Die Teufelsratten von Kronau IX – Epilog

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26. Mai im Jahre des Herrn 1733  – Kronau

Wir verließen zusammen mit Pfarrer Waldfrieden diesen gottverlassenen Ort. Der Pfarrer musste zwar gestützt werden, war aber transportfähig. Wir brachten ihn zur nächsten Kirche, wo man ihn adäquat versorgen konnte. Dann begaben wir uns zur Herberge, wo wir uns erst einmal ausruhen wollten.

Am Abend besuchten wir dann die Baronin Annemine von Freyberg. Wir erzählten ihr, was alles im Haus der Taubers passiert war und sie war sehr froh zu hören, dass eine größere Bedrohung ausgeschaltet war. Sie bot uns tatsächlich einen Job an, wir sollten ihr gegen gute Bezahlung als Söldner zu Diensten sein. Wir lehnten freundlich ab, so schön war es in Kronau nun doch nicht.

Als wir nach einer angenehmen Gesellschaft spät abends das Haus der Baronin verließen, bemerkte Karl etwas: eine dunkle Gestalt auf einem Hausdach, die uns offensichtlich beobachtete. Ein Schuss aus Karls Pistole scheuchte die Gestalt auf, die sofort flüchtete, wir setzen allerdings nach. Ein paar Treffer aus unseren Feuerwaffen ließen die Gestalt aber straucheln und abstürzen. Die Gestalt war ein dunkel gekleideter Mann, bei dem wir bei einer Durchsuchung einen Meuchler-Dolch sowie eine Schwarze Feder fanden. Eine Befragung der Gestalt fiel allerdings wegen dessen Frühablebens aus.

Dafür bemerkte Karl noch etwas: es leuchteten eine Art Runen auf seiner Haut, die schnell wieder verschwanden, ein ähnliches Phänomen hatte er bei einer Gestalt in der Kirche bemerkt. Bevor andere Bürger oder Wachen aufmerksam wurden, vierließen wir den Ort des Geschehens und gingen zur Herberge.

27. Mai im Jahre des Herrn 1733  – Kronau

Nach einer ausgiebigen Nachtruhe widmeten wir uns unserer Freizeit, stellten also Tränke und ähnliche Sachen her. Außerdem verkauften wir unsere Beute aus dem Haus der Taubers gewinnbringend. Mittags machten wir uns dann auf den Weg und verließen Kronau nach gefühlt einer Ewigkeit Richtung Waldenau.

Der Weg war gut ausgebaut und auch recht voll. Uns begegneten Kutschen, Händler und allerlei buntes Volk. Karl hatte eine Zeichnung von Hubert Gimpel angefertigt, die wir einigen Reisenden, die uns entgegenkamen, zeigten.

Gegen Abend suchten wir mangels Herbergen in unmittelbarer Nähe einen Rastplatz für die Nacht. Wir schliefen unbehelligt, allerdings waren während der Nachtwache in den Hügeln des Starkwaldes nördlich von uns in wahrscheinlich weiter Entfernung helle Lichter zu sehen.

28. Mai im Jahre des Herrn 1733  – Kronstraße Richtung Waldenau

Den ganzen Tag reisten wir weiter Richtung Waldenau. Einer der Reisenden, die uns begegneten, erkannte tatsächlich Hubert Gimpel, dieser war hier durchgereist. Über das Leuchten in den Hügeln konnte uns indes niemand etwas sagen, außer, dass sich das Leuchten regelmäßig wiederholte.

Dafür erfuhren wir etwas über den Berg Aschespei, der in diesen Hügeln lag. Dieser Berg spie im sogenannten Feuerwinter 1725 drei Tage lang Feuerbälle aus, wodurch in der näheren und weiteren Umgebung etliche größere Flächen verbrannten. Auf diesen Flächen wuchs bis heute nichts mehr. Eine dieser Gebiete hatten wir ja selbst gesehen: dort, wo wir den Alb getötet hatten. Abends suchten wir uns wieder einen Lagerplatz und nächtigten unbehelligt.

29. Mai im Jahre des Herrn 1733  – Kronstraße Richtung Waldenau

Wir reisten den ganzen Tag weiter, als sich am Nachmittag ein heftiges Unwetter über uns zusammenzog. Wieder am Wegesrand zu lagern war diesmal keine Alternative, sodass wir bis zum nächsten Gasthaus weiterreisten. Im strömenden Regen erreichten wir das nächste, das sich mittels eines Schildes als „Gasthaus Straußenfeder“ vorstellte und etwas abseits der Straße auf einem kleinen Hügel lag. Einige hundert Meter dahinter war auf einem zweiten Hügel eine Kapelle zu sehen. Beide Gebäude waren von Wald umgeben. Inzwischen war das Wetter unerträglich, es schüttete wie aus Eimern, dazu blitzte und donnerte es.

Das Eisentor des Gasthauses stand offen, in den Fenstern des Haupthauses war Licht zu sehen. Der Hof war inzwischen sehr matschig geworden und wir steuerten zunächst ein Gebäude an, das wir für den Stall hielten. Wir wollten zunächst unsere Pferde und den Karren abstellen. Im Stall erkannten wir zwei Kutschen sowie einige Pferde, alleine waren wir hier also nicht. Dann betraten wir das Haupthaus.

In der Gaststube stand der Wirt Heinrich Fuchs hinter der Theke, der Raum war recht groß mit einigen Tischen. Einige waren frei, an insgesamt vier Tischen saßen jeweils zwei Leute. Deren Unterhaltungen waren gedämpft, sie sahen aber auch durchaus wehrhaft aus.

Wir nahmen Platz, um etwas zu essen und beim Wirt ein Zimmer zu buchen. Dieser war allerdings sichtlich nervös. Ein Zimmer meinte er nicht frei zu haben, was uns angesichts der Größe des Hauses merkwürdig vorkam. Wir sollten stattdessen weiterreisen. Uns drängte sich der Verdacht auf, dass das mit den anderen Gestalten hier zusammenhing und wollten ihn nicht offen damit konfrontieren.

Wir bemerkten, dass es bei dem Wetter unmöglich sei, weiterzureisen und boten an, im Stall zu schlafen. Mir fiel auf, wie der Wirt kurz zur Seite blickte, eine der Gestalten ihm kurz zunickte und er daraufhin etwas erleichtert zustimmte.

Hier ging es nicht mit rechten Dingen zu. Bevor wir aber weiter darüber nachdenken konnten, hörten wir draußen Lärm. Eine große, vierspännige Kutsche preschte auf den Hof, auf dem Bock saßen Männer mit Musketen.

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