaffberg, nachts

Nachdem wir Lyra etwas beruhigt haben, können wir uns mit ihr unterhalten. Sie kann sich allerdings nicht an allzu viel erinnern, was hier passiert ist. Sie ist mit ihrer Schwester vor dem kopflosen Reiter geflohen und hat sie irgendwo verloren. Da wir glauben, dass sie und ihre Schwester die aus diesem Haus entführten Kinder sind, fragen wir sie nach diesem Hause, aber sie erzählt, dass sie und ihre Schwester im Wald aufgewachsen sind und jeweils von einer anderen Mutter aufgezogen wurden. Die heißen Wisper und Weide.

Wir zeigen ihr das Kinderzimmer, wo sie sich schweigsam und mit großen Augen umsieht. Sie murmelt, dass sie sich erinnert, nimmt eine der Puppen und schläft mit dieser im Arm im Kinderbett ein. Wir legen uns auch wieder zur Ruhe. Don Ignacio, Roland und ich träumen von unseren Grabsteinen.

2. Juni im Jahre des Herrn 1733  – Schaffberg, morgens

Am nächsten Morgen sind die Ringe um Don Ignacios, Rolands und meinen Hals dunkler geworden. Bevor uns das dahinrafft, sollten wir uns schleunigst um den Kopflosen kümmern. Rolands Meinung als Kirchenmann und Inquisitor ist, dass man den Kopf des Reiters finden und mit dem Richtschwert vernichten muss. Wir anderen glauben eher, dass man zunächst Kopf und Körper zusammenbringen sollte.

Also wenden wir uns zunächst dem Ort zu, an dem der Kopf begraben sein soll. Dieser liegt nördlich der Stadt in den Hügeln an einer Quelle. Lyra nehmen wir mit, das scheint uns sicherer. Sie lässt ihre Puppe namens Frieda nicht mehr los. ihre Mutter hat ihr diese geschenkt. Die richtige Mutter, nicht die Hexenmutter.

Wir gehen nach Norden aus der Stadt hinaus. Wir sehen einige Leichen auf den Straßen, die alle schon ziemlich streng riechen, überall steht HEKATE an den Wänden. Als wir an einem zweistöckigen Gebäude vorbeikommen, hören wir ein Scheppern. Ein kurzer Blick durch die zerstörten Fenster zeigen eine verwüstete Werkstatt. Das Scheppern kam aus dem Obergeschoss. Wir gehen leise in das Haus, Roland voran. An der Treppe angekommen hören wir oben wieder ein Geräusch und schleichen vorsichtig hoch. Vorsichtig spähen wir um die Ecke in ein Zimmer. Dort bietet sich uns ein Anblick des Schreckens: auf dem Boden liegen die Leichen einer Familie mit Eltern und vier Kindern, die alle schon ein paar Tage tot sind. Die Leichen sind frisch angenagt, Extremitäten herausgerissen. Darüber hockt ein Aasfresser, der, als er uns sieht, mit einem gewaltigen Satz aus dem Fenster springt und verschwindet. Im gleichen Moment fangen die Leichen an, sich zu bewegen! Roland trennt schnell die Köpfe ab, die Arme und Beine bewegen sich erschreckender Weise weiter. Schnell verlassen wir das Haus und gehen weiter nach Norden.

Unbehelligt erreichen wir die Stadtgrenze und wenden uns Richtung Bach. Wir hoffen, dass Lyra irgendetwas wiedererkennt. Sie kann sich immer noch nicht an viel erinnern, aber ihr Gedächtnis scheint langsam zurück zu kommen und sie erkennt einiges.

Der Weg ist anstrengend und führt uns stetig bergan in die Hügel. Nach einiger Zeit hören wir das Wiehern eines Pferdes südlich von uns. Lyra bemerkt, dass sie das Gefühl hat, vom Reiter verfolgt zu werden. Roland, Don Ignacio und ich bekommen ein immer beklemmenderes Gefühl am Hals, je weiter wir uns von der Stadt entfernen.

Nach etwa drei Stunden Fußmarsch erreichen wir einen befestigten Weg. Um uns ist der Grund morastig, Bodennebel kommt auf. Kurz danach kommen wir auf eine Lichtung. Hier entspringt die Quelle aus einem Felsen und daneben steht ein riesiger, uralter Baum. Lyra wird schreckensbleich, sie kann sich an irgendetwas erinnern. Hier sollte etwas sehr Schönes stattfinden, aber es wurde schrecklich. Auf dem Baum erkennen wir Symbole, an der Seite ist ein abgeknicktes Holzkreuz in die Wurzeln gesteckt und auf dem Boden im Nebel drei Leichen.

Lyra geht zu den Leichen, es sind alles drei Frauen in einfacher Kleidung, alle von schweren Waffen zerhackt und mit Brandwunden. Die Wunden haben wir schon bei den Leichen im Ort gesehen, sie passen zu den Waffen des Reiters. Lyra wird noch bleicher und sagt mit zitternder Stimme, dass zwei der Leichen Wisper und Weide sind, die dritte hieß Kalla. Ihre Schwester fehlt, ebenso wie eine andere Frau.

Sie kann sich jetzt auch wieder erinnern, was hier passiert ist. Die beiden Schwestern sollen in einem Ritual zu Erwachsenen werden. Fünf Hexen waren anwesend: Wisper, Weide, Kalla, Minerva und eine fremde namens Sylvana. Von letzterer kamen auch die Cernunnos Tätowierungen für Lyra. Bei dem Ritual erschienen Sturmgeister, um die beiden Schwestern zu befördern, aber dann ging irgendetwas schief. Es erschien eine Person, die wir nach ihrer Beschreibung schon einmal gesehen haben: Baluzius! Dann tauchte der kopflose Reiter auf, Lyra floh und hat hier auch ihre Schwester Layla das letzte Mal gesehen.

Südlich von uns hören wir wieder das Wiehern eines Pferdes. Wir gehen zum Baum und untersuchen ihn. Wir sehen viele filigrane Zeichen, unter anderem die von Akephalos und Hekate und ein Gesicht. Am Holzkreuz ist der Boden eingesackt. Don Ignacio und ich graben hier und stoßen nach kurzer Zeit auf eine riesige Menge Maden und ähnliches ekelhaftes Gewürm. Hier finden wir auch einen skelettierten Kopf. Don Ignacio steckt ihn schnell in einen Sack, der Kopf kommt ihm warm vor.

Der Reiter taucht nun am Rande der Lichtung auf, kommt aber nicht näher. Er hebt den Säbel und zeigt auf den Sack, der daraufhin anfängt zu vibrieren. Wir weichen dem Reiter aus und schlagen uns in den Wald, der hier ein sehr dichtes Unterholz hat, zu dicht für ein großes Pferd. Wir können noch hören, wie sich hinter uns die drei toten Hexen kreischend erheben. Wir beeilen uns. Der Reiter folgt uns nicht, wohl aber die toten Hexen.

Wir erreichen den Waldrand und rennen über die Felder und Wiesen in Richtung der Trauerweiden, wo wir den Körper vermuten. Die Hexen folgen uns nicht mehr, dafür sehen wir den Reiter aus dem Wald kommen, der uns gemächlich folgt.

Wir erreichen die Trauerweiden, die hier doch recht zahlreich stehen, sodass wir uns erst Sorgen machen, auch schnell die richtige zu finden. Das stellt sich aber als kein Problem heraus; hier gibt es viele Pferdespuren, die sich unter der zentralen Trauerweide häufen. Auch hier ist der Boden eingesackt und wir sehen schon ohne zu graben Myriaden von Maden, Käfern und anderem abstoßendem Getier. Don Ignacio und ich graben wieder und finden nach kurzer Zeit wieder einen Sack mit menschlichen Überresten ohne Kopf. Wir sehen, dass der kopflose Reiter seinem Pferd die Sporen gibt und auf uns zu galoppiert. Wir legen den Kopf zum Körper, es passiert: nichts. Roland spricht einen kurzen Segen, hebt das Richtschwert und lässt es in den Kopf fahren. Dieser zerspringt in tausend Stücke und auch der Körper wird fachgerecht zerhackt. Das leider beeindruckt den Reiter wenig, im Gegenteil, er sprengt heran und hebt seine Sense. Bevor er uns erreicht eröffnen wir das Feuer.

Wieder entbrennt ein langer und harter Kampf. Diesmal geht der Reiter geschickter vor und konzentriert seine Angriffe auf jeweils einen von uns. Ich kann noch etwas Schaden austeilen, bevor der Reiter mich bewusstlos schlagen kann. Don Ignacio und vor allem Roland mit dem Richtschwert können weiter Schaden verursachen und werden dank Karls Tränken vorerst nicht außer Gefecht gesetzt.

Aber auch der Reiter wankt inzwischen stark, als wir von Lyra einen spitzen, lauten Schrei vernehmen. Ein gleißend helles Licht erscheint um uns herum und erfüllt uns mit wohliger Wärme. Der Reiter weicht etwas zurück. Ein weiterer Schlag mit Rolands Richtschwert trifft seine Brust und durchbohrt sie. Er zuckt zusammen und beginnt dann langsam, sich aufzulösen. Seine Waffen fallen zu Boden, das Pferd bäumt sich auf und galoppiert davon, wobei es sich im Laufen ebenfalls langsam auflöst.

Lyra ist bewusstlos, lebt aber. Was sie da gemacht hat, wissen wir nicht, aber etwas Böses scheint nicht in ihr zu stecken. Vielleicht haben die Erinnerungen an ihr früheres Leben etwas in ihr geweckt. Karl versorgt unsere Wunden und uns fällt auf, dass die schwarzen Ringe um unsere Hälse anfangen zu verblassen.

Der Reiter ist besiegt, die unmittelbare Gefahr scheint gebannt. Warum genau er auftauchte, können wir erahnen. Die eine Möglichkeit ist, dass bei der Zauberei der Hexen und der Anrufung der Sturmgeister wirklich etwas schiefgegangen ist und Baluzius erschien. Die zweite Möglichkeit ist, dass Sylvana, die fremde Hexe, und/oder Minerva ihre Finger im Spiel hatten und den Fehlschlag bewusst herbeigeführt haben. Eventuell ist es dann ihrer Kontrolle entglitten. Warum sie das eventuell gemacht haben sollen, ist unklar.

So oder so hat Baluzius dann die Leiche von Philipp Brand mit einem Dämon beseelt und auf die Menschheit hier losgelassen.

Aber noch ist die Gefahr noch nicht komplett gebannt: der Aasfresser muss besiegt und Lyras Schwester gefunden werden. Daher machen wir uns wieder auf den Weg in die Stadt Schaffberg  hinein zu Liebfelds Haus.

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