Prolog: Die Langen Sümpfe

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3. August 2946 Drittes Zeitalter

Nachdem meine neue Gruppe, die aus dem Zwerg Thurim, dem Bardinger Olvard  und dem Beorninger Roderic besteht, sich auf den Weg begab die zwei verschollenen Zwerge zu finden, erreichten wir eine kleine Zeltstadt zu Beginn der Abendstunden, der Ort unserer heutigen Rast. Nicht fern des hohen Wasserfalls. Bis jetzt scheint niemanden meiner Begleiter etwas Ungewöhnliches an mir aufgefallen zu sein, was auch gerne so bleiben kann, wer weiß wann sich unsere Wege erneut trennen mögen, obwohl ich doch sagen muss, dass ich schon mit schlimmeren Personen reiste.

Ganz vergessen habe ich wie viel Kraft es benötigt die kleinen Boote richtig zu leiten. Diese geringe Müdigkeit ist trotz alledem leicht zu ertragen, zumal der Zwerg, der sich offenkundig nicht einmal meinen Namen merken kann, schon bei der kleinsten Aussicht auf die Boote leicht grün anläuft… (dass er das Wasser scheut war mir jedoch schon aufgrund seines Geruchs bewusst). Nach dem langen Tag schlossen wir uns der Gesellschaft am Feuer an, teilten Lieder wie Geschichten und erhielten, nachdem man unserem Zielort und unser Anliegen erfragte, eine Warnung. Laut eines zitterigen Greises Nerulf seien die Langen Sümpfe ein verfluchtes Gebiet. Von Problemen aus dieser Gegend habe ich zwar bereits schon gehört, doch aufgrund der Reaktion all der Anwesenden scheint mir, als müssten wir auf unserem Wege besonders aufmerksam sein.

Notiz an mich: Erinnere den unfreundlichen Zwerg daran einen Kräuterstrauß für den hochbetagten Mann zu pflücken.

4. August 2946 Drittes Zeitalter

Nach einer halbwegs erholsamen Nacht brachen wir am Morgen in der Früh auf und durchzogen das Land zu Fuß für ungefähr eine Stunde. Im Licht des Tages erblickten wir den glitzernden und funkelnden Wasserfall, welcher Unmengen an Wasser mit in die Tiefe riss und mir wunderliche alte Lieder und Gedichte in Erinnerung rief. Nachdem die Boote erneut ins Wasser gelassen wurden begann nun endlich die wirkliche Reise. Am Ende des ersten Tages erreichte wir die Ausläufer des Düsterwaldes, doch mit dem Schutz des Waldes bahnen sich auch die Sümpfe wie auch zarte Nebelschleier an, die sich um den Morast wickeln. Wir beschlossen zu campieren und unser Herr Olvard macht einen trockenen, erhobenen Platz ausfindig, auf dem wir uns für eine Nacht, die ereignislos von statten ging, niederlegten.

5. August 2946 Drittes Zeitalter

Nach einem kargen ,,Frühstück” bewegten wir uns weiter in den Tunnel aus Bäumen hinein. Schnell überkam uns alle ein mulmiges Gefühl. Es ist wahrlich seltsam erneut an einem Ort zu sein wo die Geräusche praktisch verschluckt werden und alles was dann doch vom Ohre erfasst wird einen unwirklichen Klang mit sich trägt. Nur vereinzelt kämpften sich einige wenige Sonnenstrahlen durch das Dach der Blätter. Die Luft stockte und allerlei lästige Insekten plagten uns, zudem erschwerten sich jetzt auch die Wasserwege.

Zu unserem Glück blieb dann noch ein Boot in den Pflanzen des Wassers hängen. Um es wieder zu lösen mussten drei von uns ins trübe Kalte und ziehen und zerren. Kurz darauf, als alle, abgesehen von Thurim, nun triefend erneut in den Booten saßen, stieß eine Schar von Vögeln auf und zur westlichen Seite erhaschte ich, tief im Sumpfgebiet, Blicke auf Elbische Verfolger. Eigentlich habe ich momentan genug von meines Gleichen, aber gut… Bis zu Beginn der Abenddämmerung und dem Aufbau unseres Lagers blieb die Gruppe außer Reichweite. Jedoch näherten sie sich, Bögen zum Schuss bereit, mit dem Schwinden des Lichts. Meine Versuche Herr Galion, den ehemaligen Mundschenk des Königs, zu beschwichtigen wurden mit herausragender Unfreundlichkeit vom Zwerg nichtig gemacht.

Ein Glück, dass wir mit Herr Roderic reisen, der mit einem ungewöhnlichen Feingefühl unser Anliegen an meine Elben Freunde vermittelte, welches nicht einmal ich, in Anbetracht auf meine aktuelle Situation zu unserem König, aufgebracht hätte. Nach einiger Zeit entlockten wir Galion wichtige Informationen über die Zwerge, sie sollen nicht weit von hier, den Fluss weiter hinab, campiert haben. Es wird vermutet, dass sie sich ab da verlaufen haben, da keine weiteren Spuren mehr zu finden seien. Das Gesicht, welches Galion bei Erwähnung der Namen der Gesuchten machte, soll Inspiration für mein nächstes Kurzgedicht werden und den Titel verärgerter Schnösel tragen!

Nach weiterem Gefasel ließen sie uns nun endlich in Frieden und die nicht ganz so ruhige Nacht legte sich erneut über uns. Meine Wache, in dieser bestimmten Nacht, wurde nicht nur von den Gedanken an mein neues Gedicht, sondern auch von kleinen strahlenden Lichtern erhellt, welche vereinzelt, begleitet von beunruhigen Geräuschen, durch den Nebel zogen.

6. August 2946 Drittes Zeitalter

Der nächste Tag beginnt und zieht erdrückend und zäh die Stunden mit sich. Es vergeht einige Zeit, doch schließlich finden wir einen Lagerplatz, ähnlich der Beschreibung von Galion. Durch nassen, kalten Matsch tragen wir die Boote zu besagtem Ort. Die Boote… Manchmal erscheinen mir diese Boote alle irgendwie zu langweilig, immer wieder dieselben Motive ohne Abwechslung. Wie wäre es mal mit etwas Neuem! Vielleicht mal etwas was ein wirklich interessiert und zum Lachen bringt, wie z.B ein Schweinekopf anstelle eines Schwanenkopfes!?

Es scheint, als haben zwei Individuen tatsächlich hier gelagert, jedoch nicht genächtigt und Spuren führen in großer Hast fort vom Lagerort. Thurim findet an einem alten Baumstumpf ein seltsames Zwergenzeichen. Kurz darauf hält er ein in Leder umwickeltes Schmuckkästchen aus Elfenbein in seiner Hand. Das allein ist von großer Schönheit, aufgrund der aufwendigen Schnitzereien von Tieren, die das Kästchen ziert, doch im inneren findet sich ein Pergament, welches von König Dain stammt und eine goldene Kette mit einem weißen Stein beinhaltet, der das trübe Licht bricht und funkelnd zurück wirft. Thranduil besaß viele schöne Steine dieser Art, ich frage mich woher dieser hier stammt…

Plötzlich, aus dem Nichts begann Thurim mit einem grauenvollen Gekrächze. Ein Käfer soll sich in seinem Hals verirrt haben. Wahrscheinlich hätte sich das besser angehört als diese Tortur für all unsere Ohren! Raben möchte er mit diesem Klang des Grauens rufen… doch das einzige was wir darauf hin erblickten sind kränklich, seltsam verfärbte Krähen. Möglicherweise Späher des Feindes, die zusammen mit dem Bösen nie wirklich gewichen sind? Kein gutes Omen.

Wir richteten uns für die Nacht ein, da die Schatten erneut wuchsen. Und am prasselnden Feuer begann, in der uns umringenden Schwärze der Nacht, unsere Wache. Ereignislos verstrich sie, bis meine Zeit der Wache angelangt war. Südwestlich, in Richtung der Spuren erspähte, ich erneut diese weißen Lichter, zusammen mit fernen Hilferufen, die von einer tiefen Stimme zu stammen schienen.

In Sekunden bewegte sich die ganze Gruppe, unter dem grauen Himmelszelt, auf die Rufe und schließlich einen Tümpel mit kleiner Insel zu. Ohne einen Hinweis auf die Quelle der Laute stürzten wir uns ins dunkle, kalte Wasser, bis nur wenige Schritte vor uns ein riesiger, grauer Troll aus dem Schilf empor brach und sich mit grässlichem Gebrüll auf uns stürzte. Seine lederige Haut trug Wunden eines nicht so weit zurückliegenden Kampfes, doch dies war zu diesem Zeitpunkt nicht von Belang, da der Troll bereits zum Schlag gegen den Zwerg ansetzte.

Thurim, der geradeso dem Schlag der Faust auswich, ist der erste, der die Haut des Trolls zerriss. Das muss man den Zwergen lassen, in einem Kampf ist auf ihre Kraft Verlass. Auf Thurims Axthieb folgte ein gekonnter Schlag von Olvards Langschwert, welcher nur um Haaresbreite sein Ziel verfehlte. Binnen Sekunden nutzte Herr Roderic die Ausweichbewegung des von Wut entbrannten Geschöpfes und durchstach das dunkle Fleisch mithilfe seines Speers.

Just in den Moment schickte ich meinen Pfeil zu einer tragenden Sehne des Wesens. Schreie der Schmerzen und der Wut durchzogen den Tümpel, gefolgt von einer von Zorn angetriebenen Gegenattacke. Nicht lange und der Troll erkannte die Kraft unserer Truppe und setzt, schwer verletzt und mit unzähligen Wunden, zur Flucht an. Aus dem Schlamm hochreißend, immer noch benommen vom letzten Schlag, schoss ich einen letzten Pfeil, welcher, wie so viele in dieser Nacht, ihr Ziel verfehlten und den Troll entrinnen ließen. Das einzig gute ist, dass Athienel dieses bodenlose Versagen meinerseits nicht mit ansehen musste, was wäre er nur enttäuscht…

Irrlichter… darauf hätte ich kommen müssen! Natürlich ist jetzt nichts mehr von den Schreien zu hören, die uns in den Tümpel führten.

Zurück am Lager versorgt Herr Roderic die Wunden. Zuletzt zeige ich ihm meine geschundenen Arme, was Anbetracht seines ungewöhnlichen Feingefühls und der hohen Aufmerksamkeit vielleicht nicht komplett durchdacht gewesen ist…

Man gewinnt ein besonderes Vertrauen, wenn man Seite an Seite mit jemanden gekämpft hat, welches eigentlich nicht auf die Weise gebrochen werden sollte wie ich es gerade tue… Nach diesem kleinen Kampf habe ich ein gutes Gefühl was meine Gefährten betrifft. Jeder scheint eine gute Portion Mut mit sich zu tragen, welche, meinem Gefühl nach zu gehen, noch auf vielen gemeinsamen, unsicheren Wegen von großen Nöten sein wird.

Bis dahin, Fuin vaer
Laewen

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