Sippenstreit & düstere Vorahnungen -Teil 4

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19. Juni 2047 DZ

Am Abend des 19. Juni erreichen wir Beorns Haus, wo wir von Ennalda empfangen werden. Sie ist natürlich neugierig, warum wir so abgekämpft sind und ohne Oderic auftauchen. Wir erzählen ihr nur kurz, was passiert ist, drängen dann aber auf ein Gespräch mit Beorn. Dieser ist glücklicherweise anwesend. Wir erzählen kurz von unserer Begegnung mit Oderic und dann ausführlich von der Bedrohung, die von der Söldnertruppe um ihren Anführer Valind im Wolfswald ausgeht. Er ist zwar zunächst nicht überzeugt, vor allem Oderics Plan scheint ihm nicht zu behagen, aber zum Schluss können wir ihn doch überzeugen, dass dringend etwas getan werden muss. Beorn verabschiedet sich, während wir uns an seinem Essen laben und sogar einen frischen Honigkuchen bekommen.

20. Juni 2047 DZ

Nach einer sehr ruhigen Nacht werden wir vom Frühstücksgeruch geweckt. Ennalda ist schon dabei, selbiges vorzubereiten. Ferdibrand ist etwas enttäuscht, dass er nicht helfen soll, kriegt sich aber schnell wieder ein. Ein Blick aus dem Fenster verrät uns, dass Beorn in der Nacht offensichtlich schon einige Höfe erreicht und Kämpfer rekrutiert hat. Bereits mehrere Dutzend Beorninger lagern gerüstet im Hof. Beorn und der Söldnerführer Gerald sind ebenfalls anwesend. Beorn gibt Gerald Instruktionen und verschwindet dann wieder. Gerald informiert uns, dass Beorn in der erwarteten Schlacht zu uns stoßen wird und wir unter seinem Kommando kämpfen sollen. Wir ziehen dann mit dem ganzen Tross Richtung Alter Furt, wo wir unterwegs von verschiedenen Höfen Kämpfer aufsammeln aber auch von der beorningischen Bevölkerung mit Nahrung und Wasser versorgt werden. Am Abend erreichen wir die Furt, wo weitere Kämpfer zu uns stoßen.

21. Juni 2047 DZ

Am Morgen des 21. Juni macht sich der gesamte Heereszug auf den Weg zur Dunklen Spalte. Ich schätze, dass es insgesamt gut 100 Kämpfer sind, dabei alte Männer und Kinder. Ist das alles, was Beorn aufbieten kann? Zumal die Mehrzahl kaum über ansprechende Rüstung oder Schilde, geschweige denn Bögen, verfügt. Damit gegen 200, vielleicht sogar 300 gut bewaffnete und ausgebildete Söldner? Mir kommen Zweifel, dass das gutgehen kann. Aber Gerald ist ein erfahrener Anführer und so hoffe ich auf einen guten Schlachtplan.

Über diesen informiert er uns dann auch. Allerdings macht mich der Plan nicht wirklich hoffnungsvoller. Es geht nicht um Infanterie- und Kavalleriesperren, Schlachtordnungen oder irgendwelchen taktischen Finessen. Nein. Späher? Fehlanzeige. Der Plan lässt sich dafür kurz beschreiben mit: Hau drauf und Schluss. Was mich aber irgendwie beruhigt, ist die Entschlossenheit der Beorninger und die fast schon heitere Stimmung in Aussicht auf die Schlacht. Ich frage mich, ob hier bei manchen die Wildheit mit Wahnsinn einhergeht. Gerald teilt den Trupp in drei Teile auf, er selber führt das Zentrum mit etwa 60 Kämpfern, Ennalda führt den Angriff mit 20 Kämpfern auf der rechten Flanke, unser Gefährte Leudast die linke Flanke mit ebenfalls 20 Kämpfern nebst unserer illustren Runde.

Die Dunkle Spalte selber ist ein mehrere Meilen langer und 10 bis 12 Schritt tiefer Graben mit einer Breite von 10 bis 15 Schritt. Am Ende steigt das Gelände an und bildet einen natürlichen Trichter. Hier sollen wir uns hinter Felsen verstecken und auf Geralds Signal hin angreifen. So völlig ohne Aufklärung ist mir nicht wohl und so biete ich an, dass zumindest wir einen kleinen Spähtrupp bilden. Wir bewegen uns am Rand der Spalte und entdecken nach einiger Zeit das Heer der Söldner. Wir schätzen, dass es an die 200 Mann sind, die sich in geordneter Formation bewegen. Oderic hatte also nicht gelogen. Wir ziehen uns zum Trupp zurück, wo wir uns mit den anderen verstecken. Gespannte Ruhe breitet sich aus.

Nach kurzer Zeit kommen die Gegner in Sicht, diszipliniert und furchteinflößend. Als die ersten Reihen die Mitte des Trichters erreichen, gibt Gerald das Signal, ein unverständlicher Schrei, aber laut. Mit demoralisierendem Gebrüll springen sofort alle Beorninger aus ihren Verstecken und rennen wie vom Ork gebissen auf die Söldner zu. Leudast stürmt, ganz Beorninger, auch gleich mal brüllend voran, während Ferdibrand und ich bei Earendil und Roderic bleiben, die schon die ersten Pfeile auf die Gegner feuern. Halb erschrocken, halb erstaunt sehen wir, mit welcher Geschwindigkeit und Präzision Earendil die Pfeile verschießt und als die ersten Gegner uns erreichen, liegen schon zwei von ihnen tödlich getroffen am Boden, ein weiterer ist verletzt.

Ein kurzer, brutaler Kampf entbrennt, bei dem Ferdibrand zwei Treffer einstecken muss, aber auch einen Gegner niederstrecken kann. Auch ich kann einige Treffer landen und vor allem schaffen wir es, unsere beiden Bogenschützen zu bewachen, so dass diese weitere Treffer landen können. Weiter vorn ist Leudast in ein brutales Gemetzel verwickelt, wo er mächtig austeilt, aber auch den einen oder anderen schweren Treffer einstecken muss, als der Viglundinger Ragnacar der Blutrünstige vor ihm auftaucht. Zusammen mit weiteren Gegnern wird Leudast stark bedrängt, lässt sich aber etwas zurückfallen und da wir langsam vorrücken können, schließen wir zu ihm auf.

Zu uns gesellt sich nun auch Uldor der Wagenlenker, der sich auf mich stürzt. Der miese Haderlump ist ein gewiefter Kämpfer, der mich trickreich angreift und mich trotz meiner gekonnten Verteidigung mehrmals trifft und mit seinem Speer verletzt. Auch Earendil trägt eine schwere Wunde von einem Pfeil verursacht davon, Leudast ist zwar noch wild und entschlossen, ist aber auch schon stark angeschlagen. Fast scheint es so, als könnte das hier doch nicht gut ausgehen.

Was an den anderen Fronten passiert, kann ich nicht gut erkennen, Ennaldas Trupp ist nicht zu sehen, in der Mitte wogt es hin und her. Zumindest Geralds riesige Axt sieht man ab und an herunterfahren, er steht also noch. Aber ein weiterer wütender Angriff von Ragnacar und Uldor benötigt unsere volle Kraft und Konzentration. Über zerschlagene Leiber steigend versuchen wir, die beiden zurück zu drängen, als unser Hobbitgefährte plötzlich ein motivierendes Lied anstimmt. Mit neuem Mut werfen wir uns auf den angeschlagenen Ragnacar, denn uns ist klar, dass wir die beiden Anführer fällen müssen. Nach zwei weiteren schweren Treffern landet ein gar trefflicher Schuss des Elben genau in seinem Hals, so dass er mit einem Gurgeln zusammenbricht. Nun stürzen wir uns auf Uldor, der zunächst Leudasts Axt zu spüren bekommt und dann ist es wiederum Earendil, der mit einem Pfeil genau seine Stirn trifft, so dass Uldor einfach wortlos umfällt.

Der Tod der Anführer lässt den letzten Mut der Söldner schwinden, so dass wir mit den letzten Kämpfern kurzen Prozess machen können. Unsere Flanke war siegreich. Als wir uns der Mitte des Kampfgetümmel zuwenden, sehen wir, dass auch Gerald das Blatt zugunsten der Beorninger wenden konnte, Ennaldas Flanke ist inzwischen bedrängt. In diesem Moment taucht am Rande der Spalte ein riesiger Bär auf. Er sieht aus wie eine Mischung aus Schwarzbär und Oliphant, einfach gewaltig. Mit einem großen Satz springt er mitten zwischen die Feinde vor Ennalda und zerfetzt mehrere. In kürzester Zeit ist nun die Schlacht entschieden und der restliche Söldnertupp wendet sich zu einer heillos werdenden Flucht. Ein paar Beorninger verfolgen sie noch und bringen einige zur Strecke.

Gerald sammelt dann die Beorninger, welche ein Lied anstimmen, um den Sieg zu besingen während Beorn wieder verschwindet. Oderic war tatsächlich dabei und kämpfte kurz nach Schlachtbeginn auf Seiten der Beorninger mit, wobei er schwer verletzt wurde. Nach kurzer Zählung der Toten wird klar, dass die Schlacht ein voller Erfolg war. Lediglich 10 Beorninger liegen tot im Gras, einige andere sind schwer verletzt. Der Rest hat aber lediglich ein paar kleinere Verletzungen und Blessuren, was ich mit größerem Erstaunen zur Kenntnis nehme. Gemessen an den 70 toten Söldnern, die gezählt wurden, eine erstaunlich niedrige Zahl.

Die toten Söldner werden aufgeschichtet und verbrannt, die toten Beorninger mit zu Beorns Haus genommen, wohin wir uns dann auf den Weg machen. An der Alten Furt löst sich der Heerbann wieder auf und die Beorninger gehen nach Hause. Die nächsten zwei Tage verbringen wir in Beorns Haus, wo wir unsere Wunden versorgen und uns erholen.

25. Juni 2047 DZ

Am Morgen des 25. Juni taucht dann Beorn wieder auf. Er hat die Söldner bis zum Wolfswald verfolgt und noch einige getötet. Fürs Erste sollte Beorns Land wieder Ruhe vor ihnen haben. Er kündigt für den Abend des dritten Tages die Verhandlung von Oderic auf dem Carrock an, wozu wir eingeladen sind.

28. Juni 2047 DZ

Am 27. Juni treffen die Stanforder am Carrock ein, am 28. stoßen wir im Gefolge von Beorn dazu. Wir erreichen den Stein in der Dämmerung, besteigen ihn aber erst nach Einbruch der Dunkelheit. Auf der Spitze ist der Carrock ein Felsplateau, an dessen Rand nun Fackeln stehen. Beorn nimmt auf einem riesigen Stein Platz. Die Verhandlung beginnt. Zunächst berichtet Ava über Oderic, dass er immer ein Sonderling war seit er in Stanford angekommen war. Er hatte immer Probleme und sie behauptet, dass er Rathwic aus Eifersucht getötet hat. Auch Helmgut spricht und berichtet ähnliches.

Dann ergreifen wir Partei für Oderic, zunächst Earendil mit einer flammenden Rede, aber auch Ferdibrand, Leudast und ich betonen seinen Heldenmut und seine Tapferkeit. Und doch sind wir überrascht, dass ausgerechnet Gunhild schweigt. Warum? Wir haben zwar den Verdacht, dass sie vielleicht sogar etwas verbirgt (hat am Ende vielleicht sie das Messer geführt?), können sie aber nicht dazu bewegen, etwas zu sagen. Zum Schluss ergreift Oderic das Wort, stellt seine Tat als Unfall da, gesteht sie aber im Prinzip.

Beorn zieht sich danach zurück, um das Urteil zu bedenken. Er betrachtet die Tat ebenfalls als Unfall und verurteilt Oderic, dass er Helmgut und Gunhild Rathwics Gewicht in Gold bezahlen muss oder, falls er das nicht kann, beiden dienen muss, bis die Schuld beglichen ist.
Für mich erscheint das zwar etwas barbarisch, aber zumindest gerecht. Und wir haben das Gefühl, vielleicht doch etwas für ihn getan zu haben, schließlich hätte das Urteil auch Tod oder Verbannung heißen können. Die Folgende Nacht verbringen wir am Carrock und ziehen am 29. Juni wieder zurück zu Beorns Haus.

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