Die Teufelsratten von Kronau VII – Tag der Entscheidung

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25. Mai im Jahre des Herrn 1733  – Kronau,
Früh morgens

Wir brachen frühzeitig aus unserer Herberge auf, um möglichst unbehelligt durch die Stadt zum Haus der Taubers zu kommen. Die Söldner stießen schon an der Herberge zu uns. Unbemerkt erreichten wir das Haus, das still da lag. Wir beobachteten es kurz, bemerkten aber nichts und schlichen zum Haus links neben dem der Taubers.

Hier kamen wir an einen unbewachten Gang, an dessen Ende wir einen zugestellten Zugang zum Keller fanden. Alles schien ruhig, so dass wir anfingen, die Kisten und Fässer zur Seite zu räumen. Die meisten Kisten und Fässer waren leer, einige Fässer waren zum Teil mit Sand gefüllt. Eines der leeren Fässer wurde aus Versehen von Don Ignacio umgestoßen, fiel um und rollte ein Stück. Wir hielten gespannt den Atem an, doch es passierte nichts. Also machten wir vorsichtig weiter und legten den Zugang bald frei. Wir gingen hinein.

Im Keller roch es muffig und abgestanden und etwas feucht. Wir sahen uns im Raum um, außer einer Tür und etwas Grobwerkzeug in der Ecke aber nichts Interessantes. Wir hörten das Quieken einer Ratte; zum Glück war es nur eine normale. Bei der Tür handelte es sich um eine normale mit Eisen beschlagene Tür. Sie ließ sich einigermaßen geräuschlos öffnen, dahinter gelangten wir in einen Gang. Von oben hörte man gelegentlich knarzende Dielen, als wenn jemand auf und ab lief. Da aber offensichtlich niemand in den Keller kam, erkundeten wir diesen weiter.

Auf dem Gang nahmen wir einen merkwürdigen Geruch wahr, den Karl als Verwesungsgeruch erkannte. Auf der anderen Gangseite war eine weitere Tür, am Ende des Ganges eine Steintreppe nach oben.

Hinter der Tür machten wir indes eine grausige Entdeckung: hier lagen etwa ein Dutzend Leichen. Wir sahen Uniformen von Stadtwachen, Bürger aus dem Armenviertel und auch eine Leiche eines besser gekleideten Bürgers. Karl schätzte, dass die Menschen hier höchstens ein bis zwei Tage tot waren. Alle wurden mit Messern ermordet, manche mit Schnitten durch die Kehle, andere mit Messerstichen. Warum mussten die alle sterben? Wir wussten es nicht- noch nicht.

Eine oberflächliche Untersuchung der Leichen förderte bei dem besser gekleideten Toten eine schwarze Feder aus der Hemdtasche. Das bestätigte uns, dass die Taubers keine Rücksicht auf die Schwarzfedern nahmen. Roland sprach noch ein Gebet für die Toten, dann verließen wir den Raum.

Don Ignacio schlich nach oben und versuchte die Tür zu öffnen. Diese war verschlossen, doch gelang es ihm, das Schloss leise zum Knacken und die Tür zu öffnen. Durch den geöffneten Spalt vernahm er Schritte, offensichtlich lief jemand auf und ab. Hinter der Tür befand ein Gang mit zwei Türen an den Seiten, von denen ein offen stand und zwei Türen an den Stirnseiten, Haus- und Hintertür.

Don Ignacio versuchte, zur offenen Tür zu schleichen, als die Schritte die Treppe hochgingen, wurde aber offensichtlich gehört. So tönte denn eine Stimme aus dem Zimmer: „Karl, bist du das?“. Schnell schlich er zum Treppeneingang zurück und verbarg sich dort. Heinrich war ihm inzwischen gefolgt. Der Mann, dem die Stimme offensichtlich gehörte, folgte nach einem weiteren Ruf nach Karl Don Ignacio und bog um die Ecke. In diesem Moment stieß ihm Don Ignacio sein Messer in die Kehle und gleichzeitig hieb ihm Heinrich seine Hellebarde in den Rücken. Zu überrascht, um noch schreien zu können, brach der Kerl zusammen. Doch weitere Wachen waren alarmiert; aus dem Obergeschoss kamen zwei weitere Personen die Treppe hinab. Heinrich, Roland und Don Ignacio wollten den Gang herunterschleichen, wurden aber sofort bemerkt. Die erste Wache rief „Alarm!“ und zur anderen Wache gewandt: „ruf Verstärkung!“. Die zweite Wache machte sofort kehr und rannte nach oben.

Diesem rammte Heinrich seine Hellebarde in die Seite, so dass er die Treppe hinabstürzte. Die erste Wache konnte zwar einen Schuss abgeben, wurde aber von Roland und Don Ignacio getötet. Die zweite Wache lag röchelnd am Fuße der Treppe und bekam von Roland den Gnadenstoß.

Wir untersuchten die drei, alle trugen Falter-Symbole. Die Durchsuchung des Hauses ergab nichts. Hier handelte es sich nur um einen Beobachtungsposten für das Haus der Taubers; im Erd- sowie Obergeschoss gab es jeweils einen Posten mit Blick auf die Straße sowie das Haus der Taubers. Ansonsten schien das Haus lange leer zu stehen. Aber im Obergeschoss fanden wir noch eine Dachluke, die wir benutzten.

Das Dach des Tauber-Hauses war nur gut zwei Meter entfernt und mit einem Sprung gut zu erreichen. Auch dieses Dach hatte eine Dachluke. Allerdings waren die Dächer eher klein, so dass nicht alle dort stehen konnten. So sprangen zunächst Don Ignacio, Roland und Heinrich hinüber und öffneten leise die Luke dort. Drinnen war es leer und dunkel. Die drei betraten das Zimmer, während Karl, ich und die Söldner nach und nach folgten.

Das Zimmer, dass wir betraten, sah auf den ersten Blick wie ein Schlafzimmer aus; an den Wänden standen mehrere Betten. Es war hier völlig zugedreckt und roch auch nicht gut. Außer den Betten und eine Tür auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes gab es hier nichts. Dachten wir zuerst, als die ersten Gestalten aus Verstecken unter den Betten und durch die Tür stürmten! Wir waren unaufmerksam und in einen Hinterhalt geraten.

Zumindest waren wir im richtigen Haus. Bei den Kreaturen, die sich auf uns stürzten, handelte es sich um ein Dutzend Rattenwesen sowie sechs Rattenmenschen. Die erste Welle der kleinen Rattenwesen können wir schnell auslöschen, es folgt aber noch ein weiteres Dutzend. Aber vor allem die sechs Rattenmenschen machen uns schwer zu schaffen und erst nach einem harten Kampf können wir sie besiegen. Leider überstehen wir das nur mit größeren Verletzungen, dabei stehen uns garantiert noch weitere Kämpfe bevor. Aber erst einmal atmen wir durch.

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