Die Dunkle Halle I – Komplott in Thorwal

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21. Boron 1025 BF
Styrvake war mit Mitgliedern seiner Otta sowie einigen Leuten von Orkan Thorwal im Glücklichen Zechpreller, einer Trinkhalle in einem Stadtviertel im Osten von Thorwal. Die Mannschaftsmitglieder waren in gespannter Erwartung auf das Imman-Spiel gegen die horasische Mannschaft, das in zwei Tagen stattfinden sollte. Unvermittelt kamen einer nach dem anderen seine alten Abenteuergefährten und gesellten sich hinzu. Weder hatten sie sich angekündigt, noch hatten sie sich verabredet zur gleichen Zeit nach Thorwal zu reisen. Doch dies war nicht der Ort, um ihre Beweggründe zu erörtern, und man feierte zuerst das gemeinsame Wiedersehen. Kava, die Tochter von Hetmann Vandrad, der die Mannschaft anführte, und zwei andere Spieler erklärten sich bereit, noch ein paar Fässer Bier zu besorgen, und verließen die Trinkhalle.

Lyoscho war per Schiff mit einigen Thorwalern, ehemaligen Sklaven aus den Theriakminen, vom Palast der Himmelslichter gekommen. Seine graue Magierrobe hatte der Halbelf gegen firnelfische Pelz- und Lederkleidung getauscht und das Seitenhaar war zu Zöpfen geflochten. Tsaekal trug eine graue Mönchsrobe, sein früher kahler Schädel war von üppigem Haupt- und Barthaar bedeckt. Sein Gesicht schien verjüngt – es wies weniger Narben und Lachfalten auf. Und der Nivese hatte sich neue Hautbilder stechen lassen. Balthasar sah dagegen gealtert aus. Er war hagerer und hatte mit Anfang zwanzig schon erste graue Haare. Der Bornländer war in derbe Ledersachen gekleidet. Styrvake war immer noch verhärmt – die früheren Abenteuer hatten beim ihm die meisten Spuren hinterlassen – aber der Thorwaler wirkte gereifter und zeigte seinen Wohlstand zur Schau. Er hatte einen guten Schuppenpanzer und trug Schmuck. Sein Bart war getrimmt, verdeckte aber nicht die Narben, die in den beiden vergangenen Jahren hinzu gekommen waren. Hagen war unaufällig wie eh und je, so dass es niemandem komisch vorkam, als der Mittelländer plötzlich mittendrin erschien. Seine Haare hatte er zu einer Stoppelfrisur gekürzt. Sheanna trug zwei Säbel und einem Khunchomer an ihrem Gürtel. Desweiteren wies ihre Kleidung mehr Täschchen auf, als es für eine Rahja-Geweihte notwendig gewesen wäre. Und ein junger Sonnenluchs begleitete sie. So fiel es kaum auf, dass die Tulamidin etwas drahtiger geworden war. So waren sie alle – bis auf Isblóm – wieder versammelt.

Zu Styrvakes Ottajasko gehörten die rothaarige Skaldin Swafnild Windzwinger, die bis auf Hagen alle kannten, und man freute sich, dass sie nicht mehr eine von Shirr’Zachs Eisfiguren war (s. SaS III). Allen neu war Edda Leifsdottir, eine schlanke, dunkelhaarige Frau, die die Neuankömmlinge misstrauisch beäugte.

Wie draußen das Licht weniger wurde, begann man sich zu fragen, wann Kava und die zwei anderen mit dem Bier kämen, und sie gingen sie suchen. Aus einer Gasse unweit der Trinkhalle hörten sie Schreie einer jungen Thorwalerin und ihrem Kind und fanden dort die Leichen der drei. Jeder einzelne Körper war von einer Vielzahl von Axthieben bestialisch niedergemetzelt worden – die orkischen Waffen steckten noch in den Opfern. Die Tat war etwa zwei Stunden her. Warum hat sie niemand zuvor bemerkt? Reste von Magie gab es keine. Dann kamen auch Wachleute. Ihre Anführerin Gutlind brachte Styrvake und seine Freunde in die Volkehalla, damit sie dem Jarl Hasgar Tildasson berichteten.

Wie sie dort auf den Jarl warteten, waren die sechs unter sich. Styrvake mahnte, wie wichtig es sein, dass das Imman-Spiel stattfinden könne, weil das Horasreich und Thorwal sich erst kürzlich auf einen Waffenstillstand geeinigt hatten. Und wenn auch nicht allgemein bekannt, aber seiner Meinung nach war dieser Krieg von Olgerda, einer verbannten Thorwalerin, im Auftrag der Eishexe angezettelt worden. Sheanna sagte, sie suchte nach einer Olgerda, die einen Kelch der Rahja-Kirche geraubt hatte. Balthasar warf ein, dass er auf der Spur eines Eisgeoden war, der einen vereisten Yetischädel mit sich führte, eine Halskette aus Eiskristallen trug, und der für Glorana ein Artefakt stehlen sollte. Lyoscho gab den Bericht einer Firnelfin wieder, die Sklavin in den Theriakminen gewesen war, wie sie von der Eishexe, Halman von Gareth, Belshorian sowie einem Zwerg und einem Firnelfen, die beide Halsketten aus Eiskristallen trugen, besucht worden waren. Er berichtete auch, dass er während der vorletzten Namenlosen Tage im festumer Haus von Immanuel von Brabak durch ein Portal gegangen war und dort gesehen hatte, wie vermutlich derselbe Firnelf einen solchen Yetischädel geholt hatte. Sheanna erhärtete die Vermutung, dass dieser Firnelf Immanuels neuer Körper ist, denn Hüter aus Urischalur waren auf der Spur von Reto von Sturmfels, nachdem er den Freunden durch die Finger geschlüpft war (s. QdN IV), und trafen auf die Leichen des Bannstrahlers und zweier Firnelfen und fanden Spuren eines dritten Elfen.

Hagen machte sich mehr Sorgen über die Orks, die sich an den Grenzen Thorwals sammelten. Er befürchtete, dass diese angreifen würden, wenn sie wüssten, dass Tronde Torbenson nicht zu seinem Schwert Grimring griffe – das einzige, was sie nach ihrer Überlieferung von einem Krieg mit Thorwal abhielt. Bevor Tsaekal seine Sicht der Dinge kundtun konnte, brachte man sie zu Hasgar.

Dieser hörte sich den Bericht an und schenkte der Vermutung Glauben, dass die Morde inszeniert waren. Zwei Tage zuvor waren Orks auf ähnliche Art und Weise mit thorwalschen Orknasen vor dem Orkdorf in der Stadt erschlagen worden. Und in der Nacht davor hatte die Serie mit Morden an einigen Thorwalern begonnen. Er bat sie, als nicht-Thorwaler, die Orks zu den Morden zu befragen. Styrvake ging derweil zu Vandrad, um ihm vom Tod seiner Tochter zu berichten. Hagen tat sich bei den Orks mit Oloarkh hervor, aber das sprach keiner seiner Gefährten, so dass man sich mit Thorwalsch behalf. Sie erfuhren von einem jungen Ork, der die Morde mitangesehen hatte, dass zwei Walwütige, die die traditionellen roten Stirnbänder getrugen hatten, drei Orks erschlugen hatten und danach geflohen waren.

Am Abend erfuhr Styrvake von dem Imman-Spieler Holme, dass laut der Wache Torgen vor einigen Tagen ein dutzend Walwütige durch das Osttor in die Stadt gekommen waren, und schickte Edda, um die anderen zu informieren. Sie traf sie, wie sie das Orkdorf wieder verließen. Beim nahegelegen Swafnir-Tempel wusste Diar Ole Swargardson nichts dergleichen. Am Osttor fiel Torgen wieder ein, dass vor drei Tagen ein Hirte mit Walwütigen gekommen war. Es verwirrte ihn, dass es das nicht gemeldet hatte, denn das hatte er machen wollen. Der Hirte war ein Zwerg gewesen, und man mutmaßte, dass der Eisgeode, der Handlanger der Eishexe, in der Stadt war. Torgen konnte sich auch daran erinnern, dass die Truppe im Eisenhof außerhalb der Stadt Quartier beziehen wollte.

Es war spät geworden und Sheanna, Balthasar und Lyoscho holten das Gepäck von allen aus der Trinkhalle, und brachten es zur Styrvakes Otta, wo die Geweihte und der Magier sich zur Ruhe begaben. Balthasar jedoch verwandelte sich in einen Kauz, und flog Hagen und Tsaekal hinterher, die die Stadt durch das Mannloch im Tor verlassen hatten, um den Eisenhof zu inspizieren. Hier wurde immer noch gearbeitet, doch plötzlich schrie jemand und Tsaekal hörte, wie sich Schritte schnell entfernten. Hagen entdeckte einen soeben ermordeten Ork, in dessen Rücken wiederum eine Orknase steckte. Tsaekal verwandelte sich, um seine Sinne zu steigern – zwei Täter waren über den Zaun ge- und auf dem gleichen Weg wieder entkommen. Er machte kehrt und traf Hagen bei einem verängstigten Rotpelz, der sich zwischen den Essen versteckt hatte. Nach etwas gutem Zureden rief dieser, „Forksan holen!“. Und Balthasar sah aus luftiger Höhe auf die rötlich ausgeleuchtete Schmiede hinunter.

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