Prolog: Das Grab des Häuptlings

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                                                    2. November 2946 Drittes Zeitalter

Der enorme Steinbrocken, welcher eben noch den Weg versperrte, klatschte zu Boden und der Zugang zur Grabkammer war geschaffen. Todesmutig stießen Thurim und Herr Roderic in das Meer von Feinden, währen Herr Olvard in die Verteidigungsposition rückte und ich den Stein emporflog, unter dem noch ein Bilwiss zuckte. In der längsgezogenen Steinkammer entbrannte nun ein Kampf.

Dem Eingang gegenüber befand sich ein lebensgroßer Steinerner Sarg, in der linken Ecke bot sich uns ein so fremdartiges jedoch grausig bekanntes Bild, denn wir sahen eine Orkleiche, bereits am Ausbluten, mit leuchtenden grünen Augen. Über ihr hockte ein Berg von einem Ork, welcher ein Horn, sowie die Dunkelheit höchst persönlich, mit sich zu tragen schien. Pfeile, Schwerter, Äxte, Speere, einfach sämtliche Waffen flogen nur so durch die Lüfte. Mutig und wie von Sinnen schlugen der Zwerg und der edle Herr Roderic auf den riesigen Ork ein, während um sie herum Herr Olvard und ich die Orks und Bilwisse zu Boden brachten. Doch es waren einfach zu viele und noch dazu ein zu starker, monströser Ork…

Trotzt der Gegnerischen Leichen, welche langsam begannen den Boden zu besudeln, hallt ein leichtes unheilverkündendes Flüstern durch das Grab, bis über der scheußlichen Orkleiche ein Portal sich flimmernd zu öffnen begann. Wir alle griffen nun nach den letzten bisschen Kraft, riefen, schlugen, schossen und stachen, doch nicht lange und die Frontkämpfer sanken schwerstverwundet zu Boden. Thurim und Herr Roderic verloren das Bewusstsein und Ghor, der widerwärtige Ork, trat nun ungehindert durch das Portal in eine Welt, welche mir das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Alles dort scheint geisterhaft, karg ohne ein Zeichen von Leben zu sein. Die Landschaft liegt farblos da, und taucht auch Ghor in Grautöne. Er wirft noch einen Blick durch den Schleier zu uns zurück, als Herr Olvard und ich unsere Kameraden mit der Kraft der Worte ins Hier und Jetzt befördern. Mein Herz vermag mich nicht länger vor der Wahrheit zu bewahren. Dies ist wahrlich ein Blick, nein, ein Weg, in die düstere Schattenwelt.

Bevor die schlimm verwundeten Krieger überhaupt wahrlich auf ihren eigenen Beinen stehen, zieht  Olvard den Zwerg mit sich, über den blutigen Boden, durch das Portal. Und auch der treue Roderic stürzt sich durch den Schleier. Mir blieb keine Wahl und ich folge in das Reich der Geister und Toten. Die Welt die ein Sterblicher nie hätte betreten sollen. Der Schatten legt sich sofort über mich und durchsticht mein Herz. Nichts, rein gar nichts lebt hier. Die Welt besteht aus dunkler, grauer, abgestorbener, schier bar unendlicher Fläche. Sie ähnelt der Landschaft, welche wir zu Beginn dieser, nun so fern liegender Nacht, noch durchzogen, als eine grausame Verzerrung. Und dort, weit, zu weit am düsteren Horizont bewegt sich die Silhouette des Orks.

Immer Richtung Süden auf einen, in unermesslicheren Fernen liegenden, Feuerball zu. Es ist das Einzige was nicht in dem Grau versinkt und Farbe besitzt. Es schwenkt bedrohlich und verharrt auf unserer Gestalt. Zu dem Zeitpunkt schmerzt mein gesamter Körper und Bewusstsein trifft mich mit dem Wissen was das ist. In Schock stolperte ich zurück, zu dem sich immer noch schließenden Portal, und zog, wie durch ein Wunder, auch Roderic mit, welcher ebenfalls ins wütende Feuer blickte. Als wir Sekunden später alle nebeneinander auf den Steinboden der realen Welt aufschlugen, blickten wir direkt in das feurige Auge, durch das schwindende Portal, auf den Feind alles Lebens, wie Thurim (ausnahmsweise passend), unter Schmerzen hauchte. Ja, das war das Auge des Feindes, welcher schon vor dreitausend Jahren hätte besiegt sein sollen.

Das Portal schloss sich. Wir sanken zu einer Pause nieder. Nach Minuten der Stille begannen, ein sehr blasser, Roderic die Wunden der anderen zu versorgen, wie seine eigenen. Olvard begann durch die Halle zu wandern, wobei er die verfluchten Schätze und Grabbeigaben einsammelte. Und auch ich streifte durch den Raum. Die Geschichte von dem Wagenfahrer Brodda, dem Häuptling der Ostlinge, ist über Bildnisse an den Wänden erzählt und berichtet von einem großen König, welcher ganz in schwarz gekleidet, Brodda drei Geschenke machte. Eine Klinge, einen Ring und ein Horn, ein Horn wie Ghor es trug…

Ein Horn was einen riesigen schwarzen Wolf emporruft, welcher in meinem Reich den Boden beschmutzte und als Werwolf vom Düsterwald bekannt war. Hitze steigt in mir auf, bei den Gedanken, dass wir so nah an der Gelegenheit waren dieses Horn ein für alle Mal zu zerstören…

Gerade als mich diese Gedanken übermannten zog Olvard eine rabenschwarze, filigrane Klinge aus dem Ledertuch hervor. Anhand seines Blickes war ich mir sicher, dass auch er mit den uralten Werken der Morgulklingen vertraut ist, welche vom Schatten geführt wird und als schwarze Klinge der Macht bekannt ist. Weiters Wissen zu den verhexten Gegenständen wird in den Archiven meines schönen Waldlandreiches und vielleicht auch dem Erebor gehalten.

Nachdem ich die Geschichte des Häuptlings leise wiedergab, besahen wir uns den offenen Sarg. Wir fanden im Inneren, neben einer Urne, einen Ring mit verblassten, elbischen Gravierungen mit einem blauen eingesetzten Stein, welchen ich an mich nahm. Olvard lehrte die Urne und ließ eine Staubwolke in den Sarg sich ergießen. Da er nichts fand schlossen wir den Sarg und ließen die Überreste eines einst so wichtigen Mannes fast ungeachtet zurück.

Unbehelligt verließen wir nun, zumeist schwer angeschlagen, das Lager. Die restlichen Warge, Orks und sonstiges Ungeziefer verließen die Sümpfe in Hast und nur ihre Spuren und der angerichtete Schaden blieben. Für den Rest der Nacht kehrten wir bei Thorn dem Ziegenhirten, welcher uns wundersam versorgte und uns, trotz der gestrigen Erlebnisse, Hoffnung und Energie schenkte, ein.

Am Späten Morgen finden wir uns alleine in der Lehmbehausung wieder und können uns nur noch von seinen Schafen verabschieden. Im Wissen nicht den Würger, oder sonstige Verantwortliche für das grauenvolle Scheiden des kleinen Jungen gefunden zu haben, nahmen wir ihn mit auf den Weg zur Stadt auf dem See, um wenigstens seinen sorgengetrübten Vater Gewissheit zu geben. Auf den breiten Schultern Roderics fand der fast friedlich wirkende Körper Platz und wir begannen den Weg zu dem Ort, an den wir unsere Boote angelegt hatten.

Doch angekommen findet sich nur ein einzelnes Ruder, welches einsam im Wasser dümpelt. Uns blieb nichts anderes übrig als den Weg zum Drachenkopf, dem Wirtshaus am Kopf des Sees, anzutreten. Die Sterne standen schon hoch, als wir uns endlich in Sichtweite unseres Ziels befanden. Doch kein Rauch zog aus dem Schornstein, kein Licht war zu sehen und eine beunruhigende Stille umhüllte die Wasser. Alarmiert schliche ich durchs lichte Gestrüpp auf die Taverne zu, dicht gefolgt von Olvard. Wir erblickten rasch, neben Kampfspuren der Orks, unter einem Anleger am Wasser, den blutenden, einbeinigen Wirt, Othar.

Wir hievten ihn aus dem Wasser. Sein Zustand war so schlecht, dass man ihn für tot gehalten haben muss. Nun folgte auch der Rest der Gefährten und Roderic begann sofort die tiefen Wunden zu behandeln, wobei ich ihm zur Hand ging, bis Othar nach Luft schnappte und seine unterlaufenden Augen aufschlug. Schweren Atem berichtete er uns von einem Orkangriff zu Einbruch der Nacht und einem menschenähnlichen Ork auf einem großen weißen Warg. Sie erschlugen einen der Knechte, welcher mutig versuchte gegen die Orks zu halten und einen jungen Krieger namens Lifstan, der zusammen mit dem Ältesten Theuderic aus Grenedun aus dem Grauen Gebirge herab kam.

Er plante wohl wichtige Geschäfte mit den Zwergen zu machen, was ihn aus den Nordbergen zu dieser düsteren Stunde in seinen Tod führte. Hierbei wurde auch eine alte Karte aus dem Grauen Gebirge erwähnt, welche über und über mit Zwergenrunen sein soll. Doch viel wichtiger ist, dass die Orks nicht nur die Tiere, sondern auch fünf Geiseln mit sich genommen haben,  welche wir nicht ihrem Schicksal überlassen werden.

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