Die Thorwalertrommel III

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Testos

Etwas aufgeregt waren wir sicher alle, als wir dastanden und uns endgültig als Ordner einschreiben lassen wollten. Hauptmann Elkman Timpski ist natürlich anwesend und gut drei Dutzend Leute, Männer wie Frauen, wollen sich als Ordner verdingen. Insgesamt fünfzig Leute werden den Umzug durchführen in fünf Gruppen mit je acht Personen für jedes Atmaskottchen. Wir Ordner bekommen eine Schärpe, die uns als Offizielle ausweist und zudem einen Knüppel oder, für Personen von Stand, auch ein Holzschwert. Sicherlich keine Waffen, mit denen man prahlen möchte, aber schließlich geht es ja auch nicht darum, Menschen zu töten, sondern nur um den Schutz der Strohpuppen. Wir werden das Recht haben, Gegenstände zu konfiszieren, natürlich gegen Quittung, aber dennoch, notfalls auch mit Gewalt. Nachdem das Grobe und die Einteilung in die Gruppen geklärt war, folgte noch eine kurze Besprechung mit dem Hauptmann der uns klar machte, dass wir Stillschweigen über unsere Arbeit und die Vorbereitungen des Umzuges zu wahren hätten.

Nachdem das geklärt war, begannen Cordan und ich sogleich mit ein paar einfachen Übungen mit unseren Gruppen und wie erwartet machten natürlich die vermaledeiten Faulpelze aus der Stadtwache Probleme. Stane und Uriel, ich schwöre bei Rondra, dass jeder kanalschrubbende Goblinkrüppel, nackt und unbewaffnet mehr wert ist, als diese beiden Taugenichtse zusammen! Was den beiden an Ambition und Motivation fehlt, das machen sie durch ein ausgeprägtes Talent im Sich-Drücken wieder wett und diese an sich schon einzigartige Fähigkeit wird nur noch übertroffen, durch ihre wahrhaft monumentale Dummheit, die jeden geistig verkrüppelten Dorftrottel vor Neid erblassen ließe und diese beiden Glanzlichter der menschlichen Rasse für jede Art von Training vollkommen unbrauchbar macht.

Tatsächlich war es schon fast ein Segen, als die beiden Cordan und mir, trotz eines strengen Auges, noch während der Kampfübungen entwischten und nur dünne Luft und eine Menge Erleichterung zurückließen, vermutlich, um sich in irgendeiner Spelunke auch die letzten klaren Gedanken aus dem Kopf zu saufen. Ich empfinde ehrliches Mitleid für Krüppel und Kriegsversehrte, ich bringe Verständnis für Bettler und in Not Geratene auf, aber bei solcherlei faulem Pack muss ich mich zusammenreißen, um ihnen nicht eine rechte Abreibung zu verpassen und ihnen ihr dümmliches Grinsen aus den einfältigen Gesichtern zu prügeln.

Wenn ich heute Nacht nicht davon träumen sollte, wie ich die beiden geteert und gefedert, brennend über die Stadtmauer werfe, dann spricht das eindeutig dafür, dass mein Kriegertraining ein voller Erfolg war. Die Piraten aus Thorwal haben wir gefürchtet und auch gehasst, aber diese beiden Burschen bringen mich um den Verstand und zum ersten mal empfinde ich für ein menschliches Wesen – nun ja, zwei in diesem Fall – nichts als tiefste Abscheu und Verachtung. Was soll’s?! Tief durchatmen und weitermachen!

Wir anderen jedenfalls klärten ab, wer mit welchen Waffen und Kampfstilen zurecht kommt und begannen dann einige einfache Kommandoübungen und es lief tatsächlich – ohne die beiden Vollpfosten – recht gut.

Unterdessen begannen wir damit, Informationen über mögliche Probleme zu sammeln. Cordan schickte Onburiel und Yussuf zu den Goblins bzw. zum Phextempel und ich bat Perjin, sich doch einmal im Maraskanerviertel umzuhören. Frode hingegen hatte sich bereits im Riff der verdorrenden Kehlen für den Abend verabredet und ich bat ihn darum zu versuchen, etwas über die geplante Gegendemonstration dieser seltsamen Studentenvereinigung in Erfahrung zu bringen. Um es kurz zu machen fand Onburiel heraus, dass die Goblins die Umzüge wegen des goblinischen Atmaskottchens als verletzend, beleidigend und diskriminierend empfinden. Nicht sehr überraschend, aber dennoch keine besonders guten Neuigkeiten.


Yussuf

Abermals hatte ich meine Schritte durch die schmutzigsten und gefährlichsten Viertel Festums zum Phextempel gelenkt. Ich sprach ein paar kurze Gebete und bat um Glück bei den bevorstehenden Umzügen, als mir auch schon ein Tempeldiener bedeutete ihm zu folgen. Er führe mich eine Treppe hinunter zu einem längeren Gang, von dem einige Türen abgingen. Er hielt vor einer Tür mit dem Fuchssymbol an und bedeutete mir einzutreten.

Drinnen fand ich eine vermummte Gestalt sitzend auf einer Art Thron vor und ich spürte, wie sich mein Gedärm zusammenkrampfte. Die Gestalt schwieg und zunächst tat ich es ihr gleich, doch schließlich fragte ich nach Informationen über die Umzüge.

„Informationen haben immer ihren Preis“, antwortete die Gestalt mit flüsternder Stimme und ohne nachzudenken erklärte ich mich bereit, den Preis zu zahlen. Was für ein Narr ich war! Sogleich  biss ich mir auf die Zunge, aber zu spät,  ich hatte es bereits gesagt. Zu meiner Erleichterung blieben schlimme Folgen für mich aus. Die Gestalt bemerkte allerdings, dass dies eine sehr waghalsige Behauptung sei. Dann sagte sie mir, dass meine Loyalität schon bald geprüfte werden würde, bis dahin sollte ich dem Vogtvikar folgen.

Als ich kurz darauf den Raum wieder verließ und dem Diener nach oben folgte, begann mein vernebelter Geist langsam zu erfassen, was oder wem ich da gerade gegenüber gestanden hatte und ich musste mich zusammenreißen, um ein Zittern in der Stimme zu unterdrücken. Bosper Alriksen empfing mich nun und forderte mich auf, von meinen phexischen Taten zu berichten. Ich erzählte ihm, dass ich mich als Ordner bei den Umzügen habe einstellen lassen und der Vogtvikar teilte mir mit, dass er nach den Umzügen eine Verwendung für mich habe. Zudem habe eine Dame aus dem Haus Surieloff, einem Handelshaus, Interesse an mir und möglicherweise ein paar Aufgaben für mich. Mit diesen erfreulichen Nachrichten verließ ich den Tempel. Noch immer schwirrte mir der Kopf ob der ungewöhnlichen Ereignisse.


Frode

Ich hatte mir ein frisches Gewand angezogen, bevor ich mich ins Zwei Masken aufmachte, jene Gaststätte im Stadtteil Hesindedorf, in der sich die Glodenhöfer treffen wollten. Wie sich herausstellte, hatte ich gut daran getan, denn im Inneren wimmelte es vor Künstlern, Gelehrten und Magussen aller Coleur. Sogar Goblins waren vereinzelt darunter und unter jenen wiederm gab es ebenfalls vereinzelte Zauberkundige, wie mir schein. Ich ließ meinen Blick kurz umherschweifen und entdeckte bald Olko, jenen jungen Gelehrten vom Martplatz, der mich unverzüglich seiner Gruppe geradezu begeistert vorstellig machte.

Wie man mir sogleich zu berichten begann, sahen sich diese Leute als Organisation, die gegen Ungerechtigkeiten gegen Minderheiten aufstand. Bereits in den letzten Jahren hatte man schon gegen die Umzüge friedlich protestiert, doch nun, da der Umzug erstmals durch die Stadt gehen sollte,hatten sie sich zum Ziel gesetzt, soviel Aufmerksamkeit zu erregen, wie es ihnen nur möglich war.

Ein gewisser Magister Alwin K. Wippflügler, der wohl an die siebzig Götterläufe zählen mochte und einen prächtigen weißen Bart sein Eigen nannte, wurde mir als Meister der Obejkt- und Artefaktmagie vorgestellt und man erzählte mir, dass einer der Alchimisten Farbbeutel organisiert habe, mit denen sich die Gruppe an verschiedenen Stellen in der Stadt positionieren wollten. Namentlich bedeutete dies an der Hafenmeisterei, in der Brückengasse und natürlich am Marktplatz.

Zufrieden über die so leicht gesammelten informationen, beschloss ich, mich noch etwas beliebter zu machen und spendierte eine Runde. Ich muss sagen, diese Menschen, so ungünstig sich ihr Streben auch auf unsere Aufgabe auswirken mochte, verfügten doch über einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Wie dem auch sei, viel mehr gab es nicht zu erfahren, außer, dass der Startpunkt am Hektagontempel im Hesindedorf sein würde. Zufrieden mit mir und dem neu erworbenem Wissen, schlenderte ich zurück zu den anderen.


Testos

Nachdem wir uns alle im Gasthaus eingefunden hatten, begannen wir unsere Informationen zusammenzutragen und zu beschließen, wie wir am besten weiter vorgehen wollten.

Cordan und ich waren uns schnell einig, dass wir gleich morgen die Umzugsstrecke ablaufen wollten, um uns nach möglichen Gefahrenpunkten umzusehen. Ich war jedoch nicht schlecht überrascht, als Onburiel, der sonst eher schweigsam neben uns anderen zu sitzen pflegt, plötzlich Bedenken ob der Richtigeit unseres Tuns aufwarf. Man könne doch die Völker und Personengruppen nicht so verspotten und schmähen, dies wäre Unrecht, gab er zu bedenken.

Wir anderen hatten da freilich eine andere Meinung und wir erinnerten ihn daran, dass auch er einen bindenen Vertrag unterzeichnet hatte, doch um sein Gewissen zu beruhigen fügte ich hinzu, mit den Atmaskottchen schmähe man ja keine Rasse oder Volksgruppe, vielmehr stünden diese symbolisch für 5 ganz bestimmte Einzelpersonen, die sich damals schließlich so Einiges zu Schulden kommen ließen. Ob es ihn wirklich überzeugt hat, weiß ich nicht, doch zumindest gab er dann Ruhe.

Leider hatte Yussuf nichts für uns Wichtiges in Erfahrung bringen können und auch Perjins Bemühungen, waren größtenteils fruchtlos geblieben. Der Tetrarch würde keine Informationen über evtl. geplante Aufstände hergeben, allerdings könne man vielleicht in Philmor Oust, einem Konzerthaus, noch mehr erfahren.

Nun vielleicht würde der kommende Tag ja mehr Aufschluss geben, für den Augenblick begaben wir uns alle, bis auf Frode, ins Bett. Er wollte noch auf „diplomatisache Mission“ gehen, und sich beim gemeinsamen Umtrunk – wohl eher ein ordentliches Besäufnis, wenn ich Frode richtig einschätze – mit dem Faulpelz Uriel anfreunden. Nun, schaden kann es sicher nicht. So wünschte ich ihm viel Glück und überließ mich Bishdariels Armen.


Frode

Das „Riff der verdorrenden Kehlen„! Ich war doch einigermaßen erstaunt, dass sich hinter dem wohl bekanntesten Gasthaus der ganzen Region so eine Kaschemme verbarg. Sicher, der Laden war groß und bestens besucht – kaum, dass man einen Platz zum Sitzen finden konnte! Dennoch machten große Teile der Klientel und der Mobiliars durchaus einen eher grobgezimmerten Eindruck. Nachdem ich mich an zwei Türstehern verbreigedrängt hatte, die einer Sumpfranze problemlos die Arme mit bloßen Händen hätten ausreißen können, empfing mich ein derartiger Dunst im Inneren der Schenke, dass ich mir im ersten Moment nicht sicher war, ob ich nach Luft schnappen oder doch lieber langsam schlürfen sollte.

Nach einigen vorsichtigen Experimenten in dieser Hinsicht, stellte sich die Mischung allerdings als noch bedingt atembar heraus und ich setzte meinen abenteuerlichen Weg ins Innere fort. Irgendeine Niederhölle, die offenbar speziell für angetrunkene Seeleute reserviert war, musste wohl wegen plötzlicher Umbauarbeiten geschlossen worden sein und hatte ihren Inhalt an menschlichem Strandgut ersatzweise hier ausgespien. Da die zweifelhaften Gestalten fraglos an schlimmere Umstände gewöhnt waren, hatten sie es sich hier offenbar binnen kürzester Zeit gemütlich gemacht und schienen auch wenig Ambitionen zu verspüren, diesen neu gewonnen Daseinszustand alsbald zu ändern. Mit anderen Worten: Es war gedrängt voll.

Nun bin ich nicht der kleinste Mensch auf Dere, doch zu meinem Ünglück schienen die Niederhöllen ebenfalls mit überdurchschnittlich großen und leider zumeist recht vollgetankten Seeleuten bestückt zu sein, denn trotz eingen Drängels und Stoßens sowie einiger Beinahe- Zusammenstöße mit leeren und vollen, stehenden und fliegenden Bierkrügen, konnte ich von meinem Zechgenossen Uriel nirgendwo eine Spur entdecken. Was also macht der gewitze Magus, wenn er auf solcherlei Weise quasi unter Gesindel geraten ist und nicht weiter weiß? Er fragt natürlich den schmierigsten und heruntergekommensten Gesellen nach dem Gesuchten. Zu meinem Unglück jedoch, hatte der Wirt Uriel heute noch nicht gesehen. Natürlich hielt ihn das in keinster Weise davon ab, meine Münzen auf geradezu magische Weise verschwinden zu lassen. Nun, sei es drum.

Eben machte ich mich auf den Weg nach draußen, um den üblen Alkoholdunst mit etwas frischer Nachtluft aus den Lungen zu spülen, als etwas, dass ich zunächst für einen heraufbeschworenen Fleischdämon halten wollte, überraschend einen Arm aus seinen Muskelbergen zutage förderte und damit meinen Magierstab packte. Ich schaute überrascht auf und entdeckte am anderen Ende des Arms einen Hühnen, dessen prähominider Phänotyp die Implikation multipler Spezies in seiner evolutionären Historie indizierte. Doch noch während mir die Frage durch den Kopf schoss, ob irgendeine böswillige Waldhexe die Sumpfranze wohl väterlicher – oder mütterlicherseits in seine Ahnenreihe eingekreuzt hatte, rülpste mir mein neuer Bekannter schon glücklich seine Ansicht ins Gesicht, ich hätte da aber einen feinen Stab und weil er ihn so toll fände, würde er ab sofort ihm gehören.

Ich muss gestehen, dass mir für einen Augenblick doch das Hemd sauste. Zum Glück war ich noch klar genug bei Verstand, um einen Ausweg aus meiner misslichen Lage zu finden. Den Stab tatsächlich herzugeben war keine Option, soviel war klar. Mit dem Fleischklops einen zünftigen Streit anzufangen, schien mir wegen der zu meinen Ungunsten liegenden körperlichen Gegebenheiten auch nicht angeraten zu sein, also handelte ich instinktiv nach dem Grundsatz: Wen du nicht erschlagen kannst, den umarme!

Also fand ich mich wenig später bei einem Trinkspiel mit dem wackeren Seemann aus den Niederhöllen wieder. Während meine wimmernden Geschmacksnerven ihren Daseinszustand schlagartig von „blühendes Leben“ zu „auf dem Sterbebett liegend“ modifizierten, analysierten sie, quasi als letzter verzweifelter Akt guten Willens, noch den Inhalt des Gebräus. Es bestand anscheinend aus einer Mischung von vergorener Rabenkacke, durchgelaufenen Torfstecherstiefeln, zermalenen Moorleichen und einer Prise Waldmeister und schien meinem Gegenüber bestens zu munden.

Zum Glück war mein Magen weitaus kräftiger als meine dahinsiechenden Geschmackknospen und ein paar Minunten sowie ein knappes Dutzend Becher Gift später, klappte der Stabeinforderer zusammen, wie ein nasser Sack und fiel sogleich in den Schlaf des Unter-den-Tisch-Getrunkenen. „Na denn prost“, dachte ich mir, und verließ daraufhin eilig und unter den zum Teil erstaunten, zum Teil wütenden Blicken der restlichen Niederhöllenbewohner den Ort meines Sieges.

Draußen angekommen droschen mir sogleich zwei üble Hämmer aus purem Eis gegen die Schläfen und vertrieben so meinen benebelten Grundzustand. Zumindest aber bedankten sich meine arg gequälten Lungen mit ein paar erfrischenden Atemzügen und bewiesen damit einmal mehr, dass sie sich offenbar spontan von Alkohol- auf Luftatmung umstellen konnten. Kopfschüttelnd machte ich mich auf den Weg zurück ins Gasthaus. Anfänger!


Testos

Der folgende Tag begann mit einem Frühstück in geselliger Runde und obwohl Frode leicht übernächtigt wirkte, erzählte er doch fröhlich von seinen gestrigen Erlebnissen. Soso, die Glodenhöfer wollen also friedlich blieben, immerhin. Dass sie mit Farbbeuteln werfen wollen, fällt hingegen in unsere Zuständigkeit und wir vereinbarten, die Dinger unverzüglich zu konfiszieren, sollten wir welche rechtzeitig zu Gesicht bekommen.

Den Vormittag verwendeten wir dann darauf, die Prozessionsstrecke abzulaufen und uns nach Problempunkten umzusehen. Um es kurz zu machen, die Füllengasse ist ein Problem, dort düften große Menschenmengen auftreten,  ebenso die Nordlandbank, denn dort wird der Reichtum in Kombination mit der reichlich vorhandenen Mokoscha-Symbolik sicherlich den Zorn von strenggläubigen Gruppen heraufbeschwören. Zudem fanden wir heraus, dass dort keine Stadtwachen zugeteilt wurden, sodass die Bank private Sicherheit eingestellt hat.

Am Praiostempel wiederum liegt der nächste Knackpunkt. Eine Handwerkerfehde um das Bernsteinmonopol zwischen Steinschneidern und Wachsziehern, könnte hier für Probleme sorgen. Die einen werden hier während des Umzuges stehen, die anderen stellen genau dort vier der Ordner und planen eine Rauferei.

Zu guter letzt ist da noch der Martplatz mit dem Drachenbrunnen, dem Rathaus und prächtigen Fachwerkhäusern, vor allem aber mit den vielen einmündenden Gassen, die aus jeder Richtung Ärger einbringen können. Hier werden auch der Sennenmeister Gernot von Halsingen und Hauptmann Timpski mit der Thorwalertrommel stehen und obwohl eine Attacke auf ihn eine solche Ungeheurlichkeit wäre, dass ich sie mir kaum vorstellen kann, können wir einen Angriff auf ihn oder die Trommel doch nicht einfach abtun.

Soweit unser Wissen um mögliche Probleme. Entschlossen schritten wir nun zur Tat und unternahmen unser Möglichstes, damit der Umzug reibungslos stattfinden konnte. Zunächste sprach Cordan mit Hauptmann Timpski und erbat sich mehr Gardisten für die Bank, um die problematische private Sicherheit dort überflüssig zu machen. Die gute Nachricht war, dass er sich schließlich bereit erklärte, zwei Leute dort zu postieren. Die schlechte Nachricht allerdings ist: Es sind Stane und Uriel, die beiden Drückeberger. Ich schwöre, wenn sie eine Katastrophe verschulden, dann werfe ich sie eigenhändig über die Stadtmauer und sie werden von Glück sagen können, wenn ich sie nicht vorher noch geteert und in Brand gesteckt habe!

Was unsere Farbbeutelpazifisten angeht, so konnten wir nur vereinbaren, dass wir die Beutel konfiszieren würden, sobald wir der Werfer angesichtig würden. Es gibt leider sehr wenig, was wir gegen Werfer tun können, die sich in der dichten Menschenmenge verbergen. Aufgrund der Natur ihrer Attacken allerdings, dürfen wir hoffen, dass auch einige erfolgreiche Würfe keine allzu üblen Folgen haben werden. Andererseits ist „wir hoffen“ nicht unbedingt das, was man von Ordnern und Verantwortlichen hören möchte, doch was bleibt uns übrig?

Das Riff der verdorrenden Kehlen war unser nächter Problempunkt. Von dort aus könnten sich in kürzester Zeit große Mengen Betrunkener zum Umzug ergießen, was leicht in eine Massenschlägerei ausufern könnte. Yussuf aber hatte in Erfahrung gebracht, dass der Wirt bestechlich sei und wir schmiedeten den Plan, der Mann solle beruhigende Kräuter unter sein Gesöff mischen, um so Wut und üble Laune zu vermeiden. Also verschwand Yussuf in der Kaschemme und kam schließlich mit der Nachricht wieder heraus, für sechs Batzen würde der Wirt tun wie ihm geheißen.

Schweren Herzens teilten wir die Kosten untereinander auf und weg war die Hälfte unseres Verdienstes. Reich wird man als Ordner jedenfalls nicht. Lorbeeren zu ernten gibt es nicht, denn läuft alles glatt, dann war es schließlich nur seine Arbeit und Verantwortung, doch wenn etwas schief läuft, wird man leicht zum Prügelknaben für die Wut und Fehler anderer. Wahrlich, es ist ein undankbares Geschäft!

Nun war es an mir, mich um die Sache mit den Handwerkern zu kümmern. Ich sprach also mit Weibel Olfried Maatsen und konnte erreichen, dass die Steinschneider so positioniert werden, dass sie keine Chance haben würden, ihren Plan umzusetzen. Immerhin, wenigstens dieses Problem scheinen wir ausgeräumt zu haben.

Zu guter letzt sprach Fode noch einmal mit Olko und gestand ihm, dass er sich habe bei den Ordnern einschreiben lassen, um diese zu unterstützen. Olko verstand die Sache allerdings völlig falsch und hielt es wohl für eine hervorragende Idee, könne Frode auf diese Weise doch auf dem Marktplatz für einen ganz großen Coup sorgen. Schließlich wäre es ihm so möglich eine Lücke in der Bewachung des Sennemeisters und vor allem der Trommel aufzutun, sodass die Glodenhöfer sich das unseelige Ding schnappen und damit entkommen könnten.

Nun, auf diese Weise haben wir immerhin die Aufmerksamkeit der Glodenhöfer auf etwas gelenkt, dass wir hoffentlich leicht verhindern werden können. Schließlich wird Frode einen Teufel tun eine Lücke zu schaffen! Ganz im Gegenteil, die Bewachung der Trommel am Markt wird nun unser höchstes Augenmerk haben. Um ganz sicher zu gehen, verbreiteten wir noch, dass es Gerüchte über einen Diebstahlversuch der Trommel auf dem Marktplatz gebe, sodass nun auch die anderen Ordner vorgewarnt sind.

Nun, mehr konnten wir nicht tun und der Tag des Umzuges steht vor der Tür. Was uns angeht, so sind wir so gut es geht vorbereitet. Der Umzug kann kommen.

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