Die Teufelsratten von Kronau VI – Das Pendel schwingt zurück

Schreibe eine Antwort

24. Mai im Jahre des Herrn 1733  – Kronau
Abends

Nach dem Kampf lagen nun ein Dutzend Leichen vor uns, darunter die drei Werratten, die sich langsam wieder zurück verwandelten. Nachdem Karl die Wunden von Heinrich und Roland verbunden hatte, nahmen wir die Räumlichkeiten näher in Augenschein. Hier war alles vergammelt und verrottet, ein Priester hatte hier sicherlich schon viele Jahre nicht mehr gewirkt. Kein Wunder, dass in diesem gottlosen Viertel Teufelsratten gezüchtet wurden! Denn genau solche fanden wir in der Sakristei: kaninchengroße Ratten mit rotleuchtenden Augen und mit Pestbeulen überzogen. Widerwärtig. Hätte Roland Brandbeschleuniger dabei gehabt, ich glaube, er hätte hier alles abgefackelt und ich hätte ihn nicht abgehalten.

Außer den Rattenkäfigen, 50 an der Zahl mit jeweils zwei bis vier Ratten darin, fanden wir einen großen Tisch vor, auf dem Karten ausgebreitet waren. Und wir sahen Tafeln an den Wänden, die mit sehr groben Zeichen bemalt waren. Im Gegensatz zu den Karten, die unter anderem die Stadt und die Katakomben zeigten. Diese Karten waren hochwertig. Das alles hier bestätigte, was wir schon von draußen gehört hatten, heute Nacht sollten die Handlanger hier über die unterirdischen Wege Rattenkäfige in der Stadt verteilen und die Ratten dort freilassen. Vor allem, das konnten wir den Karten entnehmen, in westlichen und nördlichen Vierteln, in denen die wohlhabenden lebten und unter anderem Garnison und Rathaus beheimatet waren. Das alles sah generalstabsmäßig geplant aus und passte nicht zu den Handlangern hier vor Ort.

Bei ein paar der Handlagern fanden wir tätowierte Falter-Symbole ebenso auf den Karten. Offensichtlich war dieser Plan auf dem Mist der Nachtfalter gewachsen. Warum, das war uns noch nicht klar.

Des Weiteren gab es hier noch eine Treppe in den Keller und dort einen Einstieg in die Katakomben und einen Sack mit mehreren Phiolen Engelsmilch, von denen wir ein paar einsteckten.

Roland und Don Ignacio ließen es sich nicht nehmen, die Ratten zu töten; das war sicherlich auch besser so. Wahrscheinlich konnte man problemlos neue züchten, aber das sollte den Feind ein paar Wochen zurückwerfen.

Dafür hörten wir, nachdem wir die Karten eingesteckt hatten, draußen Geräusche, genauer gesagt Schritte. Da es mehrere Personen zu sein schienen und wir noch angeschlagen waren, zogen wir uns in die Katakomben zurück wo wir uns dank der Karte gut orientieren konnten.

Wir nahmen den schnellsten Weg zum „Greifen“, wo Roland erst einmal seine schweren Verletzungen verband und Karl einige Tränke braute. Danach legten wir uns schlafen.

24. Mai im Jahre des Herrn 1733  – Kronau
Gaststätte „Zum Greifen“

Wir schliefen erst einmal aus und berieten, was weiter zu tun war. Mittags beehrte uns Maximilian von Freyberg mit seiner Anwesenheit. Wir berichteten, was wir gefunden haben, was ihn einerseits erfreute, die unmittelbare Bedrohung war ausgeschaltet, andererseits aber auch erstaunte, wie eine solch großangelegter Plan unbemerkt von allen in der Stadt umgesetzt werden konnte.

Er berichtet uns, dass die Apotheker schon Gegenmittel nach den Plänen des Doctors brauten. Vielleicht wussten die Planer der Rattenplage dies und wollten deshalb die Ratten loslassen, bevor ein Gegenmittel in größerer Menge zur Verfügung stand.

Wir waren überzeugt, dass die Taubers hinter all dem steckten. Doch verfügten die Familie wohl über etliche Bewaffnete und wahrscheinlich noch mehr Werratten, die für uns alleine sicherlich zu viele wären. Offiziell konnten die von Freybergs natürlich nichts unternehmen, aber eine Söldnertruppe stand zur Unterstützung bereit. Bis zum Abend, so sagte Maximilian zu, konnte er sie bereitstellen.

Wir wandten uns nun wieder der Kirche zu, wo ja noch weitere Gestalten aufgetaucht und denen wir zunächst ausgewichen waren. Es gab hier eine Versammlung, die wir belauschten und von deren Gespräch wir ein paar interessante Dinge erfuhren. So sollte eine Gruppe von Jägern gesucht werden, die in einem der Gasthäuser wohnte, die alle im Viertel des „Greifen“ lagen. Offensichtlich war man auf uns aufmerksam geworden. Außerdem sollten noch weitere Handlager angeworben werden. Bevor wir entdeckt wurden, zogen wir uns wieder zurück, vorerst hatten wir genug erfahren.

Wir gingen zurück zum „Greifen“ und berieten uns kurz. Da gedungene Schergen auf uns angesetzt waren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch wussten, dass wir im „Greifen“ logierten, waren wir uns schnell einig, dass wir das Quartier wechseln mussten. Wir informierten den Wirt und ließen Maximilian von Freyberg eine Nachricht zukommen.

Wir packten schnell unsere Sachen und suchten eine neue Bleibe, möglichst unauffällig. Überzeugt, dass uns das gelungen war, mieteten wir uns in einem gemütlichen Gasthaus mit Namen „Zur Wachtel“ ein. Selbiges befand sich in einer Seitengasse im Stadtzentrum und genügte unseren Ansprüchen.

Wir planten, mithilfe der Söldner, die uns die von Freybergs zur Verfügung stellen wollten, in das Anwesen der Taubers einzudringen. Da die Söldner ja frühestens gegen Abend eintreffen sollten, wollten wir bis dahin die Zeit nutzen und das Anwesen auskundschaften.

Dort angekommen, verbargen wir uns im Schatten einer Seitengasse, um das Haus unauffällig beobachten zu können. Das Haus war auf der Rückseite direkt an die Stadtmauer gebaut. Auf der einen Seite schloss sofort das Nachbarhaus an, auf der anderen Seite des Hauses befand sich ein kleiner, ummauerter Hof. Das Haus selbst war zweieinhalb geschossig und hatte ein flaches Dach, das wahrscheinlich problemlos bestiegen werden konnte.

Wir prüften die Karte aus der Kirche, konnten aber für das Haus keinen Zugang über die Katakomben finden. Die Eingangstür sowie Seitentüren waren alle verschlossen und sämtliche Fensterläden verrammelt. An den Seitentüren lungerten ein paar Bewaffnete herum und uns fiel auf, dass aus dem Kamin kein Rauch kam. Don Ignacio warf sich seinen unauffälligen Umhang über, um unbemerkt näher an das Haus zu kommen. Doch etwas Interessantes konnte er nicht entdecken, das Haus wirkte wie ausgestorben.

Wir standen eine Weile unschlüssig herum, als sich doch etwas tat: die Seitentür öffnete sich und heraus trat ein rattengesichtiger Kerl, der Medizinmann, mit einer Kiepe auf dem Rücken, der von zwei Jungen begleitet wurde. Wir folgten den dreien, doch das stellte sich als Zeitverschwendung heraus. Die drei blieben ab und an vor einem Haus stehen, der Kerl drückte einem der Jungen Eine oder mehrere Phiolen in die Hand und der Junge gab diese beim Haus ab. Nachdem sie einige Häuser abgeklappert hatten, kehrten sie in eine Kneipe ein.

Wir kehrten zurück zur „Wachtel“ und berieten, wie wir am besten vorgehen sollten. Wir einigten uns darauf, am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang zuzuschlagen, da wir hofften, dann das größtmögliche Überraschungsmoment zu haben. Die Söldner, deren Anführer ein Veteran namens Ludwig Schütz war, sollten uns eine Stunde vor Sonnenaufgang in der Nähe des Anwesens treffen. Bis dahin wollten wir uns ausruhen.

Print Friendly, PDF & Email

Teile diesen Beitrag

0 0 vote
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments