Die Meisterdiebin

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Auszug aus den Reiseberichten der Cornifera Grünblatt

14. Juli 2957 DZ

Nach dem interessanten Gespräch in der Bibliothek und dem äußerst enttäuschenden Mittagsmahl im Rasthaus der südlichen Stadthälfte kehrten wir mit dem Boot zurück auf die Nordseite. Die Fahrt endete aufregender als gedacht, weil Yadri während des Anlandens ein unfreiwilliges Bad in der Grauflut nahm. Er trug es mit Fassung und machte sich dabei, glaube ich, mehr sorgen um den Zustand seiner Rüstung, als um sich selbst. Bei der Rückkehr in unser Brückenhaus begrüßte uns der Wirt Titus in seiner üblichen ruppig-freundlichen Art. nach einem kleinen Plausch nutzten wir den Rest des Tages für einen Bummel durch die Stadt.

Nach dem Abendessen unternahm ich mit Annungildor einen weiteren „Abendspaziergang“. Ich wollte unbedingt die Schatzsucherin und Meisterdiebin besuchen, deren Haus mir gestern schon aufgefallen war. Inzwischen wussten wir dass sie Amelia Kern hieß. Das Tor war, wie gestern, verschlossen, aber eine Meisterdiebin besucht man ja nicht wie irgendwen. Also kletterten wir wie Diebe über die Mauer. Im Hof fand ich weitere Diebeszeichen, die uns zu einer etwas versteckten Hintertür führten.

Wir klopften an, und nach einer angemessenen Wartezeit hörten wir eine Stimme, die uns Rätselfragen stellte. Unsere Antworten waren wohl richtig genug, denn die Tür öffnete sich und Amelia ließ uns ein. Amelia war eine ältere Frau, die aber trotzdem Kraft und Energie ausstrahlte. Ich denke, sie war eine dieser Dunedain-Menschen, so wie Damrod.

Sie führte uns in einen Salon und bewirtete und mit Tee und Gebäck. Ihr Haus war vollgestopft mit Schätzen und Relikten aus uralten Zeiten. Ich kam aus dem Staunen kaum heraus und überließ darum Annungildor den Hauptteil der Unterhaltung. Wir fassten Vertrauen zu ihr und offenbarten ihr den wahren Grund unseres Aufenthalts.

Sie bestätigte unsere bisherige Erkenntnis, dass wir die Gesuchten entweder auf der Mittelinsel oder in einer Zelle der massiven Festung finden würden. Dort würden außer 40-50 Gefangenen auch diverse Schatzkammern zu finden sein. Und falls wir uns dort umsehen wollten bot sie uns Informationen an gegen eine Anteil an eventuellen Schätzen, die wir dort finden könnten.

Das konnten wir natürlich nicht allein entscheiden, daher verabredeten wir ein Treffen auf dem Markt für den nächsten Mittag. Im weiteren Gespräch erfuhren wir noch, dass Jan der Frosch ein Mädchen ist, man sie vorwiegend am Südufer antrifft, und das sie gerüchteweise für Hauptmann Grunau spioniert. Danach verabschiedeten wir uns bald und machten uns auf den Rückweg.

15. Juli 2957 DZ

Gleich nach dem Frühstück wollten wir versuchen auf die Mittelinsel zu gelangen, Dank ein paar Münzen in der Hand von Leutnant Messing gelang das überraschend einfach. Kaum angekommen trafen wir auf eine Ansammlung von Menschen, in deren Mitte ein Mann stand, der eine aufrührerische Rede gegen Hauptmann Grunau und seine Unterdrückung führte. Das Publikum schien zwar seine Meinung zu teilen, war aber offensichtlich zu verängstigt, um von ihm aufgerüttelt zu werden. Wir hörten eine kurze Weile zu und machten uns dann auf, nach unseren Vermissten zu suchen.

Ziemlich schnell fanden wir Alfred Distelwolle bei der Schmiedearbeit. Es dauerte etwas, bis er uns erkannte. Dann allerdings sprach er sehr freimütig mit uns. Er bestätigte, dass auch er unter Druck gesetzt wurde. Zum einen wurde sein Onkel Borlas in der Festung als eine Art Geisel gehalten und zum anderen hatte er sich mit seiner Arbeit „freizukaufen“. Er war darüber ganz und gar nicht glücklich, sah aber keinen Ausweg.

Er erzählte uns, dass Anna Wintermoss zunächst als Lehrerin bei Frau Stock gearbeitet hatte, nun aber wohl in der Festung einsäße. Und Scylda war irgendwann einfach verschwunden. Wahrscheinlich sei sie irgendwo in den Ruinen untergetaucht. Insgesamt also keine allzu guten Neuigkeiten.

Zurück im Nordteil der Stadt überbrachte uns Leutnant Messing eine Einladung von Hauptmann Grunau zum Abendessen für den morgigen Abend. Das konnten wir natürlich nicht ausschlagen.

Gegen Mittag gingen wir auf den Markt und trafen dort tatsächlich auf Amelia, die von Stand zu Stand ging, mit den Leuten sprach und Einkäufe tätigte. Uns fiel auf, dass die Menschen auf dem Markt sie sehr respektierten und auf sie achteten. Wir trafen uns immer mal wieder unauffällig an mehreren Verkaufsständen und sprachen kurz miteinander, während die Marktbesucher uns wie zufällig vor den Augen der Beobachter abschirmten. Wir vereinbarten ein Treffen bei Dämmerung in einem der verlassenen Häuser. Dort gab sie uns wichtige Informationen und einen Plan der Festung.

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