Das gelobte Land 2 – Mal-Rogan

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4.4.21
Ich floh tiefer in den Wald hinein, als ich gemerkt hatte, dass die Gestalten mich in meinem Versteck am Wegesrand entdeckt hatten. Doch stolperte ich, und da waren sie schon über mir. Es schienen nicht die Räuber zu sein, die unseren kleinen Trek angegriffen hatten. Ich fasste mir ein Herz und stellte mich als Temedo vor. Die vier, Ianoscho, Floki, Herogai und zuletzt Tribor, taten es mir nach, und wir gingen zurück auf den Weg. In der Tat befahl mir Floki, ihm zu folgen. Tribor trug die Tracht eines Magiers, und stach etwas heraus. Dagegen machten die drei anderen einen hartgesottenen Eindruck auf mich. Es war der Morgen eines neuen Tages, und ich war nicht mehr allein.

Ich erzählte, dass ich mich mit anderen Reisenden auf den beschwerlichen Weg über die Titanen gemacht hatte. Wir waren überfallen worden, und ich war „entkommen“, weil ich einen Schlag auf den Kopf bekommen hatte und einen Hang heruntergefallen war. Seitdem war ich auf der Flucht gewesen. Die vier gingen zur einer Mühle, wo sie gegen einen Untoten namens Mal-Rogan kämpfen wollten. War er der Anführer der Räuberbande? Denn unter ihnen war einer gewesen, dessen Adern sich schwarz verfärbt hatten – ein deutliches Zeichen fortgeschrittener Korruption.

Ianoscho, ein Elf von der anderen Seite des Gebirges, spähte die Mühle aus. Wir schmiedeten einen wilden Plan, wie wir sie angreifen wollten. Ich bot meine Fähigkeiten als Bader und Heilkundiger an. Das wurde wohlwollend registriert, aber scheinbar gab es für mich keine Verwendung im Kampf. Wenn sie nur wüssten.

Ianoscho schoss mit Pfeilen auf die Wachen, um davon abzulenken, wie wir anderen zur Mühle schlichen. Aber er begann zu früh. Und es gab noch eine weitere Wache, die von einem Fenster in einen oberen Stockwerken mit einer Armbrust auf uns schoss. Ich übernahm seinen schwachen Geist, und befahl ihm, auf seine Spießgesellen im Turm zu schießen. Herogai und Floki stürmten in die Mühle, jemand rief „Tötet sie alle!“, Tribor schwebte außen an der Mühle empor und beschwor eine Feuerkaskade ins Innere, bevor er wieder runter flog, und zu uns kam.

Wir schlugen uns gut, und bald war Mal-Rogan der letzte Gegner. Aber Floki war verwundet, und der Untote verteidigte das obere Stockwerk. Er schien von den Leichnahmen der toten Räubern zu essen, um sich zu stärken. Es begann ein Wortgefecht. Herogai war gekommen, um seine geschändete Familie zu rächen. Mal-Rogan verspottet ihn. Während wir noch überlegten, wie wir die Mühle in Brand stecken konnten, machte er einen „Ausfall“ und sprang herunter. Ianoscho und Tribor steckten ihn mit Öl in Brand. Da er nur noch einen Arm hatte, stürzte er sich kopfüber in ein Wasserfass. Das löschte die Flammen, aber gab uns die Gelegenheit, ihn zu erschlagen.

Mal-Rogan trug eine mumifizierte Hand an einer Halskette, die Tribor vorsichtig an sich nahm. Sein Leichnahm wurde zerstückelt und verbrannt. Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg zu einer Karawane, mit der die vier über die Titanen ziehen wollten. Wir kamen an dem Platz vorbei, wo meine Reisegefährten überfallen worden waren. Gnädige Seelen hatten sie am Wegesrand begraben. Es waren etwa ein dutzend Gräber.

Am späten Nachmittag holten wir den Wagenzug ein. Er war mit sechs Planwagen größer als der, mit dem ich gereist war, und er war auch besser organisiert und geschützt. Ich bot meine Dienste als Bader an, und handelte beim Führer Agasto einen besseren Preis dafür aus, dass ich mitreisen konnte. Floki, der ein besonderes Interesse an mir hatte, wirkte den Hexenblick auf mich – wovon ich nichts bemerkte – und sah keinerlei Schatten auf mir. Das Glück war mir hold an diesem Tag. Ich lernte außerdem Schwester Lestra von Orden der Dämmerung und die junge Meisterin Idira vom Ordo Magica kennen. Wie ich abends Ianoschos Verletzungen versorgte, sah ich mit Erstaunen seinen gespenstischen Elfenkörper. Was mochte uns nur im gelobten Land noch erwarten?

5.4.21
Schwester Lestra hatte die mumifiziert Hand untersucht und sagte am nächsten Morgen, dies sei ein Unglücksbringer und müsste in einem sehr heißen Feuer verbrannt werden. Dann brachen wir auf. Unser Weg führte stetig bergan, und mittags waren wir so hoch, dass hier keine Laubbäume mehr wuchsen. Abends gingen wir in kleinen Gruppen los, um die Vorräte an Feuerholz aufzufrischen.

Beim Sammeln erschallte Flokis Horn. Ianoscho, Herogai, Tribor und ich rannten in seine Richtung, und sahen Schwester Lestra, unsere zwei Barbarenwächter und ihn, wie sie von fünf Jakaren und einem riesigen Hungerwolf angegriffen wurden. Die Jakare stellten keine nennenswerte Gefahr das, aber der gewaltige Hungerwolf konnte es leicht mit mehreren von uns aufnehmen. Tribor entzündete seinen Pelz, als dieser schon einige Wunden hatte, worauf hin das Untier Ludo, einen der beiden Barbaren, ansprang und ihn unter sich begrub. Wir schlugen es schnell tot, was die restlichen Jakare in die Flucht schlug.

Jedoch verwandelte sich der Kadaver in eine Elfe – Ianoscho war schockiert. Was hatte das zu bedeuten? Sie trug einen rostigen Armreif. Es hieß, Elfen und Menschen hätten in früheren Zeiten Pakte mit Eisenschwüren besiegelt. Ich machte mir Sorgen um Ludo, doch der scheuchte mich fort, während er ungeschickt versuchte, ein paar schlimm aussehende Geschwüre in den Achseln und Ellenbeugen zu verbergen.

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