Nebel des Grauens II

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Anfang Mai im Jahre des Herrn 1733  – Jakobsheim, Baden

In der Nähe abseits im Sumpf liegt ein Friedhof, wo früher die Angehörigen derer von Freyberg begraben wurden. Der Friedhof ist wohl aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Benutzung und liegt brach. Auf diesem soll die Leiche des Barons einst bestattet worden sein.

Zu eben diesem Friedhof führt uns Siegfried, nachdem wir uns in seinem Gasthaus kurz gestärkt haben. Es ist dunkel und der Weg in den Sumpf ist beschwerlich. Er liegt zwar ruhig, ist aber nicht ungefährlich; es gibt größere Wasserflächen, die Siegfried alle umgehen kann. Nach kurzer Zeit kommen wir an eine Senke. Die Senke misst etwa 500 Meter im Durchmesser und in ihrer Mitte erhebt sich ein bewaldeter Hügel. Die Senke ist voller Nebel und eine gespenstische Stile umgibt uns. Siegfried berichtet, dass der Friedhof oben auf dem Hügel liegt. Karl sieht auf der Hügelspitze Licht, es scheinen Feuer entfacht zu werden. Wir sind uns schnell einig: wir müssen uns beeilen, dort hoch zu kommen!

Wir gehen durch den Nebel, der uns nach kurzer Zeit bis über den Kopf steht; die Sichtweite beträgt vielleicht fünf Meter, sodass wir nah beieinander gehen. Nach etwa zehn Minuten wird der Untergrund fester, der Nebel lichtet sich und wir erreichen den Hügel. Wir folgen einem kleinen Pfad durch die Bäume Richtung Hügelkuppe als ich ein Geräusch wahrnehme: es klingt wie die Untoten im Dorf, die wir erschlagen haben. Michel erklärt sich bereit, voraus zu schleichen und die Gräber aufzuklären.

Nach kurzer Zeit kommt er wieder und erzählt uns folgendes: an der Hügelkuppe hört der Wald auf und ein rostiger, verfallener Zaun begrenzt den eigentlichen Friedhof. Ein paar verfallene Krypten und einige Fackeln sind zu sehen, die die Gräber beleuchten. Dadurch sieht man auch etwas deutlich Unangenehmeres, was bei der gruseligen Szenerie nicht leicht ist: bis zu ein Dutzend Moderleichen wanken gurgelnd herum. Vor einer der Krypten stehen zudem drei gerüstete Skelette. Aus dieser Krypta ist ein deutliches Lachen zu vernehmen. Der Haderlump Geron scheint sein unheilvolles Machwerk schon begonnen zu haben. Kurz darauf hört man ein lautes Krachen, als schwerer Stein auf Stein kracht.

Wir beeilen uns, der Weg ist ungefährlich und wir können unbemerkt bis zum Friedhof gelangen.

Motiviert von unseren bisherigen Erfolgen gegen die Mumien greifen wir mutig an. Anfangs läuft es gut, wir ringen einige der Moderleichen nieder. Doch einerseits entpuppt sich eines der Skelette als harter Gegner und andererseits macht uns die Übermacht der Leichen arg zu schaffen. Zu allem Überfluss kommt nach kurzer Zeit eine Mumie aus der Krypta. Diese trägt den Umhang und den Hut Gerons, sieht ansonsten fürchterlich aus und faselt irgendetwas von „Rache“. Mit unserer Vermutung, dass Geron seinen Vorfahren erweckt hat, liegen wir wahrscheinlich ziemlich nah an der Wahrheit.

Leider teilt diese abscheuliche Kreatur auch noch kräftig aus und obwohl Siegfried uns eine Hilfe ist, tragen wir etliche Wunden davon. Nun taucht auch Geron selbst aus der Gruft auf. Er nutzt merkwürdige Worte und malt Zeichen in die Luft, die wir als Hexerei bewerten. Er scheint damit einige von uns geistig beeinflussen zu wollen. Wir entscheiden uns zu einem taktischen Rückzug und können den langsamen Leichen glücklicherweise entkommen.

Wir begeben uns schnellstmöglich zurück ins Dorf. Uns ist klar, dass die Rache der Mumie das Dorf treffen wird. Wir hoffen hier auf eine bessere Verteidigungsposition und wollen so viele Leben wie möglich retten. Wir läuten die Kirchenglocken und rufen den Bewohnern zu, dass sie in die Kirche laufen sollen. Viele sind verwirrt, leisten uns aber folge. In der Kirche verrammeln wir alles, als in der Stadt auch schon der erste Nebel aufzieht. Um die Kirche herum stellen wir ein paar Fackeln und einige der Dorfbewohner haben sich mit Äxten und Forken bewaffnet.

Ich eile in den Turm, um einen besseren Überblick zu haben. Im Turmzimmer stolpere ich fast über Bruno; er sitzt hier, verwirrt und sichtlich mitgenommen. Er stammelt, dass der Tod des Pfarrers ein Unfall war und er nichts von den finsteren Machenschaften Gerons wusste. Als sich die ersten Leichen erhoben, sei er geflohen. Ich glaube ihm das und will ihn überzeugen, dass er gegen die Untoten kämpft. Offensichtlich treffe ich die richtigen Worte, er greift sich einen Knüppel und rennt nach unten.

Der Nebel im Ort wird dichter und wir hören einen Schrei aus der Stadt. Wir haben wohl nicht alle Bewohner in die Kirche lotsen können. Der Nebel wird stärker. Wir hören schwere, schlurfende Schritte und dann steht die Mumie in Begleitung einiger Leichen vor der Kirchentür. Die Mumie schlägt die Tür mit einem Schlag ein und dringt in die Kirche ein. Wir greifen sofort an und versuchen, uns zwischen die Dorfbewohner und die Mumie zu drängen. Karl bewirft sie mit einer Öllampe, was sofort Wirkung zeigt. Die Mumie gerät in Brand, der immer stärker wird. Mit vereinten Kräften, die Dorfbewohner mit Bruno und Siegfried ringen die Leichen nieder und wir die Mumie, gelingt es uns, alle Untoten zu beseitigen. Leider hat die Kirche durch das Feuer etwas Schaden genommen. Der Nebel zieht sich zurück und es kehrt Ruhe ein. Geron allerdings lässt sich nicht mehr blicken.

Wir erholen uns zunächst und wollen dann tagsüber die Krypta untersuchen. Irgendetwas scheint Geron mit der Faust-Gesellschaft zu tun zu haben, die hier vor kurzem durchgezogen ist. Deren Ziel war Kronau, dass zwischen Jakobsheim und Waldenau liegt. Das wäre dann unser nächstes Ziel. Michel verabschiedet sich leider von uns, Familienangelegenheiten ziehen ihn nach Norden.

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