Die göttliche Erleuchtung I – Zerwas der Henker

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Am Morgen trennten sich die Gefährten. Styrvake und Balthasar versuchten Broschek und seine Komplizin einzuholen, um die Bronnjarentochter zu befreien. Die Anderen blieben auf der Wolfskopffeste zurück und besprachen sich mit dem Junker, wie das weitere Vorgehen gestaltet werden sollte. Zunächst wurde der Baron von Sheanna ordnungsgemäß bestattet, und mit ihm auch Nessa und Mjesko. Außerdem führten die Rahja-Geweihte und Meister Lyoscho noch ein Gespräch mit Rowinja, die an das Mitleid der Beiden appellierte und sich so Strafminderung erhoffte. Schnell war man sich einig, dass das Problem der oder die Nachfolger / -in lösen sollte.

Es war schon Abend, als Balthasar alleine auf die Burg zurück kehrte. Bei sich hatte er die von dem Widergänger gestohlene Kiste mit dem Folianten. Der Druide wusste zu berichten, dass Styrvake und er unterwegs auf einen Firnelfen, Nauriell Windläufer, getroffen waren, der als Jäger schon länger in der Gegend unterwegs war und die seltsamen Nivesenzeichen im Schnee zurück gelassen hatte, um kundige Reisende zu warnen. Er hatte zur Mittagsstunde eine ledrig beschwingte Kreatur vom Himmel geschossen, die die Truhe bei sich hatte. Da er wusste, dass Balthasar zur Gruppe der rechtmäßigen Besitzer gehörte, händigte er sie ihm aus. Während der Druide sich auf den Rückweg machte, war Styrvake weiter den falschen Schaustellern gefolgt.

Am nächsten Tag, dem 26. Hesinde 1022 BF, kehrte der Thorwaler mit Irfinja zurück. Die nun neue Bronnjarin war noch etwas mitgenommen, konnte aber umfassend über die Geschehnisse auf der Burg in den letzten Tagen in Kenntnis gesetzt werden. Ihr Entführer waren allerdings entkommen. Styrvake hatte aber noch weitere Neuigkeiten. Unterwegs hatte er Gerion Karolus getroffen, den Bannstrahler, der mit den Gefährten gemeinsam in Drachenzwinge Brakador bekämpft hatte. Er war aus Festum entsandt, um das Kloster der Hüter zu verstärken. Er berichtete dem Thorwaler, dass die Äbtissin wohl aus Brandthusen zurück gekehrt war. Man munkelte, dass dort Leichen aus den nahegelegenen Totensümpfen umherwandelten. Am Abend versuchte Fenew noch mit der Bronnjarin handelseinig zu werden, das misslang allerdings.

Das nächste Ziel der Gefährten war das Kloster. Früh morgens brachen sie Richtung Karenow auf. Gegen Mittag kamen ihnen die beiden Bannstrahler, Gerion und Reto von Sturmfels, entgegen. Sie waren auf dem Weg zur Wolfskopffeste, um noch einmal mit den Gefährten über die Umtriebe dort zu sprechen. Das tat man nun auf dem gemeinsamen Weg zum Kloster. In Karenow wurde eine kurze Rast eingelegt und dem Vogt empfohlen, beizeiten bei seiner neuen Herrin vorbei zu schauen. Es war schon Nacht, als man das Kloster erreichte. Im Wald waren die Gefährte nicht allein gewesen. Rote Augen lauerten in der Dunkelheit. So waren alle froh, das düstere Gemäuer der Hüter erreicht zu haben.

Nach einigem Gewese wurde man schließlich bei der Äbtissin vorstellig, welche den Foliant überreicht bekam. Bei der kurzen Unterredung waren einige seltsame Gestalten anwesend. Neben einer hohen Anzahl von Bannstrahlern, war da auch der blinde Mönch und noch ein weiterer, augenscheinlich einflussreicher Mann, der als Abt Joaquino von Balträa vorgestellt worden war. Nach der Audienz erlebten die Gefährten die Gastfreundschaft des Klosters. Denn die Kammer für die Nacht, in der man sich nach mehr oder weniger fauststarken Argumenten wiederfand, war eine bleiverschalte Zelle im Keller des Bergfrieds.

Dort waren die Gefährten nicht allein. Ein alter Mann, ziemlich mitgenommen, schien schon länger Gefangener hier unten zu sein. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei ihm um den seit längerem vermissten lokalen Druiden Lugaid. In der Nacht konnten die Gefährten Gerion davon überzeugen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen vor sich ging, so dass der Bannstrahler sie schließlich befreite. Gemeinsam mit dem Druiden, der den Weg zur Kultstätte, die in dem Folianten beschrieben war, kannte, machte man sich auf den Weg. Wie sich bald herausstellte, waren auch die Äbtissin, einige Bannstrahler und einer der Mönche auf dem Weg dorthin. Das Besorgniserregende daran war, dass Lyoscho in dem Mönch einen der Bauern aus Broggen, Grimow Walroder, erkannt hatte, der eigentlich tot war und jetzt den Geist des Nekromanten Immanuel von Brabak beherbergte.

Nach einer kurzen Rast in den frühen Morgenstunden und dem Fund zweier Leichen, den Begleitern von Immanuel und der Äbtissin, kamen die Gefährten zu der Kultlichtung. Dort fanden sie die Besinnungslose Äbtissin vor. Gerion und der Druide Lugaid blieben bei ihr zurück, während die Übrigen das Tor öffneten und in die Anderswelt überwechselten. Im Nachhinein ist es schwer zu beschreiben, was die Gefährten dort im Jenseits erlebten. Jeder von ihnen nahm etwas anderes wahr. Für die Einen war es ein friedvoller und verlockender Ort, für die Anderen entsprang er den Niederhöllen. Allen gemein war, dass sie eine geflügelte Frauengestalt mit dem schwarz geflammten Schwert sahen und dass es eine versiegelte Tür gab, die manche öffnen wollten. Hinter dieser Tür sollte die göttliche Erleuchtung liegen, für andere war hinter ihr das Urböse verschlossen. Schließlich und Endlich war es dem beherzten Eingreifen von Styrvake zu verdanken, dass nichts schlimmeres passiert war, das Siegel zerbrach und man den Ort wieder verlassen konnte.

Wieder auf der Lichtung, war dort die Äbtissin Aldarte Marnion zur Besinnung gekommen und berichtete nun. Abt Joaquino war mit einer blonden Frau namens Marina von Rethis von den Zyklopeninseln ins Bornland gekommen. Marina war den Gefährten in der Anderswelt als Trägerin des geflammten Schwerts erschienen. Sie brachten das erste Fragment des Siegels zum Kloster, der Druide Lugaid das zweite, und so setzte es sich fort, bis die Gefährten schließlich das letzte brachten. Marina befand sich zur Zeit auf der Burg des Barons von Brandthusen, einem gelernten Donnerbacher Magier. Er bekleidete das Amt seit dem Tod seiner Mutter, die kurz nach dem Eintreffen Marinas vor einem Jahr gestorben war.

Gemeinsam mit der Äbtissin kehrte man noch am gleichen Tag zum Kloster zurück und setzte dort Joaquino fest. Mittlerweile war auch Praiodan Gerwinder von seiner Reise zurück gekehrt und hatte einen Inquisitor, Ubertinus Savertin, mitgebracht, der sich umgehend an die Befragung machte. Joaquino gehörte einem Geheimbund an, der auf den Zyklopeninseln einen mächtigen Vampirfürsten, Zerwas der Henker, gefangen hielt. Dort geriet er unter dem Bann Marinas, die auch eine Vampirin war, und verhalf dem Unhold zur Flucht. Außerdem nahmen sie noch eine einbalsamierte Alhanihexe, eine alhanische Zauberpriesterin, und eine seit tausendfünfhundert Jahren bei den Hütern verborgene weitere Hexe, eine Satu-Tochter, mit.

So bereisten sie die Totensümpfe und trafen dort auf Zorjan zu Notmark und zu Leuenteich. Der wiederum ersann sich den Plan, Zerwas in die Globule zu bannen und die Siegel zu erschaffen, damit er schließlich von den Praioten erweckt würde. Die anderen Särge wurden derweil zu uralten alhanischen Ruinen in die Totensümpfe gebracht. Joaquino hatte auch etwas von einem Schattenrat aufgeschnappt, den der Nekromant Zorjan einberufen hatte. Ihm gehörten unter anderem ein Nivese namens Madan, der aus Borjag geflohene Immanuel von Brabak und ein Magier namens Mengbillar an. Außerdem sollte das geflammte Schwert, Seulasslintan, die Waffe des Erzvampirs sein. Um ihn zu bekämpfen, händigte die Äbtissin Rowin den geheiligten Rondrakamm aus, der vom Bronnjaren von Karenow mit dem geflammten Schwert in den Totensümpfen gefunden wurde.

Früh am 29. Hesinde 1022 BF verließen die Gefährten das Kloster und reisten über Karenow nach Persanzig,welches sie am Abend des 30. Hesinde erreichten.

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