Der dunkle Turm

Schreibe eine Antwort

Im Inneren des Wetterfahnenturms befand sich auf den ersten Blick überraschenderweise nahezu nichts. Wir betrafen einen fast leeren riesigen Raum, der in der Mitte eine Öffnung nach unten hatte, wo eine silberne Wendeltreppe mit einer unheimlichen Ausstrahlung nach unten führte. An der Wand führte eine weiße Rampe in mehreren Windungen nach oben in ein nächstes Stockwerk. Warme Luft umwehte uns und Magnus spürte, dass dies die Winde der Magie waren.

Wir stiegen hinauf auf die nächste Ebene und hörten ein seltsames Gemurmel. Es erwartete uns ein labyrinthartiges Dornengestrüpp, diese Ebene wirkte wild. Es wehte hier Ghur, der Bernsteinwind der Wildnis und der Tiere. Ein Balkon führte nach draußen und ein Pfeil zeigte nach Nordwesten.
Auf dem Weg zur nächsten Ebene schlug eine geisterhafte Klaue nach Johann. Sein Arm blutete. Kurz danach sprangen Johann und Magnus ohne erkennbaren Grund erschreckt zur Seite. Sie hatten ein Monster gesehen, das gar nichts existierte.

Im nächsten Stockwerk lag dichter Nebel über allem. Ulgu, der Schattenwind, empfing uns. Schatten bewegten sich unheimlich durch den Raum, in dessen Zentrum eine Rune lag. Ein Pfeil wies nach Süden zu einem Balkon. Der Schatten saugte Magnus‘ magisches Licht ein. Der lief in die Raummitte, auf Gravuren, die wie ein Spinnennetz wirkten. Er verschwand in den Schatten.

Er spürte, dass sich etwas um sein Bein wickelte, aber er ließ es geschehen. Weiter schritt er auf das Zentrum zu. Die Mitte zog ihn an und die Schatten hüllten ihn Schritt für Schritt immer vollkommener ein, so dass er schließlich zu ersticken meinte. Doch er blieb ruhig und wartete vertrauensvoll ab. Plötzlich konnte er wieder frei atmen und ein Leuchten fesselte seine Aufmerksamkeit. Es ging von einem Onyx aus.

Er berührte den Stein und daraufhin nahm der Wind Besitz von ihm. Eine Stimme teilte ihm mit, dass er die Wahl getroffen habe. Darauf war er wieder frei. Er hatte sich dem Schatten verschrieben, der ihn freundlich aufnahm. Bevor er auf die Rampe zurückkehrte, trat er für einen Moment auf den Balkon und sah auf den Gletscher hinaus. Dann kehrte er zu uns zurück.

Der purpurne Wind Shyish herrschte auf der folgenden Plattform. Er gehörte zum Nordwesten. Magnus warnte uns, nicht zu verweilen, sonst würden wir für immer hier bleiben. Ich hatte den Eindruck, dass der Tod in diesem Raum zugegen war. Und tatsächlich hatte ich das Gefühl, meinen eigenen Tod zu erleben.

Es folgte Ghyran der grüne Jadewind, hier herrschte das Leben. Endlich fühlte ich mich wohler. Er war mit dem Osten assoziiert. Fjell wurde hier allerdings von einem Baum attackiert. Die nächste Etage war heiß, der rote Wind der Flammen Aqshy erhitze sie. Zorn erfasste uns und der Weg wirkte unsicher. Hastig liefen wir weiter, es fühlte sich an, als würden wir verbrennen.

Im  siebten Raum dominierte der goldene Metallwind Chamon, der Menschen gierig machte. Im achten kanalisierte sich der nördliche Wind des Lichts, Hysh. Magnus stellte fest, dass dieser Wind sehr mächtig und komplex war. Es gab hier keine Schatten und kaum Geräusche. Nach einem gleißenden Licht folgte totale Dunkelheit, durch die wir uns vortasteten.

In der obersten Etage war es wieder kalt. Wir befanden uns in der Glaskuppel. Der Wind Azyr, der blaue Himmelswind, war hier für Magnus zu erkennen. Endlich nahmen wir Spuren menschlicher Anwesenheit wahr, es standen Möbel und Teleskope herum. Aber die Magierin selbst war nicht zugegen. Eine komplizierte Apparatur aus Glaslinsen, ein Luminarium, stand ebenfalls hier herum.

Magnus spielte sofort mit seinem magischen Licht daran herum. Auf dem Schreibtisch fanden wir ein seltsames Schriftstück von einem Kantor Carolus Fortweicher. Ein Kantor unterstützte die Meister der Magie, er fühlte sich nicht einem Wind zugeordnet. Durch ein Fernrohr auf dem Luminarium sah man genau auf den Magnusturm in Übersreik. Auf dem Apparat waren die Zeichen verschiedener Winde.

Magnus hörte ein Klopfen und eine gedämpfte Frauenstimme aus einer Truhe. Magnus rief Fjell und Johann und öffnete den Deckel. Im Inneren lag Sibylla Hagerdorn. Sie bedankte sich für ihre Rettung. Sie hatte Streit mit dem Kantor gehabt und ist von ihm mit einem Schlafzauber überwältigt worden. Johann warf ihr vor, dass mit ihrer Apparatur jemand ermordet worden war.

Sie kannte den Kantor seit ihrer Kindheit im Waisenhaus. Er war sehr begabt und zum persönlichen Kantor des Obersten Patriarchen Ergrimm von Horstmann aufgestiegen, der aber abtrünnig war. Er wollte den Menschen die Macht aller Winde zur Verfügung stellen. Carolus wollte Experimente mit dem Luminarium durchführen. Als sie auf Reisen war, war er mit diesen Experimenten fortgefahren. Als sie zurückkam, geriet sie in Streit mit dem Kantor. Darauf hatte er sie schlafend in die Truhe gesperrt. Der abtrünnige Patriarch führte die Kabale. Johann berichtete, was mit dem Gerät wahrscheinlich gemacht worden war.

Plötzlich tauchte hinter uns ein Mann auf, der etwas von dem Apparat entfernte. Er entlud Licht in das Instrument. Darauf sprang der Mann aus dem geöffneten Fenster. Es war der Kantor, der nun nach unten schwebte. Sibylla rief: „Ihr müsst ihn verfolgen, er hat das Gerät überladen, wenn ich das nicht repariert bekomme, fliegt hier alles in die Luft!“ Sie hängte Magnus ein Amulett um, das ihn schützen sollte und wir stürmten nach unten.

Dort stand Carolus auf dem Gletscher auf einem Zeichen. Wir versuchte zu ihm zu laufen, aber das war auf dem Eis nicht so einfach. Zudem bewegten sich die toten Orks wieder und näherten sich uns. Doch Johann hielt sie problemlos in Schach. Fjell und Magnus liefen weiter zum Kantor. Der hieb mit seinem Stab auf das Eis und erwartete die beiden.

Magnus spürte eine große Menge an Himmelswindenergie. Und sofort veränderte sich der Himmel über den beiden. Der Komet von Kassandra manifestierte sich allmählich. Carolus rief: “Lasst uns reden! Ich will nicht gegen euch kämpfen.“ Aber Fjell ließ sich davon nicht aufhalten. Da schoss eine Säule aus dem Himmel auf Carolus zu. Fjell konnte ihn verletzen, aber der Magier reagierte kaum darauf. Beim nächsten Schlag brach Carolus allerdings zusammen.

Doch eine Art Komet schoss auf Fjell zu. Der rannte nun so schnell er konnte aus der Flugbahn hinaus und der Komet zerschlug Carolus. Das Eis des Gletschers barst auseinander, Wasser schoss in die Höhe. Fjell wurde zur Seite geschleudert und schwer verletzt. Das Eis brach immer weiter ein, doch er konnte nicht aufstehen. Da kam Magnus, half ihm hoch und die beiden brachten sich in Sicherheit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Datenschutzhinweise: Die E-Mailadresse wird an den Dienst Gravatar übermittelt (ein Dienst der Wordpress Entwickler Auttomatic), um zu prüfen, ob die Kommentatoren dort ein Profilbild hinterlegt haben. Zu Details hierzu sowie generell zur Verarbeitung Deiner Daten und Widerrufsmöglichkeiten, verweisen wir Dich auf unsere Datenschutzerklärung. Du kannst gerne Pseudonyme und anonyme Angaben hinterlassen.