Gedanken im Angesicht des Todes

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Was für verrückte Gedanken man doch im Angesicht des Todes hat. Da stehe ich mit Wakanda und diesem Armstrong unweit dieses Mormonennestes und wir versuchen diese Bibelbrüder und die Leute aus dem Zug vor diesem untoten Kerl namens Elam Ferguson zu retten, aber ich denke an Würmer. Heiliger Mist, da haben wir uns so vor diesen sogenannten Mojaverasslern in Acht genommen und alles versucht, sie nicht aufzuschrecken, da Lärm sie anzieht und jetzt wünschte ich mir eine dieser Missgeburten aus der Hölle herbei. Warum kommen die nicht bei diesem Krach?

Wir drei geben echt unser Bestes. Armstrong hat diesem Zombieboss eine volle Ladung Blei mit diesem Elefanten- oder Büffeltöter verpasst, aber dieser Elam nimmt es wie einen Mückenstich. Wakanda hat wieder die Natur zur Hilfe gerufen und ihn mit Ranken aufhalten wollen, aber er reißt sich einfach los. Auch ihren heraufbeschworenen Blitz hat er eingesteckt wie nix. Hat nur kurz getaumelt, und schon springt er mit einem Riesensatz auf mich zu wie ein verrückter Präriehase. Und schon hat er mir sein Messer in die Seite gerammt. Mensch, das tat echt weh, tut es auch immer noch. Da werd‘ ich mich noch ´ne Weile mit rumärgern.

Naja, Wakanda trifft ihn mit einem Pfeil, aber auch das macht ihm nix. In meiner Not versuche ich mit der freien Hand den Pfeil aus seiner Schulter zu ziehen und in sein purpurleuchtendes Auge zu stechen, was aber nix wird. Währenddessen kommt dieser Nebel, der den Untoten folgte, auch uns immer näher. Ganz am Rande hören wir Schüsse aus der Siedlung. Wie gesagt, seltsam, was man alles wahrnimmt, wenn man dem Tod so nah ist.

Aber dann macht dieser Armstrong, der noch vor ein paar Tagen auffällig oft nach Whiskey gerochen hat, etwas, was ich ihm nicht zugetraut hätte. Anscheinend, um den Zombieboss von mir und Wakanda abzulenken, ruft er ihm eine Nigger-Beleidigung zu. Tatsächlich rettet uns das wahrscheinlich, denn seine nächsten Angriffe gegen Armstrong und mich gehen vor Wut fehl. Mir wird klar, dass wir diesem Kerl einfach nicht gewachsen sind. Mit dem Mut der Verzweiflung schreie ich meinen beiden Gefährten zu, sie sollen sich in Sicherheit bringen und versuche ihnen Zeit zu verschaffen, indem ich mich auf den Untoten werfe und versuche, ihn zu Boden zu werfen.

Tatsächlich gelingt mir das. Irgendwie scheint er unsicher gestanden zu haben, aber er reißt mich mit. Mittlerweile ist dieser unnatürliche Nebel vollends bei uns angekommen, so dass Ferguson und ich in den Nebel fallen. Ich sehe nicht mehr die Hand vor Augen, so eine Suppe umgibt mich. Ich hoffe, Wakanda und auch Armstrong haben sich in Sicherheit gebracht und versuche zum Pferd des Untoten zu gelangen, aber als ich endlich den Baum finde, an dem es stand, ist es fort.

Auch den Zombieboss höre ich nicht, wohl aber Schüsse aus Holyspringwater. Ich finde die Flinte des Untoten und auch meine treue Sporter, als sich der Nebel hier verflüchtigt und ich Elam Ferguson auf seinem Geisterpferd in beträchtlicher Entfernung zum Ausgang des Tals reiten sehe… seine Untoten hat er anscheinend vergessen, denn die vergnügen sich den Geräuschen nach mit den Mormonen  und der Gilesgruppe. Auch wenn es eigentlich noch nicht an der Zeit ist aufzuatmen, tue ich es trotzdem. Trotz seiner menschlichen Form ist dieses Ding, das einstmals Elam Ferguson war, grauenerregender als dieses Spinnenmonster und die Riesenwürmer. Das Böse ist nicht dumm!

Die heftige Wunde in meiner Seite sollte mich daran erinnern. Aber jetzt, wo er weggeritten ist, schöpfe ich Hoffnung, denn wie schwer kann es schon sein, langsam umher wankende Zombies zu vernichten?! Und genau in diesem Augenblick ertönt aus den Bergen ein einzelnes Wolfsheulen. Wie versteinert verharre ich. Kalter Schweiß bedeckt meine Stirn und mein Herz setzt für ein paar Schläge aus. Mein Atem stockt. Durch die aufbrechende Wolkendecke schaut hämisch der nahezu volle Mond.

Ich spüre Makonas Türkisanhänger auf meiner Brust. Wollte ich noch vor einer Sekunde die zweite Waffe des Untoten suchen, merke ich auf einmal, wie meine Beine mit mir Richtung Holyspringwater rennen. In meinem Kopf rasen die Gedanken. Hat die Bestie mich gefunden? Ist das die Bestie, die Makona getötet hat? Neeeiin, ich spüre, dass Makona noch lebt. Sie muss leben. Andere Gedanken, die aus dem Unterbewusstsein empordrängen, verdränge ich wie gewohnt. Und während ich auf den Bach vor dem im Nebel liegenden Dorf zu renne dröhnt es in meinem Kopf: „MAKONA!“

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