Ein Goblin mehr oder weniger III

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Thestos

Wir hörten die Rufe und hastigen Schritte schnell in der Dunkelheit verschwinden. Ich schmeckte das Blut in meinem Mund, spuckte aus und sah mich um. Der Kampf war vorbei, die Schläger hatten einen blutigen Preis für den Hinterhalt gezahlt, den sie uns gelegt hatten. Allerdings sah auch unsere kleine Gruppe nicht mehr taufrisch aus. Ebenso wie ich selbst, hatten auch die Anderen einige Hiebe einstecken müssen, einzig Frode schien wie durch ein Wunder mit heiler Haut davongekommen zu sein. Dennoch bot er keinen sonderlich aufmunternden Anblick, wie er splitterfasernackt und von Kopf bis Fuß mit Schmutz und Blut bespritzt  und vor Kälte bibbernd in der Dunkelheit stand. Wir untersuchten schnell die Leichen der gefallenen Angreifer, bargen das Wenige, was sie an Wertvollem bei sich hatten und humpelten zurück in besser beleuchtete Teile der Stadt, nachdem wir Frode eilig einen Umhang übergeworfen hatten.

Da er darauf drängte zunächst seine Kleider zu holen, kamen wir natürlich in der Taubengasse vorbei, wo sich uns neuerlich ein unerfreulicher Anblick bot. Die Tür von Peddars Haus stand einen Spalt offen und ein Schimmer Licht fiel durch den Spalt. Als wir der Sache nachgingen, fanden wir einen übel zugerichteten und völlig verängstigten Peddar im Inneren, der zu allem Überfluss auch noch Yussuf für einen der Übeltäter oder gar für deren Auftraggeber hielt! Seine nächtlichen Besucher hatten ihm wohl „Grüße von Yussuf und den Mondkindern“ ausgerichtet, bevor sie ihn sich vornahmen. Eine Finte, keine Frage, aber doch keine üble Idee für jeden, der uns in Misskredit bringen will, um uns Steine in den Weg zu legen. Zum Glück konnten wir Peddar davon überzeugen, dass Yussuf weder mit den Mondkindern, noch mit dem Angriff auf ihn etwas zu tun gehabt haben konnte, sodass wir schließlich gemeinsam aufbrachen, um die Vorfälle auf der Wache bei Weibel Maatsen zu melden. Der Mann nahm die Sache zu Protokoll, legte die Anschuldigungen gegen Yussuf aber erst at acta, nachdem Cordan und ich in dieser Sache für ihn gebürgt hatten. Ich bin noch immer überrascht, wieviel ein mickriger Adelstitel oder eine niedere Kirchenposition hier im Norden zählen, aber zweifellos macht der fast schon sture Obrigkeitsglauben der Festumer uns das Leben manches Mal leichter.

Nachdem nun der offizielle Teil erledigt war, lenkten wir unsere Schritte in die Taverne Zur Elchschaufel, wo wir Gelegenheit erhielten, mit Deschda zu sprechen, der Verlobten von Nikol. Leider, wenn auch nicht unerwartet, erbrachte das Gespräch nichts wirklich Neues für uns, sodass wir endlich in die Betten fallen und unseren wohlverdienten Schlaf bekommen konnten.

Cordan

Der neue Morgen erwachte und ich machte mich zum Rondratempel auf, um dort mit Adjutant Jegor Andrastar zu Festum über die Ereignisse zu sprechen und vielleicht etwas über die Bedeutung und Tragweite der von uns gefundenen Neunfingrigen Klaue herauszufinden. Leider erbrachte das Gespräch nichts Neues, denn dass es sich um ein Kor-Symbol handelte, wussten wir ja bereits. Noch immer etwas in Gedanken versunken verließ ich das Gebäude und traf bald darauf auf den kleinen Groink, der mir, wie ich gestehen muss, inzwischen ein wenig ans Herz gewachsen ist. Ich bete zu Rondra, dass es nicht die Eitelkeit ist, der ich hier aufsitze, denn der kleine Goblinjunge legt inzwischen schon fast so etwas wie Verehrung für meine Person an den Tag. Nun, jedenfalls trug mir mein hässlicher kleiner Freund die Bitte an, ich solle sogleich mit den Männern seiner Sippe sprechen. Wie er sagte weigerten sie sich nun gänzlich zur Arbeit zu gehen, da sie alle – und wer könnte es ihnen verdenken? – um ihr Leben fürchteten. So folgte ich dem Jungen durch die Gassen der Stadt, während er eilig vor mir herlief.

Perjin

Am Morgen erwachte ich recht früh, weil ich unter der Bettdecke vor Kälte zitterte. Das Feuer in dem erbärmlich kleinen Kamin meines Zimmers musste schon vor Stunden erloschen sein und meine geschundenen Glieder haben sich noch immer nicht an die Kälte dieses Landstriches gewöhnt. Ohne dass ich ausdrücklich nachgefragt gehabt hätte, meldete mir mein Körper, welche Teile noch alle vorhanden waren. Leider tat er das durch Ziehen, Reißen und Zwicken, jedenfalls durch unschöne Schmerzen, die von den zahlreichen Hieben des Vorabends herrührten. Ich verfluchte mein Pech, war mir aber zugleich bewusst, dass Gror mir bereitwillig wiedergeben würde, was Rur mir so grausam genommen hatte. Das Glück, so sagt man, ist schließlich mit dem Tüchtigen und über einen Mangel an Tüchtigkeit und Tatendrang, hat sich bei mir noch niemand beschweren müssen. Nach dem Frühstück mit den Anderen im Schankraum machte ich mich sogleich auf, um mit dem Tetrarchen zu sprechen. Kaum dass ich Neu-Jergan betreten hatte, da folgten mir auch schon die unvermeidlichen Schatten durch die engen Gassen. Bald schon trat Vasim auf mich zu und erkundigte sich nach meinem Begehr. Da ich keine Zeit vergeuden wollte erklärte ich ihm, mein Anliegen und nach den üblichen Sicherheitsvorkehrungen erhielt ich Einlass.

Wie immer verstand es Mulziber von Jergan, viele schöne Worte um die harten Fakten zu weben, doch ich konnte mit ihm einen Handel schließen: Er würde mir die gewünschten Informationen über Bandenaktivitäten in dem Viertel, wo sich unsere Ermittlungen konzentrieren liefern und ich ihm dafür Informationen über die Mondkinder. Ein fairer Tausch, scheint mir. Andererseits gibt es ein Sprichwort das besagt: „Wenn du glaubst, du hättest einen guten Handel mit einem Maraskaner Tetrarchen abgeschlossen, dann zähl zuerst deine Finger, dein Geld, dann deine Freunde und Verwandten und wenn alles stimmt, dann heure sofort einen Vorkoster an!“ Nun ja,wir werden sehen, wie schön die Welt wirklich ist,

Yussuf

Das Frühstück war von der landesüblichen Art. Mit anderen Worten, die Straßenköter in den ärmsten Gassen meiner Heimatstadt hätten es entrüstet verschmäht! Diesem Land, so kann ich nur wiederholt feststellen, mangelt es in jederlei Hinsicht an Geschmack! Wo sind die wunderbaren, ausschweifenden und blumigen Komplimente in den Gesprächen? Wo das harte aber dennoch immer respektvolle und freundliche Feilschen auf den Märkten? Und wo sind nur, bei allen zwölf Göttern, die köstlichen, süßen, herrlichen Früchte des Südens, welche Leib und Seele zu erquicken verstehen?! Und wo, oh wo nur sind die tausend Gewürze, die den Speisen erst ihren wahren, köstlichen Duft und lieblichen Geschmack verleihen und der Zunge und dem Gaumen ein Feuerwerk an Aromen bieten, von denen man noch zehren kann, wenn es bereits Zeit für das nächste Mahl wäre? Welcher Dschinnensohn aber ist auf den Gedanken gekommen, Getreidekörner platt zu klopfen, in kaltem Wasser kurz aufquellen zu lassen und das Ganze dann zu einem schleimigen, oft gar noch mit Salz verdorbenen Brei zu zerkochen, welcher dem nichtsahnenden Gast dann in unschönen Holzschüsseln – oder noch schlimmer: in flachen Tischmulden –  lieblos als Frühstück vorgesetzt wird?!

Das mag ja ein Essen für einen Übeltäter im Kerker sein, aber diesen grauen, widerwärtigen Brei einem hochverehrtem zahlenden Effendi vorzusetzen, würde sich in Aranien oder sonstwo im Süden kein Gastwirt erdreisten! Eher würde er sich die rechte Hand abhacken lassen, als den Ruf seiner Küche mit derlei Unrat zu beschmutzen. Schließlich also brach ich unter einem bleigrauen Himmel und nicht in bester Stimmung auf und verließ das Gasthaus.

Auf der positiven Seite betrachtet kann ein Tag, der auf solche Weise begonnen hat, nur besser werden und tatsächlich konnte ich ein Treffen mit Großherzog Jucho von Dallenthin und Persanzig arrangieren. Schließlich ist da noch die offene Sache mit der unsäglichen Thorwalertrommel und Jucho machte mir das Angebot, jedem von uns fünfzig Batzen zu zahlen, der das vermaledeite Ding verschwinden lassen würde. Seine Hilfe in dieser Sache ist uns gewiss. Ich sagte ihm zu, dass ich mit den richtigen Leuten sprechen würde, um die Dinge in Bewegung zu setzen und verließ, nun deutlich besser gelaunt, das Viertel. Ob ich Perjin überreden kann, mir in dieser Sache zur Seite zu stehen? Immerhin sind, sagen wir, dreißig Batzen, die uns der Großherzog versprochen hat, doch eine schöne Summe. Cordan und Thestos mit ihrem Ehrenfimmel brauche ich sicher nicht zu fragen, aber vielleicht erklärt sich Frode ja bereit, uns zu helfen. Zwanzig Batzen sind schließlich eine schöne Summe, nicht wahr?

Thestos und Frode

Auf mein Betreiben hin besuchten wir noch einmal Spinola, diesen für meinen Geschmack etwas zu aufgeblasenen horasischen Schnösel, um mit seinem Goblin-Dienstmädchen zu sprechen. Ich erhoffte mir davon, noch etwas mehr über die hiesigen Goblins zu erfahren, vielleicht Beziehungen zwischen ihnen zu erkennen oder ob die Ermordeten alle im selben Teil der Kanalisation gearbeitet hätten, aber unglücklicher Weise blieb alles Bemühen ohne Erfolg. Soweit ich es später berichtet bekam, war Cordan unterdessen auf der Suche nach Hinweisen auf Verwicklungen der beiden faulsten Wachen Festums in die Morde. Da Stane und Uriel sich offenkundig alle Mühe gegeben hatten jeden noch so offensichtlichen Mord als Unfall abzutun, könnte es schließlich sein, dass dies nicht auf ihr notorisches Drückebergertum zurückzuführen war, sondern dass diesmal tatsächlich ein Plan dahinter steckte und man ihnen Geld zugesteckt hatte, damit sie alles vertuschten. Nur zu gerne hätte ich diese beiden Ausgeburten dummdreister Faulheit persönlich in Ketten zum Pranger geschleift, aber leider war auch Cordan nicht mehr von Phex gesegnet als Frode und ich. Warum auch? Rondra war numal nicht der Fuchsgott.

Dann aber kam endlich doch noch Bewegung in unsere Ermittlungen. Von der ansässigen Wäscherin Haneke erfuhren Frode und ich, dass der auf Handelsreise geglaubte Händler Stanko Ilmeroff doch zu Hause sei. Also beobachteten wir sein Haus und hatten das Glück, praktisch sofort eine junge Frau aus seiner Tür kommen und eilig die Straße hinab verschwinden zu sehen. Das schien mir unsere Chance zu sein, den merkwürdigen Umständen näher auf den Grund zu gehen und ich bat Frode, der Gestalt unsichtbar zu folgen. Eilig verschwand der hoch aufgeschossene Thorwaler in einem nahen Gebüsch und während ich der Frau weiter folgte und dabei den müssigen Spaziergänger mit seinem Hund gab hoffte ich, dass er kurz darauf unsichtbar die Verfolgung aufnahm. Tatsächlich muss ich der misstrauischen Frau bereits aufgefallen sein, als Frode mich kurz darauf unsichtbar ansprach, doch nun konnte ich ja guten Mutes die allzu offensichtliche Verfolgung abbrechen und ihm alles Weitere überlassen.

Frode

Bei allen Alvaraniern und dem großen Swafnir selbst, warum muss Festum so kalt sein und warum bei den Niederhöllen muss ich in letzter Zeit immer nackt und unsichtbar auf Verfolgung gehen?! Vielleicht hätte ich dieses spezielle Talent meiner bescheidenen Person besser nicht so bereitwillig vor meinen Gefährten zur Schau gestellt. Wann erforscht ein gewitzter Magus endlich einen Unsichtbarkeitszauber, der es nicht erfordert sich eine derartige Blöße zu geben und dabei auf so unangenehme Art den Elementen auszusetzen?

Doch sei es drum, ich eilte die von Thestos und der Frau zuvor eingeschlagene Straße entlang und erreichte den Zyklopäer nach kurzer Zeit. Er bedeutete mir, wo sich die Frau gerade befinde und nun sah ich sie ebenso, während Thestos die Verfolgung abbrach und in eine Seitenstraße bog.

Eines muss man der Unbekannten lassen: Sie war aufmerksam und höchst misstrauisch. Immer wieder blickte sie verstohlen über ihre Schulter oder blieb an einem Stand stehen und sah kurz die Gasse hinunter in meine Richtung. Sehen konnte sie mich natürlich nicht und so führte sie mich am Ende mitten hinein in das unsäglich stinkende Gerberviertel und dort wiederum zu dem vermutlich einzigen Ort, der noch schmutziger war als das Viertel selbst: Eine Taverne mit dem Namen Sonnenschein.

Mit meinem sprichwörtlichen Geschick schaffte ich es, unbemerkt in die Taverne zu gelangen und einige Gesprächsfetzen zwischen der Frau und einigen äußerst dubios anmutenden Spießgesellen aufzuschnappen. Söldner schienen es zu sein und nach allem, was ich hörte, waren sie im Begriff irgendjemanden mit großer Überzahl angreifen zu wollen. Unglücklicher Weise musste ich mich dann jedoch eilig entfernen, da ich spürte, wie meine astrale Kraft sich rasch dem Ende neigte und zudem einer der Trottel aus der Küche, schließlich doch meine lehmigen Fußabdrücke im Schmutz des Küchenbodens entdeckt hatte. Eilig floh ich hinaus und entwischte ungesehen in die verwinkelten Gassen, jedoch wurde ich bald schon wieder sichtbar und war nun, zu meinem Leidwesen, nackt und allein mitten im Gerberviertel. Jede der Gestalten, die ich das Unglück hatte hier bisher erblicken zu müssen sah aus, als würde sie ihre eigene Mutter für die Aussicht auf eine warme Mahlzeit oder ein paar Kupfermünzen eigenhändig in die Sklaverei verkaufen, also unternahm ich große Anstrengungen, trotz meines doch recht wehrlosen Zustandes nicht aufzufallen.

Zu meinem Glück und dem Leidwesen eines Bettlers konnte ich selbigen seine Kleider abpressen, nachdem ich ihm androhte ihn sonst zu verprügeln. Zwar dauerte mich der arme Kerl etwas, aber der große Fisch frisst nun einmal den kleinen Fisch, so ist das im Leben nun mal. In Lumpen gehüllt aber und mit fliegenden Schritten entging ich knapp den finsteren Gestalten, die mich in jenem Viertel sogleich als wehrloses Opfer erkannten und auf mich zu strebten. Erst als ich die stinkenden Gassen hinter mir gelassen hatte und ich wieder zu Atem kam, wurde ich meine Verfolger endgültig los. Noch immer schnellen Schrittes machte ich mich auf den Weg zurück zur Taubengasse.

Thestos

Als Frodes barfüßige Schritte sich entfernt hatten, kehrte ich zu Ilmeroffs Haus zurück. Dass der Mann etwas zu verbergen hatte war nun klar und ich hatte vor, diesen Kerl sogleich zur Rede zu stellen nachdem ich nun einmal wusste, dass er im Hause sein musste. Mindestens wegen Behinderung der Ermittlungen konnte ich ihn drankriegen, soviel war sicher, sogar wenn sich sämtliche anderen Vorwürfe als haltlos erweisen sollten.

Die Stärke des Rechts und das Recht des Stärkeren in meinem Rücken wissend, klopfte ich also energisch an seine Tür und verlangte Einlass. Als trotz wiederholter Aufforderungen zu öffnen nichts geschah, drohte ich schließlich an, die Türe einzutreten, sollte er nicht umgehend öffnen. Ich schickte mich gerade an ebendies zu tun, als ich von hinterrücks angesprochen wurde, was ich denn da tue. Die beiden Herren Dumm  und Nutzlos, oder, wie sie sich selber nennen, Stane und Uriel, waren schließlich auf dem Plan erschienen, um sich doch mal wieder in ihrem Zuständigkeitsbereich blicken zu lassen. Sie forderten mich auf mein Unterfangen sofort aufzugeben, schließlich könne ich doch nicht einfach die Tür eines unbescholtenen Bürgers aufbrechen.

Am liebsten hätte ich ihnen gesagt, sie könnten mich gerne kreuzweise am Arsch lecken oder  – noch besser – versuchen mich aufzuhalten, doch statt dessen erklärte ich ihnen, dass es begründeten Verdacht wegen Behinderung von amtlichen Ermittlungen gebe. Unnötig zu sagen, dass die beiden Strohköpfe auch weiterhin auf ihrer Meinung beharrten, doch als sie schließlich damit drohten das Ganze sofort zu melden und mit Verstärkung wieder zu kommen, da konnte ich nicht anders, als ihnen ins Gesicht zu lachen und sie höflich zu bitten, genau das zu tun. Und sie sollen auch noch den Weibel Maatsen mitbringen, wenn sie schon einmal dabei seien. Die Entrüstung ins Gesicht geschrieben rückten die Beiden schließlich ab und ich machte mich nun energisch ans Werk, die Türe einzutreten. Nach einigen wohl gesetzten Tritten brach das Schloß, die Tür aber blieb zu. Offenbar hatte man einen schweren Balken von innen vorgelegt, oder etwas sehr Schweres davor gerückt.

Cordan

Ich hatte gerade beschlossen zurück zur Taverne zu gehen und dort nach meinen Freunden zu suchen, als das Gespräch mit Groink eine unerwartete Wendung nahm. Der Junge hatte Vertrauen zu mir gefasst und nun seinen ganzen Mut zusammengenommen um mir zu sagen, dass wir Urmeg vielleicht nach den Goblins befragen könnten. Urmeg, der einzige der Goblins, dessen Leiche man nie gefunden hatte! Er lebte als noch und versteckte sich irgendwo! Ohne zu zögern ließ ich mich von Groink zu ihm ins Gerberviertel führen, wo Urmeg sich in einer armseligen Hütte versteckt hielt. Anfangs war der Erdpelz zu Tode erschrocken als er mich sah, aber zum Glück beruhigte er sich schnell wieder, nachdem Groink ihm versicherte, dass man mir trauen könne und ich dort sei, um zu helfen.

Es brauchte nicht lange um das Puzzle zusammenzusetzen. Ilmeroff steckte hinter der ganze Geschichte. Er war es, der die Goblins ermorden ließ. Bei seiner Arbeit hatte Urmeg eines Tages zufällig in der Kanalisation einen Kellerzugang zu Ilmeroffs Haus entdeckt und war „zum Saubermachen“ hinein gekrochen. Prompt hatte man ihn entdeckt und den erdfarbenen Goblin  vergeblich versucht in den Kanälen zu verfolgen und zu töten. Schließlich hatte der übereifrige Rattenfänger die vielen Strohlager und Unmengen an Vorräten gesehen, die Ilmeroff in seinem Keller hortete. Ich schlussfolgerte, dass der Mann möglicher Weise einen Aufstand anzetteln wollte. Zumindest führte es nichts Gutes im Schilde, soviel war klar.

Die Halunken im Keller jedoch hatten nur einen erdfarbenen Goblin fliehen sehen, der ihre Pläne verraten konnte. Das musste neu für sie gewesen sein, ebenso wie auch wir von der ungewöhnlichen Farbe der Erdpelzens überrascht gewesen waren. Während wir jedoch wussten, dass es sich um eine ganze Sippe handelte, hatten die Söldner sicher zunächst angenommen, es handele sich nur um eine Laune der Natur und hatten den nächsten  unglücklichen Erdpelz ermordet, der ihnen über den Weg lief. Auch als sie erkannten, dass es mehr als einen Goblin mit erdfarbenem Pelz gab, änderten sie ihre Strategie nicht. Irgendwann würde man schon den Richtigen erwischen und um das Verschwinden von Goblins, würde niemand in der Stadt viel Aufhebens machen. Zudem hatten sie das Glück, dass ausgerechnet Stane und Uriel mit dem Viertel betraut waren, diese beiden Schandflecken in den Rängen der Stadtwache.

Doch an dieser Stelle verließ Phexens Gunst die Übeltäter, als wir mit den Ermittlungen in Sachen des Mordes an Albin Sewerski betraut wurden und unweigerlich über die Goblinmorde stolperten. Urmeg erklärte mir, dass es einen Zugang durch die Kanalisation zu verschiedenen Häusern unter der Taubengasse gäbe und erklärte sich bereit, mich auf schnellstem Wege dorthin zu führen. Dort, so hoffte ich, würde ich entweder meine Freunde im Viertel vorfinden, oder würde ihnen mittels eines Botenjungen eilig eine Nachricht zukommen lassen können. Ich war jedoch nicht wenig überrascht, als ich die versammelte Mannschaft zusammen bereits in den Kanälen unter der Straße antraf, wo sie durch den Einsturz im verlassenen Haus eingedrungen waren. Ich hatte keine Zweifel dass Rondra uns gewogen war und leitete. Schließlich konnte solches Unrecht nicht einfach ungesühnt bleiben und hier waren wir nun und schickten uns an, die Übeltäter ihrer gerechten Strafe zuzuführen.

Urmeg bedeutete uns, wo man in den Keller von Ilmeroffs Haus eindringen konnte und tatsächlich war dort ein gemauerter Durchbruch zu sehen. Dahinter lag eine schmale Passage, vor die man einige Fässer und Kisten geschoben hatte. Die Schurken waren jedoch immerhin nicht so dumm gewesen, den Zugang ganz ohne Vorsichtsmaßnahmen zu belassen, wie Yussuf bald schmerzhaft feststellen musste, als er eine unter Lumpen versteckte Bärenfalle auslöste. Sein Schmerzensschrei musste das ganze Haus alarmiert haben und kaum, dass wir uns kurz umgesehen und eine Treppe nach oben gefunden hatten, erschien auch schon ein Mann mit gespannter Armbrust im Anschlag oben auf der Treppe. Der Kampf hatte begonnen.

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