Ernter des Leids 5 – Die Rettung des Priesters und der Rat des Zauberers

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Donnerstag, der 5. Tag des V. Monats im Jahre 888 nG
Im finsteren Keller des verfluchten Murrhauses befinden wir uns in einer Szenerie, die einem Alptraum entsprungen zu sein scheint. Der Boden ist mit Unrat, verwesenden Fleischfetzen, verspritztem Blut und Knochensplittern befleckt. Vor mir liegt der Kadaver des Ghuls, dem ich gerade noch den Schädel zertrümmern konnte. Die muffige Kellerluft ist erfüllt vom Gestank nach Tod und dem wimmernden Stöhnen des verletzten Priesters Vater Gregorius. Während Krätze neugierig das Lesepult untersucht und Wilbur geschäftig in dem Sarkophag, dem der monströse „Gugelmann“ entstiegen ist, herumkramt, wende ich mich Gregorius zu. Der Priester fiebert und scheint mich nicht wirklich wahrnehmen zu können. Der Mann ist nur noch halb am Leben, nachdem der „Gugelmann“ ihm einen Fuß und ein Auge geraubt hat um seinen eigenen Leib zu vervollständigen.
Am Rande meines Blickfeldes bemerke ich, wie Melina sich anschickt, die Kellertreppe anzusteuern. Mit eiskalten Schrecken bemerke ich, wie ihr bodenlanger Umhang das reichlich vergossene Blut aufsaugt. Und dabei bleibt es nicht: Das Blut scheint den dunklen Stoff hinauf zufließen …
„Melina! Dein Umhang! Das Blut!“, entfährt es mir erschrocken. Hastig streift unsere Weggefährtin ihren Umhang ab lässt ihn auf den Boden fallen. Der dort befindliche Lebenssaft wird von dem Stoff gierig aufgesogen. Melina eilt die Kellertreppe nach oben, während Krätze das Kleidungsstück untersucht. In einer verborgenen Tasche findet er ein keines Kästchen. Die Schatulle fühlt sich seltsam kalt an unter den Fingern des Goblins und scheint das Blut magisch anzuziehen. Melina kehrt vom Erdgeschoss zurück, in der Hand hält sie ein abgebrochenes Stuhlbein. Sie faselt Ausflüchte, das Kästchen sei bloß ein Erbstück und wickelt es in ein Tuch, das sie wiederum an das Stuhlbein knotet.
Aufgeregt wuselt Krätze um sie herum, will wissen, was es mit dieser ominösen Schatulle auf sich hat. Genervt verlässt Melina den Keller, der quengelnde Goblin bleibt ihr dich auf den Fersen. Wilbur folgt ihnen, schwer beladen mit Dingen, die er wohl aus dem Steinsarkophag zusammengerafft und in eine Art schwarzes Tuch eingeschlagen hat.
Mein Blick schweift zurück zu Vater Gregorius, der schwer verwundet in seiner Ecke im Fieberwahn vor sich hindämmert und dessen Rettung der eigentliche Grund unseres Hierseins ist. Wenigstens ist noch die Stadtgardistin Alyssa hier, um mir zu helfen.
Gemeinsam tragen wir den verletzten Priester behutsam aus dem Kellergewölbe heraus.
Willbur hat auf dem oberen Treppenabsatz ein Päuschen eingelegt und fleddert fachmännisch die dort liegende Leiche, ohne sich von uns stören zu lassen.
Im Erdgeschoss angekommen, stelle ich fassungslos fest, dass zwischen Melina und Krätze ein handfester Streit im Gange ist. Die beiden stehen sich wütend gegenüber, keifen und kreischen sich wüste Beschimpfungen zu. Offenkundig geht es hier immer noch um Melinas Schatulle.
Weiber und Goblins! Haben wir gerade nicht wirklich wichtigere Sorgen?!
Pater Gregorius zuckt halb besinnungslos zusammen und stöhnt gequält auf. Wilbur kommt hinzu und versucht die Streitenden zu Ordnung aufzurufen – vergebens.
Erst ein schriller Pfiff aus Alyssas Signalpfeife bringt Melina und Krätze dazu, sich nicht mehr wie Idioten auf zu führen.
Der Goblin verzieht sich murrend, um nach Löffeln zu suchen, derweil entschuldigt sich Melina zerknirscht bei Vater Gregorius und Alyssa.
Dann bringen wir den Verletzten endlich gemeinsam aus dem schrecklichen Murrhaus nach draußen. Von dem Schlägertrupp, der uns am Betreten des Grundstückes hindern wollte, ist nichts zu sehen. Nach kurzer Beratschlagung entscheiden wir uns dafür, Vater Gregorius zum Dom zu bringen. Dort wird man ihm sicherlich am Besten helfen können.

Auf dem Weg zum Tempelbezirk trennt sich Melina kurz von uns, da sie noch in der „Turmklausel“ etwas holen möchte. Im Viertel „Seelenruh“ angekommen finden wir das große Domtor verschlossen vor. Doch auf unser energisches Klopfen hin öffnet sich die kleinere Gesindetür und eine dickliche Magd fragt verwirrt, was wir hier mitten in der Nacht wollen. Als wir den Grund unseres Besuches vorzeigen, gewährt sie uns erschrocken und ohne Umstände Einlass. Vater Gegorius wird in ein sauberes Bett gelegt und eilends ein heilkundiger Mönch sowie Vater Paulus, der Domkaplan, hinzugezogen.
Als wir Vater Gregorius in guten Händen wissen, verabschieden wir uns und brechen in Richtung „Turmklausel“ auf. Krätze bedankt sich bei Alyssa für ihre Hilfe. Die Stadt-gardistin ist ob der schrecklichen Erlebnisse dieser Nacht erschüttert. Sie ist sicher, dass die Braunröcke nach dem „Gugelmann“ fahnden müssen – nicht auszudenken, was geschieht, wenn diese mordgierige Kreatur weiter ihr Unwesen treibt, vielleicht sogar in Münz oder Säckel und irgendwie herauskommen sollte, dass wir sie in Kummer haben laufen lassen …

Alyssa sieht sich in der Pflicht, noch in dieser Nacht einen Bericht in der Stadtwache abzuliefern. Eine Pflicht, um die ich sie nicht beneide.
Wilbur zeigt ihr eine wertvolle Taschenuhr, die er bei der Leiche im Murrhaus gefunden hat. Auf den Deckel sind die Initialen KB eingraviert. Der Halbling fragt nach, ob Alyssa eine reiche Familie in der Stadt kenne, zu der dieses Monogramm passen könnte.
Alyssa denkt nach und ihr fällt die Familie Brünne ein. Familienoberhaupt ist der Advokat Günter Brünne, er habe einen Sohn namens Knut oder Konrad ..? Da ist sich Alyssa nicht so ganz sicher. Wir danken Alyssa für all ihre Unterstützung in dieser Nacht.
Sie verabschiedet sich von uns, ohne die zweite Signalpfeife zurückzuverlangen, die ich noch immer unter dem Wams trage …

Nachdem sie sich von uns getrennt hat, kehren wir zur „Turmklausel“ zurück. Da es weit nach Mitternacht ist, sind wir vier allein im stillen Schankraum. Wilbur Weinberger ergreift das Wort und stellt zunächst fest, dass es gut ist, dass wir Vater Gegorius retten konnten.
Doch es haben sich auch einige neue, nagenden Fragen aufgetan:

Was hat es mit dem mysteriösem „Auge der Leere“ auf sich, dass die Grabräuber aus dem Sarkophag des „Gugelmanns“ gestohlen haben? War der Tote auf der Treppe wirklich ein Angehöriger des Advokats Brünne? Was will die Bruderschaft der Schatten? Waren die Geschehnisse der letzten Zeit nur der Auftakt zu einem viel dunklerem Schrecken, der Kreuzing droht?
Dazu öffnet er das dicke Bündel, dass er die ganze Zeit über mitgeschleppt hat und breitet die Gegenstände vor uns aus, die er aus dem Keller des Murrhauses geborgen hat:

Neben der Taschenuhr liegen jetzt noch ein Schwert mit seltsam grüner Klinge, ein ritueller Opferdolch, drei versiegelte Phiolen und ein menschlicher Totenschädel vor uns. Auf der Hirnschale prangen in den Knochen eingeritzte Symbole, die an die dunklen Zeichen erinnern, die wir im Alten Wald an einigen Baumstämmen fanden …
Die selben Symbole sind auch in den schwarzen Stoff der Robe gestickt worden, in die Wilbur die Gegenstände eingewickelt hatte. Krätze untersucht die Objekte, kann aber keine Magie in ihnen entdecken, was mich erst mal beruhigt. Bei der Leiche hat Wilbur noch eine Geldbörse gefunden, deren Inhalt er nun unter uns aufteilt. Goldkronen, Silbertaler und kleinere Münzen wechseln ihre Besitzer. Ein steht fest: Wer auch immer der Tote war, arm war der Mann jedenfalls nicht …
Ich berichte den anderen, was ich über das Murrhaus weiß. Vor rund drei Jahrhunderten soll dort ein finsterer Hexenmeister, ein Schwarzkünstler und Dämonologe namens Murr gelebt haben. Seit seinem Tod ist das Haus verlassen und wurde dem Verfall überantwortet. Niemand wollte in dem Anwesen, in dem es spuken soll, wohnen. Es heißt, Murr habe „Dämonen aus der Leere“ beschworen und versucht, diese in seinen Dienst zu zwingen. Könnte das „Auge der Leere“ hierfür eine Art Fokus sein? Wilbur vermutet, dass dies so sein könnte, Krätze hingegen ist sich nicht ganz sicher. Aber der Goblin berichtet noch, dass anscheinend ein weiteres Objekt aus dem Murrhaus gestohlen worden ist.
Auf dem Stehpult scheint ein Buch gelegen zu haben. Jedenfalls gab es auf dem Pult eine Fläche, die nicht von einer Schmutzschicht überzogen gewesen ist – also muss dort ein Buch gelegen haben. Wo ist das jetzt?
Wir diskutieren, wie wir weiter vorgehen sollen. Irgendwo streift noch der „Gugelmann“ durch die nachtschwarzen Gassen. Die Grabräuber könnten zur „Bruderschaft der Schatten“ gehören die den Dämonenfürsten verehren soll und aus dem Murrhaus sind das „Auge der Leere“ und möglicherweise ein Buch mit Murrs Aufzeichnungen verschwunden.
Diese Umstände können wir nicht einfach ignorieren und zum Alltag übergehen.
Wilbur fasst zusammen, dass wir zwei Spuren haben, denen wir nachgehen können:
Die Taschenuhr von KB und den Totenschädel mit den eingravierten Symbolen.
Er schlägt vor, die gesammelten Fundstücke gleich morgen seinem alten Freund, dem Magier Caribdus, zu zeigen und wir stimmen zu. Krätze spricht Melina erneut auf des ominöse Kästchen an, doch sie bittet ihn, das heute nicht mehr zum Thema zu machen und schenkt ihm dafür zur Beruhigung einen Löffel.
Durch die Nacht hallt der Klang der Domglocken, es schlägt 03:00 Uhr.
Erschöpft beenden wir unser Palaver und legen uns schlafen.

Freitag, der 6. Tag des V. Monats im Jahre 888 nG
Den neuen Tag beginnen wir, den Ereignissen der letzten Nacht geschuldet, erst am späten Vormittag. Melina erklärt kurz, dass sie hinsichtlich der Schläger, die uns am Betreten des Murrhauses hindern wollten, eigene Untersuchungen anstreben will. Hierzu will sie allein in den einschlägigen Gassen von Kreuzings Unterwelt Erkundigungen einholen. Falls sie bis 14:00 Uhr nicht zurückgekehrt ist, sollten wir uns den Hinterhof an der Hafenkante 23 ansehen. Allerdings bittet sie darum, dass wir niemanden dort ihren Namen nennen…
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Für meinen Geschmack sind das zu viele Geheimniskrämereien, doch Wilbur winkt ab und meint, wir würden uns dann schon zu helfen wissen…

Also begleite ich Wilbur und Krätze zum Zauberer Caribdus.
Der Magier bewohnt einen Turm im noblen Viertel Säckel, es bildet mit seinen breiteren Straßen und herausgeputzten Häusern einen starken Kontrast zur schmuddeligen Armut von Kummer. Unser kleiner Trupp zieht auch die irritierten bis argwöhnischen Blicke der vornehmen Anwohner auf sich, als wir uns dem Magierturm nähern.
Caribdus´ Turm entpuppt sich als ein seltsam verwinkeltes Gebäude, das den Namen „Wetterspitze“ trägt – es scheint sich leicht im Wind zu wiegen. Der Turm steht mitten in einem kleinen Garten, der von schmucken Hecken umschlossen wird. Als Wilbur den Türklopfer betätigt, öffnet uns ein älterer Herr mit grauen, aber vollem Haupthaar und sorgsam gestutzten Bart. Aus seinem freundlichen Gesicht blitzen blaue Augen freudig auf, als er den Halbling erkennt. „Wilbur Weinberger! Es ist bestimmt zwei Jahre her!“
Die beiden schließen sich in die Arme, dann stellt Wilbur Krätze und mich dem Zauberer vor. Caribdus lädt uns bereitwillig in sein Zuhause ein und führt uns in ein ordentlich aufgeräumtes und sorgsam eingerichtetes Wohnzimmer. Er serviert uns Tee und Gebäck und Wilbur plaudert mit ihm über dieses und jenes, bevor er auf den Grund unseres Besuchs zu sprechen kommt. Wilbur scheint dem Magier wirklich großes Vertrauen entgegen zubringen. Er berichtet ihm von den Nekromantieexperimenten von Aldemar, in Pfeilersruh, dem Tod des dortigen Priesters, dem Wechselbalg Adira und dem Auftrag, der uns nach Kreuzing geführt hat. Weiter erzählt er, wie wir nach Vater Gregorius gesucht und ihm im Keller des Murrhauses gefunden haben. Auch von dem „Gugelmann“ und dem „Auge der Leere“ sowie der Bruderschaft der Schatten berichtet Wilbur. Dann bereitet er die Fundstücke und Hinweise aus, die wir bei unseren Ermittlungen gesammelt haben.

Während Krätze sich etwas gelangweilt im Wohnzimmer umschaut, wirkt Caribdus ehrlich besorgt. Der Zauberer erklärt, dass es schon vorher Hinweise darauf gegeben hat, dass die Bruderschaft der Schatten in Kreuzing umgeht. Das Schädelsymbol aus den Notizen von Vater Gregorius zeige „Ihn“ (den Dämonenfürsten). Er rät uns, weiter nach der Bruderschaft der Schatten zu suchen, die diese finstere Entität verehrt.

Zu dem Mörder, den wir bislang „Gugelmann“ genannt haben, meint Caribdus, dass es sich dabei um einen Organräuber handeln muss – eine Kreatur, welche die Bestandteile ihres Körpers stetig austauschen und erneuern muss um fortzubestehen. Das Wesen , das wir laufengelassen haben, wird also auf jeden Fall weiter töten.
Zu den Gegenständen, die wir aus dem Murrhaus geborgen haben, stellt der Zauberer ebenfalls fest, dass keinerlei Magie an ihnen haftet. Die Symbole auf der Robe und dem Totenschäden allerdings stammen aus der Dunkeln Sprache. Sie zu entziffern wäre gefährlich, selbst diese Zunge nur zu sprechen, sei streng verboten. Auf der Robe befänden sich Schutzzeichen, auf dem Schäden hingegen steht ein Text. Trotz des offiziellen Verbotes will Caribdus versuchen, die Schriftzeichen für uns zu deuten.

Weiter stellt Caribdus fest, dass der Inhalt der drei Phiolen verdorben und wertlos ist.

Caribdus verspricht, eigene Nachforschungen zur Geschichte des Dämonologen Murr, dem „Auge der Leere“ und der Bruderschaft der Schatten anzustellen.
Beim Betrachten des Monogramms auf der Taschenuhr meint der Zauberer, dass es sich um die Initialen von Karl Brünne, dem Sohn des Advokaten Brünne handeln könne.
Die Kanzlei des Anwaltes liegt im Viertel Gaffel.
Krätze meldet sich zu Wort und fragt Caribdus, ob dieser ihm bei seinen Studien der Magie helfen kann. Dazu zieht er das Zauberbuch von Aldemar aus seinem Rucksack.

Caribdus ist beeindruckt von dem Wissensstand des Goblins und bietet ihm gern seine Unterstützung an. Während Krätze noch im Turm des Zauberers verbleibt, kehren Wilbur und ich zur „Turmklausel“ zurück. Vielleicht ist Melina ja bereits dorthin zurückgekehrt …
An meiner Seite trage ich nun das Schwert mit der grünen Klinge. Ich kann nur hoffen, dass es mir gute Dienste leisten wird, sollten wir wieder auf den Organräuber oder die Bruderschaft treffen.

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