Prolog: Die Schlacht am Amon Naugrim

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3. November 2946 D.Z.

Das Tageslicht ergoss sich durch die Ruinen des alten Tors auf unsere geschundenen Körper. Entschlossen hafteten unserer Blicke auf den zwei massiven Orks am Eingang des Gemäuers. Der Geruch des Blutes, am Boden, stach brennend in meine Nase, gemischt mit dem quälenden Gestank des verbrannten Fleisches auf den Feuern. Schmatzende Geräusche erklungen als sich unsere Körper hinter die Mauer wirbelten, doch die Schüsse prasselten bereits auf uns hinunter. Wenige Atemzüge später surrten die meinen als Antwort in die Schädel der Schützen im Turm. Der Herr Roderic stürzte Seite an Seite mit dem Zwerg auf die wartenden Orks an der Tür, während ihre Klingen aufeinanderschlugen, versuchte Herr Olvard unsere Flamme der Hoffnung zu erhalten. Die Schlacht erbrannte erneut heiß auf und die Breitschwerter der Bestien arbeiten erbarmungslos gegen die Frontkämpfer, und auch der Pfeilhagel schien schier endlos auf mich hinab zu rieseln. Ein vergifteter Pfeil durchbohrte schlussendlich meine Rüstung und verbreitet pulsierend das abscheuliche Gift in meinem Gliedern. Und auch vorne strauchelten die tapferen Krieger durch die Hiebe der Gegner.

Vereinzelt drangen verzerrte Schmerzenzschreie aus dem moderigen Turmkeller und aus den Fenstern des Turmes erkannten wir das altbekannte grünlich, kranke Leuchten…

Kaum fielen die zwei Orkkrieger, an der Tür, da drängten sich schon zwei neue auf uns zu. Einer von überragender Größe stürzte sich gleich zu Herrn Roderic, Herr Olvard und Thurim. Ich schnellte ebenfalls auf sie zu, in der Hoffnung ihren Geist mit meiner Elbenmusik zu stärken, doch vergebens. In diesem blutigen Durcheinander war es mir unmöglich zu ihnen durchzudringen, zumal mir selbst die Hoffnung hinter diesem Anblickt schwand. Erneut entflohen Schreie und das Leuchten aus dem Gebäude. Uns lief die Zeit davon.

Nach weiteren langen Sekunden fiel der kleinere Ork, mit samt des Zwerges zu Boden. Und auch Olvard musste, um der Macht eines kraftvollen Schlags zu entgehen, sich wegrollen. Gefühlt zum hundertsten Mal stach Herr Roderic auf das Biest ein, welches jedoch immer noch hartnäckig vor meinem Gefährten stand. Das war die Gelegenheit! Ich fokussierte al meine Macht in diesen letzten Pfeil, denn es wäre mein letzter gewesen, wenn wir ihn nicht jetzt in diesem Moment, vor seinem endgültigen Angriff, zu Fall bringen würden. Ich schickte den Pfeil mit dem letzten Rest meiner Kraft, wissend, dass Roderic und Olvard beim nächsten Schlag sicher brechen würden, wie bereits Thurim. ich durfte nicht verfehlen.

Und so schoss der Pfeil, mit all meiner Hoffnung sowie diesen Ängsten, von meiner Sehne auf die Kehle des Monsters zu. Sie wurde durchstochen und gurgelnd klatschte der Ork mit groteskem Blick auf die bereits roten Steine. Doch an Siegesgefühle war nicht zu denken, da die zu stark gespannte Sehne auf mich zu schnellte und mir beinahe das Fleisch von der Hand riss. Aus dem Nichts stach ein weiterer giftgetränkter Pfeil in mich und verbreitete die brennende, windende Dunkelheit in meinem Körper, bis es meine Elbenaugen traf und ich in Schwärze gehüllt zu Boden ging.

Den nun folgenden Teil erlebten meine zwei Kameraden Herr Roderic und Herr Olvard. Sie berichteten…

Die Reste der Bilwisse stoben bei der Realisation des gefallenden Anführers planlos und geängstigt davon. Den Herren Roderic und Olvard war bewusst, dass ihnen nicht viel Zeit blieb die verbliebenden Menschen zu retten, weswegen sie unsere bewusstlosen Körper an den Rand das alten Turms legten und hinunter in den eingefallenen Keller stiegen, um den Schreienden zu helfen. Als sie hastig der maroden Treppe folgten gelangten sie in einen kühlen, stinkenden Raum, in dessen Mitte ein weiterer Ork eine blutüberströmte Frau zu sich herriss und einen zackigen Dolch an ihre Kehle führte. Doch bevor der Ork auch nur eine weitere Bewegung tun konnte, flog, mit einem mächtigen Wurf, Roderics Speer auf ihn zu. Binnen Sekunden gewann die eben noch bedrohte Dame, Aldis, Abstand und lies so genug Raum für Herr Olvard, welcher sofort in eine Attacke überging. Der Ork schlug auf den Boden auf und Thora, die rotblonde Kellnerin aus dem nun weit entfernten Gasthaus, sprang aus dem Dunkeln des zerfallenden Kellers und stach auf den röhrenden Ork ein, bis er verstummte.

Die zwei Helden endeckten keine weitere Gefahr, nach diesem Ork, jedoch aber noch eine dritte Person im Keller, sowie eine ältere Leiche, im oberen Teil des Turmes. Der alte, graue Mann war, wie auch die anderen, von schweren Verletzungen gezeichnet und zudem ohnmächtig, aufgrund des Grauens und der Schmerzen. Erst später erlangte er das Bewusstsein zurück. Roderic versorgte uns alle und bewirkte sogar Wunder bezüglich des Gifts. Wir sammelten uns und Thora warf sich dankbar um den Hals von Herrn Roderic, welcher, in der ersten Sekunde, einen sehr überrumpelten Gesichtsausdruck zu erkennen gab (amüsant war dies übrigens ebenfalls) was meinerseits mit einem Zwinkern kommentiert wurde. Während unseres Aufrappelns erfuhren wir von den grauenvollen Umständen, welche die drei durchleben mussten. Sie erzählten von dem vollkommen unerwarteten Angriff auf den Drachenkopf, wie sie verschleppt wurden, als Proviant, und auch zusehen mussten, wie einige so enden mussten. Beispielsweise ein armer Fährmann und Stallknecht. Nachdem der ältere Herr mit Namen Theuderic zu Bewusstsein kam, erzählte auch dieser vom Überfall in der Schenke, bei der sein Begleiter und Neffe Lifstan ums Leben kam. Sie waren unterwegs zu König Dain und wollten mit Geschenken um die Schürfrechte einer alten Zwergenmine, im Grauen Gebirge bei Grenedun bitten.

Eines dieser Geschenke war eine alte Karte, voller Zwergenrunen, gefunden um die Gegend der besagten Silber- und Eisenmiene. Niemand konnte sie entziffern, doch wird stark vermutet, dass sie von einem alten Zwergenwachturm, wahrscheinlich versteckt im Grauen Gebirge erzählt, nahe des Gipfels Zirakinbar. Die Orks befragten Theuderic stundenlang über den vermeintlichen Turm sowie über eine Dürre Heide. Der weiße Halbork und Anführer, Magog, führte diese brutale Befragungen, doch sprach er nicht nur mit dem armen, alten Theuderic, sondern auch mit einer Leiche. Einer Leiche mit kränklich, grün, leuchten Augen, welche auf dem Titel Galgenkönig hörte. Zu alledem musste Theuderic mit ansehen, wie erneut ein Tor zur Schattenwelt geöffnet wurde, durch welches Magog trat und verschwand.

Wichtige Nebeninformationen, welche wir im Verlauf des Tages sammelten…
– Unter den Leichnamen der Orks finden sich nur welche aus dem Grauen Gebirge (die Eiserne Faust) und keine der Schwarzen Hand
– Es ist fraglich, wie die grauenvollen Geschöpfe überhaupt von den Ruinen des alten Zwergenturms wussten
Magog wirkt viel zu menschlich und klug. Zudem besteht die Frage wie es Orks möglich war ein magisches Tor zu eröffnen

Nach einer Nächtigung im Amon Naugrim, und zwei Tagen der Reise erreichten wir den Drachenkopf ohne weitere Zwischenfälle. Erneut wurde uns gedankt durch Essen, viele Worte (das ewige Willkommen sein) und einem Bett für die Nacht. Doch trotz der nun weichen Betten wanderten unsere Gedanken zu den letzten merkwürdigen, sich häufenden Ereignissen. Und so steht unser Plan fest, wir gehen zum Einsamen Berg in der Hoffnung etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

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