Walen sehen… und sterben?

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Schriftliche Aufzeichnungen von Alanus vom Fischteich vom 3. April 2513

Diese Aufzeichnungen werden vielleicht etwas konfus klingen, aber ich musste das gerade Erlebte schnell niederschreiben, damit ich die Ereignisse so schnell wie möglich verarbeiten kann. Ich sitze hier neben zwei, von uns getöteten, Minotauren, und halte etwas zittrig die Schreibfeder in meiner Hand.

Wir waren gestern in diesem kleinen Örtchen Walen angekommen, in dem sich ein, für so eine kleine Ortschaft, ansehnlicher Sigmar-Tempel befindet. Der gestrige Abend war mehr als normal, außer der Erkenntnis, dass wohl auch der Kutscher Jan so seine Geheimnisse hat. Aber wer hat das nicht!?

Was ich dann heute Morgen zuerst hörte, war die Glocke des Sigmar-Tempels. Aber es war kein normales Glockengeläut. Sie wurde im Sturm angeschlagen. Schnell verschwand bei mir der Gedanke, dass es sich um eine Sitte dieses Kaffes handeln könnte.

Es war noch dämmerig draußen als ich meine anderen Kameraden hektisch ihre Kleidung und Rüstungen anziehen sah. Da zügiges Aufstehen am Morgen nicht zu meinen Stärken gehört, war ich der letzte der unsere Kammer, so gut wie möglich, kampfbereit verlies. Die Vorstellung mit leerem Magen in einen Kampf ziehen zu müssen, erhöhte nicht gerade meine Motivation.

Während ich auf der Treppe nach unten war, hörte ich immer mehr Schreie von draußen. Sie wurden mit jedem Meter nach unten lauter. Also waren sie nicht weit weg. Ich konnte sie als die Schreie der Einwohner einordnen. Es schien Chaos zu herrschen.

Hieronymus war der erste, der die Kammer verlassen hatte und ich sah ihn nun am Eingang des Wirtshauses stehen. Ruben schrie uns allen zu, dass er Tiermenschen in der Umgebung sah. Er hatte sich zu einem Fenster bewegt. Wir anderen drei liefen jetzt noch schneller in den Schankraum.

Konrad rannte, nachdem er einen Schrei vom Hinterhof hörte, zur Tür an der Rückseite des Gebäudes und erblickte auch dort diese Kreaturen. Ruben und ich folgten ihm. Kruger stellte sich mit an die Eingangstür. Hieronymus und er versuchten die Situation zu überblicken und spannten den Bogen bzw. die Armbrust.

Komischerweise kreisten meine Gedanken sofort um Jan, die Pferde und die Kutsche. Merkwürdig wir schnell ich in meinem neuen Beruf die neuen Pflichten spürte.

Ruben erzählte mir kurz nach dem Ende des Kampfes, dass er in dem Moment das erste Mal in unserer nahen Umgebung die Gegenwart von Dhar spürte. Er sah wohl nach dieser Bemerkung in meine fragenden Augen und beschrieb mir den Begriff als eine Art dunkler Magie. Ich mag den Burschen, aber manchmal ist er echt sonderbar.

Und nun begann der Kampf. Viele Gruppen von Tiermenschen aus allen Richtungen strömten zum Vorplatz des Tempels. Auch im Innenhof des Wirtshauses waren sie schon angekommen. Bevor ich angefangen habe zu schreiben, erzählte mir ein Überlebender aus Walen, dass es überwiegend Herden von Gors und Ungors waren. Man lernt nie aus.

Der Kampf tobte einige Zeit. Was bemerkenswert war und niedergeschrieben werden muss, ist die Tatsache, dass wir als Gruppe und auch als einzelne Kämpfer immer besser werden und auch solche, doch schon, angsteinflößend aussehenden Kreaturen, uns nicht mehr einschüchtern und selten Land gegen uns sehen.

Schnell waren die ersten Tiermenschen leblos am Boden. Hieronymus, Kruger und Konrad schossen sie vom Dach oder trafen sie beachtlich genau. Natürlich waren das immer nur kurze Beobachtungen, die ich im Kampf hatte, nachdem mein Krummschwert wieder seine Arbeit getan hatte und ich auf die nächste Kreatur wartete, die mit der Klinge Bekanntschaft machen wollte.

Nach dem ersten Kampfabschnitt stürmten meine vier Kameraden vorne aus der Eingangstür in Richtung des gegenüberliegenden Tempels. Ich entschied mich bei Jan zu bleiben und solange wie möglich unsere Kutsche und die Pferde zu beschützen. Nachdem es dort ein kurzes und für die Gegenseite tödliches Treffen gab, liefen auch Jan und ich um die Gaststätte auf den Platz vor dem Tempel und hielten etwa mittig bei Ruben und Kruger.

Dann machte Ruben wieder eins seiner sonderbaren Dinge. Warum habe ich ihn eigentlich noch nie gefragt, was er da eigentlich macht. Zum zweiten Mal in der näheren Vergangenheit sah ich, wie irgendetwas sich aus seiner Umgebung auf die Feinde zu bewegte und sie verletzte.

Dann kamen immer mehr Tiermenschen von allen Seiten und Konrad schrie: „Rückzug in den Tempel“. Auf den Weg hinein hörte ich dann auch noch von Ruben: „Minotauren“. Dieses Wort hatte ich zwar schon in meinem Leben gehört, aber ich hätte vor einem Jahr niemals gedacht, solch eine Bestie mal mit meinen eigenen Augen zu sehen. Geschweige denn gegen so etwas zu kämpfen… und zu überleben!

Doch nach dem Betreten des Tempels wurde erst einmal das Eingangstor geschlossen und gesichert. Nun kam die Hauptfrau der Miliz, Else Frink, auf uns zu, und bedankte sich kurz für die bis jetzt geleistete Hilfe und besprach mit uns kurz das weitere Vorgehen der Verteidigung.

Währenddessen hörten wir von draußen ein Kampfhorn und erhielten die Nachricht, dass eine riesige Horde von mehr als fünfzig Tiermenschen auf den Weg zu uns war. Wir versuchten also weiter, den Tempel verteidigungsbereit zu machen.

Dafür teilten wir uns kurz auf und übernahmen verschiedene Aufgaben. Die wichtigste hatte wohl Ruben mit der Versorgung der Verletzten. Einen Augenblick später rief uns der Priester Vater Stillmann zusammen mit der Hauptfrau Frink in seine Kammer.

Auch er bedankte sich am Anfang bei uns und berichtete voll Kummer, dass seines Erachtens viele Bewohner diesen Angriff nicht überlebt hatten. Er erzählte auch noch kurz über eine Söldnergruppe der Altdorfer Freischärler, die vor ein paar Tagen durch Walen kamen und wohl eine Horde von Tiermenschen verfolgten. Irgendwie hatte ich das Gefühl, die Hoffnung in seinen Worten herauszuhören, dass sie vielleicht zurückkämen und uns helfen könnten. Aber, wie ich jetzt weiß, sie kamen nicht. Wir waren auf uns allein gestellt.

Dann begann der letzte Teil dieses Kampftages. Am Tempeltor hörten wir ein lautes Knallen und Brechen der Holzteile. Es dauerte nur noch einen kurzen Augenblick, bis es brach und zwei Minotauren ihre hässlichen Fratzen in den Tempel hineinsteckten. Trotz des beeindruckenden Anblicks dieser Bestien und der Furcht, die dabei hochkam, begannen wir alle an zu kämpfen.

Sie trafen uns im weiteren Verlauf zwar ein paar Mal, sodass auch wir Kratzer abbekamen, aber am Ende waren sie es, die aufhörten zu atmen. Besonders ein Minotauer wurde von uns so zugerichtet, dass er am Ende beide Arme bewegungslos am Körper hängen hatte. Trotzdem versuchte er uns durch seinen Kampfinstinkt weiter zu attackieren, aber nur kurz und erfolgslos. Wir erlösten ihn. In Erinnerung bleibt aber die ungeheure Kraft dieser Biester, die ich bis jetzt bei keinem Gegner im Nahkampf erlebt hatte.

Dann war endlich Ruhe. Und das erschien uns nach den bisherigen Sichtungen der ganzen Tiermenschen komisch. Wir gingen mit gezückten Waffen aus dem Tor und sahen draußen niemanden mehr. Aber wir hörten eine Stimme. Und dann sahen wir flankiert von weiteren Minotauren eine Kreatur, die sich als Kurr-Gra`ak Schamane, herausstellte.

Komischerweise sprach er verständlich mit unserer Sprache zu uns. Wieder spürte Ruben die Anwesenheit von Dhar. Das Gesagte ist kurz und bündig zusammengefasst. Er wollte Klaus Balk. Wenn er ihn bekäme, sei der ganze Spuk vorbei.

Das letzte, was ich vor Beginn dieser Aufzeichnungen sah, waren die weit aufgerissenen Augen von Vater Stillmann, der zu seinem Büttel sah. Klaus Balk war gefunden.

Eine Entscheidung, wie es nun weitergeht, ist bis zu diesem Augenblick nicht gefallen. Außer meiner Entscheidung, das Horn eines der erlegten Minotauren für meine Trophäensammlung abzuschneiden. Also, an die Arbeit…

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