Der König in Rot 1 – Der Archivar und das Jenseitige

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Sonntag, der 1. Tag des VII. Monats im Jahre 888 nG – Mit den ersten Sonnenstrahlen, die auf Nymians Lichtung fielen, kamen die restlichen Wechselbälger gar nicht gut zurecht. Immer wieder versuchten sie sich zu verwandeln. Manche von ihnen probierten sogar die Gestalt von Nymian anzunehemen, vielleicht um die Kontrolle der kleinen Schar an sich zu reißen. Wir konnten es nicht genau sagen. Aber schließlich und endlich blieben nur totes Laub und vertrocknete Zweige über. Die Kinderwechselbälger waren tot.

Melina war darüber sehr betrübt, sammelte die Reste der Wechselbäger ein und verbrannte sie in einem kleinen Feuer. Pell suchte sich daraufhin Joran aus, um bei ihm Schutz zu suchen. Der Krieger befragte ihn freundlich aber eindringlich, was denn bei Terence Hügel geschehen war. Der Junge sagte, dass er etwas zu essen bekommen hatte und Herr Hügel dann aber kurz verschwand. Kurze Zeit später waren wieder die Männer aufgetaucht und hatten ihn wieder an das Kreuz in der Apfelplantage verbracht. Und dann war Krätze beim Kreuz und hatte ihn losgebunden aber dann hatte er ihn dieser Frau gebracht. Der Goblin und Nymian würden unter einer Decke stecken. Uns war auf jeden Fall nun klar, dass mindestens ein Großteil von Avelten bei dieser Opferung mit ihre Finger im Spiel hatten. Troztdem konnten wir uns nicht gut vorstellen, dass auch die Mutter von Pell sehr glücklich war über diese Praktiken. Wir beschlossen also die Hütte von Pell möglichst unauffällig zu besuchen um ein ernstes Wörtchen mit der Mutter zu sprechen. Notfalls würden wir Pell mit nach Pfeilersruh nehmen und dort jemanden in Obhut geben. Wir schlugen einen Weg ein, der uns an einem See vorbeiführte. Auf dem See waren ein paar weit entfernte Fischerboote aber auch ein Waschweib. Melina konnte nicht umhin sich mit der Frau zu unterhalten, während sich die anderen schon mal zu Jeannies Hütte begaben. Wie üblich redete sich die Tischlerin um Kopf und Kragen, erwähnte dass es ja gefährliche Zeiten für Kinder wären, so dass der erst sehr angenehme Plauderton kippte und Melina eine recht argwöhnische Frau am See zurück ließ.

Unterdessen hatten wir anderen unbeobachtet die Hintertür von Pells Mutter erreicht und klopften an. Jeannie öffnete die Tür, sah ihren kleinen Pell und nahm ihn fest in ihre Arme. Beide vergossen Tränen des Glücks und der Erleichterung, dass sie sich endlich wieder hatten und der Spuk nun endlich vorbei war. Wir boten Jeannie an mit uns nach Pfeilersruh zu gehen und dort neu anzufangen, was sie bereitwillig annahm nachdem Krätze ihr eine Goldkrone als Starthilfe überreicht hatte. Während Jeannie ihr Siebensachen packte, tauchte Melina auch wieder auf. Etwa gegen Mittag ließen wir Avelten hinter uns, ohne uns weiter in diese überaus seltsame Angelegenheit einzumischen. Auf dem Weg und am ersten Lager eröffnete und Jeannie ein paar delikate Details über die Vorgänge in Avelten. Sie stammte gebürtig nicht aus diesem Dorf und hatte erst unlängst von dieser Praktik erfahren. Alle sieben Jahre wurde der Herrin des Waldes geopfert für Sicherheit und eine gute Ernte. Und dieses Jahr hatten sie sich anscheinend Pell ausgeguckt gehabt. Jeannie hatten ein paar Männer aus dem Dorf ins Gasthaus gelockt und dort in einer Kammer eingesperrt und dann sich vermutlich Pell geschnappt. Wir ersparten ihr genauere Details was sich auf Nymians Lichtung zugetragen hatte. Aber es bestand Grund zur Hoffnung, dass es die letzte Opferung in Avelten gewesen war.

Montag, der 2. Tag des VII. Monats im Jahre 888 nG – Nachmittags passierten wir den Hof von Olmor Kemp und wenige Stunden später erreichten wir Pfeilersruh. Wilbur lud Jeannie ein, einstweilen in seinem Haus unter zu kommen und irgendwie verselbständigte sich die Einladung, so dass alle sich eine kleine Ecke für die kommende Nacht beim Halbling suchten. Danach gingen wir hinüber in den derben Vogt, die Pinte von Mercurio Blanche. Mit ihrer typischen profanen Art begrüßte Mercurio uns herzlich, zauberte ein paar Reste vom gestrigen Fest auf den Tisch und setzte sich dann zu uns. Ähnlich wie in ihrem Brief, sprach sie dann über den Archivar Breyan, der nun der neue Seelsorger des Dorfes war. Laut Mercurio hatte er nicht mehr alle Tassen im Schrank und er würde immer kränker aussehen. Außerdem würde der Pfaffe immer mal wieder im dunklen Wald verschwinden und in seinem Predigten von Gespenstern und einem roten König berichten. Am besten wäre es, wenn wir ihn wieder mitnehmen würden und einen neuen besorgten. Wilbur meinte, dass er dafür nicht verantwortlich war und wenn der Bürgermeister sich darum kümmern müsste. Er hatte ja auch damals nur auf des Bürgermeisters Bitte hin beim Dom in Kreutzing vorgesprochen. Trotzdem ließ es sich der Halbling nicht nehmen nach dem Gespräch mit Mercurio auch den Archivar zu besuchen. Joran blieb zur Sicherheit in der Nähe während sich der Rest schon mal schlafen legte.

In der Tat war Breyan etwas blass um die Nase und hatte auch deutlich Augenringe, aber das Bild von ihm war nicht so schlimm wie es Mercurio gezeichnet hatte. Der ehemalige Archivar freute sich über den Besuch von Wilbur und lud ihn gastfreundlich zu sich ein. Im anschließenden Gespräch schilderte der Priester, dass es ein wahrer Glücksgriff gewesen ist, dass er nach Pfeilersruh versetzt worden war. Er hielt eine kleine Abhandlung über Magie und Göttlichkeit und dass sich die Welten hier im dunklen Wald sehr nahe kamen, ja sogar berühren würden. Er hatte eine Höhle gefunden in dem er etwas rotes gefunden hatte und das er versuchen wollte dort in das Jenseitige zu schauen. Er lud den Halbling ein mit ihm zu kommen, aber nur ihn. Joran, Melina und erst recht Krätze würden eh nicht verstehen, welch Großartigkeit in der Höhle schlummerte. Er berichtete darüber hinaus, dass er einmal in die Verlegenheit gekommen war im Wald übernachten zu müssen. Eine äußerst unangenehme Erfahrung. Breyan war seitdem überzeugt, dass es Wald Fomore geben würde.

Wilbur kam durchaus irritiert vom Archivar wieder und unterrichtete uns von eben jenem Gespräch. Natürlich würden wir die Einladung annehmen, um mal nach dem rechten in der Höhle zu schauen. Aber ebenso natürlich würde Wilbur nicht alleine mit dem Pfaffen gehen, sondern im gebührenden Abstand würden Joran, Melina und Krätze den Halbling und den Priester verfolgen.

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