Geboren um zu sterben 6 – Hochzeit mit Todesfall

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Dienstag, der 10. Tag des V. Monats im Jahre 888 nG – Meister Dreen reagierte als erstes von uns und stellte sich unter den erhängten Phrent und versuchte seinen Körper zu stützten. Auch Joran war geistesgegenwärtig und schnitt das aus einem Bettlaken improvisierte Seil rasch durch. Wilbur erspürte noch die letzten Funken Leben in Phrent, doch kurz nachdem er einen äußerst schwachen Puls festgestellt hatte, erlosch dieser vollends.

Kandess war sichtlich erschüttert und suchte Trost bei Melina und sank mit weichen Knien in Melinas Arme. Beide beobachteten wie Wilbur um das Leben von Phrent rang. Der Halbling wollte gerade schon wütend aufgeben und drosch voller Frustration auf Philippus Brustkorb ein. Unter diesem Schlag flatterten die Augen auf einmal wieder auf und hustend fragte Phrent niemanden bestimmten warum er noch lebte. Interessanterweise war just das Erwachen ihres Verlobten für Kandess zu viel, denn nun verlor sie die Besinnung. Melina nutzte die Gelegenheit und inspizierte flüchtig den Körper von Kandess auf der Suche nach Tattoos, doch sie fand nichts dergleichen. Dreen rief nach seiner Dienerschaft und gebot ihnen sich um seine Tochter zu kümmen, die darauf hin weg getragen wurde. In diesem heillosen Durcheinander ergriff Krätze die Gelegenheit unbemerkt ein paar Zauber zu sprechen. Was er feststellen konnte, das Meister Dreen wahrscheinlich ein Amulett trug, das einen durchaus potenten Schutzzauber ausstrahlte. Weiterhin trug auch Wilbur seinen klerikalen Fokus, der darüber hinaus auch einen seltsam strukturierten Zauber aus der Schule der Weissagung in sich trug. Aber was den Goblin natürlich eigentlich interessierte war Phrent. Mit dem wieder aufflackernden Lebensfunken sah Krätze ein Zaubernetz. Phrent war bezaubert worden.

Gerald Griefen, der Bedienstete für Spezialangelegenheiten, bekam von Dreen die Anweisung das von jetzt an Phrent unter Dauerbewachung zu stellen sei. Derweil entschuldigte sich Wilbur bei Phrent. Es war nicht seine Absicht gewesen ihn gestern so hart anzupacken, dass ein Suizidversuch als Ergebnis dabei heraus kam. Philippus wimmerte danach noch etwas weinerlicher. Der Halbling zog sich daraufhin zurück und Melina übernahm seine Position. Sie tröstete und fragte was denn los war und ob sie jemanden Bescheid sagen sollte, woraufhin sich Dreen vehement einmischte. Er würde der Familie Phrent über die Situation in Kenntnis setzen und niemanden sonst. Philippus hatte unter dessen wieder diesen halb-apathischen Zustand angenommen. Dennoch wollte Krätze gerne noch eine Reaktion provozieren und fragte Dreen ob es nicht vielleicht eine gute Idee sei Kandess wieder herzuholen, damit sich die beiden Verliebten gegenseitig Trost spenden könnten. Dreen allerdings gefiel der Vorschlag nicht besonders. Seine Tochter unterlag offensichtlich auch einem Schock und man müsse ihr die nötige Ruhe gönnen. Wenn es unbeding nötig wäre, könnte man sie morgen befragen. Ja, Meister Dreen tat alles für seine Tochter. WIr verließen die Villa Dreen mit gemischten Gefühlen. Es war gleichzeitig seltsam aber auch plausibel das Philippus diesen Suizidversuch unternommen hatte. Auch wenn ein Zauber eventuell im Spiel war, hielt Krätze ihn für zu schwach um eine solche Tat zu erzwingen.

Im Gegensatz zu Philippus hatten wir allen Grund zu feiern, denn sowohl das Lösegeld für Kandess als auch die gleichwertige Belohnung von Meister Dreen hatte wahrlich Goldkronen in unsere Kassen gespült. Wir gingen abermals ins Heilbutt und Borscht und ließen uns fürstlich umsorgen. Die Belegschaft staunte nachher nicht schlecht als ausgerechnet der Goblin die gesamte Rechnung übernahm. Am Tisch besprachen wir die Dinge die Wilbur im Archiv erfahren hatte und wie unsere weiteren Schritte aussehen würden. Die nächsten Wochen vergingen recht zügig mit allerlei Recherche, Observation und Kontemplation.

***

Jonas Kreucher: Wir informierten das Ratsmitglied vollständig über unsere Erkenntnisse die wir in den letzten Tagen gesammelt hatten. Da insgesamt keinerlei Beweise vorlagen riet er uns vorsichtig weiter zu ermitteln, denn wenn es um die besser gestellten der Stadt ging, könnte er sich nicht immer schützend vor uns stellen. Er berichtete, dass das Machtvakuum, das Wotan Silberzunge hinterlassen hatte, schon die ersten Konflikten in Kummer hochkochen ließ. In den folgenden Wochen hörten wir dann auch immer wieder das irgendjemand Mitglieder der Schweren Jungs umbrachte und in Kummer aufräumte. Die Bewohner des Viertels waren da eigentlich ganz glücklich drüber. Wer auch immer dafür verantwortlich war, hinterließ des Öfteren ein Zeichen. Eine Schlange, die sich selber in den Schwanz biss. Eigentlich ein Zeichen des neuen Gottes, allerdings war es an einer Stelle als zerbrochen dargestellt. Von weiteren Vermissten hatte er nichts gehört. Vielleicht hatte der Organräuber tatsächlich die Stadt verlassen.

Advokat Brünne: Mit dem Anwalt besprachen wir nochmal detaillierter, dass sein Sohn scheinbar wegen einer Mutprobe den Tod im Murrhaus gefunden hatte. Das stellte Brünne jedoch nicht zufrieden. Er wollte mehr über die Hintergründe erfahren. Er riet uns dasselbe wie Kreucher, die Ermittlungen diskret weiter fortzusetzen. Er würde nur zu gerne jemanden auf der Anklagebank vorfinden und demjenigen die Hölle heiß machen.

Caribdus: Wir versprachen uns vom Magier mehr Informationen zum Enigmastein und dem Auge der Leere und das konnte er auch zum Teil liefern. Außerdem hatte er ja noch die Gegenstände, die wir aus dem Sarkophag im Murrhaus geborgen hatten zur Begutachtung da. Die Robe war nichts besonderes. Natürlich, war es das Gewand eines Zauberers von etwa 1.70m, aber ansonsten auch nicht weiter auffällig. Der Knochenschädel war wohl dazu benutzt worden das Haus vor Ausspähung zu schützen. Weitere Unterkünfte Murrs waren dem Magier nicht geläufig, in denen man weitere Informationen hätte beschaffen können. Caribdus vermutete, dass im Sarkophag dann doch wohl eher der Organräuber gelegen hatte und der Ghul erst später dazu kam. Sozusagen als Reinigungskraft für die Hinterlassenschaften, die so ein Organraub halt so mit sich brachte. Das bedeutete, dass entweder noch jemand anderes vor Karl Brünne im Murr Haus gewesen war oder Phrent gelogen hatte. Beim Auge der Leere handelte es sich um ein machtvolles Artefakt, dem man nachsagte es wäre in der Lage den Schleier zu zerreißen und seinem Besitzer einen deutlichen Machtschub verleihen. Der Gestalt nach eine Kugel, eventuell mit einem Stab. Der Legende nach hatte die Vampirin Lucretia das Auge einst besessen. Dies deckte sich mit der Information aus dem Archiv. Zum Enigmastein wusste er, dass überall wo er aufgetaucht war Seuchen in den Städten ausbrachen. Krätze spekulierte ob der Stein vielleicht irgendwo in der Nähe des Gnadenhügels war und den Patienten dort langsam aber sicher das Leben stahl. Melina übergab an Caribdus ihren Blutstein an dem der Magier weiter forschen wollte. Auf den ersten Blick sah es so, als wäre er zwar noch magisch aktiv aber auch irgendwie kaputt. Aufs Geratewohl nach einer ominösen Insel im Düsterwasser aufzubrechen, um dort nach einer vermeintlichen Vettel zu fanden, verglich der Magier mit nach einer Nadel im Heuhaufen zu suchen.

Kandess Dreen:  Die Gelegenheit mit der Entführten zu sprechen ergab sich relativ schnell. Gemeinsam mit Gerald Griefen wurden wir von ihr empfangen. Wir fragten nach den Geschehnissen und sie gab einen umfassenden Bericht wie es abgelaufen war. Die ganze Situation war absurd, da die Schweren Jungs ja behauptet hatten, dass Dreen sie um ihren gerechten Lohn geprellt hatte. Sie errötete als wir näher darauf eingingen was denn zwischen ihr und Wotan gewesen wäre. Der Verwundete am Strand, den Melina befragt hatte, hatte ja ein eindeutiges Liedchen davon geträllert. Ohne genau darauf einzugehen ließ Kandess nun aber durchblicken, dass ein Mädchen vieles tun würde um zu überleben. Außerdem berichtete sie, dass die anderen Leute im Boot wahrscheinlich die Freunde von Phrent und ihr waren, denn Philippus war damals als erstes zu ihnen gegangen um nach Hilfe zu fragen. Anselm war dann später zu Brünne gegangen und hatte von ihm den Inhalt des Lösegeldschreibens erfahren. Wir überprüften diese Information später bei Brünne, der dies bestätigte. Wir wechselten das Thema und kamen auf das Murrhaus zu sprechen. Kandess leugnete jemals in ihrem Leben im Murrhaus gewesen zu sein. Komisch, warum hätte Philippus hier lügen sollen? Sie kannte das Tattoo von Philippus und fand es hässlich. In ihrer Freundestruppe hatten auch noch weitere ein ähnliches Tattoo, darunter Horatio und Kaetlin. Von Anselm konnte sie es nicht genau sagen. Den Tätowierer kannte sie nicht. Von Kandess erfuhren wir dann aber, dass die Hochzeit jetzt doch stattfinden würde. Der Eklat, der über dem Hause Dreen herein gebrochen wäre, wurde offensichtlich als zu gefährlich eingestuft. Dementsprechend liefen nun die Vorbereitungen für die Hochzeit auf Hochtouren. Als letztes wollten wir noch den Suizidversuch ihres Verlobten zum Thema machen, doch mit allen politischen Wassern gewaschen Kandess Dreen fingierte eine kleine Schwäche, entließ uns und ging mit Griefen von dannen. Sie hatte offenbar genug von uns.

Während des Gesprächs hatte sich Melina heraus geredet und war nach ein paar Nachfragen bei einer der Dienerin gelandet, die sich offenbar häufiger um Kandess Dreen kümmerte. Melina erfuhr auch hier, dass die Hochzeitsvorbereitungen auf Hochtouren liefen und das alles auf einmal ganz schnell gehen müsste. Über die allgemeine Beziehung zwischen Kandess und Philippus erfuhr sich nichts wirklich erhellendes, außer das Phrent im Bett wohl eher eine unterdurchschnittliche Leistung abrufen konnte.

Die Clique: Den Tipps von Kreucher und Brünne folgend wollten wir diskret unsere Nachforschungen weiter fortsetzen, doch leider trafen sich die Freunde von Kandess und Philippus nicht mehr im Trinkrauch. Die Besitzer des Restaurants beschrieben die Gäste als überaus nett und unproblematisch. Unser Versuch abermals mit Philippus zu reden werden von der Familie abgeblockt. Wir entschieden uns mehr oder weniger willkürlich für einen von ihnen und beobachten fortan Horatio Espenkamp den Sohn einer Bankhausfamilie. Die Vorsichtsmaßnahmen die die Freunde aber von da an den legten, waren nicht von schlechten Eltern. Zum einen trafen sich die Freunde untereinander nur noch selten im öffentlichen Raum. Zum anderen wurden wir in ein oder zwei Fällen tatsächlich abgehangen durch bereits wartende Kutschen oder plötzlich verschlossene Tore. Das einzige was wir mit einiger Sicherheit sagen konnten war, dass die Horatios Stimme zu der aus dem Boot auf dem Düsterwasser passte.

Meister Dreen: Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen nach dem Sinneswandel von Dreen zu fragen. Zähneknirschend gab er zu, dass die Probleme einer Hochzeitsabsage unkalkulierbar waren und er deswegen klein bei gegeben hatte. Aber offensichtlich erfreute sich Philippus nicht unbedingt bester Gesundheit und es gab so viele weit abgelegene und unwirtliche Handelsposten im Netzwerk von Dreen. Vielleicht würde die Zeit schon ihr übriges tun, dass der ungeliebte Schwiegersohn schon bald nicht mehr zu Familie dazu gehören würde. Dies ließ der Handelsmagnat in wohl überlegten Worten durchblicken.

Pater Gregorius: Wilbur kümmerte sich weiterhin um die Genesung vom verstümmelten Pater. Die Sitzungen taten diesem offensichtlich gut und so konnte eine Einlieferung in den Gnadenhügel vermieden werden. Allerdings würde der Pater wohl zeitlebens nun im Dom bleiben und dort ein einfaches Mönchsleben fristen. Die Novizin Claudia war sichtlich erstaunt über die Genesung die der Halbling vollbrachte.

Roo Sunionius Murr: Die Nachforschungen die wir anstellten brachten folgende Erkenntnisse. Im allgemeinen war es unklar wann Murr nach Kreutzing gekommen war, einzig dass er vor 300 Jahren hier gestorben war galt als sicher. Es galt zu vermuten, dass es sich bei Roo und Sunionius um Gestalten aus der Vergangenheit handelte. Roo war ein Schwertkämpfer, der die Klinge der Zerschaffung führte und vor etwa 1000 Jahren gelebt hatte. Sunionius war ein Hexer, der im gleichen Zeitraum lebte. Vielleicht waren sie sogar die gleiche Person. Unklar war ob Murr sich auf diese schillernden Personen berief, in dem er sich ebenso nannte, oder ob er eben jene Person war. Folglich hätte vor 300 Jahren irgendjemand oder irgendetwas seiner Unsterblichkeit ein jähes Ende gesetzt. Dementsprechend galt die Unsterblichkeitstheorie als nicht besonders wahrscheinlich. Sein Haus in Kreutzing war zu jener Zeit gar nicht Teil der befestigten Stadt gewesen, sondern lag damals außerhalb. Vermutlich war es aber eher ein Drittwohnsitz oder eine Zuflucht als sein Hauptwohnsitz. Es machte den Eindruck, dass es damals deutlich stärker verwunschen war, als dass es das heute war. Von der Todesnacht Murrs gab es Berichte, dass Furien ums Haus flogen und flackerndes Leuchten aus dem Haus drang. In all den Dokumenten gab es keinen Hinweis zu dem blauen Geist einer Frau den wir selber im Murr Haus erblickt hatten.

***

Freitag, der 20. Tag des VI. Monats im Jahre 888 nG – Überraschenderweise waren wir zur Hochzeit eingeladen worden. Die Einladung hatte uns vor ein paar Tagen erreicht und wir nutzten die Gelegenheit uns dem Anlass entsprechend mit Kleidung zu versorgen. Im Dom saßen wir recht weit hinten und Pater Paulus führte durch die Zeremonie. Anschließend wurde die Feier im Goldenen Schwan zelebriert. Zelte waren aufgestellt worden, um den etwa 1000 Gästen gerecht zu werden. Die engeren Vertrauten der Familie speisten natürlich im prächtigsten Saal der Stadt. Die Musiker waren exquisit und schon bald kam es zum Eröffnungstanz. Kandess und Philippus, die natürlich beide fabelhaft aussahen, verzückten die Gäste. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Wilbur tanzte mit Rena und sogar Melina ließ sich von einem Wildfremden zum Tanz auffordern. Krätze, als einziger Goblin auf der gesamten Feier, leistete dem stoischen Joran Gesellschaft, dem sich zwar Gelegenheit zum Tanz bot aber weiterhin einen geradezu spaßverneinenden Lebensstil vorzog.

Irgendwie schleichend kippte die Stimmung. Die Menge wurde nach und nach unruhig und der just begonnene Tanz verebbte. Mitten auf der Tanzfläche standen Kandess und Philippus. Es schien so als wäre die Braut auf einmal größer als ihr Gemahl. Nein es schien nicht so, es war so. Rot leuchtend flammten Kandess Augen auf. Ihre sonst liebliche Mimik verzog sich zu einer hassverzerrten Fratze. Ihre Hand legte sich um Philippus Kehle. Mühelos hob sie ihn in die Luft. Mit einem unmenschlichen Knurren brach Kandess ihrem Ehemann das Genick.

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