Prolog: Tragödie am Aaltümpel

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2. November 2946 Drittes Zeitalter 

Als unsere Gemeinschaft am frühen Abend aufbrach, um die seltsame Erscheinung des grünen Leuchtens zu erforschen, verschlug es uns in Richtung des Moores, welches im Osten hinter den Hügeln stets darauf lauerte einen unachtsamen Wanderer zu verschlingen. Wir fanden hernach den Aaltümpel, welcher den Blick auf eine Steilwand richtete, die wohl für einen Elben keine Herausforderung darzustellen vermochte, uns jedoch ein Ding der Unmöglichkeit in Sachen Klettern darbot.

Olvard schaffte es einen Trampelpfad zu finden, obwohl er und Thurim keinerlei Spuren finden konnten. Thurim ging voraus und erspähte mit seinen an die Dunkelheit gewöhnten Augen den Aalsee bei einem kleinen Hochplateau.

Dort fanden wir zu unser aller Bedauern auch den Körper des vermissten Jungen Edor, der am Kiesstrand des Sees lag. Er war zusammengerollt auf der Seite, um ihn herum wild zerstreut sein Angelzeug, die zerfetzten Kleider und sein Korb aus dem Fische und Aale geglitten waren. Drei Aale waren auf ihm abgelegt worden, nachdem man ihnen die Köpfe abgebissen hatte, als wären sie wie eine Opfer- oder Grabbeigabe drapiert worden! Die Zahnspuren an den Tieren offenbarten, dass es sich um einen kleinen Menschen oder die eigenartigen Halblinge handeln müsse, von denen Beorn uns Geschichten erzählt hatte.

Thurim entdeckte mit seinen scharfen Augen eine Halskette aus purem Silber, von der ein Anhänger gerissen worden war. Ich untersuchte derweil den Jungen und erkannte, dass er zu unser aller Erschaudern zu Tode gewürgt wurde. Wer tut so etwas? Die Würgemale deuteten erneut auf einen kleinen Menschen oder Halbling. Die Trauer um das junge, verlorene Leben setzte uns allen zu, Herr Olvard war den Tränen nahe und musste sich abstützen. Noch nie habe ich meinen Gefährten so erschüttert gesehen! Dafür soll, wer immer das war, bitter bezahlen!

Mit dieser aufkeimenden Wut fand ich die Spuren des Täters, welche die Steilwand hinauf führten. Dass Herr Lethion diese erklimmen konnte wunderte mich nicht, doch auch Olvard, blind für die Gefahr, sowie Thurim machten es ihm nach! Sie riefen mir zu, dass ein Wolfsrudel ganz in der Nähe sein müsse. Olvard entdeckte die von mir beschriebenen Spuren dort oben wieder und wies auf einen Weg hin, der sich nach Süden wand. Von dort schienen kleine Rauchsäulen in die Nacht hineinzulodern.

Herr Lethion kam zu mir zurück, mein treuer, wertvoller Kamerad, und ich nahm behutsam den Leib des Jungen auf meine Schultern. Den Weg entlang machte ich immer wieder diese Spuren aus, ging der Täter etwa auf allen Vieren?! Noch dazu schien es als würde er älteren Spuren folgen: Orks! Was hatte das zu bedeuten? Olvard erinnerte sich an Legenden von früher über den “Würger vom Aaltümpel“… Vielleicht sah er sich ja mit einer kindlichen Angst konfrontiert, die nun allzu wahr wurde.

Es wurde tiefste Nacht und Olvard roch bereits das Moor, das sich bis zu 40 km weit erstrecken würde. Da entdeckte Thurim ein Hügelgrab und östlich davon eine 2. Rauchsäule. Die Wölfe heulten wieder auf und ich erkannte, dass die Spuren der Orks und Warge nun einen Bogen um die 2. Rauchsäule zu machen schien. Dem gingen wir nach.

Schon bald hörten wir das Blöken von Schafen, die um eine Erdaufschüttung herum grasten, woraus der Rauch zu kommen schien. Kein Eingang ließ uns in diesen Haufen Erde hineinkommen, Herr Olvard und ich stocherten daran herum und beim Versuch den Schornstein zuzumachen hörten wir die Stimme eines alten Mannes, der uns freundlich hereinbat und einen Eingang durch einen Tunnel offenbarte, der unter einem Gebüsch verborgen lag.

Nachdem wir allesamt hineingekrochen waren sahen wir, dass dies eine Lagerstätte war, mit Fellen und Leder schraffiert. Dort kochte der Mann einen Eintopf zu dem er uns einlud. Er war alt, hager und ungepflegt, trug nur Tierfelle und hatte einen Wanderstab bei sich, den ein Widderkopf zierte. Thorn nannte er sich selbst. Nachdem wir uns vorgestellt hatten, bat er mich seinen Bruder Iwmud, den Ziegenhirte, im Anduintal zu grüßen, sollte ich dort wieder hinkommen.

Er verriet uns bei gutem Essen und einem Schluck Schnaps, dass die Orks zur Zeit immer mit Spähtrupps die Gegend unsicher machten, doch nun wohl gefunden hatten, was sie gesucht hatten. Ein großer, grauer Ork soll sie wohl angeführt haben. Nun seien sie in “Broddas Hügelgrab“, der letzten Ruhestätte eines der verfluchten Wagenfahrer. Wir ließen uns nicht zur Nacht einladen und machten uns sofort auf den Weg dorthin, um zu sehen was vor sich geht und dem Täter seine Strafe zuzuführen. Die Leiche ließen wir bei Thorn.

Auf dem Hügelgrab hielt ein Warg Wache und ich erspähte, dass an einem der Zugänge weitere Wachen zu sehen waren und das grüne Leuchten! Ich musste sofort an den Weinkeller in den Ruinen denken! Ein Schauer ergriff mich…  Herr Lethion verschoss mit der Grazie der Valar zwei Pfeile und tötete den Warg lautlos, so dass wir uns an die Flanke des Hügelgrabes schleichen konnten. Vor den überwucherten Stufen hinein sah ich erneut die Würgerspuren! Er war wohl auf den Hügel geklettert. Noch während ich den Spuren nachsah hörten wir einen Luftzug, der wie ein gequälter Schrei aus dem Inneren kam um das Leuchten umfing uns…

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