Dunkel hallen die Wetterspitzen – Ein Bericht Damrods, des Hüters
15. Tag des Blattermondes, im Jahre 2955 D.Z. — Wälder östlich von Bree
Es war einer jener Morgen, an denen der Nebel schwer in den Tannen hing und der Wind aus Osten kam, träge, feucht, und doch unheilvoll. Noch immer verweilten wir im alten Versteck der Waldläufer, verborgen zwischen den Wurzeln des Breeberges, während sich am fernen Horizont über der Wetterspitze ein rötliches Leuchten zeigte. Es flackerte nächtlich wie ein heimliches Feuer in der Ferne, ein Zeichen, das wir nicht deuten konnten.
An meiner Seite war Berelas, jene gezeichnete Frau, deren Schicksal sich mit einem Ring verknüpft hatte, dem Ring der Sieben Juwelen. In ihrem Blick lag Zweifel, in ihren Worten Reue, denn der Ring barg nicht nur Schönheit, sondern auch einen Fluch, den sie einst in Unwissenheit selbst ausgesprochen hatte. Nun wog ihre Seele schwer, und sie fragte sich, was mit dem Ring geschehen sollte.
Eine Mission für die Gemeinschaft
Die Aufgabe wurde geteilt. Ich, Damrod, sollte gemeinsam mit der kessen Cornifera Grünblatt, einer Hobbitdame mit erstaunlichem Mut, nach Bree aufbrechen, um Nachricht zu überbringen und Kontakt zu Galdor herzustellen, dem Gesandten von Círdan aus Mithlond. Der Weg war still, doch die Schatten folgten uns.
Zur selben Stunde zogen Annúngildor, der Gelehrte aus Lindon, sowie Sigmar von Thal, unser wortgewandter Captain, mit Berelas nach Schlucht zu Oswald Kirper, einem Gelehrten, der mehr über den Ursprung des Rings wissen mochte. Yadri, unser zwergischer Streiter, wachte unterdessen über das Lager in der Wildnis.
Begegnung mit Oswald Kirper
Der Gelehrte erwies sich als freundlich, gastfrei und belesen. Bücher bedeckten seine Wände, Weisheit ruhte in seinen Worten, auch wenn Spott über Waldläufer auf seinen Lippen lag. Sigmar offenbarte die Geschichte des Rings, und als Kirper ihn betrachtete, erkannte er elfische Kunstfertigkeit, doch auch seine Kenntnis endete in den Nebeln der Vergangenheit.
Gerade als sie sich stärkten, traf eine dunkle Kunde ein, Archet war überfallen worden. Gesetzlose trieben sich umher. Ohne Zögern kehrten sie zurück in die Wälder, während wir in Bree unser Ziel suchten.
Bree – Gerüchte, Gräber und ein alter Freund
Bree war, wie Bree immer war, lebendig, voller Stimmen, voller Lügen. Im östlichen Viertel suchten wir Tom, jenen Burschen mit Abenteuerlust und ungebändigtem Eifer, der uns schon einst half. Wir fanden ihn nahe des Grabes seines Onkels, auf dem alten Friedhof außerhalb der Stadt. Tom war wie immer neugierig und wissbegierig, und Cornifera unterrichtete ihn von unserem Wunsch, Galdor zu sprechen. Ich übergab ihm den Auftrag. Er solle den Elben treffen und ihn zur Lichtung rufen. Der Junge schwor, dies zu tun.
Doch noch etwas regte sich im Schatten. Ein Grab, frisch geöffnet, nicht weit vom Ort, an dem wir standen. Unruhe griff nach meinem Herzen.
Die Spur des Alten Trolls
Auf dem Rückweg entdeckte ich sie, die Spur eines Trolls, mächtig und tief im Boden. Der Abdruck war altbekannt. „Der Alte Troll“, ging es mir durch den Sinn, ein Schreckgespenst aus Geschichten, die Mütter flüstern, wenn der Wind heult. Doch das war keine Geschichte. Die Spur führte zum Friedhof.
Zurück im Versteck fanden wir uns alle wieder. Die Nacht kam schnell, die Dunkelheit dichter als sonst. Annúngildor hörte das Heulen der Wölfe, und in der Ferne brannte ein Feuer, eine Wagenburg, vielleicht Feinde, vielleicht Flüchtige. Auf einem Hügel am Horizont sah er die Silhouette eines gewaltigen Trolls. Doch die Nacht verstrich ohne Angriff.
Die Lichtung des Elbenrats
Am nächsten Tage, als die Sonne ihren Zenit erreichte, näherte sich eine Reitergruppe Bree. Annúngildor erkannte elfische Banner, Galdor war gekommen. Heimlich schlich er durch die Gassen, sah Späher, hörte, dass ein gewisser Jari ein Zwerg gestorben sei. Und er erreichte das Tänzelnde Pony, wo er Galdor fand. Es wurde ein Treffen beschlossen, um Mitternacht auf der alten Lichtung.
Dort sammelten wir uns. Und als die Nacht sich senkte, kamen sie, die Elben aus Mithlond, leuchtend wie Licht in der Dämmerung, ihre Banner im Wind, ihr Lager festlich wie ein Lied aus alten Tagen.
Der Schwur und die Wahrheit
Sigmar trug die Geschichte von Berelas vor. Von ihrem Weg, dem Fund des Rings, dem Fluch, dem Zweifel. Und Berelas sprach selbst, offen, reuevoll, tapfer. Ihre Worte hallten durch die Nacht, wie Wasser, das auf Stein fällt. Von Schuld und Erkenntnis, von der Verführung durch Macht und der späten Einsicht.
Galdor hörte ihr zu, still und würdig. Er bekannte, dass selbst seine Weisheit nicht stark genug sei, den Fluch zu lösen. Doch der Ring hatte auf der Lichtung keine Macht mehr.
Er bot an, Berelas und den Ring nach Bruchtal zu bringen, in Sicherheit, fern vom Zugriff finsterer Hände wie Gorlanc. Sie stimmte zu. Ihr Entschluss war gefasst, sie würde sich der Obhut Elronds anvertrauen.
Und so endete das Kapitel
In jener Nacht blieben wir bei Galdors Lager. Im Schutz der Elbenflammen, unter den Sternen, inmitten uralter Banner, fand Berelas einen Moment des Friedens.
Am nächsten Morgen würde sie aufbrechen. Und wir, Yadri, Cornifera, Sigmar, Annúngildor und ich, würden unsere Reise fortsetzen. Der Schatten lag noch immer auf dem Land. Die Spur des Trolls verlor sich nicht. Und der Auftrag von Círdan blieb unerfüllt.
Doch an jenem Morgen, als das erste Licht über die Baumkronen kroch, spürte ich Hoffnung
„Nicht alle Dunkelheit kommt in Gestalt eines Feindes und nicht jeder Schatz ist aus Gold. Manche sind aus Mut gemacht.“
Damrod, Waldläufer des Nordens