Ein Goblin mehr oder weniger IV

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Thestos

Der Kampf entbrannte zunächst auf der Treppe zum Keller, doch schon bald waren Cordan und ich mit einiger Gewalt in das Erdgeschoss vorgedrungen und gerieten dort durch eine Übermacht mehrerer Söldner in Bedrängnis. Zum Glück jedoch bot der Raum keine Möglichkeit uns zu flankieren und so konnten wir uns der Schurken erwehren.

Indes sahen sich Frode, Perjin und Yussuf im Keller eigenen Problemen ausgesetzt, denn zu ihrem Verdruss waren alsbald Geräusche aus den Tunneln der Kanalisation zu vernehmen und es tauchten auch von dieser Seite etliche Schurken auf. Wer zuerst auf den Gedanken kam den Durchgang mit Fässern und allerlei Möbeln zu versperren, das weiß ich nicht zu sagen, aber kurz entschlossen packten die drei zu und versperrten auf diese Weise den unteren Zugang zum Haus. Leider schlossen sie damit natürlich auch für uns diesen Rückzugsweg, aber das Eindringen weiterer Söldner zu verhindern, musste in diesem Moment oberstes Ziel sein.

Wie sich herausstellte, hatten unsere Mitstreiter keinen Augenblick zu früh reagiert, denn alsbald wurden Brandsätze von außen gegen die hölzerne Barrikade geschleudert, steckten diese in Brand und zwangen die unten Verbliebenen, sich schleunigst ins Erdgeschoss zu flüchten. Einzig Yussuf machte Anstalten einen vernagelten Kohleschacht zu öffnen und dort hinaus zu fliehen, doch musste er sein Ansinnen aufgeben, da ihm Kraft und Werkzeug fehlte, sein Vorhaben in der Kürze der Zeit in die Tat umzusetzen. Also begab auch er sich schließlich über die bereits stark verqualmte Treppe nach oben.

Dort waren inzwischen noch einige weitere Widersacher aus einem Nebenraum aufgetaucht und bedrängten Cordan und mich, doch unser kampferprobter Rondrianer hatte zweifellos die taktische Erfahrung, um mit einer solchen Situation fertig zu werden, sodass mir der Mut nicht sank. Und tatsächlich wurde ich nicht enttäuscht. In einem Moment ficht Cordan noch an meiner Seite, doch schon im nächsten Augenblick drängte er mit einem geschickt angetäuschten Vorstoß seine Angreifer zurück, sprang mit einem Satz in den Nebenraum, in dem er den oder die Anführer der Bande aufgrund ihrer Kommandos und Rufe wusste und schlug sogleich die Tür hinter sich zu.

Was dann genau passierte kann ich nur vermuten. Es dauerte aber nicht lange, da hörte man Kampfeslärm von drinnen und dann wurde mit einem mal die Tür wieder aufgerissen, Cordan schlüpfte rücklings hinaus, während er sich mit dem Schwert in der einen und der Ogerschelle in der anderen Hand die Angreifer vom Leib hielt. Kaum aber dass er aus dem Raum hinaus war, da schlug er auch schon wieder beherzt die Türe zu und rammte den Stiel seiner Ogerschelle als Sperrriegel so zwischen Türgriff und Rahmen, dass die Türe unmöglich mehr von innen zu öffnen sein würde. Zwar hörte man noch eine Zeit lang die vergeblichen Bemühungen und Flüche der drinnen Eingeschlossenen, doch dann mussten sie ihre Versuche aufgeben und es klirrte Glas, als sie schließlich, vermutlich auch der Drahtzieher der Bande, Stanko Ilmeroff, durch das Fenster flohen. Nicht jedoch, ohne vorher auch dort noch Feuer zu legen.

Indes hatten Perjin und ich unser Bestes getan, um die Zahl der Feinde auszudünnen, doch waren wir nach wie vor in einiger Unterzahl. Mit Cordans Hilfe aber, konnten wir nun einen Anführer ausmachen: Eine Kriegerin, die sicher schon einige Schlachten gesehen haben musste. Wenn wir sie würden ausschalten können, dann zögen sich die Anderen sicherlich zurück, denn Söldnerpack ist nicht gerade für seinen Kampfesmut bis zum bitteren Ende bekannt. Vielmehr wird ein Söldner rechtzeitig das Weite suchen, um seine sauer verdienten Batzen später noch ausgeben zu können.

Genau so kam es. Kaum dass die Anführerin nach einigen schweren Hieben zu Boden gegangen war, da verloren unsere Widersacher mit einem Male ihre Kampfeslust und traten eilig den Rückzug an. Wir ließen sie laufen, hatte es doch keinen Sinn, die Schmuggler noch weiter zu verfolgen. Ihre Schmuggelware brannte lichterloh und das Haus wurde auch bereits ein Raub der Flammen. Uns blieb also nichts anderes übrig, als ebenfalls das Gebäude schleunigst zu verlassen. Während wir draußen nach Luft rangen und wieder zu Atem kamen, brach jedoch Yussuf mit Tränen in den Augen zusammen und begann zu unser aller Erstaunen bitterlich zu weinen. Als Frode und Perjin ihn fragten, was denn los sein, da offenbarte er uns mit einem einzigen Satz das Wesen seiner tiefsten Seele.

Unter Schluchzen brachte er mit gequälter Stimme hervor:“Das arme Gold!“

Natürlich war der Brand bereits aufgefallen und es strömten Leute mit Eimern  herbei um zu löschen, oder zumindest um ein Übergreifen des Brandes auf andere Häuser zu verhindern. Wir wurden hier nicht mehr gebraucht, also machten wir uns umgehend auf und erklärten in der Garnison bei Weibel Olfried Maatsen die Lage. Nach wie vor jedoch war dieser auch weiterhin nur an der Aufklärung des Mordes an Albin Sewerski interessiert, wir konnten ihn aber dahingehend beruhigen, sollten wir doch im Anschluss sogleich den Schuldigen von unseren Freunden, den Erdpelzen, erfahren. So kam es, das unser nächstes Ziel unsere braun bepelzte Goblinsippe war, wo wir auch sogleich Einlass fanden.

Erneut gab es eine Audienz mit Tantchen Manriischa und wir konnten zur Freude aller die Schuldigen und die Umstände der Goblinmorde aufklären. Dass der für tot gehaltene Goblin Urmek inzwischen wieder aufgetaucht sei, war ohnehin bereits zu Tantchen Manriischa durchgedrungen. Wie vereinbart erhielten nun auch wir unsere Belohnung: Den Namen des Mörders. Jedenfalls dachten wir das. Statt dessen sagte Manriischa uns, wir sollten am heutigen Abend zu Haneke der Wäscherin gehen, dort würde dann der Mörder zu finden sein.

Natürlich fanden wir uns alle pünktlich ein und warteten. Schließlich erschien ein Mann namens Vadim Grumperow. Er überreichte uns eine ungeöffnete Nachricht, deren Inhalt er offenkundig nicht kannte. Dort stand zu lesen, der Überbringer sei derjenige, den wir suchten. So setzten wir den völlig überrumpelten Vadim fest, der sogleich begann alles abzustreiten und zu lamentieren. Als kurz darauf ein zweiter Mann auftauchte, der sich Kolja nannte und beteuerte, er könne bezeugen, dass Vadim der Mörder sei, da wurde mir schlagartig klar, dass uns ein Sündenbock ausgeliefert worden war. Entsprechend grummelte mir der Magen als wir den zappelnden Vadim zur Garnison schleppten und dort dem Weibel präsentierten.

Oh, wie wurde mir unwohl in meiner Haut, hätte ich doch nur zu gerne angemerkt, dies sei am Ende wohl nur ein Sündenbock und man müsse auch weiterhin nach dem Mörder suchen! Auch Cordan warf mir einige Seitenblicke zu, in denen sich Widerstreben mit Ratlosigkeit mischten, doch was konnten wir schon tun? Ich ließ es mir jedoch nicht nehmen anzumerken, die Umstände seien etwas undurchsichtig und bedürfen weiterer Untersuchung, doch in bin mir sicher, dass Dank des „Zeugen“ Vadim wohl für lange Zeit im Kerker verschwinden wird, wenn nicht gar ein schlimmeres Schicksal seiner harrt.

Nun, wir machten uns nachdem alles gesagt worden war auf den Weg zurück zur Taverne, wo ich den schalen Nachgeschmack dieses halbseidenen Geschäftes mit einigen Krügen Bier hinunterspülen musste, bevor ich zubett ging und auf ein besseres Morgen hoffte.

Perjin

Die Anstrengungen des Tages hatten auch mich kräftig gefordert und es verlangte mir einige Kraft ab zu lächeln, als ich Vasim in der Taverne erblickte, der dort offenbar auf mich wartete. Er bedeutete mir, ihm zu folgen, ein reicher, wichtiger Mann wolle mich sprechen. Ich straffte mich innerlich, holte tief Luft und ging in Gedanken versunken hinter Vasim schlanker Gestalt durch die inzwischen im Dunkeln liegenden Gassen Festums. Ich war nicht verwundert, als er mich zum teuersten Hotel der Stadt führte, dem Hotel Zur Quelle.

Dort verließ er mich, doch man führte mich hinein und zu einem blonden Mann mit Hakennase, welcher in seiner teuren Kleidung und mit seinem jovialen Lächeln bei mir den Eindruck einer gut gelaunten Maraskantarantel hinterließ. Sein name, zumindest nannte er diesen sei Joost ter Siveling. Kein Zweifel, ich wurde soeben gewogen und bewertet. Das wurde mir nicht erst klar, als er mich fragte, ob ich rote und weiße Kamele spielte. Er wirkte nicht enttäuscht, als ich verneinte, wäre da nicht für einen winzigen Augenblick dieses Zucken des Lides und ein winziges Herabfallen des Mundwinkels gewesen. Seine Freundlichkeit und Gastfreundschaft blieben davon jedoch völlig unbeeinträchtigt.

Mit ein paar Sätzen erklärte er mir die Regeln und wir begannen zu spielen. Eine Weile plauderten wir dabei belangloses Zeug, dennoch war ich auf der Hut nach Fangfragen. Schließlich aber kam er zum Punkt. Er habe einen Auftrag für mich, zumindest wenn ich so gut sei, wie mein Ruf es vermuten ließe. Und mein Fürsprecher, dachte ich bei mir und dankte stumm dem Tetrachen Mulziber von Jergan. Der Mann hatte nun aber meine volle Aufmerksamkeit. Ich setzte meine größte Karawane und schloss so eine neue Strecke, die mir viele Punkte bringen würde.

Vielleicht war in Festum nun doch noch etwas Geld zu verdienen.

Einen Augenblick schaute er auf das Spielfeld und verlegte dann eines seiner Kamele.

         „Dieser Auftrag kann euch berühmt machen, wisst ihr? Allerdings werden euch weder Geld noch gute Worte vor dem Henker bewahren können, solltet ihr scheitern.“

Seine Spielfigur blockierte geschickt eine meiner wichtigsten Handelsrouten.

         „Allerdings ist auch die Belohnung königlich“, sagte er leutselig und lächelte jovial.

Meine letzte Spielfigur verdrängte ihn aus meiner Route. Er hatte nicht aufgepasst, ich würde mit einem knappen Punktevorsprung gewinnen.

         „Einhunderttausend Batzen könnten schon bald euer sein und natürlich die von euch so dringend gesuchten Informationen über euren Vater.“

Ich blickte auf und spürte, wie ein alarmierendes Kribbeln sich in meinem Nacken ausbreitete. Ich starrte ihn an. Hatte ich mich verhört?

Er aber blickte gelassen zu mir herüber und nickte kaum merklich.

Dann senkte er mit einer flüssigen Handbewegung seine letzte Figur ins Zentrum meiner Handelswege.

„Einhunderttausend Batzen für die Beseitigung von Großherzog Jucho von Dallenthin und Persanzig.“

Ich hatte verloren.

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