Der verschollene Pfad – Teil 4

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7. September des Jahres 2954 des Dritten Zeitalters
Herz des Waldes, Düsterwald, Wilderland

Es dauerte einige Zeit und bedurfte Roderics Heilkunst, bis die Zwerge wieder in der Lage waren weiter zu reisen, aber uns blieben noch einige Stunden Tageslicht. Und so machten wir uns, das Flussbett des Grünflusses entlang, wieder auf den Weg gen Osten. Als wir Bofri und den anderen von unserem Vorhaben berichteten, hier wieder einen Weg durch den Düsterwald zu finden, waren sie Feuer und Flamme für die Idee und begannen sofort damit, einen Plan für eine mögliche Straße zu schmieden. Auch wenn diese Straße sicher noch in weiter Ferne liegt, begannen wir damit, Wegmarkierungen zu hinterlassen. Vor allem die Stelle, an der sich das Flussbett des Grünflusses nach Norden wendet und ein Reisender gen Westen das Bett verlassen muss, markierten wir.

10. September des Jahres 2954 des Dritten Zeitalters
Engstelle des Waldes, Düsterwald, Wilderland

Wir waren bereits einige Tage weiter gereist, als Nachts ein Trupp Orks, keine 100 Meter von unserem Lager entfernt vorbei zog. Den Geräuschen nach zu urteilen waren es etwa zwei Dutzend gut gerüsteter und großer Uruk-Hai, welche sich ebenfalls auf dem Weg nach Osten befanden.

13. September des Jahres 2954 des Dritten Zeitalters
Engstelle des Waldes, Düsterwald, Wilderland

Gegen Mittag tauchten im Süden unseres Weges erst vereinzelte, dann immer mehr Ruinen auf, von denen kaum mehr als die Überreste von Fundamenten zu erkennen waren. Allerdings waren diese allesamt aus weißem Stein gefertigt, von welchem Narvi, Bofri und die anderen Zwerge sagten, er käme in keinem der Gebirge in der näheren Umgebung vor. Wobei näher für Zwerge scheinbar ein recht dehnbarer Begriff ist, denn es wurden auch die Blauen Berge genannt.

Earendil berichtete, nachdem er den Steinen gelauscht hatte, von einem Königreich der Nordmenschen in lang vergangenen Zeiten am Ende des Zweiten Zeitalters von Mittelerde. Während die Zwerge immer noch völlig begeistert von dieser Entdeckung waren, hatte der Elb eine Vision, in welcher der verschollene Ingomer von Damara und der Stimme des Waldes in einer weißen Halle eingesperrt wurde. Diese Halle musste ganz in der Nähe liegen und so machten wir uns unter Roderics Führung auf den Weg nach Süden, tiefer in die Ruinenstadt hinein.

Zwischen den überwachsenen Ruinen, fanden sich immer wieder perfekt erhaltene und von der Natur gemiedene Statuen von Nordmenschen. Neben Kriegern in uralten Rüstungen, waren auch Frauen und Kinder darunter. Ein gar merkwürdiger Anblick in Mitten dieser Wildnis. Noch merkwürdiger war allerdings der Anblick, der uns kurze Zeit später zuteil wurde. Mitten in der Stadt, weder überwachsen, noch in einer anderen Art durch Zeit und Natur beeinflusst, erblickten wir eine weiße Halle. Reetgedeckt und mit reich verzierten Türen, genau wie Earendil sie in seiner Vision sah. Über dem Türsturz war kunstvoll der Text “Oh Eichenkind, sei tapfer und halte noch dem Sturme stand.” eingeschnitzt. Während die anderen sich noch über die auffällige Stille in der Umgebung  wunderten, blickten sich Hergrimm und ich nur an und mussten beide an Rahels Prophezeiung denken, welche ja von Feredruhn bekräftigt wurde.

Ohne lange zu zögern, machten wir uns daran die Tür zu öffnen. Und auch wenn wir gleichzeitig die Griffe berührten, muss ich doch einen Hauch schneller gewesen sein, denn kaum war die Tür geöffnet, wurde ich auch schon von einem Sturm in die stockfinstere Halle gerissen und die Türen hinter mir verschlossen. Im gedämpften Licht des elbischen Lichtkristalls, sah ich einen groß gewachsenen Nordmann mit einer Kriegsaxt und einem wahnsinnigen Ausdruck auf dem Gesicht auf mich zustürzen. Die Worte der Prophezeiungen im Kopf, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und blieb einfach stehen. Die Axt fuhr haarscharf neben mir, eine gute Hand breit in die Eichendielen und blieb dort stecken. Dann flammte ein Feuer im Zentrum der Halle auf und ich konnte in seinem Schein Ingomer erkennen, welcher gerade auf die Knie sackte. Auf seinem Kopf ruhte der Helm des Friedens und ein Schatten schien ihn gerade zu verlassen. Dann ereilte auch mich eine kurze Vision: Ein Baum am Rande der Ruinen und zu seinen Wurzeln aufgewühlte Erde. Kaum war der Schatten aus der Halle entwichen, sprangen auch schon die Türen auf und meine Gefährten stürmten herein.

Ingomer war sehr verwirrt und konnte keinen von uns erkennen oder sich auch nur erinnern wie er in diese Halle gekommen war. Roderic nahm ihm sicherheitshalber den Helm ab und konnte dabei beobachten wie die Runen auf diesem leicht aufleuchteten, Der Helm schien mit Macht belebt worden zu sein, aber keine Macht des Schattens, sondern eher die von einem der Ahnen aus dem Grab wo wir den Helm zuletzt sahen. Gemeinsam geleiteten wir Ingomer nach draußen, Roderic nahm seine Axt und Narvi den Helm an sich. Hinter uns schlugen die Türen der Stillen Halle krachend zu.

Auf der Suche nach einem Platz für das Nachtlager, gelang es Roderic, tatsächlich den Baum aus meiner Vision ausfindig zu machen. Eine uralten Eiche, vermutlich aus der Zeit des jungen Grünwaldes. Während wir das Lager vorbereiteten, gruben wir einige Zeit unter ihren Wurzeln. Zum Vorschein kam eine sehr gut erhaltene Schatulle mit Schriftzeichen in Adunaig. Nach der Machart und den Zeichen zu urteilen, stammte diese Schatulle vom Ende des Zweiten oder Beginn des Dritten Zeitalters, vor der Gründung Gondors. Mit geübten Handgriffen, konnte Hergrimm das Schloss öffnen und einen beachtlichen Schatz in Goldmünzen, Bechern, Tellern und anderen Schmuckgegenständen freilegen. Noch deutlich interessanter, war aber die wenig verzierte Krone aus geschwärztem Metall. Bei näherer Betrachtung stellten wir fest, das sie aus Mithril gefertigt worden und das im Inneren auch eine Inschrift in Adunaig zu finden war. Die Krone eine Königs der Nordmenschen aus längst vergessenen Zeiten.

Nach dem Abendessen kam Ingomer langsam wieder zu sich und konnte sich an immer mehr Bruchstücke dessen erinnern, was ihm widerfahren war. Nachdem er Mogdreds Gastfreundschaft auf dem Tyrannenhügel genossen hatte und feststellen konnte das dieser loyal zu den Waldmenschen stand, hatte er sich im Frühling des Jahres 2953 auf den Heimweg gemacht. Doch er wurde von Mogdreds rechter Hand, Damara, verraten. Diese traf sich, gemeinsam mit Hunwald, mit der Stimme des Waldes um Befehle zu erhalten und verschleppte Ingomer dann in die Halle. Er konnte nur einen Teil des Gespräches belauschen, aber in diesem war von einer Stadt im See und einem Attentat die Rede, in welches Hunwald involviert werden sollte, Ingomer hatte also mehr als ein Jahr in der Stillen Halle verbracht.

Wir waren gerade dabei uns in unsere Schlafsäcke zurück zu ziehen, als eine wilde Elbin in den Schein unseres Feuers trat …

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