Bruno Jones – Revolvermann

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Er hatte immer wieder den selben Traum:

Fackelschein, Knurren und Bellen, Männer rufen, während Bruno durch die Baumwollfelder rennt. Die Meute kommt näher, er kann das hecheln der Hunde bereits hören. Seine Lunge pumpt, seine Muskeln brennen. Die Lichter werden schwächer, auch die Rufe leiser. Dann endet das Feld und die Böschung fällt steil ab. Bruno stolpert. Hinter sich ein Knurren, dann stürzt er vorn über in den Fluss. Sofort reißt ihn das kalte Wasser fort. Bruno kann nicht schwimmen. Er strampelt, schluckt Wasser. Mit einer unsichtbaren Hand zieht ihn der Fluss in die Tiefe. Bruno strampelt panisch. Todesangst.

In diesem Moment erwachte Bruno dann immer schweißgebadet aus seinem Albtraum. Mit Gottes Hilfe war es ihm damals 1860 gelungen, von der Plantage zu fliehen, auf der er sein bisheriges Leben in Sklaverei verbracht hatte. Kurz nach dem Tod seines Vaters Abraham beschlossen er, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und sich in den Norden durchzuschlagen. Seine Mutter Cynthia hatte er nie kennen gelernt, sie war direkt nach seiner Geburt 1844 gestorben. Sein Vater sagte immer, dass es ein Fieber war. Später erfuhr er, dass das zwar stimmte, die Verletzungen die zu dem Fieber führten wurden seiner Mutter allerdings beigebracht, als sie von “einem guten Freund” des Massas vergewaltigt wurde.

Bruno verließ South Carolina und schlug sich bis Pennsylvania durch, wo er sich bei Kriegsausbruch den Unionsstaaten anschloss. Er kämpfte im Sezessionskrieg, wo er, ansonsten eher unbeholfen und wenig gebildet, ein herausragendes Talent an der Waffe zeigte. Als Scharfschütze forderte er einen hohen Blutzoll bei den Konföderierten ein.

Er verließ das Militär im Rang eines Sergeants und mit weiteren Dämonen, die ihm den Nachtschlaf raubten. Rastlos und ohne Perspektive zog er eine Weile umher. Mit Whisky betäubte er sich und brachte den restlichen Sold in Hurenhäusern durch.

Völlig am Ende wachte er eines Tages in einem Schweinepferch auf. Die verdammten Viecher waren schon dabei, sich an ihm gütlich zu tun. Bruno hätte einfach liegen bleiben können. Die Schweine hätten sich schon darum gekümmert, dass die Welt ihn endgültig vergessen würde. Doch so wollte er nicht abtreten. Sang und klanglos auf keinen Fall. Wenn er schon drauf gehen müsste, dann mit einem großen Knall. Bruno raffte sich auf. Eines der Schweine, dass nicht von ihm ablassen wollte, schlug er mit einem gezielten Fausthieb nieder. Er wankte hinunter zum Fluss und ließ sich in das kalte Wasser fallen. Für einen kurzen Moment hatte er wieder diese Panik, die er jede Nacht in seinen Träumen durchlebte. Dann löste sich die Angst und mit ihr auch der Kot der Schweine und all der andere Schmutz der an ihm haftete.

Der Anfang war schwer. Er musste sich neue Kleidung klauen und soff dann im Saloon einen großmäuligen Kerl unter den Tisch. Als dieser Gesicht nach unten eingeschlafen war, nahm er ihm Geld und Waffe ab, löste das Pferd des Kerls im Stall aus und floh noch in der Nacht aus dem Kaff.

Bruno erfuhr nie, was aus dem Mann geworden war. Vermutlich nichts Gutes, denn niemand verfolgte ihn, um ihn zur Strecke zu bringen. Aber aus Angst davor hielt sich Bruno eine lange Zeit mit dem Alkohol zurück. Um an Geld zu kommen, besann er sich darauf, was er am besten konnte: Menschen töten. Also machte er sich auf die Jagd nach all den Schurken, die ihr Konterfei auf den Steckbriefen des Sheriffs verewigt hatten.

Das Geld was er damit machte reichte, um ein gutes Leben zu führen. In den letzten Jahren wurde die Jagd aber immer gefährlicher, denn draußen in den Wäldern und Steppen trieben sich nicht nur Verbrecher herum. Bruno macht Bekanntschaft mit den Untoten und dämonischen Schrecken, die sich mehr und mehr in der Welt ausbreiteten. Vielleicht war es an der Zeit, sesshaft zu werden? Irgendwo ein wenig Land zu kaufen und eine kleine Farm zu betreiben? Vielleicht eine Frau finden, die ihm Kinder schenkte? – Das waren die Gedanken, mit denen Bruno sich beschäftigte, als er im Zug nach Deadwood saß. Einen Steckbrief in der Tasche, von einem Kerl, den er dort vermutete. Mit der Belohnung könnte er seinem Ziel einen guten Schritt näher kommen. – Doch dann ging alles gehörig schief.

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Über thd

1984 DSA 1 zum Geburtstag gewünscht und wider Erwarten die Basis-Box bekommen. Nachdem ich Silvana drei mal befreit hatte, merkte ich, dass ich Mitspieler brauchte, um mit der Box weiter etwas anfangen zu können. Glücklicherweise sah ein Freund aus der Nachbarschaft die Bücher bei mir herum liegen und meinte, sie würden in einer Runde etwas ähnliches Spielen, ob ich nicht Lust hätte, mitzumachen. Klar hatte ich das, und so bin ich mit Dungeons & Dragons angefangen. Zahlreiche Runden, Systeme und eine Vereinsgründung später, findet sich auf THORNET ein ziemlich großer Ausschnitt meiner Rollenspielerlaufbahn.

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