09. März 2513, Übersreik, Reikland
Liebe Hildrun,
ich habe dir noch gar nicht berichtet, dass ich den Dienst bei den Straßenwächtern quittiert habe. Wirklich ausgeführt habe ich den zuletzt ohnehin nicht mehr, die Umstände in diesem vermaledeiten Ort ließen es nicht zu. Was ich jetzt mache? Ja, vielleicht werde ich noch Hexenjäger, aber dafür muss ich noch weitere Kontakte knüpfen. Ich habe schon welche kennengelernt, die waren aber oft sehr fanatisch. Du fragst dich, wie ich nach all den Erlebnissen der letzten Monate nicht selbst fanatisch werden kann? Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich nicht irre geworden bin. Wie auch immer, ich habe mich vorerst als Ermittler verdingt. Ähnliche Tätigkeiten haben wir sowieso schon gemacht und hier lerne ich noch ein paar andere nützliche Dinge.
Aber lass mich erzählen, was uns zuletzt widerfuhr. Und wenn ich sage, es war großer Käse meine ich das wortwörtlich. Der Käse an sich hat schon schlimm gerochen, war aber am Ende das kleinste Übel.
Wir waren nun in diesem furchtbar riechenden Keller voller Käse und dieser Büste der verstorbenen Ehefrau. Aus Käse. Natürlich. Eigentlich waren wir schon wieder auf dem Weg raus, aber Krugers Neugierde siegte, er untersuchte die Büste genauer. Und entdeckte etwas. Direkt hinter der Büste war ein Loch in der Wand, gerade so groß, dass ein Mensch hindurchpasste und er war ziemlich grob gehauen. Die Büste war hinten angefressen von… übergroßen Rattenzähnen? Aus dem Tunnel roch es deutlich nach Kanalisation, denn dorthin führte er offensichtlich.
Kruger konnte noch die säuselnde Stimme der verstorbenen Frau hören, wie sich irgendwo unten entfernte. Kurzentschlossen schwang er sich in den Tunnel und ließ sich hinunter. Mir erschloss sich der Sinn zunächst zwar nur eingeschränkt, vor allem hatte ich keine Lust darauf, durch einen engen Tunnel in die Kanalisation zu kriechen, aber allein konnten wir ihn dort nicht lassen. Also folgten wir ihm, erst Ruben, dann Alanus und dann ich. Bevor Ruben unten ankam, hörten wir erst ein Geräusch und dann einen Aufschrei von Kruger, der rief: ich werde von einem Teufel angegriffen!
Alanus war auch schon in den Tunnel geklettert und so einen ganz kleinen, ganz kurzen Moment zögerte ich. Kletterte dann aber doch hinterher. Nach und nach kamen wir unten an und sahen das, was Kruger zuerst gesehen hatte. Einen Dämon des Khorne. Groß, rot, abartig, Große Hörner, Schwefelgestank, glühende Augen und ein flammendes Schwert. Meine Gefühle in diesem Moment waren gemischt, Todesangst, Verzweiflung, Wut. Die Todesangst überwog.
Hier unten waren wir irgendwo in der Kanalisation. Der Gang war relativ schmal, was den Vorteil hatte, dass dieses grauenhafte Mistvieh nur zwei von uns angreifen konnte. Da ich dir schreibe, wir dir klar sein, dass wir das überlebt haben. Aber wie, das war schon heftig. Wir mussten zunächst die größte Angst überwinden, um angreifen zu können. Zu allem Überfluss hatte Ruben weiter hinten im Tunnel einen Skaven entdeckt, der sich als dunkler Zauberer entpuppte. Wir schafften es immer wieder, den Dämon zu treffen und auch der Skaven bekam Zauber von Ruben und Pfeile von Kruger ab. Die dunklen Zauber, die der Skaven wirkte, waren sehr übel, noch schlimmer aber waren die Treffer des Dämons. Wir alle trugen schwere Wunden davon, am schlimmsten traf es mich mit einem gebrochenen Arm.
Dann konnte aber Kruger erst den Skaven mit einem Pfeil erledigen und dann gab Alanus mit einem letzten Treffer dem Dämon den Rest, der sich mit einem lauten Kreischen in einer Wolke von Schwefel und Säure auflöste.
Einen kurzen Moment konnten wir durchatmen und Ruben meinen Arm versorgen. Kruger wandte sich der Leiche zu, um sie zu durchsuchen, als dieses Dreckvieh plötzlich mit einem Dolch nach ihm stieß und dabei brabbelte „Quiekschaft töten!“, glücklicherweise aber verfehlte. Alanus erschlug ihn endgültig. Ruben merkte an, dass der Dolch mit dem dunklen Wind Dhar verhext war und das Amulett, das der Skaven trug, schwer korrumpiert war. Aber ich fand einen Zettel, schwer verdreckt, aber gerade noch lesbar. Den steckte ich ein.
Die Leiche zogen wir zum nächsten Hauptkanal und überließen sie sich selbst. Dann suchten wir einen Weg nach draußen, in die Käserei wollten wir nicht zurück, und Ruben fand einen Ausgang in der Nähe der Zauberergasse. Wir gingen zu Cordelia, die wahrscheinlich nicht begeistert war, sich aber nichts anmerken ließ. Wir reinigten uns gründlich und legten uns hin.
Was war passiert? Aus dem Zettel und unseren eignen Überlegungen ergab sich folgendes Bild. Der Skaven war von irgendjemandem beauftragt worden, Herbert Harzert einzuflüstern, dass seine Frau wiederbelebt werden kann. Dafür sollte er Käse an bestimmte Personen schicken, die alle in gehobenen Positionen der Stadtverwaltung beschäftigt waren. Der Käse war mit Warpstaub versetzt und führte zu Krankheiten oder sogar dem Tod.
Harzert hatte sich zwar reichlich dämlich angestellt, war aber hier von Trauer geblendet und eigentlich ein ganz armes Licht. Das Einzige, was wir uns nicht erklären konnten, war die Zusammenarbeit des Skaven mit einem Dämon des Khorne.
Wir machten uns am nächsten Morgen alsbald auf den Weg zu Harzerts Käserei, um ihn mit der Situation zu konfrontieren. Zunächst wollte er nichts davon glauben, als er aber den Tunnel hinter der Büste und die Fressspuren des Skaven sah, brach er weinend zusammen und erzählte uns, was er wusste.
Es war damit zu rechnen, dass er als Zeuge von den Verantwortlichen getötet werden könnte. Daher rieten wir ihm, die Stadt zu verlassen, was er auch tat. Er ging auf Reisen nach Bretonia, offiziell, um neue Käsesorten wie den Bastonne Bleu zu entdecken. Sein Laden wurde derweil von seinen Nichten und Neffen geführt. Kruger erklärte sich bereit, ein Auge auf den Laden zu werfen. Die Büste und die mit Warpstaub verseuchten Käse wurden entsorgt.
Unseren Auftraggeber, Krugers alten Bekannten Thomas Grunwel, informierten wir ebenfalls. Der war glücklich, dass die Sache aufgeklärt war, wenn auch nur inoffiziell. Und so endet eine abstruse und doch irgendwie spannende Geschichte. Ich hoffe nur, dass mein Arm schnell verheilt!
Grüß unsere Eltern und Sigmars Segen
Dein Konrad



