Der König in Rot 6 – Der Stinker platzt!

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Montag, der 9. Tag des VII. Monats im Jahre 888 nG – Im Morgengrauen brechen wir in den Alten Wald auf, um uns dem untoten Kettenscheusal zu stellen, das noch immer tief in dem Brunnen lauert, der den Zugang zu einem mystischen unterirdischen Schrein darstellt. Wir haben uns dazu entschieden, dass dem durch Nekromantie erschaffenden Wächter der Garaus gemacht werden muss, bevor sich das Monstrum befreien kann und es über Pfeilersruh herfallen wird.
Das heutige Wetter ist bereits am Morgen drückend schwül. Doch im Schatten der dichten Baumkronen des Alten Waldes ist es erträglicher. Ich setze mich an die Spitze der Gruppe, um sie auf dem schnellsten Wege zurück zum vergessenen Elfenschrein zu führen. Als wir ein ganzes Stück der Strecke zurückgelegt haben, hört Melina vor uns Knurren und Fiepen aus dem Dickicht. Dort scheinen sich mehrere Kreaturen aufzuhalten. Noch haben sie uns nicht bemerkt…
Wilbur, Krätze und ich pirschen uns vorsichtig an, während Melina einen Bogen schlägt, um sich den Kreaturen von der Seite anzunähern. Als wir die Stelle fast erreicht haben, verstummen die Tierlaute vor uns. Krätze erzeugt eine Illusion, durch die es so klingt, als würde sich nun eine Gruppe links von unserer Position auf die Kreaturen zubewegen. Wieder hören wir das hohe Fiepen, dem mehrkehliges Knurren antwortet. Dann raschelt es, einige Kreaturen bewegen sich durch das Unterholz auf die von Krätze erzeugten Geräusche zu. Wilbur und ich schleichen vorsichtig weiter, bis sich vor uns eine kleine Lichtung auftut. Im Moos sehen wir eine umgekippte Elfenstatue liegen. Dort, wo sie einst stand, befindet sich nun ein Loch im Erdboden. Und über diesem Loch hockt ein abscheulicher Fomor mit dunklem Fell, einen fledermausähnlichen Schädel und Ziegenbeinen. Er trägt die Reste einer alten Lederrüstung. Mit seinen Klauen wühlt er in dem Loch und zieht schließlich etwas Goldenes hervor, das wir aber nicht genau erkennen können. Wilbur und ich wollen nun jedoch keinen Kampf riskieren, da wir all unsere Kraft für die Konfrontation mit dem Kettenscheusal brauchen werden. Also ziehen wir uns zurück und treffen uns wieder mit Melina und Krätze.

Gegen Nachmittag erreichen wir endlich das verlassende Lager der Schatzjäger.
Jetzt trennen uns nur noch einige dutzend Meter von dem Eingang zum Elfenschrein. Wilbur, der alte Taktiker, besteht darauf, dass wir beratschlagen, wie wir dem Kettenscheusal am geschicktesten beikommen können. Da uns der untote Koloss an Körperkraft weit überlegen sein wird und seine Ketten gefährliche Waffen sind, müssen wir ihn schnell besiegen. Die vier Brandbomben, die uns Krätze gebastelten hat, werden sicher unsere effektivsten Waffen gegen das Monstrum sein. Damit wir von den Ketten des Ungeheuers nicht ins Wasser der unterirdischen Brunnens geschleudert und ertränkt werden, beschließen wir, dass wir das Scheusal aus dem Schrein nach draußen locken werden.
Um den Koloss zu reizen, will sich Wilbur in den Brunnen abseilen lassen und ihn mit Steinen bewerfen. Sobald die Kreatur aus dem Kuppelbau über dem Brunnenschacht hervorbricht, müssen wir sie mit den Brandbomben angreifen. Dazu sollen noch Krätzes magische Armbrust und Melinas Muskete zum Einsatz kommen.
Ich erhalte zwei der vier Brandbomben. Krätze inspiriert mich mit seiner Magie, damit ich die bestmöglichen Treffer gegen das Kettenscheusal landen kann. Melina legt sich in einiger Entfernung mit der Muskete auf die Lauer, um ein ideales Schussfeld zu haben. Krätze steckt unsere Fackeln in den Erde und entzündet sie. Drei unserer Seile werden zusammengebunden. Das eine Ende wird an einem Baum nahe des aufgesprengten Kuppelbaus verknotet, das andere schlingt sich der Halbling um seinen Bauch.
Ich umwickele meine Hände mit Stoffstreifen und packe zu, um ihm im Notfall schnell herauszuziehen. Wilbur wirkt noch den Zauber Eichenhaut. So gesichert, wagt er sich in den dunklen Schlund des Brunnenschachtes vor. Tief unter ihm glänzt die Wasseroberfläche trügerisch wie ein blinder Spiegel. Doch schon ein Steinwurf reicht völlig, damit das Kettenscheusal brüllend aus seinem nassen Versteck hervorbricht.
Rasch zieht sich Wilbur zurück und wir machen uns kampfbereit. Wir hören, wie sich das Monstrum schweren Schrittes nach oben arbeitet.
Krätze beschwört seine Armbrust herauf. Schon sehen wir, wie die Kreatur mit den Fäusten gegen Fäusten gegen die Steinwände schlägt, um den Ausgang zu verbreitern. Der pestilenzialische Gestank von aufgeblähten Wasserleichen quillt uns auch dem Loch entgegen. Melina gibt einen ersten Schuss ab, trifft jedoch leider nicht.
Krachend brechen Steinquader aus dem Bauwerk heraus, das Scheusal ist nun bis zu den Brustwarzen erkennbar. Brüllen drückt es sich durch die Öffnung nach draußen.
Sofort gibt Melina einen neuen Schuss ab. Dieses Mal trifft sie in den Kopf des Scheusals. Seine linke Geschichtshälfte wird zerfetzt, sein Auge platzt weg. Krätze schleudert seine Brandbombe und das Gefäß zerplatzt am feisten Leib der Bestie. Auch ich schleudere meinen Brandbombe auf das untote Konstrukt. Schon züngeln Flammen auf seinem aufgequollenen Leichenfleisch. Auch Krätzes Armbrust spuckt Bolzen auf das Scheusal. Sein Kadaverleib platzt auf. Dürren Hände schieben sich heraus und versuchen, die Wunde zu vergrößern. Wilburs Knüppel beginnt zu erglühen und er macht sich verteidigungsbereit. Der nächste Schuss von Melina bläst der Kreatur endgültig den Schäden von den Schultern. Aus dem ausgefransten Halsstumpf windet sich ein weiterer Wiedergänger. Wilbur und ich schleudern die zwei letzten Brandbomben auf das Monstrum, während Krätze einen magischen Pfeil auf den schwanken Leib abschießt.
Das kopflose Kettenscheusal brennt nun lichterloh, während sich unter seiner ledrigen Haut zahlreiche untote Leiber winden. Leichen fallen aus seinen Wunden, sie stehen ebenfalls in Flammen. Der nächste Treffer aus der Goblinarmbrust lässt den widerwärtigen Torso endgültig aufplatzen. Brennenden Untote quellen heraus, das Scheusal fällt buchstäblich auseinander und wird von der reinigenden Kraft des Feuers verzerrt.
Der üble Gestank, der als faulige, schwarze Rauchsäule in die beginnende Abenddämmerung aufsteigt, ist zum Würgen.
Doch der abscheuliche untote Wächter des vergessenen Schreins ist besiegt.
Welche magischen Geheimnisse des entschwundenen Elfenvolkes mögen tief unter der Erde verborgen auf uns warten?

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